Montag geht es weiter: Richtung Süden, um die Anden zu überqueren. Bis Chillan nehme ich den Zug. Aber die Fahrkarte fehlt noch. Kann ich im Internet kaufen, Ist aber vielleicht keine so gute Idee. Wenn ich zum Bahnhof fahre, teste ich schon mal alle Eventualitäten bei der Anfahrt und kann nach dem Zug fragen.
Der Bahnhof von Santiago soll das Paradies für Taschendiebe sein. Entsprechend groß ist das Aufgebot an Security und Polizei.
Ich sehe zwei offene Schalter und eine endlos Schlange, die von den Guards bewacht wird. Ich frage eine Bahn-Menschen wo ich mich anstellen müsse. Er führt mich zu der Line Links. So nach einer Stunde bin ich dran oder wäre dran.
Ich habe mir extra eine Zettel geschrieben: am 9. März, 7.40Uhr nach Chillan, Fensterplatz. Aber Madam hinter der Scheibe schüttelt nur den Kopf. Nicht hier und erzählt mit irgendwas auf Spanisch. Ich bin stinkig und bleibe einfach stehen. Sie gibt nach und ruft einen Kollegen der mich zu einem Schalter auf der anderen Bahnhofsseite bringt. Hier keine Schlange. In 30 Sekunden habe ich mein Ticket.
Ein Bild von der Station noch…
…mit der Metro zurück zum Präsidentenpalast. Gedenken an Allende
Neuer Tag neues Obst. Das finde ich am Urlaub so toll. Genüsse werden möglich, die zuhause nur mit Mühe herbeigezaubert werden können. So eine Obstschale ist ein Beispiel. Man kann den Inhalt der Schüssel ja nicht einzeln kaufen und in großen Mengen bleiben die Früchte selten frisch.
Meine erste Station ist heute ein Park. Die vielen kleinen Cafés hier waren mir gestern auf der Rundfahrt aufgefallen. Aber sie sind heute früh leider zu. Immerhin so ein Streetfood Wagen hat auf. Es reicht für einen Kaffee. Ich schaue auf die Hochhäuser nebenan. Ein „Reichen-Viertel“, mit dem Attribut „Super“. Die Straßen wie geleckt, Regionalmarkt am Mittwoch, direkter Zugang zum Golfplatz. So vor sechzig Jahren begannen Privilegierte den Landstrich zu bevölkern. Einst stand hier eine Hazienda. Soweit keine interessante Geschichte bis die linke Regierung von Salvatore Allende gewählt wurde. Die hatte die Idee, hier Wohnungen für 1.000 Familien zu bauen. Ziel: Brücken zu bauen zwischen den Schichten und Milieus an beiden Enden der Gesellschaft. Man kann sich die Aufregung vorstellen als plötzlich 1.000 Normalos die Kreise der etablierten zu stören drohten. Ich habe vor einiger Zeit eine sehr lange und sehr anstrengende Doku über den Militärputsch in Chile im Jahr 1973 gesehen. Für mich war vor allem der Hass abstoßend mit dem die Mittel- und Oberschicht den gewählten Präsidenten bekämpfte. Eine Ursache vielleicht auch, die neue ungewollte Nachbarschaft. Die Sozialwohnungen wurden von der Oberschicht aufgekauft. Im Jahr 2014 ging das letzte Appartement für rund eine Million Dollar über den Tisch.
Nächste Station: Die Metropolitankathedrale von Santiago am Plaza de Armas. Sitz des Erzbischofs. Neoklassische Architektur mit barocken Elementen. Von außen betrachtet schon eine Statement für die Macht der Kirche. Drinnen? Ich habe sie betreten und nur gesagt: Wowww. Es gibt nur wenige Adjektive um den Glanz zu beschreiben. Das Wort „Überbordend“ triff es vielleicht.
Ein schier endloses Kirchenschiff. Zierrat an jeder Säule satt. Ornamente, Arabesken, Verzierungen: mehr als ein Auge erfassen kann.
Und inmitten das Bodenpersonal, das in so prunkvoller Atmosphäre den armen Schäfchen zu Reue und Buse rät.
Mich zieht es in die Markthalle. Wie so oft spielt auch hier der Verkauf von Obst, Gemüse und Gewürzen nur noch eine untergeordnete Rolle. Auch hier in Santiago setzt eine der beiden Hallen ausschließlich gastronomische Akzente. Ein Trend nicht nur hier in Chile. Ich habe über viele Besuche das Schicksal der Markthale in Lissabon beobachtet. Immer weniger Händler, immer mehr leere Flächen, kaum noch Besucher. Dann mein Erstaunen im letzten Jahr. Die Halle brummt. Duzende Streetfood Stände beleben hier mit Spezialitäten aus aller Welt die Halle.
Ein breites Angebot gibt es hier in Santiago nur für Meerestiere. Auch die verschiedenen gastronomischen Betriebe werben mit Fisch und Langusten auf ihren Speisekarten. Es fällt auf: Auch viele der Fischbratereien, die in den verschiedenen Foodblogs punkteten, sind verschwunden. Drei Namen nur noch prägen das Angebot in den ehrwürdigen Hallen.
