Mittwoch 18. Februar 2020 Panama

Panama

Morgens um acht Uhr im Eilmarsch zur Copa Airline. Juchhu eine der Mitarbeiterinnen spricht Englisch und nach dem Mardi Gras nicht mehr benebelt. Einen Passagier namens Müller findet sie nicht auf der Passagierliste für die Morgenmaschine nach San Jose. Auch die Abbuchung auf meiner Kreditkarte hat sich in Luft aufgelöst. Ich verzichte auf Costa Rica und buche für Freitag nach Lima Peru. Auf dem Heimweg besuche ich spontan noch die Kirche der Carmen nach der auch die Metro Station in der Nähe meines Hotels benannt ist. Es ist Aschermittwoch, das riesige Gotteshaus hast voll und jeder hat wie bei uns früher in der Rhön sein Aschenkreuz.

Nachmittags fahre ich in die Altstadt. Klappt ganz gut mit der S-Bahn und einem Minibus, der sich durch die Gassen des historischen Quartiers zwängt. Ich bin von dem Ensemble beeindruckt. Nicht umsonst ist dieser Quadratkilometer Unesco-Weltkulturerbe. Geplant hatte ich mit dem Besuch des Kanalmuseums zu beginnen. Zum Glück wies mich die Mitarbeiterin daraufhin, dass man heute früher schließe. Mir bleibe kaum eine Stunde Zeit für den Rundgang. Einen Tag später weis ich den Rat umso mehr zu schätzen. Es ist ein sehr textlastiges Museum und noch schlimmer: weiße Schrift auf farbigem Hintergrund.

Die Kirche gegenüber hat auf. Ein Mix zwischen goldenem Prunk im Altarraum und einem eher bescheidenen Chor. Gefällt mir. Wieder draußen regnet es in Strömen. Ich warte unter einer Galerie bis der Guss ein Ende hat.

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Dienstag, 17. Februar 2026

Panama

Die frühe Möwe fängt das Schiff. Schon eine halbe Stunde bevor mein roter Doppeldecker abfährt, sitze ich auf dem Bank neben der Firmenzentrale, einem kleinen Kiosk. Frühstück war heute easy, die Gruppe ist wohl weiter gereist. Das Buffett ist schon reichhaltig. Das mit den exotischen Früchten gefällt mir aber ansonsten: viel Instant, viele Fertigprodukte. Nach den Runden die ich schon von gestern kenne, kommen wir an der Schleuse plus Besucherzentrum an. 17 Dollar Eintritt. Stolzer Preis. Der Kontrolleur am Einlass drängt zur Eile. Um 9 Uhr käme das letzte Schiff und dann gehe es erst gegen Abend mit dem schleusen weiter.

Mist. Und durch das Gebäude windet sich eine Schlange von vielleicht 100 Metern. Instinktiv wähle ich den mit Gittern markierten Weg daneben. Ich habe doppeltes Glück. Zum einen: Die hunderte von Menschen kommen von den Schleusenkammern zurück und warten auf den Einlass ins Kino. Und es gibt drei maritime Nachzügler. Ich kann in Ruhe beobachten wie so ein Kahn von Level 0 auf die nächste Stufe gehievt wird. Einer der riesigen Dampfer passt gerade so in die Kammer. Beide Seiten betrachten sich wechselseitig im Zoo. Die Crew auf dem Container-Frachter sieht möglicherweise nach zwei Wochen auf See das erste mal Land und Leute, wir die Gaffer können erleben wie es auf so einem Deck zugeht. Das andere Boot ist ein Kreuzfahrtschiff, das auf einer Art Bypass die Szenerie passiert.

Das Geschehen wird von einem Moderator kommentiert dessen Stimme und Tonfall stark an den Käpten erinnern, der in Hamburg die einfahrenden Schiffe begrüßt: Und jetzt ein 300.000 Tonnermit Ladung für Shanghai etc

Es ist jetzt angenehm leer auf der Besucherplattform. Man kann sich zurücklehnen, die Arbeiter beobachten die das riesige Pumpwerk für die nächste Runde präparieren. Das ist schon eine komplexe Maschinerie, die hier am Laufen gehalten wird mit all den Lokomotiven, Pollern, Ventilen. Die Gebäude rund um den Kanal gehorchen einer einheitlichen Ästhetik und Formsprache. Sowohl hier als auch die Verwaltung, das gigantische E-Werk sowie die Unterkünfte der Ingenieure, Techniker. und Arbeiter.

Ich mache mich auf zum Imax Kino. So richtig mit 3-D-Brille. Die Schlange hat sich aufgelöst, aber auch 20 Minuten warten sind in diesen Breiten trotz Klimaanlage nicht einfach. Aber die Steherei lohnt. Hollywood öffnet seinen breit gefächerten Werkzeugkasten. Opulent und eindrucksvoll schildert der Streifen die Geschichte der Landenge seit 1000 Jahren, also auch die Zeit bevor die Konquistadoren die Azteken noch nicht um Geld und Leben gebracht hatten. Schon bald nach der Landung machten sich die Spanier Gedanken mit welchen Wegen sie die Landenge schnell überwinden konnten, von Kutschen bis zur Eisenbahn. Mit dem Goldrausch in Kalifornien und der Globalisierung des Handels gewann der Kanalbau an Fahrt. Den ersten Versuch setzte Ferdinand de Lesseps, der schon den Suez-Kanal gebaut hatte, in den Sand bzw. hier in den Regenwald.

Das Land gehörte zu Beginn des 20.Jahrhunderts noch Kolumbien. Die USA, die ein Hauptinteresse an einem schnellen Seeweg zwischen dem Osten und Westen ihres Landes hatten, enteigneten mit ein wenig Krieg kurzerhand Kolumbien, gründeten die Republik Panama und schlossen mit einem französischen Ingenieur -warum der auch immer befugt war- einen Vertrag das eine 10-Meilen breite Zone links und rechts des Kanals US Territorium sei. So einfach ist Politik. Bis heute.

Jetzt noch die lustige Geschichte im Kino. In 3-D kann man auch Mosquitos durch den Zuschauerraum fliegen lassen. Auch ich habe nach den Viechern, die laut durch den Saal schwirrten geschlagen. Anschließend ist nochmal ein wenig Zeit für das Besucherdeck von hier kann ich die Straße einsehen auf der mein roter Bus kommen wird. Mit ihm will ich weiter auf eine Halbinsel, die ein beliebtes Naherholungsgebiet für die Panamesen ist. Gestern ist mir schon aus dem Bus ein Lokal aufgefallen in dem viele Einheimische gegessen haben. Das will ich heute testen.

