Mittwoch, 25. März 2026

Buenos Aires

Frühstück auf dem Bürgersteig. Wie meist hier: Sandwich „Schinken/Käse“ und ein Kaffee Americano.

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Dienstag, 24.März 2026

Buenos Aires

Zweiter Hopp-on-Hopp-off-Tag. Ich habe keine Lust am Feiertag lange ein Café für das Frühstück zu suchen. An der Bushaltestellegibt es eine Bude. Hier hole ich mir zwei Croissants und einen Kaffee. Erster Stopp neben einer beeindruckenden Statue: das Planetarium nebst Park und Japanischer Garten.

Erster Flopp: das Planetarium hat geschlossen. Feiertag

Zweiter Flopp: Im japanischen Garten wachsen nicht nur Bonsais, der ganze Garten ist ein Bonsai. Ein Rundweg um einen kleinen Teich, eine Laden für Japanische Produkte. Eintritt für Ausländer zehn Euro. einheimische zahlen vier. Als Bonus zwei Statuen und ein paar aufgeregte Kois im Teich.

Zurück an der Bushaltestelle: der Dritte Flop. Die Busse bleiben hier eine Stunde stehen. Wegen der Feierlichkeiten ist eine Straße gesperrt, die nächste Schleife sei deshalb erst in einer Stunde frei. Keiner der Passagiere will auf dieser Schleife aussteigen. Ein Bus könnte also um die nächste Ecke biegen und ab da wäre er wieder auf der vorgesehen Route. Aber Madam „Schaffnerin “ lässt sich von all den Argumenten nicht erweichen. Drei Busse dieseln an der Haltestelle vor sich hin während wir draußen auf einer Bank den Verkehr besichtigen.

Nicht uninteressant. Wir halten in einem der Millionärsviertel (Dollar oder Euro). Die Infrastruktur Straßen ist bewundernswert.

Acht bis 12 Spuren sind hier bei den Hauptverkehrsstraßen Standard. Die Avenues wirken meist nicht so üppig weil ein breiter Baumbewachsener Mittelstreifen die Fahrbahnen trennt. Dazu gibt es hier je Richtung zwei Busspuren, Radwege hier in dem Quartier vom feinsten und breite Bürgersteige Fußgänger und die allgegenwärtigen Jogger sich nicht ins Gehege kommen. Lustig ist es nur an der Fußgängerampel. Die zeigen zwar ausreichend lange grün: es ist aber trotzdem ein komisches Gefühls so achtzig Meter breite Straßen zu überqueren. Auf jeden Fall scheint sich heute hier die gesamte Nachbarschaft zu bewegen. Auf dem Rad, beim Joggen oder Scaten oder auf den Scooter. Toll auch die vielen Möglichkeiten im Park Sport zu treiben: Basketball, in der Halfpipe oder beim Volleyball.

Alles wirkt ziemlich gepflegt. Ja und Denkmale an jedem Ort sind hier wohl obligatorisch.

Nächste Station die Basilica Nuestra Senora del Pilar, die zweitälteste spanische Kolonialkirche in Buenos Aires. Irgendwie erinnert der Glockenturm an Motive aus einem Western

Mein Eindruck egal ob bei Kirchen, Schlössern, Theatern oder repräsentativen Gebäuden. So fern der Heimat legten die Vorfahren noch eine Schippe drauf um der Erinnerung ein Schnippchen zu schlagen: Alles sollte noch prächtiger erscheinen.

Aber eigentlich bin ich ja hier ausgestiegen um über den Flohmarkt oder sagen wir besser Kunsthandwerkermarkt zu schlendern. Ich werde nicht enttäuscht. Das Problem wie immer: der Heimtransport.

Kirche und Flohmarkt liegen im Stadtteil Recoleta. Obere Mittelschicht soll hier zuhause sein. Fast hätte ich hierübernachtet. Aber als ich endlich buchen wollte, war mein Hotel ausgebucht. Die Menschen hier scheinen sich heute am Feiertag allein einem der zahlreichen Cafés auf ein Schwätzchen zu treffen.

Weiter geht es. Ich will ja noch einmal nach Boca ins Stadion und außerdem ein Trikot fürChristian und Philip kaufen.

Aber zunächst geht es ins Boca Junior Club Museum mit anschließender Führung durch die Katakomben. La Bombonera nennen die Fans ihr Heiligtum. Das klingt für deutsche Ohren martialisch aber heißt wörtlich übersetzt: Pralinenschachtel. In der Tat: die Arena ist etwas unorthodox geformt. zwei Ecken sind rund, die beiden anderen verlaufen irgendwie im rechten Winkel. Die 49.000 Zuschauer stehen bzw sitzen bis unmittelbar an der Seitenlinie.

Die zahlreichen Logen ragen steil in den Himmel. Alles ist unglaublich eng und steil. Wie hier die heim und die Gästefans getrennt werden, ist mir schleierhaft. Vor allem draußen vor den Toren in den beiden einzigen engen Straßen.

Museum und Stadionführung ist ein Muss: Ein Muss das eher enttäuscht, obwohl unser Guide, keine 25 Jahre alt, ein Naturtalent ist. Spanisch, Portugiesisch, Englisch, Französisch und ein paar Brocken Deutsch: Alles kein Problem. Zu Beginn fragt er nach den Nationalitäten der etwa 50 Teilnehmer: ich bin erstaunt: Ganz Südamerika und viel Europa. Auch ein Paar aus Mönchengladbach ist dabei. Unser Guide kann natürlich sofort drei Spieler aus der Fohlenmannschaft aufzählen und ich komme wieder einmal zu drei Sätzen in meinem Heimatidiom. Wenigstens kennen die Gladbacher Kickers Offenbach, die gerade, wie ich parallel auf OP-Online verfolge, den Pokal gegen Borussia Fulda vergeigen. Wird es denn nie hell auf dem Parkett sang einst schon Wolfgang Niedecken. Er muss den OFC gemeint haben.

