In einer der zahlreichen Bewertungen meines Hotels hatte ich gelesen: Man solle ohne Frühstück buchen. Das sei in der Unterkunft zwar auch sehr gut aber es sei viel spannender in einem der vielen kleinen Läden ringsum Abwechslung zu suchen. Aber erst einmal bringe ich den Kleidersack zu Mr Wash drei Häuser weiter. Eigentlich ist es ja eine Mrs Wash. Donnerstag verstehe ich auf Spanisch könne ich die T-Shirts, Jeans und Unterwäsche wieder abholen.
Erster Weg nach der Rückkehr in Offenbach: Ich belege bei der vhs einen Kurs „Billigflieger buchen-leicht gemacht“. Ich muss Richtung Santiago eine Low Budget Airline nehmen, weil die Latam nur nachts fliegt. Entweder in Santiago um drei Uhr morgens ankommen oder hier um vier Uhr in der Früh zum Flughafen. Latam hat einen Knopf für eine englische Buchungsmaske, SKY bietet den einzigen Tagesflug, aber die Low Coast Airline spart sich auch den Knopf für die englische Buchungsmaske. Bei opodo etc auf Deutsch wird der Komfort schnell zum Gebührengrab. Ich hatte gelesen, dass man inzwischen auch bei Booking.com seinen Platz im Jet ordern kann und auf Deutsch. Wenn die nicht seriös sind?
Fünf Minuten später: Alles gebucht und bestätigt, das Ticket, das Handgepäck und der Platz für den Rucksack im Frachtraum. Und dazu für 12 Euro einen Platz am Fenster links. Sonst ist ja eher Gang mein Ding. Aber wenn man schon mal an den Anden entlang fliegt, soll es auf 12 Euro auch nicht ankommen. Well done. Ungefähr zwei Stunden lang übermannt mich das Gefühl der Unbesiegbarkeit: bis zum ersten Mail von Sky, natürlich auf Spanisch: Google mein einzig wahrer Freund übersetzt: Wir können leider ihr Gepäck nicht mitnehmen. Upps. Zehn Minuten später. Kein Handgepäck möglich, sie können nur eine Tasche bei sich haben, wenn diese unter den Sitz passt. Und dann die Schocknachricht auf dem Screen: „Leider mussten wir umdisponieren. Wir haben ihnen Platz 40 A zugewiesen“. Naja, hinten sitze ich nicht gerne, aber 40 A ist wenigstens ein Fensterplatz mit freiem Blick auf die Anden. Zehn Minuten später piept mein Handy: Booking.com hat die Gepäckgebühren zurücküberwiesen, aber nicht die Fee für den Sitzplatz.
Einen Abend damit verbracht, das Gepäck bei SKY einzuchecken. Ich muss unbedingt dem Google Translator zu Weihnachten eine Karte schicken. Es kostet halt jetzt 10 Euro mehr pro Gepäckstück als bei Booking.com. SKY sei sehr penibel steht in den Bewertungen. Am Schalter koste es richtig Geld wenn das Handgepäck größer als eine Tasche ist. Irgendwann -ich schließe den Erfinder des Google Translator in mein Nachtgebet ein- sehe ich auf der Maske von Sky nur noch grüne Haken. Nächtens träume ich von der Premium Economy bei Latam.
Soweit die Vorgeschichte: Ein Taxi bringt mich zum Flughafen. 20 Kilometer vielleicht. Acht Euro. Da bekommt man ein schlechtes Gewissen. Ich bin früh dran. Mit einem Schweizer Paar wechsele ich seit zwei Wochen die ersten Worte auf Deutsch. Einchecken ohne Probleme Vor uns jemand, der für sein Gepäck kräftig löhnen muss. Der arme Kerl hat aber weder Kreditkarte (oder die funktioniert nicht) noch Pesos und US-nimmt Sky nicht.
Soweit die Vorgeschichte: Ein Taxi bringt mich zum Flughafen. 20 Kilometer vielleicht. Vier Euro. Da bekommt man ein schlechtes Gewissen. Ich bin früh dran. Mit einem Schweizer Paar wechsele ich seit zwei Wochen die ersten Worte auf Deutsch. Einchecken ohne Probleme Vor uns jemand, der für sein Gepäck kräftig löhnen muss. Der arme Kerl hat aber weder Kreditkarte (oder die funktioniert nicht) noch Pesos und US-nimmt Sky nicht.
