Freitag, 20. März 2026

Mar del Plata

Das Bett: ein Gedicht. Man mag nicht aufstehen so bequem liegt man auf der Matratze. OK. Das Frühstück in Lima war schon extra aber das hier ist zumindest für argentinische Verhältnisse außergewöhnlich. Auf der Obstplatte liegen sogar frische Erdbeeren.

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Donnerstag, 19. März 2026

Von Bahia Blanca nach Mar del Plata

Versorgt mit Bus-Ticket und Hotel-Reservierung geht es mittags los. Mit dem Taxi zum Busbahnhof. Das Fahrzeug ist das mieseste während meiner ganzen Reise. Und vor mir sitzen zwei Prolos die sich bei reichlich Alkohol lautstark unterhalten. Mein MP3 Player ist ohne Saft. Mein Charger im Koffer. Zum Glück verlassen die Jungs auf halber Strecke den Bus.

Irgendwann glaubt der Betrachter hier dass die Erde eine Scheibe ist. Sieben Stunden Fahrt durch die Ebene. Endlose Weiden, Kühe, selten Pferde. Viele Wege führen zu Farmen. Wie in den USA symbolisiert ein Tor den Zugang. Manchmal in Form eines Hufeisen oder eines Gatters.An den Pfosten hängt allerlei Kitsch. Kleine Kühe, Hörner, Strohballen oder Milchkannen. Getreide wird angebaut, Raps. Immer wieder schützen Hecken und kleine Wälder den Boden vor Erosion.

In den Dörfern Werkstäten für Landmaschinen, Geschäfte für Eisenwaren, Baumärkte, Saatgut, Baumschulen und alles was man sonst für die Landwirtschaft braucht. An den Tankstellen dominieren Pickups. Es ist ein wohlhabender Landstrich.

Mein Bus kommt lange nach zehn in Mar del Plata an. Wir müssen endlos warten weil der Boy der das Gepäck aus dem Bus lädt, abhanden gekommen ist. Am Taxistand ahne ich schon Übles. Der Fahrer kennt augenscheinlich das Hotel nicht. Mein Handy mit der Adresse und dem Weg auf Google maps wird herumgereicht. Eigentlich ist das Haus nicht schwer zu finden. Eine der Hauptstraßen immer geradeaus. Selbst auf eine Einbahnstraße muss der Droschkenkutscher keine Rücksicht nehmen.

Das Gepäck wird eingeladen. Es geht los. Nicht wirklich. Er dreht drei Runden um den Block. Den Spaß kenne ich, er regt mich auch nicht sonderlich auf, denn bei den niedrigen Taxitarifen versucht jeder ein paar Pesos, Dollars oder Bath extra zu verdienen. Kann ich verstehen. In Vietnam haben die Stadtrundfahrten manchmal schon kriminelle Züge, wenn der Taxometer heiß zu laufen droht. Dann steigt man einfach aus bevor man für zwei Kilometer 50 Dollar löhnt. Ich hole das Handy raus und zeige dem Fahrer, dass ich die Route verfolge. Dieser Versuch schlägt heute fehl. Der Mann beginnt in die gegengesetzte Richtung zu fahren. Ich sage „Stop“. Er bleibt unbeeindruckt und chauffiert mich noch weiter raus. Die Straßenlaternen werden spärlicher, die Gegend ärmlicher. Ok. Es macht auch keinen Sinn den Translator zu bemühen, Spanisch kann ich nicht, er kein Englisch. Das brülle ich gleich auf Deutsch los. Das verstehe wenigstens ich. Zurück, Retour zum Busbahnhof, Statinone de Omnibus. Nach dreimal brüllen dreht er.

Nach einigen hundert Meter stoppt er bei einer Polizeistreife. Upps. Davon habe ich schon gelesen, dass die Jungs unter einer Decke stecken. Ich fotografiere, auch ein alter Trick, sein Cockpit und seine Lizenz die am Rücksitz hängt und tue so als ob ich sie per WhatsApp verschicke. Einer von den Beamten kommt zum Fenster. Ich zeige ihm auf dem Handy wo ich hin will. Der Fahrer steigt wieder ein. Ich dirigiere ihn links, rechts und man muss kein Pfadfinder sein. Das Haus liegt direkt an einer Hauptstraße und ist mit zehn Stockwerken und reichlich Licht groß genug um es zu kennen.

Danach ist alles gut. Das schönste Zimmer auf meiner Reise. Mit Kühlschrank. Safe.

Mich zieht es 200 Meter weiter. Ein Bier noch. Leute gucken. Ab ins Bett.

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Mittwoch, 18. März 2026

Bahia Blanca

Der Zug von Mar del Plata nach Buenos Aires ist noch nicht gebucht. Das muss ich erst bevor ich Bus und weitere Hotels reserviere. Irgendwie habe ich das einen Tag zu lange vor mir her geschoben. Mit erschrecken stelle ich fest, dass es für Samstag nur noch acht freie Plätze in der Zweiten Klasse gibt, die erste scheint ausgebucht. Und billig ist die Fahrt auch nicht. Abends im Bett habe ich schon mein Glück probiert, scheitere aber regelmäßig an der Eingabe meiner Telefonnummer: und die ist Pflichtfeld. Nach zehn Versuchen morgens marschiere ich zur Rezeption. Die gesamte Mannschaft versucht vergeblich ihr Glück. Sie geben ihre eigene Handy-Nummer ein: Zwecklos. Irgendwann findet einer den dreh wie Vorwahl, Länderkennung, die Null zwei Kreuze in die richtige Reihenfolge gebracht werden müssen. Das löst aber das Problem nicht, denn wenn alle Angaben eingepflegt sind, fragt die Maschine hinterhältig nach dem Account. Den gibt es aber nur mit einem argentinischen Pass, den die Nummer meines Reisepasses passt nicht in die Felder der argentinischen Staatsbahn. Geduldig leuchtet das Feld in der Maske nach jedem Versuch rot.