Anyway: Heute ist Austerntag. Der Schleim ist hier sensationell preiswert, aber man muss auch zugeben: von der Qualität von Bordeaux oder Südafrika können die Anbieter hier nur träumen.
Nach dem Schlemmen noch ein Bummel vorbei an den Ständen….
…und Nischen.
Auch draußen ist Markt.
Gleich nebenan ist eine Metrostation. Ich kaufe mir eine Plastikkarte zum Aufladen. Neben dem Hotel noch ein Feierabendbier. Schöner Tag.
Erster Halt auf meiner Rundreise ist der Park Cerro San Cristobal, der Stadtpark der als Grüne Lunge von Santiago gilt. Von hier startet eine zwei Kilometer lange Seilbahn zum Gipfel. Dort ganz oben kann die Statue des Heiligen (?) auf dem Gipfel besichtig werden. Zum Glück sitze ich mit meiner extremen Höhenangst alleine in der Kabine. Niemand schaukelt, niemand lacht. Ab und zu mache ich die Augen auf, die gesamte Anlage ist sehenswert. Aber so circa 80 Meter über der Erde ist es schon hart für mich.
Der Park taugt für die Familie. Tiergehege, Spielplätze, ein Schwimmbad (an dem extra die Seilbahn hält), botanische Lehrpfade, Radwege und Joggingstrecken (bergauf), Wanderpfade, ein japanischer Garten, Liegewiesen, Ruheecken, Aussichtspunkte sowie viel Kunst und Architektur. Mein Hop-On-Ticket beinhaltet die Seilbahn hinauf und eine Stadtbahn hinunter. Oben hat man die beste Aussicht auf die Stadt. Sogar der Papst Franciscus war hier. Für ihn dürfte es ein kurzer Moment der Ablenkung gewesen sein, denn die Pilgerfahrt galt wegen der Missbrauchsfälle in der chilenischen Kirche als extrem schwierig. Die obere Plattform der Seilbahn ist eine Art katholisches Kernland.
Denn neben der Statue wird ein Bild der Jungfrau der Unbefleckten Empfängnis aufbewahrt. Entsprechend groß ist das Angebot an Devotionalien. Eher gespart wird an den leiblichen irdischen Genüssen. Die Restauration oben gleicht einer Kantine. Ich habe Glück und erwische einen kleinen Tisch am Rand von wo aus ich bei einer Cola in aller Ruhe die Stadt betrachten kann.
Von der anderen Seite des Hügels ist noch ein Blick auf den Backyard von Santiago möglich. Dort wo die Millionen Menschen leben.
Bergab geht es mit der Standseilbahn. Die Fahrt gibt mir ein wesentlich entspannteres Gefühl als die Reise mit der Gondel.
Die Standseilbahn endet im Stadtteil Barrio Bella Vista. Zunächst um die Station wie auf vielen Straßen in den „besseren Vierteln“ von Santiago: Alles „blitzblank sauber“ auch die Toiletten. In diesem Punkt ist Chile Vorbild. Barrio Vista hat einen Ruf als Ausgehviertel, hier soll das Nachtleben pulsieren, hier sein der Ort an dem sich Künstler treffen. Streetart werde hier gepflegt. Ich bin bei solch Attributen eher zurückhaltend. Solche Geheimtipps in Verbindung mit Tourismus haben selten Substanz. Die zahlreichen Schnellimbisse links und rechts der Hauptstraße machen wenig Appetit.
Meine Fahrt geht weiter: Vorbei am Kunstmuseum und an dem Hauptplatz, dem Plaza de Armas dem Schnittpunkt von Verwaltung, Kirche und Kultur
Vorbei am Präsidentenpalast…
….mit dem Kulturzentrum auf der Rückseite.
Abends hole ich mir nur eine Kleinigkeiten in den Läden nebenan. Ein Bier noch auf der Terrasse einer Bar nebenan dann Bett.
In einer der zahlreichen Bewertungen über mein Hotels hatte ich gelesen: Man rate dazu, ohne Frühstück buchen. Das sei in der Unterkunft zwar auch sehr gut aber es sei viel spannender in einem der vielen kleinen Läden ringsum Abwechslung zu suchen. Aber erst einmal bringe ich den Kleidersack zu Mr Wash drei Häuser weiter. Eigentlich ist es ja eine Mrs Wash wie ich in dem winzigen Laden feststelle. Donnerstag verstehe ich auf Spanisch könne ich die T-Shirts, Jeans und Unterwäsche wieder abholen.
Direkt um das Hotel stehen vier, fünf Cafés zur Auswahl plus zwei „Späties“ die Kaffee und Sandwiches anbieten. Naturkost ist eigentlich nicht mein Ding, aber das kleine Bistrot mit den fünf Tischen draußen sieht sehr einladend aus. Und ich werde nicht enttäuscht. Das Obst wird frisch geschnippelt und das Spiegelei mit dem Avocado-Brot drunter ist eine Delikatesse. Gerne öfter.
Ich hatte gestern einen Hop-On- Ticket geordert. Das ist auch pünktlich auf meinem Handy eingetroffen. Problem: Mein Hotel liegt genau mitten zwischen zwei Haltestellen, je Richtung 800 Meter. Also: Ein Morgenspaziergang ist angesagt. Ich habe ein Drei-Tage-Ticket. Leider gibt es hier keinen Seniorendiscount, aber dafür einige wertvolle Zusatzleistungen. Wie immer: erst mal eine Runde zur Orientierung. Drei Stunden. Das reicht für heute.