Der Jet ist fast ausgebucht. Ich kämpfe mich zur letzten Reihe, zu Platz 40 A , zum freien Blick auf die Anden durch. Upps ich habe 12 Dollar extra für einen Sitz ohne Fenster gezahlt. Hinten gibt es Alu statt Scheiben. Wenigstens bleibt neben mir bei 71 Zentimeter Beinfreiheit der mittlere Platz frei. Der Flug entlang der Küste ist etwas unruhig aber im Rahmen. Weil ich mir nur eine Tasse Kaffee und zwei Toasts mit Marmelade zum Frühstück gönnte, bestelle ich mir hier oben eine Cola und ein Sandwich für 13 Dollar. Wenigstens das Sandwich war seinen Preis wert.
Der Airport in Santiago ist überschaubar. Ich bestelle mir ein Uber. Auf dem Display sehe ich, der Wagen ist vorgefahren aber er ist nicht zu sehen. Der Fahrer klärt mich per WhatsApp auf: Ich stehe Ausgang 5 „Ankunft“, er dürfe aber nur einen Stock höher bei Tor 5 „Abflug“ halten. Eine Runde Aufzug.
Ich bin mittlerweile gerade an Flughäfen ein Fan von Uber, trotz Kritik der Gewerkschaften. Aber das Taxigewerbe hat die Entwicklung verpennt. Ich weiß wer der Fahrer ist, kenne seine Bewertung, ich kann die Fahrt Googlemaps verfolgen, mir wird der Preis genannt. Zu oft bin ich gerade auf Fahrten vom Flughafen abgezogen worden. Ich habe mich in Laos mal mit einer ziemlich linken Professorin unterhalten, die eigentlich auf allen Feldern radikale Ansichten vertrat aber Uber verteidigte, weil ihr die Plattform die Möglichkeit gibt überall auf der Welt unbesorgt Taxi zu fahren. Bei meinem letzten Besuch vor einem Jahr in den USA fiel mir auf, dass das allgegenwärtige Taxi aus vielen Städten vollständig verschwunden ist.
Mein Fahrer ist sehr nett und hilfsbereit, aber mit dem Sprechen hat er es nicht so. In zwanzig Minuten bin ich im Hotel, mitten im Amüsierviertel von Santiago. Und ich habe es richtig gut getroffen. preiswert, tolles Zimmer, sauber, ruhige Straße und ringsum Cafés, Restaurants, Kneipen und ganz viele kleine Geschäfte. Angenehmes Publikum.
Es ist für die späte Stunde noch sehr warm. Ich suche ein Lokal namens „Heiliger Hamburger“. Der Klops soll dort besonders lecker sein. Ist er auch. Und Bier hat der Wirt heute im Angebot. Drinnen läuft im TV die Aufholjagd im Spanischen Pokal zwischen Barcelona und Madrid. Entsprechend laut ist die Stimmung in beiden Fanlagern. Ich mache mich nach dem Spiel ins Hotel.
Das Frühstück in dem Hotel ist einfach, aber gut. Eine alte Frau bereitet den Teller. Sie wirkt wie eine typische Bolivianerin aus den Bergen. Zugegeben: So wie ich Bolivianer aus TV-Dokus kenne. Man kann bestellen. Ei, belegte Brote, zwei drei warme Sachen. Dazu frischen Orangensaft. Ich bin immer noch bei Marmelade und Kuchen. Und Tee. Der ist hier wirklich gut. Eigentlich schwöre ich ja auf griechischen Bergtee.
Danach setze ich mich für zwei Stunden an den Strand. Es ist wenig Betrieb. Die Besucher sind meist sportlich motiviert, joggen, dehnen und strecken sich. Das macht mich nervös. Eine Gruppe Akrobaten übt eine Nummer ein. Spannend anzuschauen.
Danach gehe ich ein wenig arbeiten. Der Ausblick vor dem Laptop ist kaum zu toppen. Ich mache den Artikel über die Radwege rund.
Chile hat, obwohl auf dem gleichen Längengrad, eine Zeitverschiebung von zwei Stunden gegenüber Peru. Es wird morgens erst nach 8 Uhr hell, dafür kann man abends lange in der Sonne sitzen. So richtig heiß wird es dann auch erst gegen 14 Uhr mittags. Auch ich entschließe mich zu einer Siesta.
Gegen vier Uhr starte ich Richtung Stadt. Gestern habe ich nur das neue Arica gesehen. Hochhäuser, Einkaufszentren, breite Straßen. Aber dahinter soll sich noch eine Altstadt verbergen. Irgendwann im vorletzten Jahrhundert gehörte der Landstrich auch mal zu Bolivien. Das übliche: Es gab Krieg und dann noch einen Salpeter genannten Krieg. Konsequenz zur Erinnerung für alle Bellizisten: Seit dieser Zeit teilen sich Chile und Peru die Wüste hier. Die Bolivianer bleiben nur die Berge. Dennoch war und ist Chile neben Peru für Bolivien, ein Binnenstaat, der wichtigste Zugang zum Meer. Von Arica nach La Paz sind es auf der Straße keine 500 Kilometer, Luftlinie bedeutend weniger. Dazwischen liegen aber auf geringer Distanz über 4.000 Höhenmeter. Für mich ein Traumziel wegen der Eisenbahnstrecke die sich in endlosen Kehren und im Zickzack den Berg hinaufwindet. Aber jenseits der 2.000 Meter werde ich extrem Höhenkrank. Jeder Versuch wäre zwecklos. Dabei gäbe es für den Eisenbahn-Fan Matthias Müller viel zu entdecken. So reicht es nach oben nur bis zum Schild zu einer Straßengabel: links nach Peru, rechts nach Bolivien.