In Zeiten des Internets sind Reisebüros rar. Google Maps nennt mir einige, aber diese sind meist nur auf besondere Angebote fixiert. Eines nebenan existiert nicht mehr. Irgendwo zwei Kilometer weiter existiert eine letzte Hoffnung. Und ich habe Glück. Die Besitzer sind junge Leute, ein Paar. Auch sie quälen zunächst mein Handy eine halbe Stunde, dann ihres. Nix geht. Erfahrungen mit Zügen haben sie noch nicht aber einen Agenten der ihnen hilft einen Account anzulegen. Nicht so einfach, aber auch das klappt irgendwann und tatsächlich: es gibt sogar noch ein Ticket. Ich bekomme es als Print und aufs Handy. Jetzt kann nix mehr schief gehen.

Das Reisebüro liegt in einem Viertel wo eher Besserverdienende wohnen. Schöne Restaurants mit herrlichen Terrassen. Ich beschließe mich mit einem Steak zu belohnen. Und: es ist eine Belohnung.

Später: ein wenig durch die Straßen und Gassen schlendern. Das hier ist der Eingang zu einem öffentlichen Gebäude.

Die Kirche war leider zu…

… dafür lud der Park zum Erholen ein.

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Dienstag, 17. März 2026

Bahia Blanca

Das Bett ist gut. Das Frühstück: Sagen wir mal argentinischer Durchschnitt. Also Kaffee genießbar, der Rest naja. Ich beschließe zwei Tage zu verlängern und über Mar del Plata Richtung Buenos Aires zu fahren. Das bedeutet sieben Stunden zusätzlich mit dem Bus: aber auch eine lange Zugfahrt mit der einzig täglich bedienten Linie im Land.

Und ich habe die Chance wieder waschen zu lassen. Google maps schlägt mir eine Laundry in ca 800 Meter Entfernung vor, direkt neben dem Hotel ist aber auch ein Selbst Service. Das ist nicht so mein Geschmack weil schon zuhause der Lavamat auf deutsch eine ziemliche Herausforderung ist. Aber alles klärt sich wieder einmal von selbst. Als ich mit meiner Tchibo-Tüte an dem Laden mit der Waschmaschinen -Batterie vorbeilaufe und nur kurz durch die Scheibe schaue, erkennt die Besitzerin messerscharf mit all ihren weiblichen Instinkten: Mann und hilflos. Sanft bugsiert sie mich in den Laden. No Problem. Ich bekomme einen Zettel. Sie zeigt auf den Mittwoch auf dem Kalender und hebt vier Finger in die Höhe -was wohl vier Uhr bedeutet- und drückt mir einen Zettel mit einer Nummer in die Hand.

Ich bummele ein wenig durch die Stadt. Sie muss vor über 100 Jahren sehr wohlhabend gewesen sein. Zahlreiche Prachtbauten säumen die Straßen und Parks.

Endlich wieder Palmen. Ich verbringe die Siesta im Park…

Bewundere die endlos Reihe an Bänken…

… bevor ich mir einen besonderen Genuss gönne.

Bahia Blanca verdankt seine Existenz Auswanderern aus Europa, auch aus Deutschland. Vor 150 Jahren schipperten sie über den großen Teich, auch weil sie Armut, Hunger oder auch Verfolgung entfliehen wollten. Sie brachten ihr Leben mit, ihre Kultur, ihren Alltag und Gewohnheiten. Handwerker, Landwirte, Händler gründeten Betriebe wurden Schmied, Schreiner, Bierbrauer, Viehzüchter oder betrieben einen Laden. Sie sprachen lange ihre Heimatsprache und informierten sich einmal die Woche aus ihrer eigenen Zeitung. In der Freizeit pflegten sie Geselligkeit in Gesangsvereinen, trafen sich Sonntags in der Kirche und danach beim Fußball. Irgendwie so ähnlich wie die rund 160 Kulturen die heute in Offenbach leben.

Einer von ihnen gründete 1890 das Gambrinus. Die Kneipe existiert heute noch. Keiner der Kellner spricht mehr Deutsch aber immerhin einer hat in der Schule Englisch gelernt. Die Rezepte von damals kennen sie heute noch…

…Zum Glück. Ich bestelle mir zwei Knackwürste mit Sauerkraut. So nach vier Wochen Cross over Südamerika ein wenig Heimatgefühl. Irgendwo bin ich halt doch eine „Kartoffel“ und keine Pommes Das Sauerkraut mit Kümmel, ich hätte mich reinsetzen können. Und eine richtige Wurst und dazu Senf aus Deutschland. Eigentlich bin ich einfach glücklich zu machen.

Natürlich ist so eine Kneipe prall gefüllt mit Devotionalien. Ich besichtige Stück für Stück. Auf so einem Foto fantasiert man natürlich über all die Schicksale.

Und die ein oder andere Flasche scheint kommt bekannt vor.

Und zum Ende des Abends ein Espresso aus dieser Maschine. Ehrlich. Einer der besten in meinem langen Leben.