Die Hop-on Hop-off Fahrzeuge in Panama sind die schlechtesten die ich auf dieser Welt genutzt habe. Annähernd schrottreif mit einer Tonanlage über die ich auch in Deutsch nichts verstanden hätte. Das Lokal jedenfalls erfüllte die Erwartungen voll. Nach hinten noch auf ein Strand, Pool etc. Ich bestelle Nudel mit irgendeiner Soße von hier.

Zurück geht es mit dem Stadtbus. Blöd. Passiere können sie nur mit einer Plastikkarte nutzen sonst funktioniert das Drehkreuz beim Fahrer nicht. Eine Frau hilft mir aus der Klemme und lässt mich für einen Dollar auf ihrem Ticket fahren. Win / win. Beim Umsteigen in die Metro finde ich einen Aufseher der mir die begehrte Plastikkarte am Automat zieht und auflädt.

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Montag, 16. Februar 2026

Panama

Morgens High Noon im Frühstücksraum. Eine größere Reisegruppe belebt das Geschäft. Das Buffett steht auf mehreren Tischen verteilt, das System ist etwas unorthodox. Die Aushilfen haben auch wenig Erfahrung. Zweimal hole ich mir was nach, beide Male ist mein Tisch mit all den schönen Sachen auf dem Teller abgeräumt.

Ich bin früh dran, denn ich will klären, ob mein Flug nach San Jose in Costa Rica gebucht ist oder nicht. 800 Meter. Es ist schon ordentlich schwül. Dumm: Das Büro ist zu. Rosenmontag ist frei, so interpretiere ich den Zettel an der Scheibe und Dienstag als Zugabe zum Ausruhen auch nochmal niemand da. Auf Kommunikation über irgendeine KI mit Air Copa am Laptop habe ich keine Lust. Also Warten. Risiko. Weiter geht´s zum Hop On Hop off-Kiosk. Ich mache in fremden Städten gerne zu Anfang eine Rundfahrt um eine Gesamtschau zu haben. Hier ist es ideal. Es gibt ein 48-Stunden Ticket für Senioren das nur etwa fünf Euro mehr als eine Tagestour kostet. Zurück ins Hotel. Noch ein wenig pennen, lesen.

Um 2 pm mittags startet die letzte Fahrt. Drei Stunden Dauer. An beiden Tagen werden aber wegen Mardi gras die Altstadt und der Fischmarkt ausgespart. So schrecklich viele Attraktionen hat die Stadt aber sonst nicht. Also hier ne Volksschule, da übt der Kirchenchor und natürlich Bank neben Bank. So viele Geldinstitute auf einem Haufen habe ich noch nie gesehen. Ein Gebäude prächtiger als das andere. Kein ausladender Protz aber die Finanz-Mogule dokumentieren dezent selbstbewusst ihre Bedeutung. Morgens begegnete mir schon ein Porsche mit Frankfurter Nummernschild, der in die Tiefgarage eines der opulentesten Gebäude fährt, ehrfürchtig begrüßt von einem livrierten Lakeien.

Panama: das ist der Kanal. Das Land war lange zweigeteilt. Die Kanalzone, einem Streifen links und rechts neben der Wasserstraße verwalteten und beherrschte die USA und im Rest lebten die Einheimischen, die als Hilfskräfte für Seefahrt schufteten.

Vom Kanal sehe ich leider nur einen Moment das Wasser, aber der Bus hält an einer Schleuse nebst riesigem Besucherzentrum. Da werde ich morgen Station machen. Ansonsten sehe ich Container satt. Es gibt eine Bahnlinie entlang der Wasserstraße. Möglicherweise werden die Container von Jumbo-Tankern, die nicht nur Kanal passen, per Bahn vom Ozean zum Pazifik transportiert.

Auf der Rückfahrt passieren wir eine Elendssiedlung. Puh. Vor allem: Es fehlen bei vielen Wohnungen in den Gebäude die wie Fischstäbchen in der Frosta-XXL-Packung dicht gedrängt stehen, Klimaanlagen. Nur vereinzelt sind Ventilatoren zu sehen. Ich stelle mir das Leben in den winzigen Appartements mit fünf oder sechs Personen grausam vor. Abgesehen von dem Dreck und dem Müll in den Gassen ringsum.

Abends lande ich bei einem Inder nebenan. Irgendwas was ich nicht kannte mit Teig und viel Füllung. Es war köstlich. Ein Bier noch auf der Terrasse vor dem Hotel, drei vier Maybe Tomorrow zu einem der Mädels die sich meinem Tisch nähern. Und ab ins Bett:schlafen.

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Sonntag, 15. Feb. 2026

Frankfurt -Panama

„I got a nose for trouble. Double trouble is my name“, Sonntagabend im Bett in Panama denke ich an die Zeilen in dem Song von Dave Dee, Dozy und so weiter. Sechzig Jahre ist der Song alt. Irgendwie fallen mir die Zeilen immer mal ein, meist dann wenn ich geschlampt habe und mich die Nachlässigkeiten einholen. Meine Tour nach Südamerika habe ich schon vorbereitet: Flugrouten überlegt, Preise verglichen, Klimatabellen gelesen, mich über die Sicherheit in einzelnen Ländern informiert. Aber ansonsten bin ich in die Reise mit dem Gedanken: Hauptsache Kreditkarte und Pass in der Hosentasche. Und irgendwo eine zweite Karte in Reserve. Solch Leichtsinn wird schnell bestraft.

Samstag war ich noch in Bieber beim Umzug.

Sonntag: Morgens klappte alles noch hervorragend. Das Auto ist angesprungen. Wini wird es nachher abholen. Die S-Bahn um halb acht ist pünktlich. Das Gate am Flughafen weit vorne. Keine langen Wege. Keine Schlange vor der Security. Der Self-Check-In für meinen Rucksack macht keine Probleme. Ich frage noch den Lufthansa Menschen, ob ich beim Umsteigen in Atlanta mein Gepäck vom Band abholen müsse, um es neu bei Copa-Airline Richtung Panama neu aufzugeben. „Nein“ bekomme ich zur Antwort. Der Rucksack sei bis Mittelamerika eingecheckt. Ok. Ich kenne das von früher vom Transit anders aber wenn Lufthansa meint…

Zehn Mal bin ich bis jetzt über den großen Teich geflogen. Immer waren die Jets prall gefüllt mit Passagieren. Suprise, surprise. die Economy in der Boeing 787 ist halb leer. Die Zahl der Europäer wie ich später an der Passkontrolle feststelle überschaubar. Liegt das an der Jahreszeit oder sind der Grund für die Zurückhaltung die drohenden neuen Einreisebestimmungen. Ich habe drei Sitze für mich alleine und schlafe zwischen der Nordsee und Grönland. Der Flieger liegt wie ein Brett. Kein Hüpfer. Vor der Landung in Atlanta warnt der Pilot, es könne wegen einer Wetterfront jetzt heftig werden aber vielleicht hätten wir Glück und erwischen ein Wolkenloch. So ist es. Butterweich nähern wir uns der Rollbahn.