Im Hafen von Arica enden zwei Eisenbahnstrecken. Die eine kommt aus Tacna in Peru. Dort wo das Eisenbahnmuseum ist, das ich vor zwei Tagen besucht habe und die anderen Gleise kommen aus La Paz. Beide Strecke begegnen sich für einen kurze Moment an der Einfahrt zum Hafen. Im Vordergrund die Schmalspurbahn aus La Paz, unten die Breitspur aus Tacna. Beide sind außer Betrieb. Fast jedenfalls. Die Verbindung Arica-Tacna soll saniert werden. Da läuft der Betrieb seit Jahren normal. Nur halt ohne Züge. Die Strecke Richtung Bolivien ist nur jenseits der Grenze oben in den Anden in Betrieb. Da sorgt wohl zweimal die Woche ein Schienenbus für Abwechslung. Von einem Depot in Tacna aus fährt während der Saison alle zwei Wochen ein Zug hinauf in die Berge. So drei Stunden hin und drei Stunden zurück. Die Fahrt über Serpentinen und Spitzkehren muss spektakulär sein, obwohl der Ausflug lange vor der bolivianischen Grenze auf halber Strecke endet. Für diese Sonderfahrten wurde die Strecke aufwändig saniert. Hinter diesem -wie die chilenische Eisenbahngesellschaft schreibt- vorläufigen Endpunkt ist die Trasse teilweise zerstört. An die einstige Bedeutung erinnern nur noch zerfallene Bahnhöfe. Ein durchgehender Gütertransport ist unmöglich. Man muss es nicht verstehen. Um die zwei Urlauberwagen alle vierzehn Tage hinaufzuziehen, hat man Millionen für die Sanierung ausgegeben und dafür steht eine riesige moderne Diesellok im Depot. Ich kenne sie nur von Bildern aus dem Internet. Der Lokschuppen ist hermetisch abgeriegelt.
Hier im Hafen enden die Gleise der Andenbahn. Die Schiffe, die hier laden und die Anlagen wirken eher unterdimensioniert. Aus den Minen von Bolivien wird wohl alles über andere Strecken oder per LKW transportiert.
Die Schienen aus Peru enden hier 100 Meter weiter. Alles wirkt trotz des langen Stillstandes hübsch aufgeräumt.
Soviel zur Bahngeschichte? Nicht ganz. Aus dem Hafen biegt noch ein Gleis Richtung Altstadt ab. Surprise: ein Gleis mit Bahnsteig. Hier endete ursprünglich die Andenbahn. Ich kann mich vor dieser Kulisse richtig in die Zeit Anfang des 20.Jahrhunderts versetzen. Goldgräber, die in den Bergen ihr Glück suchen, Herren mit Anzug, Weste und Ledertaschen, dazwischen flanieren elegante Damen in weiten Röcken und Sonnenschirm. Gepäckträger wuchten riesige Schrankkoffer in den Packwagen. Geschäftige Händler preisen eine letzten Schluck vor der Abfahrt an. Und irgendwann kreuzen hier auch Butch Cassidy und Sundance Kid auf, stilecht mit einem Colt im Halfter und vor der Brust eine Winchester um oben in den Bergen ihrem Geschäft, dem Banküberfall, nachzugehen.
Auch auf der Straßenseite zeugt das Gebäude der Station noch von ihrer einstigen Bedeutung obwohl es wohl leer steht.
Gleich gegenüber liegt das alte Zollamt….
… und auch die Hafenmeisterei steht in Schlagdistanz.
Wer sich um sein Seelenheil vor der gefährlichen Reise ins Unbekannte sorgte, konnte vor der Abfahrt zu einer letzten Fürbitte in die Catedral de San Marcos gegenüber einkehren. Kein geringerer als der französische Ingenieur Gustav Eiffel hat sie entworfen. Sie besteht fast komplett aus Metall und wurde in Frankreich um das Jahr 1875 vorgefertigt. Sie war ursprünglich für einen anderen Ort in Peru vorgesehen. Da Arica aber 1868 von einem Erdbeben zerstört worden war, ließen die verantwortlichen Bischöfe die Kirche hier montieren. Leider war das Gotteshaus verschlossen.