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Montag, 16. März 2026

Von Bariloche nach Bahia Blanca

Beim Aufwachen ist es gespenstisch ruhig im Wagen. Bis auf zwei Pärchen sind alle ausgeflogen. Auch der Mädels-Geselligkeitsverein ist verschwunden. Sie warten vor dem Bahnhof auf den Bus. Ich google ein wenig. Wahrscheinlich wäre es intelligenter gewesen hier in San Antonio Oeste auf den Omnibus umzusteigen statt in Viedma wie von mir geplant. Anyway. Zu spät.

Der Zug wechselt die Richtung. Die Lok rangiert an das andere Ende. Zeit um sich die Beine zu vertreten.

Der Bahnhof wirkt ziemlich verlassen. Naja: ein Zug die Woche hin, einer zurück. Drei vier Güterwagen und jede Menge Personal.

Auf einem Abstellgleis einige verrostete Waggons. Offenbar wohnen hier Menschen.

Mit einiger Verspätung geht es weiter. In Viedma muss der Zug pünktlich sein sein damit ich den Bus mittags bis Bahia Blanca erreichen. Das würde mir dort alle Optionen für die Weiterreise am gleichen Tag offen halten. Der Speisewagen ist angenehm leer. Das Personal verschnauft. Gestern war der Teller übervoll. Heute bleibt er leer. Zwei Tee und ein Mini-Croissant.

Draußen Pampa. Die Gegend heißt hier wirklich so. Endlose Steppe, braun in braun. Ab und zu ein Wasserturm aus der Dampflokzeit. Hier und da ein Halt an einer verfallenen Station. Auf Google maps kann ich das Weiterkommen gut verfolgen. Es scheint zügig voranzugehen….bis 30 Kilometer vor der Endstation. Unser Zug verfällt ins Schritttempo. Wahrscheinlich hält das Gleis nicht mehr aus.

Mit circa 30 Minuten Verspätung kommen wir in Viedma an. Ein Bild vom Zug. Und dann raus auf den Bahnhofsvorplatz. Mit mir warten circa zehn Leute auf ein Taxi. Die Station liegt -wir würden sagen- in der Pampa. Mitten drin. In der Ferne ist die Stadt zu erahnen. Ein Mann versucht per Handy Taxen zu ordern. Nach 15 Minuten trifft die erste ein. Man sollte meinen, der Fahrer alarmiert jetzt alle seine Kollegen im Umkreis. Denkste. Er versucht uns nach und nach alleine abzuholen. Zum Glück gesellt sich irgendwann ein Auto dazu. Ich bin der letzte der nach einer Stunde in die Stadt, zum Busbahnhof mitgenommen wird.

Nächstes Problem: der Busbahnhof wird generalsaniert. Das Gebäude innen ist eine riesige Baustelle und Handwerker machen Krach. Keine Pizzabude im Umkreis von 300 Metern. Ich habe keine Lust weiter mit dem Gepäck zu laufen. Deponieren kann ich es hier auch nirgendwo. Es ist kurz vor zwei. Der nächste Bus nach Bahia Blanca fährt um sechs Uhr. Vier Stunden Fahrzeit. Wenigstens gibt es einen Kiosk vor dem Gebäude. Ich hol mir eine Cola und ein paar Kekse, finde eine Bank und zieh mir im Internet ein Ticket. Lesen ist angesagt. Der Bus ist pünktlich. Der Beifahrer hakt meinen Namen ab: wie der so schnell auf die Liste kommt. Fragezeichen. Auf meinem MP3 Player ist noch Saft. Die Sitze sind angenehm. Die restlichen Passagiere telefonieren nicht übermäßig. Nach einer eintönigen Fahrt kommen wir fast pünktlich an.

Das Hotel ist ein Volltreffer. Das Zimmer ist nicht besonders groß aber es ist alles da was man braucht. Und die Dusche gefällt mir richtig. So um 11 Uhr nachts frage ich den Jungen an der Rezeption wo man noch essen kann: es sind zwar 500 Meter Fußmarsch, aber absolute safe wie er versichert. Scheint auch so zu sein, denn draußen führen einige Frauen ihren Hund Gassi. Aber: es liegen auch jede Menge Obdachlose auf den Gehsteigen.

Das Lokal liegt am zentralen Platz der Stadt. Es entpuppt sich als Volltreffer, viele andere Optionen hätte es um diese Uhrzeit eh nicht mehr gegeben. Die Kellnerin spricht nur spanisch aber es gibt eine englische Speisekarte. Das Bild zeigt die kleinste mögliche Portion. Nebenan sitzt eine fünfköpfige Familie beim Mitternachts-Snack. Die haben normale Portionen, also ungefähr die Größe meiner Wochenration. Und die Putzen alles weg, auch die etwa zehnjährige Tochter. Ein Blick genügt. Von nichts kommt nichts.

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Sonntag, 15. März 2026

Bariloche

Weiter geht es. Frühstück, packen, auschecken. Ich kann mein Gepäck in der Lobby stehen lassen. Ein wenig links und rechts durch die Stadt. Mist den Magnet für den Kühlschrank habe ich vergessen. Zurück im Hotel, lesen. Cathryn Clüver Ashbrooks „Der amerikanische Weckruf“ fesselt mich seit Tagen und ihre Erzählung macht mir Angst. Sie seziert quasi wie in Amerika die Konservativen das Land sturmreif schießen.