Auch bei einem Transit muss man in den USA das Einreiseritual überstehen, inklusive Esta. Die Passkontrolle war so easy wie noch nie. In den 1990er Jahren habe ich die Rituale als eher umständlich empfunden. An den Schaltern altgediente Beamte, keine Bewegung zu viel (War ja selbst einer).Nach 2000 begannen die Interviews die mit jedem Mal ein wenig weiter in Richtung Inquisition drifteten. Und jetzt: Nicht nur bei mir ging es Ruckzuck. Kleiner Small Talk, Lachen. Daumen hoch. Zwei Erklärungsmuster: Sie wissen eh alles über mich oder Tourismus ist halt auch ein Geldbringer. Vielleicht war es keine so gute Idee im letzten Sommer mit immer neun Schikanen, die weltweit Aufmerksamkeit erregten, abzuschrecken.

Ich mache mich zu meinem Gate. beim Verlassen der Kontrolle spricht mich eine Mitarbeiterin an und fragt, ob ich denn kein Gepäck hätte. Stolz erzähle ich ihr, das sei schon auf dem Weg von der Lufthansa zur Copa. Sie schaut mich zweifelnd an und schickt mich zurück. Und siehe da: auf dem Band kreist mein Rucksack. Glück gehabt und ich ernenne die Latina am Tor zu meinem Schutzengel.

Zwei Stunden habe ich für den Transit. Am Gate bei Copa gehe ich nur zur Sicherheit an den Schalter. Die Lady nimmt mein Ticket, lächelt mich an und schüttelt den Kopf, sie könne mich nicht mitnehmen. Panama verlange ein Rückflugticket. Meine Antwort, ein solches besitze ich von Montevideo nach Frankfurt, überzeugt nicht. Auch nicht, dass ich halt nach Lust und Laune von einem Land zur nächsten Stadt reise, vermag sie umzustimmen. Ich werde mit ihrer Chefin verbunden. Keine Chance. Natürlich ärgere ich mich über meine Ignoranz. Die Bestimmungen stehen auf den Seiten des Auswärtigen Amtes. Ich erinnere mich, sie gelesen aber nicht ernst genommen zu haben.

In den USA bleiben, geht nicht. Ich habe „Transit“ angekreuzt. Außerdem, was passiert mit meinem Flug nach Panama. Wir einigen uns darauf, dass ich einen Weiterflug von Panama nach Costa Rica eine Woche später buche. Der ist verhältnismäßig preiswert und ein Abstecher in dieses Land schadet nicht. Sie versucht meine Daten in die Buchungsmaske einzugeben. Mein Pass und meine Kreditkarte sind aber nicht kompatibel mit den Vorgaben von Copa. Drei Vornamen im Pass, einer auf der Kreditkarte. Mission impossible. Und die 0 , die erste Ziffer meiner Handynummer muss trotz Länderkennung angegeben werden. Sie experimentiert und experimentiert. Die Zeit wird knapp, die Schlange hinter mir reicht wahrscheinlich bis in die Innenstadt von Atlanta. Endlich nach 30 Minuten akzeptiert die Maschine alle Eingaben. Dumm nur: am Counter gibt es kein Kreditkartenlesegerät. Meine Daten werden an die Chefin gemailt. Rückruf: Mastercard funktioniert nicht. Alles nochmal mit Visa. Gleiches Ergebnis. Das Problem ist wahrscheinlich dass ich Buchungen mit einem Zeigefingerabdruck autorisieren muss.

Der Last Call für den Flieger war vor 15 Minuten. Ich versuche den Flug über mein Handy zu buchen. Das funktioniert. Ich zeige Ihr eine vorläufige Bestätigung und darf an Bord. Ein knallvoller Flieger ich auf einem Mittelplatz zwischen zwei ziemlich übergewichtigen Damen und keine Beinfreiheit. Und sitze und sitze und warte und warte. So nach 45 Minuten meldet sich der Käptn: offenbar steht die Regenfront von der bereits der Lufthansa-Kapitän erzählte kurz vor dem Flughafen. Wir müssten wieder zurück zum Gate. Vielleicht könnten wir heute noch, vielleicht nicht. Der Flieger rollt ein paar Meter und steht wieder. Weitere dreißig Minute warten und dann kommt Bewegung in die Geschichte. Beim Drehen sehe ich eine schwarze Wand am Ende der Rollbahn. Die Triebwerke heulen und der Jet beschleunigt Richtung Unwetter.

Jetzt verrate ich mal ein Geheimnis. Abergläubisch wie ich bin schließe ich beim Start fest die Augen und zähle bis 350. Jedes Mal aufs Neue. Ich fühle: so steil ist ein Flieger mit mir noch nie hochgezogen. Er dreht scharf nach links. Es ruckelt ziemlich heftig und dann ist alles ok. 3.40 Stunden ruhiges gleiten. Und das Essen bei Copa kann sich auch sehen lassen. Nach der Landung, und das habe ich zwanzig Jahre nicht erlebt, klatscht der Flieger.

In Panama renne ich mit allen anderen den Schildern Bagage Claim nach. Blöd nur: Wir sind in Terminal 1, das Gepäck läuft aber im Terminal 2 vom Band. 15 Minuten laufen. Rolltreppe kaputt und tatsächlich kreist mein Rucksack. An der Passkontrolle fragt natürlich niemand nach meinem Rückflug Ticket. Alle Aufregung umsonst. Datenvolumen laden, Uber bestellt und ab geht es in die Nacht. Der Flughafen liegt weit außerhalb. Der Fahrer kennt sich super mit Deutschem Fußball aus. Der BVB ist sein Favorit und Bayern München ein Upper Class Club.

Mein Zimmer gefällt mir. Das Hotel, ein weitläufi8ges Casino, erinnert an die Glitzerwelt von Las Vegas. Die Leute werden mit niedrigen Zimmerpreisen angelockt. Solange man nicht spielt, kann man unbeschwert genießen.