Die Innenstadt von Arica ist nett aber nicht außergewöhnlich. Ein paar Gassen, die Restaurants sehen wenig einladend aus. Ich nehme mir ein Taxi zurück zum Hotel und kehre dort ein wo es mir gestern so gut geschmeckt hat.
Reisetag. Ein Morgen ohne Probleme. Das Frühstück im Hotel ist sehr gut. Vieles wird auf Bestellung frisch gemacht. Aber auch das Buffet kann sich sehen lassen. Ich bin noch nicht bei Wurst, Schinken und Ei, aber die selbst gemachte Marmelade ist auch köstlich. Ein Taxi bringt mich zum Omnibus-Terminal. Um 10 Uhr soll ein Bus fahren. Ich habe Glück: der erste Mensch den ich am Schalter nach dem Weg frage, ein älterer Herr, spricht Englisch und bietet mir einen Rundum-Service. Warum mit dem Bus? Die sechzig Kilometer kosten vier Euro, mit dem Sammeltaxi nur einen Euro mehr und es geht doppelt so schnell. Der Peruaner hilft mir beim Ausfüllen der Papiere. Hätte ich mich mangels englischem Text durchraten müssen. Der peruanische Zoll erledigt die Ausreiseformalitäten schon hier hier. Fragebogen (Spanisch) ausfüllen, hier eine Kopie, da eine Tax Marke für zehn Cent. Die Bahnsteigkarte für den Busbahnhof habe ich auch noch nicht. Ich bin einfach durch den Eingang gelaufen. Nochmal 20 Cent. Alleine hätte ich das nicht geschafft. Ein Euro extra für den hilfsbereiten Menschen.
Der Hof steht voll mit abfahrbereiten Sammeltaxen. Ich bekomme ein ziemlich altes Auto zugewiesen. Mit mir: drei Frauen und noch ein Mann. Mit dem Fahrer sind wir zu sechst. Es dauert eine Weile bis der Zoll meinen Pass wieder rausrückt. Ich verstehe kein Wort von dem was mir mein Fahrer sagen will aber irgendwie fühle ich mich bei ihm gut aufgehoben.
Es geht auf den Pan America Highway. Breite Straße, vier Spuren quer durch die Wüste. Wie in jeder Kneipe hier im Süden Perus läuft auch im Auto Classic Rock der 1970er. Die beiden Mädels neben mir, so knapp zehn Jahre jünger, singen und wippen mit. Fast wie in Offenbach im Oldie Club.
Ein paar verdorrte Bäume. Ich vermisse Kakteen. Die sieht man schließlich in jedem Western wenn der Held durch die Wüste reitet.
So nach 40 Kilometer taucht die Grenze zwischen Peru und Chile auf. Es ist mächtig was los. Das System verstehe ich nicht. Man muss zweimal mit dem Pass anstehen. Ok, dass danach nochmal das Gepäck durch den Scanner muss, ist internationaler Standard.
Aber mein Fahrer ist ja bei mir. Wie vor der Security am Airport muss ich in ein Gitternetz. Einmal durch und mein Zähler auf dem Handy lobt so viel Fleiß. Fast sind die 10.000 täglichen Schritte schon vor dem Mittagsmahl erreicht. Pass zeigen, Iris Scann, weiter. Jetzt wird es kompliziert: Wieder eine Gitterreihe. Es geht nur extrem langsam vorwärts. Aber mein Fahrer blickt entspannt auf die Gruppe, hält wie eine Glucke den Haufen zusammen. Es geht kaum vorwärts. Mal verschwindet ein Rudel aus einem Taxi nach links, mal nach rechts, mal wird eine Gruppe vor unseren Augen abgefertigt. Immer wieder drängen Menschen durch die enge Gasse an uns vorbei mit Koffern und Taschen. Ich muss mich mit meinem Rucksack immer ganz schmal machen. Sonderlich gerecht wirkt das nicht. Aber irgendwann winkt unser Fahrer. Jetzt dürfen wir uns an den Vordermännern und -frauen vorbei schleichen. Anyway. Stempel im Pass. Den Gepäckmenschen interessiert nicht was in meinem Rucksack ist. Die suchen hier wohl hauptsächlich nach Lebensmitteln die irgendwelche Keime einschleppen können.