Der Bus hier fährt ausschließlich die schönen Ecken der Stadt ab. Dazu zählen nicht nur die Sehenswürdigkeiten und die Altstadt sondern auch die Viertel, die von der Oberschicht bevölkert werden. Viele leben in Hochhäusern. Trend in Chile sei, so die Stimme aus der Kopfhörerbuchse, Arbeiten, Wohnen und Freizeit auf engstem Raum zu vereinen. Für Ausflüge hat man dann das Wochenende.
Santiago de Chile ist Hauptstadt sowie geleichzeitig das kulturelle, wirtschaftliche und politische Zentrum des Landes. 1541 gegründet leben hier etwa sieben Millionen Menschen. 40 Prozent des Bruttosozialproduktes von Chile werden hier erwirtschaftet, zunehmend im Dienstleistungssektor. Die Stadt vereint Kolonialarchitektur mit modernen Hochhausensembles.
Grünzüge und Parks prägen die Stadt, jedenfalls die Viertel der Wohlhabenden. In einer Stunde erreichen die Einwohner mit dem Auto die Skigebiete der Anden. Zum Freizeitwert gehören auch eine große Zahl von Museen, Theater und Kultureinrichtungen. Dazu Kneipen satt.
Eigentlich mache ich bei der ersten Runde selten Bilder. Ausnahme heute der Costanera Turm mit über 300 Metern nicht nur das höchste Haus der Stadt sondern von dem gesamten südamerikanischen Kontinent. Entworfen hat den Wolkenkratzer der Architekt Cesar Pelli, der auch die Petrona Towers in Kuala Lumpur plante.
Am Nachmittag ein kleiner Bummel durch mein Viertel.
Abends dann in einer Art Brauereigaststätte eine Portion Lachs.
Erster Weg nach der Rückkehr in Offenbach: Ich belege bei der vhs einen Kurs „Billigflieger buchen-leicht gemacht“. Ich muss Richtung Santiago eine Low Budget Airline nehmen, weil die Latam nur nachts fliegt. Entweder in Santiago um drei Uhr morgens ankommen oder hier um vier Uhr in der Früh zum Flughafen. Latam hat einen Knopf für eine englische Buchungsmaske, SKY bietet den einzigen Tagesflug, aber die Low Coast Airline spart sich auch den Knopf für die englische Buchungsmaske. Bei opodo etc auf Deutsch wird der Komfort schnell zum Gebührengrab. Ich hatte gelesen, dass man inzwischen auch bei Booking.com seinen Platz im Jet ordern kann und auf Deutsch. Wenn die nicht seriös sind?
Fünf Minuten später: Alles gebucht und bestätigt, das Ticket, das Handgepäck und der Platz für den Rucksack im Frachtraum. Und dazu für 12 Euro einen Platz am Fenster links. Sonst ist ja eher Gang mein Ding. Aber wenn man schon mal an den Anden entlang fliegt, soll es auf 12 Euro auch nicht ankommen. Well done. Ungefähr zwei Stunden lang übermannt mich das Gefühl der Unbesiegbarkeit: bis zum ersten Mail von Sky, natürlich auf Spanisch: Google mein einzig wahrer Freund übersetzt: Wir können leider ihr Gepäck nicht mitnehmen. Upps. Zehn Minuten später. Kein Handgepäck möglich, sie können nur eine Tasche bei sich haben, wenn diese unter den Sitz passt. Und dann die Schocknachricht auf dem Screen: „Leider mussten wir umdisponieren. Wir haben ihnen Platz 40 A zugewiesen“. Naja, hinten sitze ich nicht gerne, aber 40 A ist wenigstens ein Fensterplatz mit freiem Blick auf die Anden. Zehn Minuten später piept mein Handy: Booking.com hat die Gepäckgebühren zurücküberwiesen, aber nicht die Fee für den Sitzplatz.
Einen Abend damit verbracht, das Gepäck bei SKY einzuchecken. Ich muss unbedingt dem Google Translator zu Weihnachten eine Karte schicken. Es kostet halt jetzt 10 Euro mehr pro Gepäckstück als bei Booking.com. SKY sei sehr penibel steht in den Bewertungen. Am Schalter koste es richtig Geld wenn das Handgepäck größer als eine Tasche ist. Irgendwann -ich schließe den Erfinder des Google Translator in mein Nachtgebet ein- sehe ich auf der Maske von Sky nur noch grüne Haken. Nächtens träume ich von der Premium Economy bei Latam.
Soweit die Vorgeschichte: Ein Taxi bringt mich zum Flughafen. 20 Kilometer vielleicht. Acht Euro. Da bekommt man ein schlechtes Gewissen. Ich bin früh dran. Mit einem Schweizer Paar wechsele ich seit zwei Wochen die ersten Worte auf Deutsch. Einchecken ohne Probleme Vor uns jemand, der für sein Gepäck kräftig löhnen muss. Der arme Kerl hat aber weder Kreditkarte (oder die funktioniert nicht) noch Pesos und US-nimmt Sky nicht.