Es ist draußen noch ziemlich warm. Ich trinke auf der Terrasse noch zwei Bier. Ein wenig nerven die Prostituierten. Alle zwei Minuten kommt eine an meinen Tisch. Mein Standardsatz „Maybe tomorrow“ und alles bleibt friedlich. Ich bin hundemüde. Es ist nach Mitternacht. Ich bin seit fast 24 Stunden auf und schlafe friedlich.

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Dienstag, 4. Februar 2025 – Abu Dabi – Frankfurt

Im Unterschied zu Dubai nebenan ist Abu Dabi ein Airport der kurzen Wege. Und es gibt Bier wie ich im vorbeilaufen förmlich rieche. 14 Tage war ich auf dem Trockendock. Aber jetzt ausgerechnet fehlt die Zeit für ein Pils. Das Boarding für meinen Flug nach Frankfurt hat schon begonnen. Obwohl ich die Transfer-Zone nicht verlasse, noch einmal Security. Richtig gründlich. Aus irgendeinem Grund wird meine kleine Tasche aussortiert und gesondert untersucht. Dabei geht meine Offenbach-Kappe verloren. Sie ist jetzt hoffentlich ein guter Botschafter in den Emiraten für unsere Stadt.

Die 777 bringt mich ohne größere Turbulenzen bis Frankfurt. Ich verschlafe die Hälfte der Zeit. Nur meine beiden jungen Sitznachbarn aus China gehen mir auf den Keks. Man muss nicht jede Anweisung der Stewadessen verstehen aber man sollte sie nicht mit Sturheit immer wieder ignorieren, besonders dann wenn es um Sicherheit geht.

Kurz vor der Landebahn Schreck am frühem morgen: die Maschine startet wieder durch und zieht steil nach oben. Es ist für einen Moment Mucksmäuschen still auf allen Plätzen. Wahrscheinlich die Angst aufs Wald-Stadion zu stürzen und für alle Ewigkeit den grottigen Eintracht-Fußball anschauen zu müssen.

Juchhu!!!! Mein Rucksack ist das dritte Gepäckstück auf dem Band. Es hat sich in hier nichts geändert: rmv und ovb verspätet und mies wie vor meinem Urlaub. Winni hat am Abend zuvor die Heizung in meiner Wohnung angestellt. Ich gönne mir um acht Uhr morgens eine 0,3 Flasche Bier und eine Runde Schlaf.

Saudi Arabien plus Kuwait: Autokratisch regierte Staaten: ohne Zweifel. Länder in denen Menschenrechte nicht so umgesetzt werden wie notwendig. Gewiss. Und dazu Herrscher, die Grenzen der Zivilisation überschreiten wie der Mord an einem Journalisten und Regimekritiker in Istanbul schrecklich demonstriert hat. Antsemitismnus quasi als Staatsräson in Kuwait. Kann man dort Urlaub machen, durchs Land reisen? Diese Frage bewegt mich beim Besuch eines jeden autoritär regierten Landes, nicht nur auf diesem Trip. Nicht nur auf dieser Reise. Unterstütze ich quasi mit meiner Anwesenheit und meinen Euros diese Regime? Meine Antwort ist nicht eindeutig.

Landschaftlichen Schönheiten beeindrucken auf der Arabischen Halbinsel. Es ist eine Region mit einer eindrucksvollen Geschichte. Bedeutende frühe Hochkulturen prägten und prägen die Entwicklung der Gesellschaft hier. Bis heute. Ob Medizin, Astronomie, Algebra, Schrift oder Physik: die muslimische Welt stand für Avantgarde und Höchstleistung während der Fortschritt in unseren Breitengraden noch im Dunkeln tappte. In vielen arabischen Ländern ist von dieser Blüte wenig übrig geblieben.

Saudi Arabien nutzt, auch dank der Öleinnahmen, viele Errungenschaften der Vergangenheit, kann darauf aufbauen, beispielsweise investieren die Verantwortlichen in Bildung. Quasi in jeder Oase mit drei Palmen gibt es eine oder mehrere Universitäten und Technische Hochschulen, besonders für Frauen. Die Regierung gibt Milliarden für die Infrastruktur aus: achtspurige Highways quer durch Sand und Geröll, Hochgeschwindigkeitszüge, die oft überdimensioniert wirken, endlose Industriegebiete, Spitzenforschung und High Tec. Dazu gut ausgestattete Krankenhäuser, die Restaurierung traditioneller Quartiere, Klimaschutz. Heute steht die Halbinsel vor einer Weggabelung, hinter der viele Optionen bedacht sein wollen. Saudi Arabien ist eine Nation im Umbruch. Das ist in den Zentren aber auch vielen Ortschaften in der Wüste zu spüren.

Die Geburtenrate liegt um 50 % höher als in Europa ist aber stark rückläufig. Dennoch gilt Saudi Arabien ein Land der Jugend. Die Verantwortlichen haben deshalb Ventile geöffnet, öffnen müssen. Gut ausgebildete Teenager, die dank Öl und Gas in relativem Wohlstand leben. Das Internet bringt die Welt via Smartphone ins kleinste Beduinenzelt. Viele Heranwachsende haben Europa bereist, hier studiert, gefeiert. In den Zentren ist das traditionelle Männergewand, der Kandora, auf dem Rückzug. Man (n) trägt Jeans. Viele Frauen, auch an den Schaltern der Behörden, haben Kopftuch und Schleier abgelegt. Das ist neu und ein Zeichen, dass die Regierung die jungen Menschen gewinnen will und muß, wenn sie neben Öl auch andere Schwerpunkte für ihre Wirtschaft und für Arbeitsplätze entwickeln möchte. Gezahlt wird fast ausschließlich mit Kreditkarte oder Smartphone. QR-Codes bestimmen Hotelbuchung, Busfahrt oder Restaurantbesuch fast ausschließlich.