Kurz nach zwei geht es mit dem Taxi zum Bahnhof. Die Droschke kostet hier weniger als ein rmv-Ticket. Die Tarife sind wohl limitiert und im Verhältnis zum Preis einer Cola oder einem Snack grotesk verzerrt. Ich frage mich immer wovon die Fahrer leben wenn sie mich für fünf Euro eine Viertelstunde fahren. Auto und Benzin müssen ja dazugerechnet werden. Am Bahnhof warten erst wenige Passagiere. Einer von ihnen scheint wie ich ein Eisenbahn Fan zu sein. Wir knipsen uns gegenseitig.

Lange nach vier beginnt das Rangieren. Der Güterwagen wird abgeholt. Dito der Wagen der drei Autos von Urlaubern befördert die sich nicht der Strapaze einer Fahrt ins Tal unterziehen möchten.

Irgendwann kommt dann auch unser Zug.

Er ist bis zum letzten Platz ausgebucht. Ihn im Internet zu buchen, war ein Kampf. die Plätze werden erst kurzfristig frei geschaltet. Einige Angaben wie die Telefonnummer müssen in einem speziellen Format eingegeben werden. Mastercard geht nicht, nur Visa. Das zu verstehen brauchte ich zwei Stunden. Was mich ärgert. Es gibt ausreichend Kapazitäten im Schlafwagen, nur werden die auf der Buchungsmaske nicht angezeigt.

An der Tür Gedränge. Die Plätze werden zugewiesen. Drinnen muss sich erst mal alles, inklusive Gepäck, sortieren.

Ein wenig Pech habe ich mit meinem Wagen. Irgendein Frauenclub kehrt vom Ausflug zurück. Ich habe es früher immer schon gehasst wenn ich beruflich nach Berlin oder Hamburg musste und in meinem Wagen die schwäbischen Landfrauen reserviert hatten und um 8.10 Uhr den ersten Piccolo köpften. So ungefähr war die Lautstärke für die nächsten Stunden.

Punkt 17 Uhr winkt der Schaffner mit der Grünen Fahne. Abfahrt. Ich habe einen Fensterplatz. Das Panorama ist spektakulär. Eine karge Hochebene, manchmal von einem kleinen Fluss unterbrochen. Eingerahmt von Bergen und schneebedeckten Gipfeln.

Ab und zu ein Gebäude oder eine kleine Farm

Meine Sitznachbarin macht mich immer mal auf Lamas aufmerksam, die ich vor der der Landschaft braun in braun niemals selbst erkannt hätte.

Ab und zu ein kleiner Wasserturm oder ein Bahnhof

Für viele hier ist der Zug, der eigentlich nur für die Touristen fährt, eine Möglichkeit, Kontakt mit der Außenwelt zu halten.

Allmählich wird es dunkel. Gestern kein Abendessen. Mich zieht es in den Speisewagen. Ich bestelle mit Nudeln mit einer Soße die mir die argentinische Mitropa-Chefin empfiehlt. Mich hätte ja schon misstrauisch machen müssen dass die Soße doppelt so teuer wie die Nudeln ist.

Der Wein in kleinen Flaschen ist leider aus (ich vermute mal die Ladies in meinem Waggon) also Boer dazu. Und dann wird aufgefahren. Nix Convenience, nix Microwelle: alles wird in der Küche des Speisewagens frisch zubereitet. Die Portion ist riesig. Ich schaffe vielleicht 60 Prozent und jede einzelne Gabel schmeckt. Zu den Nudeln gibt es richtig viel Fleisch in einer perfekt abgestimmten Tunke. Via Translator lobe ich Küche und Köchin, aber mehr wie zwei Drittel schafft auch ein Offenbacher nicht.

Ach so. Es ist ja auch Wahltag in den Kommunen in Hessen. Via Whats App verfolge ich die Ergebnisse und bin ab und zu mit Offenbach in Kontakt. Super gelaufen dort. Mühlheim dagegen die Katastrophe.

Zufrieden lese ich noch ein wenig und schlafe relativ gut durch,

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Samstag, 14. März 2026

Bariloche

Ein wenig in den Tag leben. Man wird älter. Morgen geht es 17 plus Stunden von den Anden bis zum Süd Atlantik. Keine Ahnung was mich im Patagonien-Express erwartet. Morgens das Frühstück ein wenig zelebriert. Es ist halt ein Haus in einem Gebiet das im Winter und im Sommer ein Hot Spot ist. Die Leute sind eine Woche hier und werden routiniert durchgeschleust. Man erwartet keine High-Lights. ist aber auch nicht frustriert. Im Prinzip funktioniert die Stadt wie jeder Ferienort in den Alpen. Restaurants um die Hotels: von der Pommesbude bis zum Sterne-Tempel, Büros die Touren organisieren. Im Angebot sind Kajak-Touren, Trekking, Wandern zu Gletschern und verwunschenen Seen. Und dann all das Zeug das andere Gäste vertreibt. Quad Fahren, Mountain Bike, Hubschrauber Touren und so weiter.

Mittags marschiere ich dann den See entlang Richtung Bahnhof. Laut Google etwa drei Kilometer. Checken wie das morgen laufen könnte. Regen droht, deshalb finde ich nicht die Muse in eines der Cafés auf einen Cappuccino einzukehren. Irgendwann beginnt das Seebad (oder ist es ein Skiort?) seine Glanz zu verlieren. Halb verfallene Hotels zeugen von der Pracht im vergangenen Jahrhundert. Fassaden von denen die Farbe abblättert, Dächer auf denen Ziegel fehlen. Die Gegend wird rauer. Auf der Hinfahrt im Taxi vom Busbahnhof ist mir der Wandel nicht so aufgefallen.