Die Frage der beiden aus Gladbach wollte ich auch stellen: Vielleicht ist sie typisch deutsch: Wenn die Zuschauer so nahe am Feld sitzen, werden die gegnerischen Spieler dann nicht oft mit Gegenständen und Bechern beworfen. Die doppelte Antwort überrascht. Man macht das nicht, so der Kodex und wer es macht, wird sofort nach Hause geschickt und darf längere Zeit nicht wieder kommen.

Das tut weh, denn die Dauerkarte Haupttribüne kostet etwa 3000 Dollar pro Saison, die Einzelkarte 300 Dollar. Wenn es dumm läuft sind es nicht so viele Spiel wie in Deutschland. Die erste Liga ist zweigeteilt mit je 15 Mannschaften. Die Ersten spielen über Kreuz den Meister aus.

Ach so: Der Rasen, weil sein angeblich schlechter Zustand bei Kickers Offenbach ständiger Grund zum Lamentieren über die unfähige Stadtverwaltung ist. Liebe Kickers: selbst die Plätze am Tambourbad sind besser gepflegt als der Untergrund hier.

Der Rundgang durch die Katakomben ist eher ein Flop. Eine gefakte Kabine mit ein paar Stars die hier mal gegen Boca kickten. Unser Loddar ist auch dabei.

Und auch das Museum ist eher die Addition von Pokalen, Fotos und ein paar Videoclips ohne Narrativ. Im Prinzip wird alles getan um die Besucher in den Shop zuleiten. Die Trikotpreise, deutlich über 100 Euro, haben Champions League Format.

Dann doch lieber in einen der Shops gegenüber wo man sich -bezahlbar- mit gefälschter Ware eindecken kann.

Bevor es wieder mit Hopp-On weiter geht: eine Überraschung. Das Stadion hat keinen Gleisanschluss. Maradona ist nie mit dem Zug hierher gekommen. Aber die einzige Verbindungstrecke zwischen dem Nord- und dem Südbahnhof führt über das Vereinsgelände.

Ein kleines Lokal, typisch für Boca. Die Leute sind hier meist unter sich. Wenn ich nochml nach Buenos Aires komme, dann länger, um einfach solche Orte zu suchen.

Rund um den alten Hafen ist ein Szeneviertel entstanden. Hinterher ärgere ich mich, dass ich hier nicht ausgestiegen bin und in eine der Szenekneipen einkehrte, die Kulinarik und Kunst bieten. Zurück hätte ich immer noch mit dem Taxi gekonnt.

Zurück ins Hotel. Im Umkreis haben heute wegen der Feierlichkeiten nur wenige Lokale geöffnet. Ich entscheide mich für einen Italiener. Richtig vornehm am alten Hafen dessen Lagerhäuser wie oft auf diesem Globus heute dem Vergnügen dienen. Ziemlich vornehm der laden, die Kellner sind ununterbrochen besorgt um das Wohl ihrer Gäste bis es nervig wird. Naja, die Sorge um seine Kunden hat der Koch nicht. Das Essen ist unterdurchschnittlich. Irgendwelche Nudeln mit Krabben die eher im Fett schwimmen. Aber wenigstens der Wein ist gut.

Zumindest habe ich von meinem Tisch einen herrlichen Ausblick über das Hafenbecken.

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Montag, 23. März 2026

Buenos Aires

Heute ist in Argentinien Brückentag, weil Dienstag irgendwas gefeiert wird. Das Land hat nur eingeschränkt geöffnet. In der Fußgängerzone nebenan habe ich die Wahl zwischen zwei wunderschönen alten Cafés. Zeugnisse der großen Kaffeehaus Tradition der argentinischen Hauptstadt. Es fällt schwer sich zu entscheiden. Im Quartier hier dominieren Gebäude im Stil des Klassizismus. Eine wohlhabende Gegend, zumindest einst. Ein paar exquisite Geschäfte verteilen sich noch entlang der Straße: Herrenschneider, edle Zigarren und Weine, Porzellan. Mode, die noch nicht von Hilfiger, Ralph Lauren und North Face bestimmt wurde. Es sind nur noch wenige. Heute dominieren Souvenir-Shops, gefakte T-Shirts, China-Handtaschen, Kühlschrankmagnete und Maradona-Trikots. Die wenigen Fachgeschäfte werden mit der Rente ihrer Besitzer auch bald verschwunden sein.

Auch in dem wunderbaren Café sitze nur noch wenige ältere Damen bei dem Morgentörtchen. Klar. Das Ambiente hat seinen Preis. Die Ober noch ganz alte Schule, wie in Wien trainiert.

An den Wänden erinnern noch Bilder an alte Zeiten an Helden wie Juan Manuel Fangio, die Argentiniens Ruf in aller Welt festigten. Mein Baguette mit Schinken und Käse ist ein Gedicht. Und heute darf es auch mal was Süßes sein, zumindest ein Croissant.

So ein Stück Kuchen. Das wär mal was. Vor dem Lokal ein Kiosk. Sein Angebot ist typisch für die Fußgängerzone hier die einst die Stadt schmückte

Ich mache mich zum Büro von Hop On Hop Off ganz in der Nähe von meinem Hotel. Es sind nur wenige Meter. Ich hole mir ein 48 Stunden Ticket. Heute drehe ich erst mal die drei Stunden Runde, morgen dann mit Stopps an Orten die mir gefallen.

In Buenos Aires beschränkt sich die Fahrt nicht wie in Santiago auf die „Guten“ Quartiere. Zwar gibt es auch hier keinen Armuts-Tourismus. Das ist auch gut so. Aber von den Nobel-Herbergen bis Boca, einem Stadtteil dessen Menschen täglich um ihren bescheidenen Lebensstandard kämpfen müssen, ist alles dabei.