Akzeptanz bedeutet, viele Menschen wollen und müssen mit ihrem Staat zufrieden sein, gerne in ihm leben. Auf diese Zustimmung ist auch Saudi Arabien für die ökonomische Entwickelung angewiesen. In den Golfstaaten nebenan gibt es eine relativ kleine einheimische Bevölkerung. Diese Elite lebt von Gas und der Ausbeutung ihrer Gastarbeiter. Das ist in Saudi so nicht möglich. Dafür ist das Land mit 31 Millionen Einwohnern zu groß. Im benachbarten Katar leben nur etwa 3 Millionen Menschen, davon sind lediglich 400.000 in dem Land zur Welt gekommen, also Bürgerinnen und Bürger. In Saudi Arabien bräuchte es über 100.000 Millionen Zuwanderer, um eine ähnliche Relation zwischen Einheimischen und Gastarbeitern zu erhalten. Und ein weiteres: Diese jungen gut ausgebildeten Saudis suchen Herausforderungen, wollen sich ausprobieren. Auch dieses Ventil braucht es, damit sie, so die Angstträume der Emire, nicht aus Langeweile auf dumme Gedanken kommen. Das Kalkül / der Deal der Herrschenden ist zynisch. Ihr liebe Jugend bekommt individuelle Freiheiten, dazu Sport und Stars auf Weltniveau, Events und Festivals, das Beste vom Besten. „Wir reden Euch auch nicht ins Privatleben hinein“, dafür erwarten wir, dass Ihr das Herrscher Haus und seine Privilegien nicht in Frage stellt.

Die Menschen sind freundlich, liebenswert, neugierig, ohne aufdringlich zu sein. Sie freuen sich über Gäste aus anderen Kulturkreisen. Sie suchen das Gespräch. Immer wieder werde ich nach unserem Leben, nach unseren Werten gefragt. Bei Frauen, deren Rechte hier immer noch eingeschränkt sind, sind beim Thema „Kopftuch bzw Schleier“ vorsichtige Veränderungen in urbanen Zentren zu beobachten. Viele junge Mädchen wollen nicht wie ihre Mütter die Welt nur aus einem schmalen Sehschlitz wahrnehmen.

Abschottung raubt Dynamik. Es ist aber eine Illusion zu glauben, man könne mit Knopfdruck oder einer Gesetzesänderung diese Länder zu Klonen der westlichen Welt kopieren. Es braucht Zeit und einen langen Atem, keine Illusionen. Der islamische Frühling beispielsweise in Syrien ist warnendes Beispiel wie schnell aus Begeisterung Entsetzen wird, wenn Diktatoren ihre Herrschaft bedroht glauben. Aber Abschottung ist auch keine Option. Besuche, Austausch ist für mich immer ein Weg zu Annäherung und Veränderung.

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Montag, 3. Februar 2025 Kuwait – Abu Dabi

Jeder Trip endet. Meiner heute gegen 23 Uhr mit Etihad gen Frankfurt. „Mixed Emotions“ tönte einst Mick Jagger. Frühstück im ibis. Noch einmal laben an Hummus und Joghurt. Ansonsten ein ibis halt, solider Standard, ohne Ausreißer nach oben oder unten. Egal ob ibis Duisburg, Dublin oder Dschidda.

In Dschidda habe ich meine Tour quer über die Arabische Halbinsel begonnen. 14 spannende Tage. Manchmal anstrengend aber kein Stress. Kann man in diese autokratischen Länder ohne schlechtes Gewissen reisen. Darüber werde ich mir noch einige Gedanken machen und am Ende meine Einschätzung geben.

Heute kleiner Schnupperkurs Kuwait. Mehr ist nicht drin. Aus dem Hotelfenster macht die Stadt einen ungeordneten Eindruck. Der bestätigt sich auch vor der Tür. Ziemlich durcheinander gebaut.

Wo kann man eine Stadt am besten kennenlernen. Auf dem Markt, also hier im Souk oder Basar. Dort wo Menschen ihre Alltagsbesorgungen machen. Dort wo Kultur durch den Magen geht.

Zwei Kilometer zu Fuß entlang von Hauptverkehrsstraßen. Kein Vergnügen. Mit dem Rollstuhl oder Kinderwagen ist Fortbewegung aussichtslos. Ich stärke mich erst einmal mit einem Tee. Der Beste auf meiner Reise. Wie viele andere neben mir: Beobachten, das Treiben genießen.

In der Nachbarschaft gibt’s an einer langen Reihe von Ständen Fisch in allen Größen.

Die Gänge sind nach Sortimenten geordnet

Obst aus aller Welt

Bei einem Feigen-Händler kaufe ich eine Handvoll Datteln. Low Sugar wie mir der Traiteur versichert. Er zeigt mir noch seine Spezialität: Datteln in Honig und Sirup gebadet. Überredet. Nach dem ersten Happen schicke ich sofort per SMS eine Bitte an meinen Hausarzt: Nächste Woche Diabetis-Test.

Ich drehe noch eine Runde zum Meer. Den schönsten Blick habe sich dort einige militärischen Einrichtungen und das Außenministerium gesichert. Fotografieren verboten. Und bei den Jungs die dort am Zaun stehen, knipse ich eher nicht.

Zurück ins Hotel mit dem Stadtbus. Auch win Abenteuer: Packen, eine halbe Stunde dösen. Um 18 Uhr mache ich mich auf. Der Mensch an der Rezeption hat verpennt, ein Taxi zu bestellen. Aber ich habe genug Zeit. Im Feierabendverkehr zieht sich die Fahrt zum Airport auf eine Stunde. Check Inn und Passkontrolle ohne Problem. Man muss nicht alle Wege rund um die Beamten-Schalter verstehen. Ein Engländer und ich grinsen uns nach der Kontrolle an. „Be Calm and Carry on“. Eine Stange Zigaretten für das letzte Kuwait-Dinar, ein Hamburger und ein Wasser. 50 Minuten ruhiger Flug bis Abu Dabi statt der im Flugplan genannten einen Stunde und 40 Minuten.

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Sonntag, 2. Februar 2025 – Von Dammam nach Kuwait

Mit dem Check out kann ich mir bis 13 Uhr Zeit lassen. Abflug 16.30 Uhr. Aber: der Airport liegt 50 Kilometer außerhalb. Ich hatte gestern auf dem Rückweg vom Abendmahl ein kleines Café entdeckt, das ich jetzt ansteuere. Ein Americano und ein Käse-Sandwich. Nix besonderes. Heute bin ich mal ganz bescheiden.

Sicher nicht ein Frühstückstraum, aber ich habe auch keine Lust lange zu suchen. Im Hotel packen, lesen dösen. Kurz nach 13 Uhr frage ich an der Rezeption nach einem Taxi. Die Lady erklärt sich für unzuständig. Dazu müsse ich „Uber“ aufs Smartphon laden. Nach einer kurzen Debatte ruft sie irgendwo an, erreicht aber nichts. Eine halbe Stunde später kommt ihr Kollege und dann bald ein Taxi. Der Weg zum Airport zieht sich. Am Flughafen läuft alles wie am Schnürchen. Check In ohne anstehen, schnelle Security und ich habe fast zwei Stunden Zeit am Gate.