Auf dem Abstellgleis hinten steht mein Patagonien-Express. Der Triebwagen im Vordergrund befördert einmal in der Woche Gäste zwei Stunden weit in die Berge zu einem Dinner im Zug.

Der Bahnhof hat sich die Würde vergangener Tage bewahrt, für den einen Tag in der Woche, wenn der Patagonien-Express kurz für Leben sorgt. Kein Vergleich mit den Zeiten als er die einzige Verbindung für die Menschen hier oben zur Außenwelt war. Die meisten Gleise sind verwaist….

… aus dem Güterwagen, der mit dem Patagonien-Express angekommen ist, werden Boxspring-Matratzen ausgeladen. Ich hoffe mein Hotel wird auch beliefert.

So mag die Schalterhalle schon vor 100 Jahren ausgesehen haben. Ein Zug aber drei Leute hinter dem Schalter von morgens acht bis abends um sechs. Die Tickets werden fast ausschließlich über Internet verkauft und sind innerhalb von Stunden vergriffen. Mit Matthias Schulze hatte ich mich über den Arbeitsmarkt hier ausgetauscht. Er hat dazu veröffentlicht, beschrieben wie der informelle Sektor wächst aber gleichzeitig die Leute die einen festen Job haben, stark abgesichert sind, auch wenn die Grundlagen für ihre Arbeit ganz oder teilweise entfallen. Aber eines muss man Patagonia tren lassen: es ist tiptop sauber. Und der Bahnhof hat ein super schnelles Wlan in 5g. Und im Gegensatz zum Stadtbüro, wo auch jemand den ganzen Tag Zeit hat sein Handy zu quälen, wissen die hier super Bescheid. Ich soll um 15.30 Uhr hier sein. Um 16 Uhr fahre der Zug. Das ist jetzt die dritte Abfahrzeit die mir genannt wird.

In einigen Vitrinen erinnern Schaustücke an den Betrieb vor vielen Jahrzehnten.

Regen droht. Ich möchte so schnell wie möglich mit dem Bus zurück. Geht nicht. Ich habe kein Plastikkärtchen. Zahlen beim Fahrer ist nicht möglich. Also geht es per Taxi ins Hotel.

Abends schüttet es. Ich traue mich noch nicht mal auf die 150 Meter zum Italiener nebenan. Lesen und hungrig ins Bett.

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Freitag, 13. März 2016

Bariloche

Der Freitag der 13. hätte schlimmer beginnen können. Lang gepennt. Obwohl das Bett schmal ist, ich habe gut geschlafen. Kaum bin ich geduscht und einigermaßen angezogen, betreten zwei US-Girls so um die 20 mein Zimmer, mit Schlüsselkarte. Wir schauen uns etwas ungläubig an. Offenbar hatte der Rezeptionist vergessen den Zimmerwechsel gestern einzutragen. Ich erkläre den Mädels: Sorry, rund 50 Jahre zu spät. Wir lachen herzlich und ich bin wieder Single.

Das Frühstück ist solala. Viel Süß. Nur das Obst und der Kaffee sind ok. Ich gehe anschließend ein wenig am See spazieren. Es ist schon eine einzigartige Kulisse: das Wasser, der blaue Himmel und im Hintergrund die Steinberge mit den schneebedeckten Gipfel. Ich hatte zuvor versucht, mit der Kreditkarte einige Pesos am Bankautomaten zu ziehen. Transaktion unmöglich signalisierte mit das Display auch beim Dritten Versuch. Unten am See wollte ich noch das Hotel für das Ende meine r Bahnfahrt buchen. Plötzlich crasht die Kreditkarte. Nichts geht mehr. Natürlich schießen mir alle Phantasien durch den Kopf. Gehackt, Konto leer geplündert, PIN falsch eingegeben auf der Bank, Bank hat die Karte gesperrt. Und dazu seit miles and more von der DKB zur Deutschen Bank umgezogen ist harkt es an allen Ecken und Enden. Die Bewertungsportale sind prall gefüllt mit Beschwerden. Also nix was ich fern der Heimat gebrauchen kann.

Luft anhalten, nicht hektisch werden. Zur Not habe ich noch ganz weit unten eine zweite Karte versteckt. Zurück im Hotel schmökere ich erst mal in meinem geheimen verschlüsselten Codebuch. Nutzt nix. Log ins im Minutentakt: die Karte wird immer störrischer. Irgendwer verlangt meinen Service PIN, meine Bank ID und so weiter. Habe ich noch nie was von gehört. Nur die Kontobewegungen kann ich noch aufrufen. Keine ungewöhnlichen Bewegungen. In einem letzten verzweifelten Akt setze ich alle Daten zurück und boote die Karte mit neuen Kennwörtern wieder hoch. Oh Wunder. Ich muss noch zweimal was bestätigen und alles funktioniert wieder. Nach Durchsicht aller Mails und WhatsApps wahrscheinlichste Erklärung: das Ding wollte wissen ob ich noch ich bin. Früher hat dafür die Kundenberaterin der Bank angerufen. Die hat meine Handynummer.

Nach so viel Stress habe ich mir ein Essen beim Italiener verdient. So eine Trattoria heilt alle Wunden. Es wird ein schöner Abend. Die Kulisse stimmt. Das Essen auch, obwohl der Hauptbestandteil von Saltimbocca für mich immer noch eine dünne Scheibe Fleisch mit Schinken ist. Hier wird der Ham mit drei Steaks und Gemüse serviert. Vor allem aber die Live Musik machen den Besuch der Trattoria unvergesslich.