Szenische Locations, in einer Umgebung die vielleicht den Turn around schafft…

Blocks, denen man den Abstieg ansieht…

…und natürlich jede Menge Repräsentation und Sehenswürdigkeit

Und dann die verrückten Viertel. Boca ist so eines. Bekannt auch in Deutschland wegen seines Fußball Clubs den Boca Juniors. Maradona lernte hier Kicken bis er weltberühmt wurde, ebenso viele andere Spieler die es bis in die Nationalmannschaft schafften. Bekannt ist Boca aber auch wegen des Tangos und der vielen bunten Häuser, die hier von Künstlern gestaltet wurde.

Aber eigentlich scheint hier nur eine Farbkombination möglich: das Blau gelb des Fußballclubs. Ganze Straßenzüge tragen dieses Kolorit. Ohne Nuance. Boca direkt am Ufer des Rio del la Plata, wurde ursprünglich von den Italienern, meist aus Genua, besiedelt. Der Ort lebte vom Hafen, von den Menschen die hier ankamen. Der Fußball wurde wahrscheinlich von den Italienern importiert. Es gab zwei Clubs, beide trugen die gleichen Farben, ihren Plätze nur wenige hundert Meter voneinander entfernt. Zwei Vereine, eine Farbkombination: das musste bei einem Fußballspiel geklärt werden. Boca verlor und musste sich für eine neue Töne entscheiden. Am nächsten Morgen ankerte ein schwedischer Frachter mit den Landesfarben blau gelb. Diese Kombination gefiel den Verantwortlichen des Vereins so gut, dass sie bald ihre Trikots so färbten.

Zurück im Hotel. Der Magen knurrt. Heute muss es ein Steak sein. Ich hatte gelesen, dass in der Markthalle ein kleiner Grill das Fleisch mit wahrer Meisterschaft bruzzelt. Die Halle liegt in San Temo, auch so ein Kleine-Leute-Stadtteil. Mit dem Bus sind es zehn Minuten, dann noch einmal 500 Meter quer durch. Hier läuft man noch auf den alten Pflastersteinstraße für die Buenos Aires einst auch berühmt war. Auf dem Weg vom Bus zur Halle gehe ich durch schmale Gassen mit jeder Menge kleinen Kneipen, Ateliers, Szeneschuppen. Auch die Straßen hier wären einen Besuch wert. Aber der Hunger treibt mich.

Die Markthalle hat den Weg fast aller Markthallen hinter sich: unter der beeindruckenden Eisenkonstruktion gibt es genau noch einen Stand für Obst und Gemüse, quasi als Deko: stattdessen locken reichlich Essstände die Massen. Hier treffen sich die Küchen der Welt, von China bis Cuba, von Bali bis Brasilien. Meine Wahl steht bereits fest bevor ich den Gourmet -Tempel betrete. Ich brauche einen Moment, um sein kleines Atelier zu finden: eine bescheidene Theke, man sitzt auf Barhockern, drei Zapfhähne und ein riesiger Rost. Ziemlich unscheinbar.

Doch mein erster Blick wird wie magisch von einem Aufkleber an einem Balken über der Bar angezogen. „Offenbacher sind überall“ lese ich. Upps. Der Spruch kommt mir doch bekannt vor. Vor 15 Jahren habe ich die kleinen Babber doch selbst in Auftrag gegeben und wir haben jeden persönlich belobigt der uns ein Foto aus fernen Landen mit dem gelben Sticker schickte.

Wenn ich schon mal hier bin, dann das Beste. 300 Gramm, 35 Tage unter Folie – so übersetze ich- gereift. Medium wie immer will ich bestellen. Die Kellnerin betrachtet mich mitleidig wie einen Banausen. Rare Medium sei das Maximum das man dem Könner am Grill abverlangen könne, so ihr strafender Blick. Eigentlich gehe nur rare. Dazu ein Blondes. Local Beer, das schmeckt hierin Argentinien super lecker.

Mein Steak kommt. Schnell noch einen Rundblick mit der Kamera. Das Fleisch am ersten Abend in Baricola war Spitze. Hier ist es mindestens genauso gut. Schwer einen Punktsieger zu krönen. Ich bestelle mir an der Bude nebenan noch einen Espresso. Auch Kaffee können die hier. Richtig gut.

Zurück soll es mit der Metro gehen. Bis zur Station sind es 800 bis 900 Meter. Viele Schaufenster sind noch erleuchtet. Unfassbar die Zahl der kleinen Fachgeschäfte für Zwirn, Wolle, Strümpfe, Seile Schrauben und vieles mehr.

Ich bleibe vor einem Eisladen stehen. Die Deckel kenne ich doch noch von früher, von der Frau Gieseregen in Fulda. Die hatte Schoko und Vanille für 10 Pfennig das große Bällchen.

Hier ist die Sortenvielfalt schon größer. Aber eines meiner Prinzipien: Jenseits von Mitteleuropa kein unverpacktes Eis. Schade.

Ein wenig Kunst ist auch noch zu sehen. Gesprayt wird hier auch, aber sinnlose Tags wie bei uns sind eher selten, meist verschönern die Gemälde die Wände eher.

Mit der Metro geht es zurück. Ich muss nicht umsteigen. Ich fahre bis zum Nordbahnhof. In der Nähe ist das Fährterminal. Ich brauche noch ein Ticket für die Passage nach Montevideo. Und persönlich geht schneller als wenn ich auf irgendeiner Internetmaske raten muss: was wollen die noch wissen abgesehen davon dass nicht immer das Bezahlen mit der Karte funktioniert.

Es ist noch ein wenig hell, also auch kein Problem vom Bahnhof der zu später Stunde als problematisch gilt, zu, Hotel zu marschieren

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Sonntag, 22. März 2026

Buenos Aires

Nach den Bewertungen soll das Frühstück im Hotel reichhaltig und gut sein. Ich habe trotzdem kein Breakfast gebucht, denn in einer Stadt wie Buenos Aires möchte ich auch beim Morgenmahl Abwechslung und die kleinen Bars in der Umgebung ausprobieren. Heute am Sonntag sind leider die meisten geschlossen. Drei Blocks weiter hat ein Mini-Cafe offen, keine acht Quadratmeter groß, zwei Tische draußen und drinnen eine Sitzbank am Fenster mit zwei Hochstühlen. Ich lerne erst mal: im Offenbacher Dialekt ein Sandwich zu bestellen, macht hier wenig Sinn. Ausgesprochen wie „Sand“, versteht hier niemand. Saaandwich belehrt mich der Chef. Aha. Jedenfalls in der Version Schinken / Käse schmeckt es richtig gut und der Kaffee ist was besonders. Er riecht in Südamerika immer ein wenig nach einem Schuss Kakao.