Ankunft am Busbahnhof in Arica. Mein Taxifahrer wechselt meine letzten peruanischen Sol (toller Namen für eine Währung) in chilenische „Was weiß ich“. Jedenfalls habe ich genug Geld für das Taxi zum Hotel. Hier steht ein Geldautomat aber um den stehen auch verdammt viele junge Männer
Whoooww. Das Hotel liegt direkt am Pazifik. Über die Straße: der Strand. Viele Streetfood-Stände und Kinderspielplätze deuten auf Action. Dazu Restaurants, Bars und Spritbuden. Das Mädel an der Rezeption spricht kein Wort Englisch, dafür ist der Mann, der die Zimmer reinigt, ziemlich fit im angelsächsischen Idiom. Sie deutet mit der Zimmerkarte auf einen Gang nach hinten. Also Bergblick. Ich mache wieder mal auf Offenbacher Hinterhof Romeo und bekomme (geht doch) ein kostenloses Upgrade auf die Strandseite.
Nach ein wenig ausruhen, Geld besorgen. Zwar kann man hier eigentlich ohne Bargeld auskommen. Selbst die öffentliche Toilette wird mir Kreditkarte bezahlt. Eine Cola beim Straßenverkäufer, ein Espresso im Stehen. Kein Händler ohne ein rosa Gerät von der Transbank. Ich bin noch Old Scool. Zwar zahle ich wenn geht mit Karte aber einen Hunnie in Bar muss sein. Geldautomaten sind seit langem hier rar. Im Einkaufszentrum zwei Kilometer die Straße lang, soll es so eine antiquierte Money-Maschine noch geben. Ich mache mich auf. Ein Riesen Supermarkt, größer als alles was ich je gesehen habe, aber der Cash-Spender hat einen Crash. Gegenüber: Santander hat wohl einen, aber es ist Sonntag und die Bank hat zu. Nächste Shopping Mall: Und ganz hinten: mein Objekt der Begierde. Und die Maschine, ich kann mein Glück kaum fassen, spricht Englisch mit mir, und funktioniert. Ich verlasse fast als (Peso) Millionär den Konsumtempel.
Abends speise ich nebenan in einem kleinen Restaurant mit Meerblick. Irgendein Gemüse mit Lachs. Sehr gut. Davor (ich weiß es ist unvernünftig) ein Drink. Schlafe gut.
Ein kleiner Grund für den Umweg über Tacna: Hier gibt es ein Eisenbahnmuseum. Von Tacna führt eine Strecke in das rund sechzig Kilometer entfernte Arica in Chile. In Breitspur. Gebaut als der Landstrich noch komplett zu Peru gehörte. Dann gab es Krieg. Mal hin, mal her. Und im Salpeterkrieg wechselte das Bähnlein nochmal den Besitzer. Die Strecke war nie ein wirtschaftlicher Erfolg. Im Jahr 2001 wurde der Verkehr eingestellt weil eine Brücke weggeschwemmt wurde. 2005 begann der Betrieb neu wurde zehn Jahre später wieder aufgegeben. Der Verkehr wurde dann für den Tourismus wiederbelebt und ruht seit Corona-Zeiten. Die Strecke ist sehr reizvoll. Auf der einen Seite Wüste, auf der anderen der Pazifik. Mittlerweile sind Schwellen und Bahndamm marode. Die Regionalregierung soll die Sanierung der Gleise neu ausgeschrieben haben.
Aber am Morgen erst mal leiden. Das Kickers Spiel im Internet gehört.
0:0. Naja besser als verloren. Ich marschiere immer den Gleisen lang.
Das Museum im alten Bahnhof. Es muss schon ein imposanter Anblick gewesen sein wenn einst die mächtigen Dampfloks im Schritttempo das Tor passierten.
Museum und Bahnhof sind getrennt. Die Vorsteherin führt immer noch Aufsicht über Bahnsteigpersonal und Ticketkontrolleure obwohl schon lange kein Zug mehr abgefahren ist. Alles ist im Betrieb. Nur die Fahrgäste fehlen seit Jahren. Nebenan die Museumsabteilung.
Madame mit Helm begleitet mich. Nicht um mir die Exponate zu erläutern sondern als Aufsicht. Kann ich ja verstehen. Soll ja nix wegkommen. Nur Madame hat feste Vorstellungen wie hoch mein Zeitbedarf sein darf um die Exponate zu besichtigen. Ist die Uhr abgelaufen, deutet sie mir unmissverständlich an: weitergehen. Es gibt mehrere Madams. Alle sitzen am Eingang und quälen ihr Smartphone. Ich bin der einzige Besucher und verstehe nicht weshalb sich die Madams nicht auf die einzelnen Hallen verteilen.
Draußen hätte ich gerne die Triebwagen angeschaut, die bis vor einigen Jahren gefahren sind. Das scheint aber wieder die Abteilung Bahnhof zu sein. Da darf ich nicht hin bedeutet mir Madam, obwohl ich mit meinem Offenbacher – Hinterhof- Romeo – Charme alle Register ziehe. Normal setze ich mich inmitten einer solchen Kulisse gerne auf eine Bank und versetze mich in vergangene Zeiten. Aber nach fünf Minuten blickt Madam ungeduldig, nach sieben Minuten nimmt ihr Gesichtsausdruck strafende Züge an.