Der Flug dauert nur 30 Minuten. Der Screen zeigt eine Entfernung von 300 Kilometer. Das hätte ich auch mit dem Bus fahren können. Zu spät. Nach knapp 30 Minuten landen wir. Trotz der knappen Zeit serviert Kuwait Airways einen kleinen Snack.

In Kuwait läuft alles reibungslos. Visum on Arrival in knapp zehn Minuten, obwohl ich für die Fingerabdrücke wieder zu blöd bin. Mein Rucksack liegt schon auf dem Band. Ich entscheide mich fürs Taxi und gegen den Bus, weil mein Navi im Kuwaitischen Netz nicht funktioniert und ich möchte nicht irgendwo in der Pampa stranden.

Das ibis ist ok. Bei dieser Kette weiß man bei der Buchung, was geliefert wird und was nicht. Ich kann zufrieden sein. 17 Stock mit Blick auf Parkplatz und Hochhäuser. Die Mitarbeiterin am Check In spendiert mir noch zwei Stunden „Late Check out“. Alles ok.

Nebenan ist ein Einkaufszentrum. Ich leiste mir einen mittelmäßigen Italiener der sein Lokal „Milano“ nennt. Auf eine Suche spät in unbekanntem Terrain nach lokalen Spezialitäten verspüre ich wenig Lust. Am Kiosk hole ich mir zwei Bier „Null Promille“. Auch hier gilt ein strenges Spritverbot. Nach zwei Wochen fange ich an, mich daran zu gewöhnen.

Lesen und Blog: dann einschlafen

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Samstag, 1. Februar 2025 – von Riad nach Dammam

Reisetag. Der Zug geht um kurz nach neun. Und wegen des Traffics müsse ich mit einer Stunde Fahrzeit rechnen, so der Mann an der Rezeption gestern abend. Das Frühstück muss also etwas schneller in den Magen. Schade. Dabei hätte ich mich überhaupt nicht beeilen müssen. Der Boy an der Tür organisiert mir binnen zehn Sekunden ein Taxi, entgegen der Prognosen sind die Straßen frei, der Fahrer macht keine Umwege. Kurzum, ich bin eine Stunde zu früh am Bahnhof.

Warten am Check In. Wie gut, dass das Handy gegen Langeweile hilft.

Es kann losgehen. Der Zugführer erlaubt mir aber nur ein Foto. Drinnen habe ich Glück und bekomme einen Einzelsitz.

Draußen ist Wüste. Man sieht die nahen Ölfelder.

Zwei drei Unterwegs-Halte

Ankunft in Dammam. Der Ort ist eine Drehscheibe zwischen Saudi, dem benachbarten Bahrein und Kuwait. Die Stadt ist mit Autobahnkreuzen „gesegnet“. Auf den überbreiten Highways drängeln sich SUV´s und LKW´s. Ansonsten: Nichts aufregendes, außer dass die Stadt am Meer liegt.

Ursprünglich wollte ich das Novotel neben dem Bahnhof nehmen: „Da weiß man was man hat“. Zum Glück habe ich mich dann umentschieden, denn der Bahnhof liegt ca zwanzig Kilometer weit vom Zentrum entfernt. Mit dem Taxi dauert das eine halbe Stunde. Der Fahrer fährt nach dem Navi auf meinem Smartphon. Das Hotel ist ganz in Ordnung, ein Appartement mit Küche und einer bequemen Sitzgruppe.

Abends marschiere ich Richtung Strandpromenade.

Gegenüber ist zu erkennen woher Saudi Arabien seinen Reichtum bezieht. Das Restaurant ist ziemlich schmucklos. Wenn man alleine is(s)t, wird man wie in einer Halle platziert. Familien werden in eines der kleinen Séparée geführt. Es ist ein Buffet aufgebaut. Suppe, Vorspeise, Hauptspeise, Dessert in vielen Varianten und es schmeckt ziemlich gut. Dazu gibt es Fruchtsäfte und Kaffee refill. Am Ende kostet alles keine zwölf Euro. In einem Supermarkt besorge ich mir noch zwei Bier. Statt Promille mit Cranberry getunt.

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Freitag, 31.Januar 2025 – Riad

Morgens erst mal ausgiebig frühstücken. Ich nehme mir richtig Zeit. Mal hier, mal da naschen. Die Vielfalt am Büffet überwältigt. Nur der Kaffee im Pappbecher stört. Im Zimmer sortiere ich meine Sachen, schreibe ein wenig. Mit der Metro – es sind nur drei Stationen- mache ich mich nochmal ins Museum.

Die Station am National Museum liegt etwa 60 bis 80 Meter tief. Eine Fahrt mit den Rolltreppen nach oben gibt ein Gefühl für die Dimensionen der Anlage. Wege, Beschilderung, Ticketing sind optimal. Jeder Schnipsel Papier wird sofort aufgelesen und anders als in Offenbach oder generell in Deutschland ist der helle Bodenbelag nach ein paar Tagen nicht versifft oder mit dunklen Flecken übersät.

Das Wetter ist angenehm. Gelegenheit im Park vor dem Museum zu relaxen. Viele Familien sind im wahrsten Sinn mit Sack und Pack hierher gekommen. Es ist Freitag, also wie bei uns Sonntag. Sie essen, plauschen, die Kleinen toben. Es macht Spaß zuzuschauen. Die Lady an der Pforte der Dior-Ausstellung ist auch mit meinem Offenbacher-Hinterhof-Romeo-Charme nicht zu beeindrucken. Also streiche ich den Modedesigner und konzentriere mich, wie es sich auch in meinem Alter geziemt, auf die Frühzeit auf der Arabischen Halbinsel.

Die Ausstellung schlägt einen Bogen von der Entstehung der Erde bis zur Geburt von Mohamed. Vorweg. Was ein Glück, dass die Exponate und Tafeln hier stehen und nicht in den USA.

Hier im ultra-konservativen Saudi Arabien wird ganz ungeniert und ohne Kindersicherung die Evolution erklärt. Im Mittleren Westen, wo ich noch vor drei Monate rumgestromert bin, hätte man solch Hexenwerk schon lange auf den Scheiterhaufen geworfen.