Während ich so vor mich hin kaue, baut vor der Tür ein Fotograph sein Equipment auf. Irgendeine Geschichte mit hochhackigen Stiefeln.

Gesättigt mache ich mich in den Park nebenan: Überlegen was ich mit dem Sonntag so anfange. Um mit dem Hop On Hop off Bus zu beginnen, ist es ein wenig spät. Sonntag: da fahr ich mal zur Kathedrale. Kann nicht schaden.

Der ÖPNV funktioniert auch hier mit Plastikkarte auf die ein Guthaben geladen wird. Unten am Schalter deutet man mir: Aufladen kein Problem aber die Karte gibt es nur oben in einem Laden. Also wieder langer Gang, Treppe hoch, zum Glück hat nur ein Laden auf: das muss er sein. Die Verkäuferin spricht Englisch und ich bekomme meine SUBE, so heißt das blaue Plastikteil mit Magnetstreifen. Unten marschiere ich wieder zum Schalter. Der Mann hinter der Scheibe nickt. Ich lege 4.000 Pesos auf die kleine Drehscheibe und muss nur noch meine Karte fest auf einen Transponder drücken. Auch mit dem Umsteigen klappt alles. Aber die Verbindungsgänge zwischen den beiden Linien sind sehr lange, eng und einsam. Es ist schon ein ungutes Gefühl an dem ein oder anderen der in einer Ecke hockt vorbeizulaufen.

Die Bahnsteige schmücken oft großformatige Bilder. Die Ausschilderung erinnert an die Metro in Paris. Buenos Aires war 1913 die erste Stadt in Südamerika die eine U-Bahn baute. Die Gänge schmücken oft Kacheln im portugiesischen Stil.

Von außen ist das Gebäude kaum als Kathedrale zu erkennen. Der Säulengang der die Fassade dominiert, passt eher zum Capitol im alten Rom. Der Innenraum und die Seitenschiffe stammen aus dem 18. und 19.Jahrhundert und verbinden Elemente der Neorenaissance mit Zitaten des Neobarock. Viel Prunk und Gloria, reich geschmückte Ornamente, Fresken und wunderschöne Mosaike. Der erste Vorgängerbau stammt aus dem 16. Jahrhundert. Seitdem wurde hier mehrmals eine Kirche neu errichtet. Das Haus ist der Heiligen Dreifaltigkeit gewidmet. Als Buenos Aires 1580 gegründet wurde, gehörte die Stadt zum Erzbistum Asuncion. Die Stadt liegt ein paar hundert Kilometer weiter im Landesinneren und gehört heute zu Paraguay. Es ist schon interessant wie tief Spanien noch nicht einmal 100 Jahre nach der Entdeckung von Amerika Südamerika beherrscht (und unterdrückt) hat um hier die reichen Bodenschätze, vor allem Gold, auszubeuten.

Der Franziskaner Pater wirkt zwischen all dem Glamour angenehm bescheiden.

In einer Krypta ist der Freiheitskämpfer General Jose de San Martin begraben. Die Soldaten die ihn bewachen müssen stundenlag still stehen ohne eine Mine zu verziehen.

Der Dom liegt an einem der zentralen Plätze in Buenos Aires, dem Plaza de Mayo. Ringsum Geschichte pur wie das Historische Museum aber auch …

Zeitgeschichte wie der argentinische Präsidentenpalast.

Man könnte in jeden Hausgang fotografieren. Überall Zeugnisse der Vergangenheit des Landes, das vor 100 Jahren sehr wohlhabend war.

Manch Zeugnisse überlebten eingeklemmt zwischen Hochhäusern wie diese Kirche.

Es ist Sonntag. Abends sind heute nicht viele Lokale auf. In meiner unmittelbaren Umgebung finde ich in den einschlägigen Foren nichts was mich anmacht. Genau weiß ich auch nicht was ich will: einfach, bescheiden aber schmecken soll es. Eine Hamburger-Grill hat offen. Also Kinderpappe, aber ein Stück Weg ist es schon. Google Maps verkündet: 950 Meter.

Es ist schon dunkel. Der Stadtteil in dem ich wohne gilt auch nachts als einigermaßen sicher. Eine Garantie gibt es natürlich nicht aber hier stehen etwa alle 100 Meter ein bis zwei schwarz gekleidete Beamte, viele mit einer schusssicheren Weste. Dazu Blaulicht an vielen Kreuzungen. Hier sind Einsatzfahrzeuge positioniert, um bei Gefahr schnell zu unterstützen. Das permanente Blaulicht dient wohl der Abschreckung. Im Prinzip passiert bei dieser Präsens auch nicht viel. Ohne wäre es problematisch. Ich habe mir aber auch auf dieser Welt eine gewisse Gelassenheit angewöhnt wenn ich alleine für mich verantwortlich bin.

Trotzdem braucht es einige Vorsichtsmaßnahmen. Hauptstraßen nutzen, auch wenn es ein Umweg ist, möglichst alte Klamotten, keine Uhr oder Schmuck, gerade so viel Geld wie man für das Essen braucht, nirgendwohin wo es um Leib und Leben geht und vor allem: selbstbewusst auftreten.

Aber für die Menschen hier ist die Kleinkriminalität ein Mega Problem. Es müssen zehntausende Beamtinnen und Beamte sein, die hier Tag und Nacht stehen. eine gigantische Ressourcenverschwendung wenn die Steuern für Sicherheit ausgegeben werden müssen statt für Bildung oder Infrastruktur.

