Frankfurt -Panama
„I got a nose for trouble. Double trouble is my name“, Sonntagabend im Bett in Panama denke ich an die Zeilen in dem Song von Dave Dee, Dozy und so weiter. Sechzig Jahre ist der Song alt. Irgendwie fallen mir die Zeilen immer mal ein, meist dann wenn ich geschlampt habe und mich die Nachlässigkeiten einholen. Meine Tour nach Südamerika habe ich schon vorbereitet: Flugrouten überlegt, Preise verglichen, Klimatabellen gelesen, mich über die Sicherheit in einzelnen Ländern informiert. Aber ansonsten bin ich in die Reise mit dem Gedanken: Hauptsache Kreditkarte und Pass in der Hosentasche. Und irgendwo eine zweite Karte in Reserve. Solch Leichtsinn wird schnell bestraft.
Samstag war ich noch in Bieber beim Umzug.


Sonntag: Morgens klappte alles noch hervorragend. Das Auto ist angesprungen. Wini wird es nachher abholen. Die S-Bahn um halb acht ist pünktlich. Das Gate am Flughafen weit vorne. Keine langen Wege. Keine Schlange vor der Security. Der Self-Check-In für meinen Rucksack macht keine Probleme. Ich frage noch den Lufthansa Menschen, ob ich beim Umsteigen in Atlanta mein Gepäck vom Band abholen müsse, um es neu bei Copa-Airline Richtung Panama neu aufzugeben. „Nein“ bekomme ich zur Antwort. Der Rucksack sei bis Mittelamerika eingecheckt. Ok. Ich kenne das von früher vom Transit anders aber wenn Lufthansa meint…
Zehn Mal bin ich bis jetzt über den großen Teich geflogen. Immer waren die Jets prall gefüllt mit Passagieren. Suprise, surprise. die Economy in der Boeing 787 ist halb leer. Die Zahl der Europäer wie ich später an der Passkontrolle feststelle überschaubar. Liegt das an der Jahreszeit oder sind der Grund für die Zurückhaltung die drohenden neuen Einreisebestimmungen. Ich habe drei Sitze für mich alleine und schlafe zwischen der Nordsee und Grönland. Der Flieger liegt wie ein Brett. Kein Hüpfer. Vor der Landung in Atlanta warnt der Pilot, es könne wegen einer Wetterfront jetzt heftig werden aber vielleicht hätten wir Glück und erwischen ein Wolkenloch. So ist es. Butterweich nähern wir uns der Rollbahn.
Auch bei einem Transit muss man in den USA das Einreiseritual überstehen, inklusive Esta. Die Passkontrolle war so easy wie noch nie. In den 1990er Jahren habe ich die Rituale als eher umständlich empfunden. An den Schaltern altgediente Beamte, keine Bewegung zu viel (War ja selbst einer).Nach 2000 begannen die Interviews die mit jedem Mal ein wenig weiter in Richtung Inquisition drifteten. Und jetzt: Nicht nur bei mir ging es Ruckzuck. Kleiner Small Talk, Lachen. Daumen hoch. Zwei Erklärungsmuster: Sie wissen eh alles über mich oder Tourismus ist halt auch ein Geldbringer. Vielleicht war es keine so gute Idee im letzten Sommer mit immer neun Schikanen, die weltweit Aufmerksamkeit erregten, abzuschrecken.
Ich mache mich zu meinem Gate. beim Verlassen der Kontrolle spricht mich eine Mitarbeiterin an und fragt, ob ich denn kein Gepäck hätte. Stolz erzähle ich ihr, das sei schon auf dem Weg von der Lufthansa zur Copa. Sie schaut mich zweifelnd an und schickt mich zurück. Und siehe da: auf dem Band kreist mein Rucksack. Glück gehabt und ich ernenne die Latina am Tor zu meinem Schutzengel.
Zwei Stunden habe ich für den Transit. Am Gate bei Copa gehe ich nur zur Sicherheit an den Schalter. Die Lady nimmt mein Ticket, lächelt mich an und schüttelt den Kopf, sie könne mich nicht mitnehmen. Panama verlange ein Rückflugticket. Meine Antwort, ein solches besitze ich von Montevideo nach Frankfurt, überzeugt nicht. Auch nicht, dass ich halt nach Lust und Laune von einem Land zur nächsten Stadt reise, vermag sie umzustimmen. Ich werde mit ihrer Chefin verbunden. Keine Chance. Natürlich ärgere ich mich über meine Ignoranz. Die Bestimmungen stehen auf den Seiten des Auswärtigen Amtes. Ich erinnere mich, sie gelesen aber nicht ernst genommen zu haben.
In den USA bleiben, geht nicht. Ich habe „Transit“ angekreuzt. Außerdem, was passiert mit meinem Flug nach Panama. Wir einigen uns darauf, dass ich einen Weiterflug von Panama nach Costa Rica eine Woche später buche. Der ist verhältnismäßig preiswert und ein Abstecher in dieses Land schadet nicht. Sie versucht meine Daten in die Buchungsmaske einzugeben. Mein Pass und meine Kreditkarte sind aber nicht kompatibel mit den Vorgaben von Copa. Drei Vornamen im Pass, einer auf der Kreditkarte. Mission impossible. Und die 0 , die erste Ziffer meiner Handynummer muss trotz Länderkennung angegeben werden. Sie experimentiert und experimentiert. Die Zeit wird knapp, die Schlange hinter mir reicht wahrscheinlich bis in die Innenstadt von Atlanta. Endlich nach 30 Minuten akzeptiert die Maschine alle Eingaben. Dumm nur: am Counter gibt es kein Kreditkartenlesegerät. Meine Daten werden an die Chefin gemailt. Rückruf: Mastercard funktioniert nicht. Alles nochmal mit Visa. Gleiches Ergebnis. Das Problem ist wahrscheinlich dass ich Buchungen mit einem Zeigefingerabdruck autorisieren muss.
Der Last Call für den Flieger war vor 15 Minuten. Ich versuche den Flug über mein Handy zu buchen. Das funktioniert. Ich zeige Ihr eine vorläufige Bestätigung und darf an Bord. Ein knallvoller Flieger ich auf einem Mittelplatz zwischen zwei ziemlich übergewichtigen Damen und keine Beinfreiheit. Und sitze und sitze und warte und warte. So nach 45 Minuten meldet sich der Käptn: offenbar steht die Regenfront von der bereits der Lufthansa-Kapitän erzählte kurz vor dem Flughafen. Wir müssten wieder zurück zum Gate. Vielleicht könnten wir heute noch, vielleicht nicht. Der Flieger rollt ein paar Meter und steht wieder. Weitere dreißig Minute warten und dann kommt Bewegung in die Geschichte. Beim Drehen sehe ich eine schwarze Wand am Ende der Rollbahn. Die Triebwerke heulen und der Jet beschleunigt Richtung Unwetter.