Soweit die Vorgeschichte: Ein Taxi bringt mich zum Flughafen. 20 Kilometer vielleicht. Vier Euro. Da bekommt man ein schlechtes Gewissen. Ich bin früh dran. Mit einem Schweizer Paar wechsele ich seit zwei Wochen die ersten Worte auf Deutsch. Einchecken ohne Probleme Vor uns jemand, der für sein Gepäck kräftig löhnen muss. Der arme Kerl hat aber weder Kreditkarte (oder die funktioniert nicht) noch Pesos und US-nimmt Sky nicht.
Der Jet ist fast ausgebucht. Ich kämpfe mich zur letzten Reihe, zu Platz 40 A , zum freien Blick auf die Anden durch. Upps ich habe 12 Dollar extra für einen Sitz ohne Fenster gezahlt. Hinten gibt es Alu statt Scheiben. Wenigstens bleibt neben mir bei 71 Zentimeter Beinfreiheit der mittlere Platz frei. Der Flug entlang der Küste ist etwas unruhig aber im Rahmen. Weil ich mir nur eine Tasse Kaffee und zwei Toasts mit Marmelade zum Frühstück gönnte, bestelle ich mir hier oben eine Cola und ein Sandwich für 13 Dollar. Wenigstens das Sandwich war seinen Preis wert.
Der Airport in Santiago ist überschaubar. Ich bestelle mir ein Uber. Auf dem Display sehe ich, der Wagen ist vorgefahren aber er ist nicht zu sehen. Der Fahrer klärt mich per WhatsApp auf: Ich stehe Ausgang 5 „Ankunft“, er dürfe aber nur einen Stock höher bei Tor 5 „Abflug“ halten. Eine Runde Aufzug.
Ich bin mittlerweile gerade an Flughäfen ein Fan von Uber, trotz Kritik der Gewerkschaften. Aber das Taxigewerbe hat die Entwicklung verpennt. Ich weiß wer der Fahrer ist, kenne seine Bewertung, ich kann die Fahrt Googlemaps verfolgen, mir wird der Preis genannt. Zu oft bin ich gerade auf Fahrten vom Flughafen abgezogen worden. Ich habe mich in Laos mal mit einer ziemlich linken Professorin unterhalten, die eigentlich auf allen Feldern radikale Ansichten vertrat aber Uber verteidigte, weil ihr die Plattform die Möglichkeit gibt überall auf der Welt unbesorgt Taxi zu fahren. Bei meinem letzten Besuch vor einem Jahr in den USA fiel mir auf, dass das allgegenwärtige Taxi aus vielen Städten vollständig verschwunden ist.
Mein Fahrer ist sehr nett und hilfsbereit, aber mit dem Sprechen hat er es nicht so. In zwanzig Minuten bin ich im Hotel, mitten im Amüsierviertel von Santiago. Und ich habe es richtig gut getroffen. preiswert, tolles Zimmer, sauber, ruhige Straße und ringsum Cafés, Restaurants, Kneipen und ganz viele kleine Geschäfte. Angenehmes Publikum.
Es ist für die späte Stunde noch sehr warm. Ich suche ein Lokal namens „Heiliger Hamburger“. Der Klops soll dort besonders lecker sein. Ist er auch. Und Bier hat der Wirt heute im Angebot. Drinnen läuft im TV die Aufholjagd im Spanischen Pokal zwischen Barcelona und Madrid. Entsprechend laut ist die Stimmung in beiden Fanlagern. Ich mache mich nach dem Spiel ins Hotel.
Das Frühstück in dem Hotel ist einfach, aber gut. Eine alte Frau bereitet den Teller. Sie wirkt wie eine typische Bolivianerin aus den Bergen. Zugegeben: So wie ich Bolivianer aus TV-Dokus kenne. Man kann bestellen. Ei, belegte Brote, zwei drei warme Sachen. Dazu frischen Orangensaft. Ich bin immer noch bei Marmelade und Kuchen. Und Tee. Der ist hier wirklich gut. Eigentlich schwöre ich ja auf griechischen Bergtee.
Danach setze ich mich für zwei Stunden an den Strand. Es ist wenig Betrieb. Die Besucher sind meist sportlich motiviert, joggen, dehnen und strecken sich. Das macht mich nervös. Eine Gruppe Akrobaten übt eine Nummer ein. Spannend anzuschauen.
Danach gehe ich ein wenig arbeiten. Der Ausblick vor dem Laptop ist kaum zu toppen. Ich mache den Artikel über die Radwege rund.
Chile hat, obwohl auf dem gleichen Längengrad, eine Zeitverschiebung von zwei Stunden gegenüber Peru. Es wird morgens erst nach 8 Uhr hell, dafür kann man abends lange in der Sonne sitzen. So richtig heiß wird es dann auch erst gegen 14 Uhr mittags. Auch ich entschließe mich zu einer Siesta.