Hier auf der Arabischen Halbinsel sind sehr frühe Spuren der Menschheit zu entdecken. Der Ursprung des Homo Sapiens liegt wohl irgendwo in Ostafrika. Die Spezies wanderte, so hab ich es mal im Fernsehen aufgeschnappt, entlang der Küste Arabiens Richtung Irak, Asien und Europa. Damals waren die Küsten noch grün und ernährten die Stämme die hier lebten. Frühe Hochkulturen entstanden zwischen Euphrat und Tigris. Davon erzählt das Museum, knüpft Zusammenhänge, beschreibt Entwicklungen. Besonders die Ausführungen zum Werdegang der Schrift faszinieren mich. Hier stehen viele bis zu mannshohe Steintafeln, auf denen unsere Vorväter und -mütter besondere Ereignisse festgehalten haben, religiöse Riten beschrieben, Buch führten über ihre wirtschaftlichen Aktivitäten aber sich auch an Poesie und Kunst ergötzten.

Modelle von Häusern oder Werkstätten veranschaulichen immer wieder die konkrete Lebenssituation der Menschen

Spät verlasse ich das Museum. Eins zwei Bilder noch

Die abendliche Rushhour.

Mit der Metro fahre ich noch zu dem kleinen Imbiss in dem ich am ersten Abend so vorzüglich gegessen habe.

Drei Stationen zurück. Packen, alles bereitlegen für die Morgentoilette, ein paar Seiten lesen. Einschlafen.

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Donnerstag, 30.Januar 2025 – Riad

Das Hotelfrühstück toppt alles bislang in Saudi Arabien Gebotene. Warm, kalt, süß, sauer, Obst, Gemüse, Müsli in allen Varianten, Salate, Feta gelb, grün, rot, blau und und und. Es ist einfach nur gut. Vom Preis ein Schnäppchen. Gratis dazu der Blick aus dem 10. Stockwerk über die Stadt. Gestärkt plane ich die letzten Tage meiner Reise. Am Montag spät abends geht mein Flieger aus Kuwait zurück in die Heimat. Aber nach Kuwait kommen entpuppt sich plötzlich als ziemlich schwierig. Die Verbindungen sind am Freitag und Samstag fast ausverkauft, kosten ab Riad richtig viel Geld. Es bietet sich ein Ausweg: mit dem Zug (da sage ich nie „nein“) nach Dammam an der Grenze zu Bahrain und von dort am Sonntagabend mit Kuwait Airlines nach Kuwait für knapp 150 Euro. Neues Problem: Am Samstag sind die Züge nach Dammam fast ausgebucht. Um neun Uhr morgens gibt es noch einige First Class Tickets. Meine Bestellung per Internet schlägt fehl. Ich erhalte keine Bestätigungsmail.

Also erstmal ab Richtung National Museum. Wenn am frühen Nachmittag die Bahn mir immer noch kein „Confirmed“ geschickt hat, muss ich wohl direkt an den Fahrkartenschalter.

Das Nationalmuseum zeigt neben den historischen Galerien auch eine Dior-Ausstellung. Hätte mich schon interessiert, nicht weil Mode mein bevorzugtes Sujet ist, sondern weil ich neugierig bin wie ein solches Thema hier umgesetzt wird. Aber: Für diese Ausstellung braucht man ein Ticket, das gibt es nur mit einer besonderen App und die ziehe ich mir mit allen sensiblen Daten, die man von mir will, nicht hier in der Vorhalle aufs Handy.

Zum Glück: In die Geschichtsabteilungen ist der Eintritt frei. Ich beginne im oberen Geschoss mit der Zeit nach der Geburt des Propheten. Die Räume unten widmen sich der Frühgeschichte. Es ist eine gut gemachte Schau. Natürlich: das Leben hier auf der Halbinsel war über Jahrhunderte auch von regelmäßigen Kriegen überschattet. Eroberung hier, Rückzug da. Aber die Exponate zeigen auch den Alltag. Und da wird an nichts gespart: Ob hohe Burgmauern, Oasen oder das Leben in einer Hütte: in den riesigen Hallen haben die Kuratoren viele Dioramen nachgebaut. An Geld und Ressourcen mangelt es hier sicher nicht. In den Schaukästen daneben Gebrauchs- und Kultgegenstände.

Wie in vielen Ländern der muslimischen Welt lassen sich hier die Leistungen ihrer Wissenschaftler im frühen Mittelalter bewundern. In der Medizin, Astronomie, Physik, Algebra, Geometrie: im 12. und 13. Jahrhundert waren Länder wie Saudi Arabien, Usbekistan, Pakistan, der Iran oder der Irak State of the Art. Marktführer. Ein Grund: diese Länder öffneten sich früh dem Fernhandel bis China und Europa. Mit den Gütern verbreiteten sich Ideen, Techniken und Wissen aber auch Kunst, Musik und Poesie. Die prächtigsten Moscheen widmeten fortschrittliche Sultane der Bildung. Die Hochschulen vermittelten Wissen aus aller Welt. Eine gute Basis für Wohlstand und Auskommen. Eine Zeit in der wir in Europa um Jahrhunderte hinterherhinkten. Die Lehre für heute: Nationalismus und Ausgrenzung schaden, hemmen Fortschritt und Entwicklung.

Leider klammert die Schau die Neuzeit ab den 1950er Jahren aus. Diese Epoche wird gerade neu konzipiert. Schade. Die Zeit drängt. Ich möchte abends ein Fußballspiel besuchen und muss vorher noch wegen des Tickets zum Bahnhof. Deshalb bleibt nur eine flüchtige Runde für die Frühzeit mit einem „Wow“. Da muss ich morgen wiederkommen.

Das Taxi zum Dammam-Bahnhof ist eine Qual. Der Junge dreht auch jede Extra-Runde die ihm ein paar Münzen einbringt. Eigentlich nicht schlimm. Kostet alles kaum mehr als bei uns ein Bus-Ticket. Man sieht die Stadt: aber es ist natürlich Stress. Der Dammam-Bahnhof liegt wesentlich näher an der Stadt als die Nordstation an der ich angekam. Das Gebäude gehört zur ersten Eisenbahnlinie in Saud-Arabien, also eine eher orientalische Architektur. Drinnen klärt sich alles sehr schnell. Irgendwie ist meine Buchung nicht angekommen. Stellt der nette Mann am Schalter sofort anhand meiner Pass- und Handynummer fest. Überwachung hat auch was Gutes. Economy ist ausverkauft, aber ich bekomme noch ein Business-Ticket (so heißt das hier bei der Bahn) für den Morgenzug. Der Preis liegt immer noch deutlich unter unserem Spartarif.