Schmusesongs auf Spanisch: die Hitparade der 1970er und 1980er hoch und runter. Und dann noch unser Lied im Oldie Club mit dem fast jeder Clubabend endet: Claptons „Wonderful Tonight“ in der iberischen Version, Erste Strophe.

Toller abend

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Donnerstag, 12. März 2026

Von Osoro (Chile) nach Bariloche (Argentinien)

Die Fahrt nach Argentinien über Bariloche hat zwei Gründe. Erstens: der Pass soll nur 1.800 Meter hoch sein. Bei mir setzt spätestens bei 2.200 Metern die Höhenkrankheit ein und zweitens von Bariloche fährt einmal in der Woche der Patagonien-Express von den Anden bis zum Atlantik hinab. 17 Stunden. Quer durchs Land. Zug fahren geht bei mir immer.

Ein Blick in die Hotelhalle. Wenigstens ein Bild soll mich an die 5-Sterne-Nacht erinnern. Blöd dass ich so früh aufbrechen muss. Das Breakfast ist eher ein Brunch. Man könnte Stunden hier sitzen und in sich rein mümmeln. Obst, Wurst, Müsli, Käse, Eier und und und. Aber um 8.15 Uhr soll mein Taxi da sein. Soll. Es wird 8.20 Uhr, 25, 30.Langsam wird es eng. In meinem Inneren startet der Krisenmodus. Laufen: Mission Impossible, neues Taxi bestellen: draußen auf der einzigen Brücke Richtung Stadt stehen die Autos Stoßstange an Stoßstange. Bis das neue Taxi kommt, ist der Bus weg. Die Rezeption telefoniert. Sie kennen die Handynummer des Chauffeurs der mir gestern 8.15 Uhr in die Hand versprochen hat. Die Dame am Counter signalisiert: noch drei Minuten. Um 8.35 Uhr erklärt mir ein völlig gestresster Droschkenlenker, er habe noch einen Job Richtung Flughafen gehabt, der bringe Geld und überhaupt der Berufsverkehr. Nach den ersten 500 Metern Stop and Go glaube ich nicht mehr an meinen Bus. Aber dann kennt der Fahrer keine Abkürzung sondern einen Umweg. Die Uhr rotiert zwar aber auf der Umgehungsstraße ist die Fahrbahn frei. Er tröstet mich mit Musik. Dean Martin, Frank Sinatra und Barbara Streisand seien seine Lieblingsinterpreten mit denen er den ganzen Tag seinen CD Player bestücke. Das sei noch Musik gewesen. Bevor ich ihm vom Oldie Club in Offenbach erzähle sind wir da. Fünf nach neun. In zehn Minuten geht der Bus.

Andesmare heißt das Unternehmen das mich nach Argentinien bringen soll. Wohl ein Deluxe-Anbieter auf dem Markt hier. Ist ja auch eine internationale Verbindung. Der Beifahrer spricht englisch und nordet mich erst mal ein. Ticket? Pass dabei? ok. PDI auch? Si. Was für ein Glück, dass ich gestern Abend in einem besseren Hotel war. Dort fragte sie mich nach dem PDI. Das bekommt man bei der Einreise, sieht aus wie ein Kassenbeleg bei Aldi, aber ohne PDI mit dem QR Code wird die Ausreise langwierig und teuer. Das Ding steckte irgendwo in der Bauchtasche hinter den Kreditkartenbelegen. Jedenfalls habe ich es gestern beim Einchecken nach langem Suchen gefunden. So habe ich alles und avanciere zum Musterschüler. Bei jedem Halt begrüßt mich der Kollege mit einem „Daumen hoch“.

Am Gate jede Menge fliegende Händler. Eine gehörige Portion Süßes ist immer dabei. Auch Kaffee ist zur Morgenstunde ein Bestseller. Männer mit heißem Wasser in einem Tornister bieten ihn an. Alternativ gibt es eine „Portion heiße Tasse“. Irgendwie versucht sich jeder hier etwas dazu zu verdienen oder muss gar ganz von den kargen Margen und dem Trinkgeld leben.

Wir verlassen den Pan American Highway Richtung Anden. Die Landschaft erinnert ein wenig an eine Mischung aus Rhön und Voralpenland. Landwirtschaft dominiert. Viehzucht und ein wenig Ackerbau. Die Bauern hier haben Hecken gepflanzt um der Bodenerosion vorzubeugen, so wie ich das von meiner Jugend in der Rhön kenne. Kleine Wäldchen lockern das Landschaftsbild auf, Es ist Herbst. Überall warten Heuballen darauf abgeholt zu werden. Sie garantieren, dass das Vieh auch im Winter satt wird.

Tankstelle, Einkaufsladen, Werkstatt, jede Menge Silos, Schule, Kirche: In den Dörfern leben nur wenig Menschen. Die kleinen Zentren wurden einst gebaut um die Farmen zu versorgen.

Tanken nach zwei Stunden. Auch eine Gelegenheit die Toilette in dem Shop zu nutzen. Das ist weniger mühsam als im Bus. Der Beifahrer nutzt noch einmal die Gelegenheit mich auf die Fragen der Grenzer vorzubereiten. Nicht dass er sich Sorgen macht aber jede längere Befragung bongt auf die Fahrzeit. Also ein Hotel nennen wenn ich nach meiner ersten Unterkunft gefragt werde. Ich habe nix zu essen dabei. Ich werde in den nächsten 90 Tagen wieder das Land verlassen usw. Und bitte bitte nur antworten wenn man gefragt wird. Und dann so knapp wie möglich.