Gegen vier Uhr starte ich Richtung Stadt. Gestern habe ich nur das neue Arica gesehen. Hochhäuser, Einkaufszentren, breite Straßen. Aber dahinter soll sich noch eine Altstadt verbergen. Irgendwann im vorletzten Jahrhundert gehörte der Landstrich auch mal zu Bolivien. Das übliche: Es gab Krieg und dann noch einen Salpeter genannten Krieg. Konsequenz zur Erinnerung für alle Bellizisten: Seit dieser Zeit teilen sich Chile und Peru die Wüste hier. Die Bolivianer bleiben nur die Berge. Dennoch war und ist Chile neben Peru für Bolivien, ein Binnenstaat, der wichtigste Zugang zum Meer. Von Arica nach La Paz sind es auf der Straße keine 500 Kilometer, Luftlinie bedeutend weniger. Dazwischen liegen aber auf geringer Distanz über 4.000 Höhenmeter. Für mich ein Traumziel wegen der Eisenbahnstrecke die sich in endlosen Kehren und im Zickzack den Berg hinaufwindet. Aber jenseits der 2.000 Meter werde ich extrem Höhenkrank. Jeder Versuch wäre zwecklos. Dabei gäbe es für den Eisenbahn-Fan Matthias Müller viel zu entdecken. So reicht es nach oben nur bis zum Schild zu einer Straßengabel: links nach Peru, rechts nach Bolivien.
Im Hafen von Arica enden zwei Eisenbahnstrecken. Die eine kommt aus Tacna in Peru. Dort wo das Eisenbahnmuseum ist, das ich vor zwei Tagen besucht habe und die anderen Gleise kommen aus La Paz. Beide Strecke begegnen sich für einen kurze Moment an der Einfahrt zum Hafen. Im Vordergrund die Schmalspurbahn aus La Paz, unten die Breitspur aus Tacna. Beide sind außer Betrieb. Fast jedenfalls. Die Verbindung Arica-Tacna soll saniert werden. Da läuft der Betrieb seit Jahren normal. Nur halt ohne Züge. Die Strecke Richtung Bolivien ist nur jenseits der Grenze oben in den Anden in Betrieb. Da sorgt wohl zweimal die Woche ein Schienenbus für Abwechslung. Von einem Depot in Tacna aus fährt während der Saison alle zwei Wochen ein Zug hinauf in die Berge. So drei Stunden hin und drei Stunden zurück. Die Fahrt über Serpentinen und Spitzkehren muss spektakulär sein, obwohl der Ausflug lange vor der bolivianischen Grenze auf halber Strecke endet. Für diese Sonderfahrten wurde die Strecke aufwändig saniert. Hinter diesem -wie die chilenische Eisenbahngesellschaft schreibt- vorläufigen Endpunkt ist die Trasse teilweise zerstört. An die einstige Bedeutung erinnern nur noch zerfallene Bahnhöfe. Ein durchgehender Gütertransport ist unmöglich. Man muss es nicht verstehen. Um die zwei Urlauberwagen alle vierzehn Tage hinaufzuziehen, hat man Millionen für die Sanierung ausgegeben und dafür steht eine riesige moderne Diesellok im Depot. Ich kenne sie nur von Bildern aus dem Internet. Der Lokschuppen ist hermetisch abgeriegelt.
Hier im Hafen enden die Gleise der Andenbahn. Die Schiffe, die hier laden und die Anlagen wirken eher unterdimensioniert. Aus den Minen von Bolivien wird wohl alles über andere Strecken oder per LKW transportiert.
Die Schienen aus Peru enden hier 100 Meter weiter. Alles wirkt trotz des langen Stillstandes hübsch aufgeräumt.
Soviel zur Bahngeschichte? Nicht ganz. Aus dem Hafen biegt noch ein Gleis Richtung Altstadt ab. Surprise: ein Gleis mit Bahnsteig. Hier endete ursprünglich die Andenbahn. Ich kann mich vor dieser Kulisse richtig in die Zeit Anfang des 20.Jahrhunderts versetzen. Goldgräber, die in den Bergen ihr Glück suchen, Herren mit Anzug, Weste und Ledertaschen, dazwischen flanieren elegante Damen in weiten Röcken und Sonnenschirm. Gepäckträger wuchten riesige Schrankkoffer in den Packwagen. Geschäftige Händler preisen eine letzten Schluck vor der Abfahrt an. Und irgendwann kreuzen hier auch Butch Cassidy und Sundance Kid auf, stilecht mit einem Colt im Halfter und vor der Brust eine Winchester um oben in den Bergen ihrem Geschäft, dem Banküberfall, nachzugehen.
Auch auf der Straßenseite zeugt das Gebäude der Station noch von ihrer einstigen Bedeutung obwohl es wohl leer steht.
Gleich gegenüber liegt das alte Zollamt….
… und auch die Hafenmeisterei steht in Schlagdistanz.
Wer sich um sein Seelenheil vor der gefährlichen Reise ins Unbekannte sorgte, konnte vor der Abfahrt zu einer letzten Fürbitte in die Catedral de San Marcos gegenüber einkehren. Kein geringerer als der französische Ingenieur Gustav Eiffel hat sie entworfen. Sie besteht fast komplett aus Metall und wurde in Frankreich um das Jahr 1875 vorgefertigt. Sie war ursprünglich für einen anderen Ort in Peru vorgesehen. Da Arica aber 1868 von einem Erdbeben zerstört worden war, ließen die verantwortlichen Bischöfe die Kirche hier montieren. Leider war das Gotteshaus verschlossen.