Alles ist binnen Minuten erledigt. Zeit zum Stadion zu laufen. Es sind ungefähr zwei Kilometer. Der Weg führt durch ein wenig repräsentatives Quartier. Eher Unterschicht. Aber Google verrät mir: hier gebe es eine gute Falafel-Bude. Ich werde nicht enttäuscht. Mit Gemüse und Joghurt schmecken die kleinen Bällchen richtig gut.

Am Stadion die nächste Überraschung. Eintrittskarten gibt es nur per Internet. Ein Box-Office: Fehlanzeige. Obwohl mir ein netter Offizieller zu helfen versucht: mein Handy und die Software werden keine Freunde. Verzweiflung in meinen Augen stimmt den Oberaufseher am Tor gnädig. Ich werde durchgewunken.

Ich bin eine Stunde zu früh. Das Station fasst vielleicht 30.000 Menschen und ist leer, komplett leer bis auf die circa 1.000 Security Jungs. Auf den Platz laufen sich die Teams warm. So langsam tröpfeln die Zuschauer ein. Am Ende werden es vielleicht hundert sein.

Es spielt die erste Saudische Liga, der Achte in der Tabelle gegen den Elften, das Match wird Live im TV übertragen, eine Show vorher wie bei uns beim Bundesliga-Spiel aber weniger Atmosphäre als beim Derby Espanol Offenbach gegen Rumpenheim. Und es ist ein Grotten-Kick. Ein Fehlpass-Festival.

Wie überall auf dieser Welt. Am Spielfeldrand der Präsident mit Kumpels. Wichtig und extra geschützt

Zur Halbzeit beschließe ich etwas mehr in die Mitte zu rücken. Platz gibt es ja ohne Ende. Von oben spricht mich ein Mann wegen meines Kickers Schals an. Das Tuch hat auch schon viel Aufmerksamkeit bei den Ordnern erregt. Ich begrüße ihn. Er gehöre zum Marketing-Team der Saudischen Liga erzählt er mir. Bei ihm hocken ein Scout des Verbandes und ein Spielanalytiker. Ich vermute mal: Vorbereitung auf die WM, die in Saudi Arabien ausgetragen werden soll.

Ich stelle erst mal die „Kickers“ vor. Sie wollen mir nicht glauben, dass zu ihren Matches in der Vierten Liga 6.000 bis 8.000 Fans kommen. „Wir sind halt der geilste Club der Welt“ erkläre ich ihm. Und Verwunderung: bei uns gibt es Stehplätze.

Einer der drei hat auf dem Handy eine Software, die andere Fans tackt, wenn sie Bluetooth eingeschaltet haben. Das Gerät führt ihn zu Pascal von Eintracht Trier zwei Blöcke weiter, dessen Ziel ist, bei jedem Verband auf dieser Welt ein Spiel zu besuchen. Es müssen so um die 209 Ligen sein, erklärt er mir. Im März kommt er nach Offenbach, wenn Eintracht Trier bei den Kickers antritt.

Für mich sind die Funktionäre eine ideale Gelegenheit Fragen zum Saudischen Fußball zu stellen. Was interessiert uns am meisten: Wieviel Geld zahlen die Vereine den Kerls da unten. Hier – und wir reden vom Mittelfeld der Liga- sind es rund 2,5 Mio Euro in der Spitze und mindestens eine Million beim Rest. Viel Geld für wenig Leistung. Nach der Einschätzung von Pascal können alle besser gegen den Ball treten. Aber Engagement und Einsatz werden von der sportlichen Leitung nicht eingefordert. Sie müssen ihr Potential nicht abrufen. Was die Balltreter bieten, wird akzeptiert. Die Spieler aus dem Ausland waren früher meist Spitzenklasse. Aber warum sollen sie sich jetzt zerreißen, wenn die Kohle jeden Monat aufs Girokonto gebucht wird. Hier ist für jeden „Chancentod“ und Vollpfosten, der regelmäßig den Ball verstolpert, noch einmal Gelegenheit Geld für eine Eigentumswohnung zusammen zukratzen plus eine tägliche warme Mahlzeit für den Rest seines Lebens, auch wenn er die während seiner Karriere verdienten Millionen versoffen und verzockt hat.

Die Security Präsenz sei im übrigen, so die Einschätzung von Pascal auf meine Frage, nicht einer konkreten Gefahrenlage geschuldet. Es sei einfach so, dass die Guards eh alle im Staatsdienst seien und deshalb müsse man sie halt beschäftigen, um sie nicht auf dumme Gedanken kommen zu lassen.

Die Mannschaften werden im übrigen auch von Ministerien unterstützt. Also Staatsfussball. Die WM ruft. Ich erzähle den staunenden Jungs vom Verband noch, dass in Offenbach schon das Team von Brasilien trainiert hat. Wenn die Saudis mal ein Länderspiel in Deutschland machen sollten, müssten sie nur im Rathaus anrufen „the Major is my best Buddy“, um optimale Trainingsbedingungen zu finden.

Am nächsten Tag soll der Tabellenführer spielen. Das ist das Team bei dem kürzlich noch Neymar seine Künste zeigte. Da müsse ich unbedingt hin, empfiehlt man mir. Das Match sei in einer riesigen Halle.

Ich bin dem Rat nicht gefolgt. Ein Fehler. Am Abend sehe ich im TV ein rassige Spiel, fast ausverkauft bei Ticketpreisen zwischen 60 und 120 Euro. Richtig Stimmung. Irgendwie habe ich den Eindruck, Saudi Arabien kauft sich Fußball zusammen: drei vier Spitzenteams plus ein wenig Unterbau damit das Land auch eine Liga nachweisen kann. Man gauckelt so Fussball Tradition vor und suggeriert, reif für die WM zu sein.

Das Spiel hier endet 1:0. Drei weitere Tore werden nach Video-Beweis aberkannt. Auch etwas absurd. Video-Beweis in einem leeren Stadion.

Zurück mit dem Taxi zum Hotel. Ich gehe suche noch einen Supermarkt, etwas abseits vom Ministeriums Viertel in dem ich wohne. Ich laufe durch eine Straße in der die dienstbaren Geister zuhause sind. Hier finde ich draußen eine reine Männer Gesellschaft. Man steht dicht gedrängt zusammen, schwätzt. Im kleinen Tante Emma Laden hole ich drei Flaschen Bier „Null Promille“. Das alkfreie Gesöff ist hier mit Früchten angereichert. Cranberry ist gut trinkbar und löscht den Durst. Weizen, Apfel und Erdbeere sind grausam. Der Chef im Laden dreht den Kronkorken mit der Hand auf. Wahnsinn.

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