Was auch fehlt, ist die Brücke zwischen den einzelnen Exponaten. Kaum Erklärung und der englische Text wirkt gegenüber dem spanischen Original halbiert.
Good bye. Schade.
Abends nochmal auf den Dorfplatz. Wochenende, viel los.
Keine Ahnung was hier abgeht: Hochzeit, Schwur der ewigen Treue oder einfach nur Theaterprobe.
Mir gefällt nebenan ein Italiener. Ziemlich urig eingerichtet. Viele Familien muss gut sein. Ist es auch.
Im Hotel beschäftigt mich der Angriff der USA und Israels auf den Iran. Nicht einfach eine Position zu finden. Froh bin ich nur, dass ich nicht wie ursprünglich geplant nach Indonesien über Katar geflogen bin. Irgendwie hatte ich so eine Ahnung. Die Entscheidung für Südamerika fiel ja erst kurz vor Abflug
Reisetag. Noch fühle ich mich schwach. Aber es muss gehen. Die Route war keine einfache Entscheidung. Die Tarife für die Direktflüge von Lima nach Santiago sind in dieser Woche jenseits von Gut und Böse, auf dem Niveau von Frankfurt – Sydney. Aber es gibt eine Option: Inlandsflug von Lima an die Grenze zu Chile nach Tacna, mit dem Bus 60 Kilometer auf die andere Seite und von dort einen Inlandsflug nach Santiago. Überschaubar von den Kosten.
Ich fliege mit Latam. Das ist sowas wie Lufthansa. Und ich bin Lufthansa-Typ. Mir ist das biedere lieber als das ganze Gedöns um die Nahost-Airlines mit ihren Stewardessen die wie Püppchen wirken. OK die Stop over in Katar in den 5-Strene-Burgen für lau sind nicht zu verachten. Beim Buchen hatte ich festgestellt, dass Premium-Economy nur einen Euro teurer ist, wenn ich die Gepäckkosten einrechne. Also buche ich das Upgrade, auch weil die Airline damit wirbt, dass man vor dem Flug in der Lounge sein Bier für umsonst trinken kann.
Der Flughafenbus soll nebenan losfahren. Ich warte, kein Bus. Irgendwann denke ich, vielleicht sollte ich nochmal wegen des Magens auf die Toilette, frage nett im Marriott und darf. Dumm nur: in der Zeit kommt der Bus. Also Taxi. Das ist für die 10 Kilometer auch nur vier Dollar teurer. Im Airport läuft alles zügig, nur es gibt keine Lounge. Die sei nur international erklärt mir der Mensch an der Infound wir seien im Domestic. Auch gut. Ein Tee und ein Sandwich bei einer Kette für Kinderpappe hier tut es auch.
Aber wenigstens Beinfreiheit. Der Flug ist ok.
Mal wieder von der Maschine ins Gebäude zu Fuß über das Rollfeld. Auch lange her.
Ist auch nicht viel Betrieb hier. Es gibt ein einzige Gepäckband und mein Rucksack ist der erste
Der Trick mit den beiden Flügen scheint populär. Draußen stehen zwei duzend Sammeltaxis, die Richtung Chile fahren. Ich habe hier in Tacna gebucht. Ein ziemlich einfaches Hotel aber sauber und mit einer richtig netten Rezeption.
Ein richtiges peruanisches Landstädtchen. Ich mag solche Ort. Normales Leben. Man lernt den Alltag der Menschen kennen und der interessiert mich. 400 Meter sind es bis zur Stadtmitte. Es gibt eine erstaunliche Vielfalt an Geschäften und Restaurants. Ich vermute mal: Chile ist nahe und Peru zieht Kunden aus dem Nachbarland.
Einen richtigen Brunnen haben sie hier auch. Unter den Bäumen in der Nachbarschaft sitzen die Leute und schwätzen. Es ist angenehm warm.
Die örtlichen Cheerleaders üben für das nächste Kreisliga-Duell ihrer Kicker.
Mich zieht es in ein Restaurant. Das Essen sieht ja nicht gerade Magenschonend aus, es ist es aber. Das Fleisch ist hauchdünn und dazu die Nudeln.
Ich hatte zum Glück im Hotel verlängert und den Flug erst für Freitag gebucht. Mittags erkunde ich ein wenig die Umgebung. Ein wenig Seeluft atmen.