Die Innenstadt von Arica ist nett aber nicht außergewöhnlich. Ein paar Gassen, die Restaurants sehen wenig einladend aus. Ich nehme mir ein Taxi zurück zum Hotel und kehre dort ein wo es mir gestern so gut geschmeckt hat.
Reisetag. Ein Morgen ohne Probleme. Das Frühstück im Hotel ist sehr gut. Vieles wird auf Bestellung frisch gemacht. Aber auch das Buffet kann sich sehen lassen. Ich bin noch nicht bei Wurst, Schinken und Ei, aber die selbst gemachte Marmelade ist auch köstlich. Ein Taxi bringt mich zum Omnibus-Terminal. Um 10 Uhr soll ein Bus fahren. Ich habe Glück: der erste Mensch den ich am Schalter nach dem Weg frage, ein älterer Herr, spricht Englisch und bietet mir einen Rundum-Service. Warum mit dem Bus? Die sechzig Kilometer kosten vier Euro, mit dem Sammeltaxi nur einen Euro mehr und es geht doppelt so schnell. Der Peruaner hilft mir beim Ausfüllen der Papiere. Hätte ich mich mangels englischem Text durchraten müssen. Der peruanische Zoll erledigt die Ausreiseformalitäten schon hier hier. Fragebogen (Spanisch) ausfüllen, hier eine Kopie, da eine Tax Marke für zehn Cent. Die Bahnsteigkarte für den Busbahnhof habe ich auch noch nicht. Ich bin einfach durch den Eingang gelaufen. Nochmal 20 Cent. Alleine hätte ich das nicht geschafft. Ein Euro extra für den hilfsbereiten Menschen.
Der Hof steht voll mit abfahrbereiten Sammeltaxen. Ich bekomme ein ziemlich altes Auto zugewiesen. Mit mir: drei Frauen und noch ein Mann. Mit dem Fahrer sind wir zu sechst. Es dauert eine Weile bis der Zoll meinen Pass wieder rausrückt. Ich verstehe kein Wort von dem was mir mein Fahrer sagen will aber irgendwie fühle ich mich bei ihm gut aufgehoben.
Es geht auf den Pan America Highway. Breite Straße, vier Spuren quer durch die Wüste. Wie in jeder Kneipe hier im Süden Perus läuft auch im Auto Classic Rock der 1970er. Die beiden Mädels neben mir, so knapp zehn Jahre jünger, singen und wippen mit. Fast wie in Offenbach im Oldie Club.
Ein paar verdorrte Bäume. Ich vermisse Kakteen. Die sieht man schließlich in jedem Western wenn der Held durch die Wüste reitet.
So nach 40 Kilometer taucht die Grenze zwischen Peru und Chile auf. Es ist mächtig was los. Das System verstehe ich nicht. Man muss zweimal mit dem Pass anstehen. Ok, dass danach nochmal das Gepäck durch den Scanner muss, ist internationaler Standard.
Aber mein Fahrer ist ja bei mir. Wie vor der Security am Airport muss ich in ein Gitternetz. Einmal durch und mein Zähler auf dem Handy lobt so viel Fleiß. Fast sind die 10.000 täglichen Schritte schon vor dem Mittagsmahl erreicht. Pass zeigen, Iris Scann, weiter. Jetzt wird es kompliziert: Wieder eine Gitterreihe. Es geht nur extrem langsam vorwärts. Aber mein Fahrer blickt entspannt auf die Gruppe, hält wie eine Glucke den Haufen zusammen. Es geht kaum vorwärts. Mal verschwindet ein Rudel aus einem Taxi nach links, mal nach rechts, mal wird eine Gruppe vor unseren Augen abgefertigt. Immer wieder drängen Menschen durch die enge Gasse an uns vorbei mit Koffern und Taschen. Ich muss mich mit meinem Rucksack immer ganz schmal machen. Sonderlich gerecht wirkt das nicht. Aber irgendwann winkt unser Fahrer. Jetzt dürfen wir uns an den Vordermännern und -frauen vorbei schleichen. Anyway. Stempel im Pass. Den Gepäckmenschen interessiert nicht was in meinem Rucksack ist. Die suchen hier wohl hauptsächlich nach Lebensmitteln die irgendwelche Keime einschleppen können.
Ankunft am Busbahnhof in Arica. Mein Taxifahrer wechselt meine letzten peruanischen Sol (toller Namen für eine Währung) in chilenische „Was weiß ich“. Jedenfalls habe ich genug Geld für das Taxi zum Hotel. Hier steht ein Geldautomat aber um den stehen auch verdammt viele junge Männer
Whoooww. Das Hotel liegt direkt am Pazifik. Über die Straße: der Strand. Viele Streetfood-Stände und Kinderspielplätze deuten auf Action. Dazu Restaurants, Bars und Spritbuden. Das Mädel an der Rezeption spricht kein Wort Englisch, dafür ist der Mann, der die Zimmer reinigt, ziemlich fit im angelsächsischen Idiom. Sie deutet mit der Zimmerkarte auf einen Gang nach hinten. Also Bergblick. Ich mache wieder mal auf Offenbacher Hinterhof Romeo und bekomme (geht doch) ein kostenloses Upgrade auf die Strandseite.