Motiv: Gegenüber dem Eingang zu meinem Hotel.

Mein Hamburger war ganz ok. Nebenan schwätzten Deutsche, interessant zuzuhören. Die Kneipe hatte was alternatives. Auf dem Heimweg gab es noch ein paar nette Motive

Die letzten zweihundert Meter muss ich durch eine dunkle Arkade. Es ist genug Security da. Aber der Weg macht klar wie tief die Probleme des Landes sind. Ringsum Luxushotels (natürlich nicht meines), teure Restaurants und hier liegen die Menschen die keinen Platz in der Gesellschaft haben nachts in Duzenden auf der Straße.

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Samstag, 21. März 2026

Mar del Plata nach Buenos Aires

Es regnet in Strömen. Also Hotellobby. Lesen. Spannende Themen sind genug auf dem Tolino. Bisher habe ich auf die Thriller verzichtet und mich den Problemen unserer Zeit gewidmet.

Ein bisschen Geld muss ich noch am Automaten ziehen. Nebenan hatte ich gestern Nacht auf dem Rückweg vom Restaurant keine Lust den Vorraum der Bank zu betreten, weil vor den Automaten zu viele Obdachlose lagen. In einer Trockenpause mache ich mich auf den Weg. Das Limit 60.000 Pesos. Gut gerechnet 38 Euro. Und dafür auch noch 4.000 Peso Gebühren. Hier wird fast zu 100 % mit Karte gezahlt. Aber für das Taxi in Buenos Aires hätte doch gerne ein paar Scheine Bargeld. Ein weiser Gedanke wie sich am Abend zeigen sollte.

In Argentinien gibt es quasi keinen Personenverkehr mehr auf der Schiene. Einst verbanden über 50.000 Kilometer Gleise die Städte im Land. Selbst abgelegene Strecken bediente die Bahn bis Paraguay und Chile über die Anden in 4.200 Metern Höhe. Heute gibt es praktisch nur noch Verbindungen zwischen Buenos Aires in Cordoba und von der Hauptstadt nach Mar del Plata. Hierher kommt zweimal täglich ein Zug und der ist oft Wochen vorher ausgebucht. Die Lobby der Busunternehmer, so ist zu lesen, hat sich durchgesetzt, und verhindert mehr Verkehr auf der Schiene.

Immerhin: Der Schienenbahnhof und die Busstation liegen hier direkt nebeneinander. Mit dem Taxi zum Bahnhof. Drinnen eine großzügige neue Halle. Jede Menge Personal, meist mit arbeitsimitierender Mimik, ohne sichtbare Aufgabe. Größeres Gepäck wird wie im Flieger abgegeben. Am Ende der Waggons hängt ein Packwagen, davor eine Schlange und wie beim Bus, ich bekomme eine Quittung mit Nummer.

Drinnen ICE Qualität der frühen 1990er Jahre. Allerdings immer noch mit den gleichen Polstern. Die Sitze sind aber bequemer als die im ICE 4 der Deutschen Bahn.

Ich mach es mir gemütlich. Draußen regnet es noch immer heftig. Der Zug verlässt pünktlich Mar del Plata, beinahe im Schritttempo auf den ersten Kilometern. Wahrscheinlich erlaubt das Gleisbett nicht mehr. Es stehen jede Menge Garnituren auf den Abstellgleisen. Keine Ahnung warum die nicht öfter fahren wenn die Züge so gut nachgefragt sind. Sieben Stunden dauert die Fahrt. Zwischendurch kommt mal der Kaffeemann. Warum nicht öfter. Die heißen Becher werden ihm förmlich aus der Hand gerissen. Draußen ist die Erde eine Scheibe. Mehr lässt sich bei den dunklen Wolken und dem Dauerregen nicht erkennen. Ein paar mal ein Halt in der Pampa, aber nur wenige Menschen steigen unterwegs aus und ein.

Beinah pünktlich kommen wir in Buenos Aires an.

Ich muss erst mal von ganz vorne nach ganz hinten zum Gepäckwagen. Die drei Jungs die ich schon vom Einchecken kenne sind die ganze Zeit mitgefahren. Da sie keine Uniform tragen, sind sie wahrscheinlich keine Bahnbeamten eher so eine Art Ich-AG. Jeder der sein Koffer erhält wirft einen Schein auf den Boden des Packwagens. Ich bin einer der letzten und werfe mein Geld auf ein beachtliches Häuflein.

In Constitution bin ich angekommen. Das ist die Station von der früher (und die wenigen heute) lange Züge Richtung Süden gefahren sind. Heute ist er ein Kreuz für den Vorortverkehr und die Metro. Fast wie eine Kathedrale zeugen die Hallen noch heute von der Pracht und der Bedeutung der argentinischen Bahnen im frühen 20sten Jahrhundert. Eine Ära die in den 1990er Jahren endet.

Mein Taxifahrer kennt mein Hotel nicht. Zugegeben es ist relativ klein und etwa fünf Kilometer entfernt. Ich könnte auch mit der Metro fahren aber der erste Abend in einer fremden Stadt, lieber nicht. Mit Google maps locke ich den Jungen auf die richtige Fährte.

Taxisfahren ist in Argentinien preiswert, also so etwas unter den Tarifen des rmv. Mir tun die Fahrer immer ein wenig leid, denn Auto, Versicherung und Tank wollen finanziert sein. Deshalb habe ich ja für manchen Trick Verständnis wenn ein Chauffeur beispielsweise dreimal um den Block fährt. Aber der Dreh heute ist neu. Eher gelangweilt betrachte ich den Taxometer. Der hüpft so alle 100 Meter um 200 Pesos nach oben. Aber: nach der Hälfte der Fahrt macht er einen Zwischenspurt. 3.000 Pesos in einem Satz. 1,80 Euro lohnen keine Debatte. Aber dann doch. 15.000 Pesos soll ich zahlen. Ich drücke dem Fahrer 20.000 in die Hand. Er habe kein Wechselgeld bedeutet er mir. Ich schüttele den Kopf und dann hat er doch. Normal gibt es immer ein gutes Tip. Heute nicht.