Anschließend schreibe ich an einem Beitrag für Bloghaus über die Radwege in Peru. 2024 ein Aufreger-Thema in Deutschland und ein Beispiel wie es Radikalrechts gelingt mit unsinnigen Behauptungen Debatten zu bestimmen. Stramm rechte Medien liefern die Begleitmusik, konservative Blätter wie Bild, Welt und Focus verlängern und irgendwann orientieren Parteien wie CDU, CSU und FDP ihre Politik an haltlosen Behauptungen. Ich glaube es gibt wenige so sinnvolle Projekte bei der Entwicklungshilfe wie diese Radwege in Peru, die Teil einer Neuorientierung der Verkehrspolitik in der Stadt sind. Fünf neue Metrolinien sind im Bau. An diesem Projekt verdienen Deutsche Unternehmen Milliarden. Die Radwege für gerade mal 20 Mio Euro verbinden auf ca 20 Kilometer ein vorhandenes 300 Kilometer langes Radwegenetzt in der Stadt.
Entgegen der Behauptungen werden die Spuren super genutzt. Es entstehen mit Verleih und Reparatur neue Arbeitsplätze. Mehr dazu unter :
Ja und dann: Mitten während des Schreibens passiert es. Plötzlich wackelt mein Hotel und ich im siebten Stock. In der ersten Sekunde denke ich, im Nachbarzimmer sei was umgefallen. Denkste: Erdbeben. Stärke 5, also ziemlich heftig, ungefähr sieben Sekunden lang. Die Höhenangst dominiert meine Gefühle. Ich habe Angst die Scheibe, die von Wand zu Wand geht bricht und ich werde aus dem Zimmer gezogen und fliege. Noch während des Bebens informiert mich eine App auf Deutsch. Hinterher denke ich: Wie geht das.
Ich ziehe Google zurate. So ein Erdbeben der Stärke 5 erleben die Menschen etwa 50 mal im Jahr. Also hier kein Grund zur Aufregung.
Mit Frühstück ist nicht. Zum Glück steht im Zimmer ein Wasserkocher. Tee und ein wenig trockener Kuchen. Es ist brutal, so schlimm wie damals auf dem Flug zwischen Pakistan und Laos. Dort hatte ich in dem besten Restaurant von Lahore den Virus gefangen. Hier: Keine Ahnung. Ich habe eigentlich nix Rohes gegessen oder doch die köstlichen Gurken-Sandwiches. Möglicherweise die Eiswürfel. Spekulieren hilft auch nicht. Zum Glück habe ich ein gutes Hotel. Nebenan in der Apotheke rät mir der Apotheker zu speziellen Antibiotika in Kombi mit einem Stärkungsmittel. Ein wenig lesen wenn es geht. Trinken, trinken, trinken. (Wasser)
Jetzt fängt es an mir richtig übel zu gehen. Aber ich werde es schon aushalten. Das tolle Buffet wartet vergeblich darauf, dass ich mich an Obst und Gurken Sandwich bediene. Marmelade, Kuchen und Tee ist angesagt. Gestern Abend hatte ich mir schon Inka Cola gekauft, eine Mischung aus Coca und Tonic. Ich bilde mir ein, es beruhigt den Magen. Ich habe ja noch einen Tag Hop-On-Hop-Off
Heute nähere ich mich der Altstadt von der anderen Seite. Auch das ehemalige Telegraphenamt spiegelt den einstigen Reichtum von Lima.
Wunderbare Accessoires schmücken die Fassaden.
Mich zieht es hinter den Hauptbahnhof (heute Literaturhaus) den ich gestern gesehen hatte. Es gibt noch ein Gleis hinab zum Hafen. Mehr überrascht der riesige Waggonpark auf dem Asphalt. Es sind Eisenbahnwagen aus Kalifornien wie ich später lese. Ein Geschenk des Governments dort, nicht ganz durchdacht und auch ohne Konsens zwischen der Regierung von Peru und dem Rathaus von Lima. Die ausgemusterten US-Wagen sollten das Rückgrat für den ÖPNV in die Region sein. Super sagen die einen, Schrott die anderen. Es gibt auch handfeste Probleme. Die Gleise unter den Brücken müssten abgesenkt werden, damit wären aber Probleme für den Güterverkehr verbunden. Anyway. Jetzt stehen sich die US-Cars die Räder platt. Das ist tatsächlich ein Problem. Falls sie wirklich wieder fahren sollten müssen alle Spurkränze ausgewechselt werden.
Jedenfalls die Übergabe hatte man einst kräftig gefeiert. Und nebenan im Depot harren auch noch einige Garnituren.
Der Zug ganz links fährt einmal im Monat in die Berge. Selbst wenn während meines Aufenthaltes hier eine Tour angestanden hätte: Mission Impossible. Ab 2.000 Meter werde ich ernsthaft Höhenkrank.
Eigentlich möchte ich noch ein wenig durch die Altstadt schlendern. Aber ich merke: Jetztmuss ich im Eilmarsch heim. Zum Glück fährt gerade ein Bus. Die Stunde halte ich noch durch. Dann was das für die nächsten drei Tage.