Nach ein wenig ausruhen, Geld besorgen. Zwar kann man hier eigentlich ohne Bargeld auskommen. Selbst die öffentliche Toilette wird mir Kreditkarte bezahlt. Eine Cola beim Straßenverkäufer, ein Espresso im Stehen. Kein Händler ohne ein rosa Gerät von der Transbank. Ich bin noch Old Scool. Zwar zahle ich wenn geht mit Karte aber einen Hunnie in Bar muss sein. Geldautomaten sind seit langem hier rar. Im Einkaufszentrum zwei Kilometer die Straße lang, soll es so eine antiquierte Money-Maschine noch geben. Ich mache mich auf. Ein Riesen Supermarkt, größer als alles was ich je gesehen habe, aber der Cash-Spender hat einen Crash. Gegenüber: Santander hat wohl einen, aber es ist Sonntag und die Bank hat zu. Nächste Shopping Mall: Und ganz hinten: mein Objekt der Begierde. Und die Maschine, ich kann mein Glück kaum fassen, spricht Englisch mit mir, und funktioniert. Ich verlasse fast als (Peso) Millionär den Konsumtempel.
Abends speise ich nebenan in einem kleinen Restaurant mit Meerblick. Irgendein Gemüse mit Lachs. Sehr gut. Davor (ich weiß es ist unvernünftig) ein Drink. Schlafe gut.
Ein kleiner Grund für den Umweg über Tacna: Hier gibt es ein Eisenbahnmuseum. Von Tacna führt eine Strecke in das rund sechzig Kilometer entfernte Arica in Chile. In Breitspur. Gebaut als der Landstrich noch komplett zu Peru gehörte. Dann gab es Krieg. Mal hin, mal her. Und im Salpeterkrieg wechselte das Bähnlein nochmal den Besitzer. Die Strecke war nie ein wirtschaftlicher Erfolg. Im Jahr 2001 wurde der Verkehr eingestellt weil eine Brücke weggeschwemmt wurde. 2005 begann der Betrieb neu wurde zehn Jahre später wieder aufgegeben. Der Verkehr wurde dann für den Tourismus wiederbelebt und ruht seit Corona-Zeiten. Die Strecke ist sehr reizvoll. Auf der einen Seite Wüste, auf der anderen der Pazifik. Mittlerweile sind Schwellen und Bahndamm marode. Die Regionalregierung soll die Sanierung der Gleise neu ausgeschrieben haben.
Aber am Morgen erst mal leiden. Das Kickers Spiel im Internet gehört.
0:0. Naja besser als verloren. Ich marschiere immer den Gleisen lang.
Das Museum im alten Bahnhof. Es muss schon ein imposanter Anblick gewesen sein wenn einst die mächtigen Dampfloks im Schritttempo das Tor passierten.
Museum und Bahnhof sind getrennt. Die Vorsteherin führt immer noch Aufsicht über Bahnsteigpersonal und Ticketkontrolleure obwohl schon lange kein Zug mehr abgefahren ist. Alles ist im Betrieb. Nur die Fahrgäste fehlen seit Jahren. Nebenan die Museumsabteilung.
Madame mit Helm begleitet mich. Nicht um mir die Exponate zu erläutern sondern als Aufsicht. Kann ich ja verstehen. Soll ja nix wegkommen. Nur Madame hat feste Vorstellungen wie hoch mein Zeitbedarf sein darf um die Exponate zu besichtigen. Ist die Uhr abgelaufen, deutet sie mir unmissverständlich an: weitergehen. Es gibt mehrere Madams. Alle sitzen am Eingang und quälen ihr Smartphone. Ich bin der einzige Besucher und verstehe nicht weshalb sich die Madams nicht auf die einzelnen Hallen verteilen.
Draußen hätte ich gerne die Triebwagen angeschaut, die bis vor einigen Jahren gefahren sind. Das scheint aber wieder die Abteilung Bahnhof zu sein. Da darf ich nicht hin bedeutet mir Madam, obwohl ich mit meinem Offenbacher – Hinterhof- Romeo – Charme alle Register ziehe. Normal setze ich mich inmitten einer solchen Kulisse gerne auf eine Bank und versetze mich in vergangene Zeiten. Aber nach fünf Minuten blickt Madam ungeduldig, nach sieben Minuten nimmt ihr Gesichtsausdruck strafende Züge an.
Was auch fehlt, ist die Brücke zwischen den einzelnen Exponaten. Kaum Erklärung und der englische Text wirkt gegenüber dem spanischen Original halbiert.
Good bye. Schade.
Abends nochmal auf den Dorfplatz. Wochenende, viel los.
Keine Ahnung was hier abgeht: Hochzeit, Schwur der ewigen Treue oder einfach nur Theaterprobe.
Mir gefällt nebenan ein Italiener. Ziemlich urig eingerichtet. Viele Familien muss gut sein. Ist es auch.
Im Hotel beschäftigt mich der Angriff der USA und Israels auf den Iran. Nicht einfach eine Position zu finden. Froh bin ich nur, dass ich nicht wie ursprünglich geplant nach Indonesien über Katar geflogen bin. Irgendwie hatte ich so eine Ahnung. Die Entscheidung für Südamerika fiel ja erst kurz vor Abflug
Reisetag. Noch fühle ich mich schwach. Aber es muss gehen. Die Route war keine einfache Entscheidung. Die Tarife für die Direktflüge von Lima nach Santiago sind in dieser Woche jenseits von Gut und Böse, auf dem Niveau von Frankfurt – Sydney. Aber es gibt eine Option: Inlandsflug von Lima an die Grenze zu Chile nach Tacna, mit dem Bus 60 Kilometer auf die andere Seite und von dort einen Inlandsflug nach Santiago. Überschaubar von den Kosten.