Das Hotel ist so wie in den Bewertungen beschrieben. Kleines Zimmer aber zweckmäßig eingerichtet. Das Bad von oben bis unten gekachelt. Sehr sauber und ein Safe. Für Buenos Aires ein vernünftiges Preis-/ Leistungsverhältnis. Für alleine ausreichend.

Die Gegend ist safe, auch nachts um 23 Uhr. Ich gehe noch um die Ecke und entdecke die „Extrawurst“.“ Deutscher geht kaum. Nur die Küche ist schon zu. Ok. Aber Bier ist noch reichlich im Fass. Der Kellner muss meinen Hunger erahnen. Ich bekomme zweimal Erdnüsse. Beim Herausgehen entdecke ich die Vorratskammer und bin sicher: Ich komme wieder.

Müde. Bett.

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Freitag, 20. März 2026

Mar del Plata

Das Bett: ein Gedicht. Man mag nicht aufstehen so bequem die Matratze. OK. Das Frühstück in Lima war schon extra aber das hier ist zumindest für argentinische Verhältnisse außergewöhnlich. Auf der Obstplatte liegen sogar frische Erdbeeren. Gut, ist auch Saison hier.

Kein Pln für heute. Ziellos spaziere ich durch die Stadt

Ein paar bemalte Wände zwischen all den Hochhäusern

Irgendwie erinnert mich der Anblick an Benidom als ich 1973 mit einer Schmalspurbahn, die von Alicante an der Küste entlang fuhr das erste Mal aus dem Zug auf den Strand und seine Bebauung

Die Saison ist zu Ende. Es ist Herbst, aber immer noch warm genug für ein wenig Sonne. Ich genieße die Sonne auf einer Bank mit Blick auf das Meer.

Abends ein Fußmarsch zu einer hoch gelobten Fischkneipe…

… ich nehme eine Paella. Ist gut aber nicht herausragend.

Auf dem Rückweg noch einen der vielen offenen Geschäfte besucht. Den Mann wg Foto gefragt. Ich glaube für viele Händler ist es hart mit ihrem Geschäft ein paar Pesos übrig zu haben. Von frühmorgens bis spät in die Nacht geöffnet, top Qualität und Beratung und trotzdem chancenlos gegen die Supermärkte.

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Donnerstag, 19. März 2026

Von Bahia Blanca nach Mar del Plata

Versorgt mit Bus-Ticket und Hotel-Reservierung geht es mittags los. Mit dem Taxi zum Busbahnhof. Das Fahrzeug ist das mieseste während meiner ganzen Reise. Und vor mir sitzen zwei Prolos die sich bei reichlich Alkohol lautstark unterhalten. Mein MP3 Player ist ohne Saft. Mein Charger im Koffer. Zum Glück verlassen die Jungs auf halber Strecke den Bus.

Irgendwann glaubt der Betrachter hier dass die Erde eine Scheibe ist. Sieben Stunden Fahrt durch die Ebene. Endlose Weiden, Kühe, selten Pferde. Viele Wege führen zu Farmen. Wie in den USA symbolisiert ein Tor den Zugang. Manchmal in Form eines Hufeisen oder eines Gatters.An den Pfosten hängt allerlei Kitsch. Kleine Kühe, Hörner, Strohballen oder Milchkannen. Getreide wird angebaut, Raps. Immer wieder schützen Hecken und kleine Wälder den Boden vor Erosion.

In den Dörfern Werkstäten für Landmaschinen, Geschäfte für Eisenwaren, Baumärkte, Saatgut, Baumschulen und alles was man sonst für die Landwirtschaft braucht. An den Tankstellen dominieren Pickups. Es ist ein wohlhabender Landstrich.

Mein Bus kommt lange nach zehn in Mar del Plata an. Wir müssen endlos warten weil der Boy der das Gepäck aus dem Bus lädt, abhanden gekommen ist. Am Taxistand ahne ich schon Übles. Der Fahrer kennt augenscheinlich das Hotel nicht. Mein Handy mit der Adresse und dem Weg auf Google maps wird herumgereicht. Eigentlich ist das Haus nicht schwer zu finden. Eine der Hauptstraßen immer geradeaus. Selbst auf eine Einbahnstraße muss der Droschkenkutscher keine Rücksicht nehmen.

Das Gepäck wird eingeladen. Es geht los. Nicht wirklich. Er dreht drei Runden um den Block. Den Spaß kenne ich, er regt mich auch nicht sonderlich auf, denn bei den niedrigen Taxitarifen versucht jeder ein paar Pesos, Dollars oder Bath extra zu verdienen. Kann ich verstehen. In Vietnam haben die Stadtrundfahrten manchmal schon kriminelle Züge, wenn der Taxometer heiß zu laufen droht. Dann steigt man einfach aus bevor man für zwei Kilometer 50 Dollar löhnt. Ich hole das Handy raus und zeige dem Fahrer, dass ich die Route verfolge. Dieser Versuch schlägt heute fehl. Der Mann beginnt in die gegengesetzte Richtung zu fahren. Ich sage „Stop“. Er bleibt unbeeindruckt und chauffiert mich noch weiter raus. Die Straßenlaternen werden spärlicher, die Gegend ärmlicher. Ok. Es macht auch keinen Sinn den Translator zu bemühen, Spanisch kann ich nicht, er kein Englisch. Das brülle ich gleich auf Deutsch los. Das verstehe wenigstens ich. Zurück, Retour zum Busbahnhof, Statinone de Omnibus. Nach dreimal brüllen dreht er.