Nach dem Frühstück -ich kann mich immer noch begeistern- geht es erst mal zum Schneider. Eine Naht an der Hose mit den Reißverschlüssen an den Taschen (ganz wichtig) ist gerissen. Google Translator: Was heißt „Schneider“ auf spanisch: Google Maps und schon habe ich eine Näherei fast nebenan gefunden. Um neun Uhr soll er aufmachen, um halb zehn stehe ich vor dem hellblauen Haus in dem laut Foto auf google die Schneiderei beheimatet sein soll. Das Haus stimmt, nur gibt es das nur ein leeres Schaufenster. Kein Problem erklärt mir die Frau vom „Tante Emma Laden“, er sei nur auf die andere Straßenseite gezogen. Also sie in Spanisch und ich auf Englisch. Dauert zehn Minuten aber dann habe ich es kapiert. Außerdem öffne er erst um zehn. Mein Vertrauen in google ist erschüttert, aber Punkt zehn kommt der Meister und öffnet das Schloss. Er näht eigentlich Anzüge und Hemden -und die sehen ganz toll aus- aber ich könne die Hose heute gegen fünf wieder abholen. Gut dass ich in Latein manchmal aufgepasst habe und ein paar Zahlen kann.
Aber jetzt geht es los. 10.30 Uhr startet mein Hop-on Hop-off-Bus.
Auf meinem Programm steht heute die Altstadt. Das bedeutet erst mal eine Stunde Fahrt. Der Verkehr. Die Entscheidung für Südamerika ist ja relativ kurzfristig gefallen. Wenn man mich vorher gefragt hätte, wieviel Einwohner Lima habe, hätte ich 300.000 geschätzt. Es über 10 Millionen. Ihre Zahl hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt. Im Westen ist der Pazifik, im Osten versperren die Anden die Möglichleiten die Stadt zu erweitern.
Trotz der ständigen Prise vom Meer: die Luftqualität ist miserabel. Trotz der angespannten Flächensituation die Stadt versucht ihre Grüne Luge zu schützen. Es gibt erstaunlich viele Parks und Grünflächen. Bäume säumen die Straße.
All das hektische Treiben endet am Plaza Jose de San Martin. „Heiligkeit“ ist das Mindeste um mit seinem Namen eine Platz in Lima zu schmücken. Aber die Altstadt – UNESCO Weltkulturerbe- ist auch ein besonderer Ort. Der Bus biegt um die Ecke und man fühlt sich in einer anderen Welt. Hier finden Vergangenheit und Gegenwart zusammen. Schöne Plätze, alte Villen und pompöse Paläste mit den tollen Balkone und überall Kirchen und Denkmäler satt. Am Jose de San Martin beginnt die Fußgängerzone. Naja es ist wie überall in teuren Lagen: es dominieren Modeketten und IT-Läden.
Durst. Ich suche ein kleines Café das noch nicht ganz nach Kette aussieht. Der Espresso ist köstlich und noch besser der frisch gepresste O-Saft
Dann gegenüber in eine Kirche. Es gibt hier so viele, dass das prächtige Gotteshaus noch nicht mal auf Google Maps eingezeichnet ist
Ein paar Schritte weiter hat man ein was auch immer unter einer Rotunde zu einem Kaufhaus umfunktioniert
Mittelpunkt des Historischen Quartiers ist der Plaza de Armas, auch Plaza Mayor genannt.
Eine lange Seite der riesigen Fläche säumt der Präsidentenpalast.
Nebenan die Basilika mit den vielen kleine Kapellen an den beiden Seitenschiffen. Jede hat ihren eigenen Heiligen. Unten in der Gruft liegen Bischöfe begraben. Ich wundere mich über die vielen Kindersärge.
Draußen prächtige Fassaden mit den Holzbalkons.
In den Arkaden mit den vielen Geschäften und kleinen Restaurants lässt sich gut bummeln, vor allem schützen die Bögen vor der Hitze
Die Kirche des Heilen San Franciscus wird gerade renoviert. Das Kloster das sie nebenan beherbergt, muss einen wunderbaren Kreuzgang haben.
Und da ist noch der ehemalige Bahnhof von Lima. Von hier starteten einst die Züge hinauf nach Bolivien. Heute ist der Bau ein Literaturhaus, leider verschlossen beide Funktionen hätten mich interessiert.
Solche Figuren in allen Varianten beleben das Straßenbild von Lima. Drei Stunden schlendere ich durch die Innenstadt. Es ist mir keine Sekunde langweilig. Schnell zum Schneider. Top Arbeit für nicht mal zwei Euro. Abends ein Sandwich. Mein Magen gluckert.