Ich fliege mit Latam. Das ist sowas wie Lufthansa. Und ich bin Lufthansa-Typ. Mir ist das biedere lieber als das ganze Gedöns um die Nahost-Airlines mit ihren Stewardessen die wie Püppchen wirken. OK die Stop over in Katar in den 5-Strene-Burgen für lau sind nicht zu verachten. Beim Buchen hatte ich festgestellt, dass Premium-Economy nur einen Euro teurer ist, wenn ich die Gepäckkosten einrechne. Also buche ich das Upgrade, auch weil die Airline damit wirbt, dass man vor dem Flug in der Lounge sein Bier für umsonst trinken kann.
Der Flughafenbus soll nebenan losfahren. Ich warte, kein Bus. Irgendwann denke ich, vielleicht sollte ich nochmal wegen des Magens auf die Toilette, frage nett im Marriott und darf. Dumm nur: in der Zeit kommt der Bus. Also Taxi. Das ist für die 10 Kilometer auch nur vier Dollar teurer. Im Airport läuft alles zügig, nur es gibt keine Lounge. Die sei nur international erklärt mir der Mensch an der Infound wir seien im Domestic. Auch gut. Ein Tee und ein Sandwich bei einer Kette für Kinderpappe hier tut es auch.
Aber wenigstens Beinfreiheit. Der Flug ist ok.
Mal wieder von der Maschine ins Gebäude zu Fuß über das Rollfeld. Auch lange her.
Ist auch nicht viel Betrieb hier. Es gibt ein einzige Gepäckband und mein Rucksack ist der erste
Der Trick mit den beiden Flügen scheint populär. Draußen stehen zwei duzend Sammeltaxis, die Richtung Chile fahren. Ich habe hier in Tacna gebucht. Ein ziemlich einfaches Hotel aber sauber und mit einer richtig netten Rezeption.
Ein richtiges peruanisches Landstädtchen. Ich mag solche Ort. Normales Leben. Man lernt den Alltag der Menschen kennen und der interessiert mich. 400 Meter sind es bis zur Stadtmitte. Es gibt eine erstaunliche Vielfalt an Geschäften und Restaurants. Ich vermute mal: Chile ist nahe und Peru zieht Kunden aus dem Nachbarland.
Einen richtigen Brunnen haben sie hier auch. Unter den Bäumen in der Nachbarschaft sitzen die Leute und schwätzen. Es ist angenehm warm.
Die örtlichen Cheerleaders üben für das nächste Kreisliga-Duell ihrer Kicker.
Mich zieht es in ein Restaurant. Das Essen sieht ja nicht gerade Magenschonend aus, es ist es aber. Das Fleisch ist hauchdünn und dazu die Nudeln.
Ich hatte zum Glück im Hotel verlängert und den Flug erst für Freitag gebucht. Mittags erkunde ich ein wenig die Umgebung. Ein wenig Seeluft atmen.
Anschließend schreibe ich an einem Beitrag für Bloghaus über die Radwege in Peru. 2024 ein Aufreger-Thema in Deutschland und ein Beispiel wie es Radikalrechts gelingt mit unsinnigen Behauptungen Debatten zu bestimmen. Stramm rechte Medien liefern die Begleitmusik, konservative Blätter wie Bild, Welt und Focus verlängern und irgendwann orientieren Parteien wie CDU, CSU und FDP ihre Politik an haltlosen Behauptungen. Ich glaube es gibt wenige so sinnvolle Projekte bei der Entwicklungshilfe wie diese Radwege in Peru, die Teil einer Neuorientierung der Verkehrspolitik in der Stadt sind. Fünf neue Metrolinien sind im Bau. An diesem Projekt verdienen Deutsche Unternehmen Milliarden. Die Radwege für gerade mal 20 Mio Euro verbinden auf ca 20 Kilometer ein vorhandenes 300 Kilometer langes Radwegenetzt in der Stadt.
Entgegen der Behauptungen werden die Spuren super genutzt. Es entstehen mit Verleih und Reparatur neue Arbeitsplätze. Mehr dazu unter :
Ja und dann: Mitten während des Schreibens passiert es. Plötzlich wackelt mein Hotel und ich im siebten Stock. In der ersten Sekunde denke ich, im Nachbarzimmer sei was umgefallen. Denkste: Erdbeben. Stärke 5, also ziemlich heftig, ungefähr sieben Sekunden lang. Die Höhenangst dominiert meine Gefühle. Ich habe Angst die Scheibe, die von Wand zu Wand geht bricht und ich werde aus dem Zimmer gezogen und fliege. Noch während des Bebens informiert mich eine App auf Deutsch. Hinterher denke ich: Wie geht das.
Ich ziehe Google zurate. So ein Erdbeben der Stärke 5 erleben die Menschen etwa 50 mal im Jahr. Also hier kein Grund zur Aufregung.