Nach dem Frühstück ein Bummel durch das Geschäftsviertel der Stadt. Eigentlich ist hier überall Geschäftsviertel. Die Vielfalt beeindruckt. Kleine Läden, Fachgeschäfte, dazwischen Schneidereien, Handwerker, Garküchen, Imbissbuden und Restaurants. Ich muss mich regelrecht durch das Gewusel kämpfen. Und es gibt noch richtige Kaufhäuser. Viele auf einmal nebeneinander so wie bei uns früher Karstadt, Kaufhof, Hertie und Horten. Aber auch hier sind die Zeichen der Zeit unübersehbar. Es gibt Personal ohne Ende. Hinter jeder Glasvitrine stehen sich drei vier Angestellte die Füße platt. Alibaba das chinesische Amazon boomt.
Die Bürgersteige draußen sind mit Werbefiguren buchstäblich vollgeknallt. Triumphbögen an den Eingängen, Comic-Figuren die den Passanten zuwinken, überall blinkt es und besonders nervig: Pausenlos werden die Kunden von künstlichen Stimmen förmlich zum Kauf gedrängt. In Endlosschleife. Ein Kaffee hier in Ruhe trinken. Mission Impossible.
Im Hotel ein wenig ausruhen. Am Blog arbeiten. Leider kann ich mich mit dem Laptop nirgends einloggen. Ich zweifele auch daran ob WordPress hier funktioniert. Also in word vorschreiben und später übertragen.
Gegen 14 Uhr zieht es mich zu dem Drei Drachen Tempel der zweiten herausragenden Sehenswürdigkeit der Stadt. Soweit komme ich aber nicht, denn neben dem Hotel liegt ein Park dessen Größe und Schönheit ich schon aus dem dreißigsten Stock bewundern konnte.
Ich werde nicht enttäuscht. Eine Seenlandschaft strukturiert das riesige Gelände. Zierliche Brücken, kleine Tempelmitten im Wasser, Blumenbeete exotische Bäume. Überall kleine Sitzecken. Männer hocken tiefgebeugt über einem Brettspiel, Mütter schauen ihrem Nachwuchs beim Spielen zu, Jogger drehen ihre Runden. Irgendwo steht ein Riesenrad, eine Gartenbahn lädt die Jüngsten ein, Runden zu drehen. Die ganze Anlage wirkt in meinen Augen unfassbar aufgeräumt. Kein Schnipsel Papier auf der Erde, keine zerstörte Bank, keine zerbrochene Glasscheibe. Fast zu perfekt.
Ich höre Musik und entdecke eine Gruppe von etwa zehn Männern und Frauen an einem der Seen. So eine Art Oldie Club von Offenbach. Die meisten sind in meinem Alter. Sie treffen sich zum Karaoke. Ein Mikro und eine Box genügen. Abwechselnd treten sie ans Micro. Schmettern und Schmachten mit Herz und Schmerz. Irgendwann kommt der Erste auf mich zu. Keiner spricht die Sprache des anderen und Englisch ist auch keine Option. Nach und nach gestikuliere ich mit allen in der Gruppe. Die üblichen Fragen halt: Kinder, Verheiratet, wo kommst Du her. Bei Leuten die Musik lieben, klappt die Verständigung eigentlich immer. Nur weigere ich mich zu singen. Ich will hier in guter Erinnerung behalten werden. Es ist schon dunkel und kalt als ich mich auf den Heimweg mache.