Jetzt verrate ich mal ein Geheimnis. Abergläubisch wie ich bin schließe ich beim Start fest die Augen und zähle bis 350. Jedes Mal aufs Neue. Ich fühle: so steil ist ein Flieger mit mir noch nie hochgezogen. Er dreht scharf nach links. Es ruckelt ziemlich heftig und dann ist alles ok. 3.40 Stunden ruhiges gleiten. Und das Essen bei Copa kann sich auch sehen lassen. Nach der Landung, und das habe ich zwanzig Jahre nicht erlebt, klatscht der Flieger.
In Panama renne ich mit allen anderen den Schildern Bagage Claim nach. Blöd nur: Wir sind in Terminal 1, das Gepäck läuft aber im Terminal 2 vom Band. 15 Minuten laufen. Rolltreppe kaputt und tatsächlich kreist mein Rucksack. An der Passkontrolle fragt natürlich niemand nach meinem Rückflug Ticket. Alle Aufregung umsonst. Datenvolumen laden, Uber bestellt und ab geht es in die Nacht. Der Flughafen liegt weit außerhalb. Der Fahrer kennt sich super mit Deutschem Fußball aus. Der BVB ist sein Favorit und Bayern München ein Upper Class Club.
Mein Zimmer gefällt mir. Das Hotel, ein weitläufi8ges Casino, erinnert an die Glitzerwelt von Las Vegas. Die Leute werden mit niedrigen Zimmerpreisen angelockt. Solange man nicht spielt, kann man unbeschwert genießen.

Es ist draußen noch ziemlich warm. Ich trinke auf der Terrasse noch zwei Bier. Ein wenig nerven die Prostituierten. Alle zwei Minuten kommt eine an meinen Tisch. Mein Standardsatz „Maybe tomorrow“ und alles bleibt friedlich. Ich bin hundemüde. Es ist nach Mitternacht. Ich bin seit fast 24 Stunden auf und schlafe friedlich.















































