Wieder im Bus lasse ich die Landschaft mit der Bergkulisse im Hintergrund bei Musik von Joan Baez, Dylan und den Stones an mir vorbeiziehen. Das Gelände steigt nur langsam an, die Straßen sind zwar relativ schmal aber gerade. Wir fahren am Ufer eines riesigen Sees entlang. Dimensionen wie der Bodensee. Hier beginnt ein riesiger Nationalpark den sich Chile und Argentinien teilen. Die Landschaft hat schon etwas besonderes. Immer wieder fahren wir an kleine Anlagen vorbei in denen winzige Häuser für Natururlauber vermietet werden. Jagen und Fischen sind hier wohl stark nachgefragt.

Irgendwann stoppen wir an der chilenischen Grenze. Ausreise nicht der Rede wert. Ich habe ja meinen QR Code auf dem PDI.

Bis zum argentinische Zollhäuschen sind es noch ca 25 Kilometer durch Niemandsland. Der Beifahrer schickt mich noch für ein Selfie über die Straße. Das müsse ich unbedingt machen. Stimmt.

Hier hat wohl vor einiger Zeit ein Brand gewütet. Auf vielen Quadratkilometer ragen die Stümpfe aus dem Boden. Aber die Natur erobert sich ihr Terrain zurück. Der Boden ist schon wieder bedeckt mit niedrig wachsenden Pflanzen und Gebüsch.

Jetzt merken wir auch, dass wir mitten in den Anden sind. Schmale Kurven zwischen Felsen.

High Noon beim Argentinischen Zoll. Der Gegenbus ist zeitgleich angekommen. Aber unser Beifahrer hat alles im Griff. Passnummer eintragen. Das war es.

Der spektakuläre Teil der Reise beginnt. Auf der Ostseite scheinen die Anden steiler. In vielen Serpentinen steigt der Bus rund 800 Meter hinab. Vorbei an Seen, kleinen Ressorts. Die Ferienindustrie boomt. Wohl auch im Winter wenn man die Werbung in den vielen Agenturen richtig interpretiert. Die Landschaft mit den Wäldern, Seen, Bergen und Tälern ist einzigartig

Wir erreichen Bariloche pünktlich. Die Lady am Kios tauscht meine restliche Chile Money in Pesos. Über den Kurs denke ich lieber nicht nach, aber es reicht für ein Taxi zum Hotel. Hier bin ich das erste mal enttäuscht. Mein Zimmer geht zum Berg. 50 Zentimeter jenseits des Fensters schaue ich auf eine Mauer deren Ende ich nicht abschätzen kann. Die mangelnde Aussicht ist aber nicht das eigentliche Problem. Die Bude wurde offenbar kurz zuvor chemisch gereinigt. Dem Geruch nach ist die Konzentration immer noch hoch. Zurück zur Rezeption. Bitte um anderes Zimmer. Es gibt nur noch Drei-Bett-Zimmer zur Straße. Das ist ok, auch wenn bis 22 Uhr irgendwelche Deppen ihre getunten Maschinen aufheulen lassen.

Ich möchte mir am ersten Abend in Argentinien etwas besonderes gönnen. Hier soll es ein phantastisches Steakhaus geben. Reservieren empfohlen. Ich marschiere trotzdem hin. Es ist acht Uhr. Die Kneipen machen hier erst spät auf wie in Spanien. Vor dem Lokal warten viele Leute. Mist. Ich frage drinnen für einen Platz für Morgen. Die junge Frau am Einlass sagt, nachher sei kein Problem. Ich solle eine Stunde warten. Offenbar wird hier im Schichtbetrieb bedient. Ich mache nebenan einige Bilder. So auch von dem blau angeleuchteten Turm und stehe Punkt neun vor dem Lokal. Wie versprochen: die zweite Runde wird verteilt. Das Lokal ist für einen Moment fast leer. Vorteil: Ich habe vorhin gesehen wie alles funktioniert.

Die Portionen sind riesig. Pommes gibt es nur in der Schüssel. Und die ist ungefähr so groß wie die Salatschale wenn mein Sohn alle seine Kumpels zum Geburtstag einlädt. Auch Salat gibt es nur in xxl-Portionen. Das ist ja von Vorteil wenn eine Clique bestellt aber für einen Single?

Ich lasse mich nieder. Wenn schon, denn schon: bestelle das teuerste Filet und Salat nachdem mir nochmals versichert wurde: Pommes in der Schüssel oder gar nicht. Und dann die Überraschung: Einer der Köche mit guten Englischkenntnissen kommt zu mir, um über die Zubereitung des Steaks zu sprechen. Wie genau hätte ich es denn gerne. Und ich kann noch die Frage nach der Größe stellen. Ja so um ein halbes Kilo. Ob es denn eine Nummer kleiner gehe, will ich wissen. Ja. Das könne man machen. Halbe Portion. Erleichtert willige ich ein, auch wenn es am Ende sicher über 300 Gramm sind.

Kurz zusammen gefasst: In Südafrika war das Fleisch schon exzellent, vor allem die Soßen. Die Steaks hier erweitern meinen Erfahrungshorizont um Längen. Positiv. Es hat toll geschmeckt. Trotzdem: das halbe Kilo hätte ich nie geschafft.