Nach einigen hundert Meter stoppt er bei einer Polizeistreife. Upps. Davon habe ich schon gelesen, dass die Jungs unter einer Decke stecken. Ich fotografiere, auch ein alter Trick, sein Cockpit und seine Lizenz die am Rücksitz hängt und tue so als ob ich sie per WhatsApp verschicke. Einer von den Beamten kommt zum Fenster. Ich zeige ihm auf dem Handy wo ich hin will. Der Fahrer steigt wieder ein. Ich dirigiere ihn links, rechts und man muss kein Pfadfinder sein. Das Haus liegt direkt an einer Hauptstraße und ist mit zehn Stockwerken und reichlich Licht groß genug um es zu kennen.

Danach ist alles gut. Das schönste Zimmer auf meiner Reise. Mit Kühlschrank. Safe.

Mich zieht es 200 Meter weiter. Ein Bier noch. Leute gucken. Ab ins Bett.

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Mittwoch, 18. März 2026

Bahia Blanca

Der Zug von Mar del Plata nach Buenos Aires ist noch nicht gebucht. Das muss ich erst bevor ich Bus und weitere Hotels reserviere. Irgendwie habe ich das einen Tag zu lange vor mir her geschoben. Mit erschrecken stelle ich fest, dass es für Samstag nur noch acht freie Plätze in der Zweiten Klasse gibt, die erste scheint ausgebucht. Und billig ist die Fahrt auch nicht. Abends im Bett habe ich schon mein Glück probiert, scheitere aber regelmäßig an der Eingabe meiner Telefonnummer: und die ist Pflichtfeld. Nach zehn Versuchen morgens marschiere ich zur Rezeption. Die gesamte Mannschaft versucht vergeblich ihr Glück. Sie geben ihre eigene Handy-Nummer ein: Zwecklos. Irgendwann findet einer den dreh wie Vorwahl, Länderkennung, die Null zwei Kreuze in die richtige Reihenfolge gebracht werden müssen. Das löst aber das Problem nicht, denn wenn alle Angaben eingepflegt sind, fragt die Maschine hinterhältig nach dem Account. Den gibt es aber nur mit einem argentinischen Pass, den die Nummer meines Reisepasses passt nicht in die Felder der argentinischen Staatsbahn. Geduldig leuchtet das Feld in der Maske nach jedem Versuch rot.

In Zeiten des Internets sind Reisebüros rar. Google Maps nennt mir einige, aber diese sind meist nur auf besondere Angebote fixiert. Eines nebenan existiert nicht mehr. Irgendwo zwei Kilometer weiter existiert eine letzte Hoffnung. Und ich habe Glück. Die Besitzer sind junge Leute, ein Paar. Auch sie quälen zunächst mein Handy eine halbe Stunde, dann ihres. Nix geht. Erfahrungen mit Zügen haben sie noch nicht aber einen Agenten der ihnen hilft einen Account anzulegen. Nicht so einfach, aber auch das klappt irgendwann und tatsächlich: es gibt sogar noch ein Ticket. Ich bekomme es als Print und aufs Handy. Jetzt kann nix mehr schief gehen.

Das Reisebüro liegt in einem Viertel wo eher Besserverdienende wohnen. Schöne Restaurants mit herrlichen Terrassen. Ich beschließe mich mit einem Steak zu belohnen. Und: es ist eine Belohnung.

Später: ein wenig durch die Straßen und Gassen schlendern. Das hier ist der Eingang zu einem öffentlichen Gebäude.

Die Kirche war leider zu…

… dafür lud der Park zum Erholen ein.

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Dienstag, 17. März 2026

Bahia Blanca

Das Bett ist gut. Das Frühstück: Sagen wir mal argentinischer Durchschnitt. Also Kaffee genießbar, der Rest naja. Ich beschließe zwei Tage zu verlängern und über Mar del Plata Richtung Buenos Aires zu fahren. Das bedeutet sieben Stunden zusätzlich mit dem Bus: aber auch eine lange Zugfahrt mit der einzig täglich bedienten Linie im Land.

Und ich habe die Chance wieder waschen zu lassen. Google maps schlägt mir eine Laundry in ca 800 Meter Entfernung vor, direkt neben dem Hotel ist aber auch ein Selbst Service. Das ist nicht so mein Geschmack weil schon zuhause der Lavamat auf deutsch eine ziemliche Herausforderung ist. Aber alles klärt sich wieder einmal von selbst. Als ich mit meiner Tchibo-Tüte an dem Laden mit der Waschmaschinen -Batterie vorbeilaufe und nur kurz durch die Scheibe schaue, erkennt die Besitzerin messerscharf mit all ihren weiblichen Instinkten: Mann und hilflos. Sanft bugsiert sie mich in den Laden. No Problem. Ich bekomme einen Zettel. Sie zeigt auf den Mittwoch auf dem Kalender und hebt vier Finger in die Höhe -was wohl vier Uhr bedeutet- und drückt mir einen Zettel mit einer Nummer in die Hand.

Ich bummele ein wenig durch die Stadt. Sie muss vor über 100 Jahren sehr wohlhabend gewesen sein. Zahlreiche Prachtbauten säumen die Straßen und Parks.

Endlich wieder Palmen. Ich verbringe die Siesta im Park…

Bewundere die endlos Reihe an Bänken…

… bevor ich mir einen besonderen Genuss gönne.

Bahia Blanca verdankt seine Existenz Auswanderern aus Europa, auch aus Deutschland. Vor 150 Jahren schipperten sie über den großen Teich, auch weil sie Armut, Hunger oder auch Verfolgung entfliehen wollten. Sie brachten ihr Leben mit, ihre Kultur, ihren Alltag und Gewohnheiten. Handwerker, Landwirte, Händler gründeten Betriebe wurden Schmied, Schreiner, Bierbrauer, Viehzüchter oder betrieben einen Laden. Sie sprachen lange ihre Heimatsprache und informierten sich einmal die Woche aus ihrer eigenen Zeitung. In der Freizeit pflegten sie Geselligkeit in Gesangsvereinen, trafen sich Sonntags in der Kirche und danach beim Fußball. Irgendwie so ähnlich wie die rund 160 Kulturen die heute in Offenbach leben.

