Frankfurt
Der Flug war ziemlich ruhig. Trotzdem konnte ich nur die erste halbe Stunde schlafen. Immerhin so zehn CDs von meinem MP3 Player höre ich mal wieder am Stück. Ja und schade um die Landung – wegen der Aussicht von einem Fensterplatz ohne Fenster. Ich kann durch so einen Mini-Schlitz an meinem Vordermann vorbei durch seine Scheibe lugen. Von unserem Haus, dem Kickers Stadion, der Traglufthalle Rosenhöhe wären wunderbare Bilder bei schönstem Wetter möglich gewesen. Schade.
Frankfurt Airport wie immer. Driss und lange Wege. S-Bahn 15 Minuten Verspätung steht auf der Anzeigentafel, dann 20 Minuten. Als sie kommt, fährt sie nicht bis Hanau sondern soll in Offenbach Ost enden. In Niederrad steige ich aus, denn jetzt wird das Ziel des Zuges plötzlich nach Frankfurt (Süd) verlegt. Ich muss mich bei Bahn und rmv nicht umgewöhnen.
Zuhause: Rucksack in den Flur, ein Blick quer über die Post und dann Jetlag rausschlafen.
Resümee
So kurz nach der Rückkehr ist es sehr früh für eine Bilanz. Vieles in mir muss sich noch setzen. Sechs Wochen und zwei Tage sind eine lange Zeit. Ein Kontinent, fünf Länder, mindestens ebensoviele Klimazonen, zahlreiche Städte und Begegnungen: im Bus, in der Bahn auf dem Schiff. Meist nur flüchtig. Trotzdem viele Beobachtungen über die ich noch lange nachdenken werde.
Die letzten fünfzehn Jahre bin ich quer durch die Welt gestromert. Viel Südostasien, Vietnam, Laos, Myanmar, Thailand und China. Dazu Südafrika, Saudi Arabien, Libanon und Jordanien. Und dann jeden Meter mit dem Zug oder der Fähre von Portugal bis Singapur. Außerdem zwei- oder dreimal USA. Die banale Frage „was die Welt antreibt?“ kann ich heute noch weniger beantworten als im Jahr 2010.
Panama, Peru, Chile, Argentinien und Uruguay: ich habe versucht in den Alltag der Menschen einzutauchen. Bin mit ihnen über Stunden, einmal waren es 17, im Bus oder Zug gefahren. Anstrengend. Manchmal platt. Deutlich platter als vor 50 Jahren. Aber im Gegensatz zu früher: am Ende jeder Etappe konnte ich mit meiner Kreditkarte in irgendeinem schnicken Mittelklassehotel einchecken. Je platter der Körper, desto besser das Hotel.
Mit Matthias Schulze Boeing (SB) habe ich während der Tour öfter gechattet. Er reist im Herbst nach Buenos Aires, trifft sich hier mit einer Wissenschaftlerin die über den Abritsmarkt forscht, speziell über den informellen Arbeitsmarkt von dem sie annimmt, dass bis zu 50 Prozent der Menschen in den Ländern die ich besucht habe, tätig sind. Überspitzt: eine Form von Tagelohn. Männer stehen an Parkplätzen um für ein paar Pesos Autos zum nächsten freien Platz zu lotsen, Leute die vor den Geschäften fegen, Geldwechsler, Träger an Taxisständen die gegen ein Tipp den Rucksack in das Taxi heben und und und. In allen Ländern die ich besucht habe, stehen unglaublich viele junge Leute auf den Straßen. Warten auf Godot. In Buenos Aires und Montevideo, aber auch in Santiago schlafen unheimlich viele Menschen auf der Straße. Zum Glück sind hier die Straßen nicht ganz so dunkel wie in Indien, wo ich über die Menschen gestolpert bin.
Drogen sind ein anderes Problem. Wohl gerade in Montevideo. Es sind, so ist zu lesen, wohl preiswert hergestellte chemische Drogen. Es gibt eine Menge Junkies die dort relativ aggressiv betteln. Klar: wenn der nächste Trip noch nicht finanziert ist. Es ist schon kein schöner Anblick wenn man an einem Tisch vor dem Laden einen Kaffee schlürft und nebenan in einer Hofeinfahrt ein körperliches Wrack sich selbst vollkotzt oder pinkelt.
Auf der anderen Seite: der Sicherheitsapparat ist gewaltig. In Buenos Aires und in Lima steht in den Vierteln die Safe sind quasi vor jedem Block ein Team. Dazu gibt es noch jede Menge Security, quasi vor jedem Eingang, vor jedem Laden, drinnen an der Kasse. Das will finanziert sein. In vielen Vierteln sind die Gebäude von hohen Zäunen umgeben. So mit allerlei Stacheldraht und scharfen Dochten auf der Spitze. In den Käfigen werden dann auch die Autos geparkt. Ein anderes Indiz, das zur Obacht mahnt: wenn Leute gehäuft ihren Rucksack vorne tragen.
Es fällt auf, dass die Sicherheitsmaßnahmen dort besonders ausgebaut sind, wo so der untere Mittelstand wohnt, also Leute die sich gerade so über Wasserhalten können. Es ist auch interessant aus dem Zug oder oder Bus zu beobachten wie mit zunehmender Entfernung von den Metropolen die Sicherheitsarchitektur durchlässiger wird, bis sie fast ganz verschwindet. In den Zentren vieler Kleinstädte ist es kein Problem nach Mitternacht zu bummeln. Man trifft Frauen, die dann immer noch ihren Schoßhund ausführen, ältere Menschen die einen Schwatz halten oder sieht, dass Gegenstände in den Autos liegen. Letzteres ist in den Großstädten ein Nogo, wenn man sein Auto am nächsten Morgen ohne eingeschlagene Scheibe aufschließen möchte.
Aber die eigentliche Frage über die ich auch mit SB gechattet habe: Warum scheinen die Wachstumschancen zwischen Südamerika und Südostasien so ungleich verteilt.



































































































