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Mittwoch, 11. März 2026

Temuco – Osoro

Morgens Zeit genug beim Frühstück zu trödeln. Ich bin zufrieden mit meinem Hotel. Einfach aber sauber und trotz Zimmer zur Straße einigermaßen ruhig. 250 Kilometer Fahrt nach Osoro liegen vor mir. Rund drei Stunden wird der Bus brauchen. Der Portier besorgt mir ein Taxi. Es dauert ziemlich aber meine Zeitreserven sind gut. Der Busbahnhof ist weit draußen, direkt neben einem Holiday Inn. Wäre auch eine Option gewesen, dann hätte ich aber den guten Italiener bei mir nebenan verpasst.

Es ist noch ein wenig Zeit. Auch hier quälen die Leute in jeder freien Sekunde ihr Handy. Das ist mittlerweile egal ob ich in Shanghai in der U-Bahn, bei den Saudis im Bus oder bei den Amis am Flughafen sitze. Und ich bin keine Ausnahme. Aber klar. Im Prinzip ist die ganze Reise von den Tickets über die Fotos, die Musik bis zur Kreditkarte in dem kleinen Begleiter. Für die Lektüre nutze ich immerhin wegen der Lesbarkeit als Zweitgerät meinen Tolino.

Ich beobachte noch den versuchten Überfall einer Hundemeute auf den Geldtransporter. Es werden Richtung Ausgang immer mehr die das den Cash Car stoppen wollen.

Der Bus ist leer. Eine Flasche Wasser reicht. In Osoro habe ich einige interessante Restaurants gegoogelt. Kann ja nix mehr schief gehen. Sagt man sich so.

Es regnet. Der Bus rollt mit Tempo 100, auch das wird wie im ICE innen auf einem Display angezeigt, auf dem Pan America Highway.

In Osoro bringt mich ein Taxi zu dem Hotel, das ich am Abend zuvor bei Booking.com gebucht habe. Ungerührt stellt der Fahrer meinen Rucksack auf die Straße, ein Rentner vom Haus nebenan, der seinen Tag auf dem Stuhl mit Leute gucken verbringt, gestikuliert wild. Ich verstehe kein Wort. Das Taxi ist weg und ich rüttle am Tor meiner Unterkunft. Zu. Und das seit langem. Cerrado verstehe ich. Das lese ich mittags auch immer an den Türen von kleinen Geschäften: „Geschlossen“. Upps. So wie das haus aussieht, ist es schon länger zu. Um die Ecke, so sagt mit Googel, ist ein weiterer Beherbergungsbetrieb. Ich biege um den nächsten Block und gehe weiter. Dito bei der letzten Option am zentralen Platz von Osoro. OK. Was sage ich immer: Im Gegensatz zu unserer Jugend hast Du heute die Kreditkarte einstecken. Letzte Chance ein 5-Sterne-Haus. Handy raus. Preise zwischen booking.com und Direktbuchung verglichen. Macht auch keinen Sinn denn sind die Angaben mit oder ohne Steuern. Jedenfalls ist ein Zimmer frei. Für 116 Euro mit Frühstück. Das ist das dreifache wie für meine Abbruchbude aber immerhin besser als die Parkbank.

Es ist der gleiche Taxi-Fahrer der mein Gepäck wieder einlädt. Sehe ich ein leichtes Grinsen in seinem Gesicht oder bilde ich mir das nur ein. Mein Luxus-Schuppen liegt etwas außerhalb mit angegliedertem Casino, Las Vegas Atmosphäre aber die 5 Sterne kann man guten Gewissens geben.

Das Zimmer ist riesig und die Dusche mit allen Spielereien aufgerüstet. Also erst mal Generalreinigung und danach auf einer traumhaften Matratze ruhen. Später sortiere ich meinen Rucksack und die Tasche neu.

Mit den interessanten Lokalitäten in der City wird es nix. An der Rezeption hatte ich einen Gutschein für die Bar erhalten. Kenne ich schon aus Las Vegas. Ein Drink und schon landen die ersten Dollars in einer Slot Maschine. Aber Essen muss ich. Ich löse meinen Gutschein ein und bestelle einen Hamburger und ein Bier. Alles, auch der Drink, schmeckt super. Zuvor hatte ich noch an der Rezeption wegen eines Taxis zum Busbahnhof gefragt. Ein Fahrer stand zufällig in der Halle. Er versprach mir in die Hand: Punkt 8 Uhr 15 steht er vor der Tür. Die Fahrzeit schätze ich auf 20 bis 25 Minuten plus Berufsverkehr. Der Mensch am Empfang übersetzt noch einmal meine Bitte dem Taxi-Menschen.

Während des Essens wird die Amtseinführung des neuen chilenischen Präsidenten übertragen. So einen großen Bildschirm habe ich noch nie gesehen und ich war oft beim Media Markt. Mir kommt die Zeremonie für den Politiker gespenstisch vor. Das mag an meiner Aversion gegen rechts liegen. Vielleicht. Die Kameras begleiten Kast auf der Fahrt durch die Straßen von Santiago. Vor ein paar Tagen bin ich genau hier entlang gebummelt. Der neue Präsident steht perfekt ausgeleuchtet regungslos wie ein Duce im Wagen. Es sind kaum Zuschauer am Straßenrand. Mein Chiffre: Er steht über der Masse und zeigt wo es lang geht. Zugegeben: Alles Phantasie.

Im Zimmer liegt auf beiden Kissen ein Stück Schokolade. Alleinreisen hat auch manch ungeahnte Vorteile.

Ich schlafe gut und fest. Euro für Euro.

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