Einer von ihnen gründete 1890 das Gambrinus. Die Kneipe existiert heute noch. Keiner der Kellner spricht mehr Deutsch aber immerhin einer hat in der Schule Englisch gelernt. Die Rezepte von damals kennen sie heute noch…

…Zum Glück. Ich bestelle mir zwei Knackwürste mit Sauerkraut. So nach vier Wochen Cross over Südamerika ein wenig Heimatgefühl. Irgendwo bin ich halt doch eine „Kartoffel“ und keine Pommes Das Sauerkraut mit Kümmel, ich hätte mich reinsetzen können. Und eine richtige Wurst und dazu Senf aus Deutschland. Eigentlich bin ich einfach glücklich zu machen.

Natürlich ist so eine Kneipe prall gefüllt mit Devotionalien. Ich besichtige Stück für Stück. Auf so einem Foto fantasiert man natürlich über all die Schicksale.

Und die ein oder andere Flasche scheint kommt bekannt vor.

Und zum Ende des Abends ein Espresso aus dieser Maschine. Ehrlich. Einer der besten in meinem langen Leben.

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Montag, 16. März 2026

Von Bariloche nach Bahia Blanca

Beim Aufwachen ist es gespenstisch ruhig im Wagen. Bis auf zwei Pärchen sind alle ausgeflogen. Auch der Mädels-Geselligkeitsverein ist verschwunden. Sie warten vor dem Bahnhof auf den Bus. Ich google ein wenig. Wahrscheinlich wäre es intelligenter gewesen hier in San Antonio Oeste auf den Omnibus umzusteigen statt in Viedma wie von mir geplant. Anyway. Zu spät.

Der Zug wechselt die Richtung. Die Lok rangiert an das andere Ende. Zeit um sich die Beine zu vertreten.

Der Bahnhof wirkt ziemlich verlassen. Naja: ein Zug die Woche hin, einer zurück. Drei vier Güterwagen und jede Menge Personal.

Auf einem Abstellgleis einige verrostete Waggons. Offenbar wohnen hier Menschen.

Mit einiger Verspätung geht es weiter. In Viedma muss der Zug pünktlich sein sein damit ich den Bus mittags bis Bahia Blanca erreichen. Das würde mir dort alle Optionen für die Weiterreise am gleichen Tag offen halten. Der Speisewagen ist angenehm leer. Das Personal verschnauft. Gestern war der Teller übervoll. Heute bleibt er leer. Zwei Tee und ein Mini-Croissant.

Draußen Pampa. Die Gegend heißt hier wirklich so. Endlose Steppe, braun in braun. Ab und zu ein Wasserturm aus der Dampflokzeit. Hier und da ein Halt an einer verfallenen Station. Auf Google maps kann ich das Weiterkommen gut verfolgen. Es scheint zügig voranzugehen….bis 30 Kilometer vor der Endstation. Unser Zug verfällt ins Schritttempo. Wahrscheinlich hält das Gleis nicht mehr aus.

Mit circa 30 Minuten Verspätung kommen wir in Viedma an. Ein Bild vom Zug. Und dann raus auf den Bahnhofsvorplatz. Mit mir warten circa zehn Leute auf ein Taxi. Die Station liegt -wir würden sagen- in der Pampa. Mitten drin. In der Ferne ist die Stadt zu erahnen. Ein Mann versucht per Handy Taxen zu ordern. Nach 15 Minuten trifft die erste ein. Man sollte meinen, der Fahrer alarmiert jetzt alle seine Kollegen im Umkreis. Denkste. Er versucht uns nach und nach alleine abzuholen. Zum Glück gesellt sich irgendwann ein Auto dazu. Ich bin der letzte der nach einer Stunde in die Stadt, zum Busbahnhof mitgenommen wird.

Nächstes Problem: der Busbahnhof wird generalsaniert. Das Gebäude innen ist eine riesige Baustelle und Handwerker machen Krach. Keine Pizzabude im Umkreis von 300 Metern. Ich habe keine Lust weiter mit dem Gepäck zu laufen. Deponieren kann ich es hier auch nirgendwo. Es ist kurz vor zwei. Der nächste Bus nach Bahia Blanca fährt um sechs Uhr. Vier Stunden Fahrzeit. Wenigstens gibt es einen Kiosk vor dem Gebäude. Ich hol mir eine Cola und ein paar Kekse, finde eine Bank und zieh mir im Internet ein Ticket. Lesen ist angesagt. Der Bus ist pünktlich. Der Beifahrer hakt meinen Namen ab: wie der so schnell auf die Liste kommt. Fragezeichen. Auf meinem MP3 Player ist noch Saft. Die Sitze sind angenehm. Die restlichen Passagiere telefonieren nicht übermäßig. Nach einer eintönigen Fahrt kommen wir fast pünktlich an.

Das Hotel ist ein Volltreffer. Das Zimmer ist nicht besonders groß aber es ist alles da was man braucht. Und die Dusche gefällt mir richtig. So um 11 Uhr nachts frage ich den Jungen an der Rezeption wo man noch essen kann: es sind zwar 500 Meter Fußmarsch, aber absolute safe wie er versichert. Scheint auch so zu sein, denn draußen führen einige Frauen ihren Hund Gassi. Aber: es liegen auch jede Menge Obdachlose auf den Gehsteigen.

Das Lokal liegt am zentralen Platz der Stadt. Es entpuppt sich als Volltreffer, viele andere Optionen hätte es um diese Uhrzeit eh nicht mehr gegeben. Die Kellnerin spricht nur spanisch aber es gibt eine englische Speisekarte. Das Bild zeigt die kleinste mögliche Portion. Nebenan sitzt eine fünfköpfige Familie beim Mitternachts-Snack. Die haben normale Portionen, also ungefähr die Größe meiner Wochenration. Und die Putzen alles weg, auch die etwa zehnjährige Tochter. Ein Blick genügt. Von nichts kommt nichts.

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