Dienstag, 3.März 2026

Von Arnica nach Santiago

Erster Weg nach der Rückkehr in Offenbach: Ich belege bei der vhs einen Kurs „Billigflieger buchen-leicht gemacht“. Ich muss Richtung Santiago mit SKY eine Low Budget Airline nehmen, weil die Latam nur nachts fliegt. Entweder in Santiago um drei Uhr morgens ankommen oder hier um vier Uhr in der Früh zum Flughafen. SKY bietet als einzige Airline eine Mittagsmaschine an.

Dafür spart SKY an der englischen Buchungsmaske. Ich weiche für die Buchung auf booking.com aus. Keine gute Idee denn der Konfort auf Deutsch ein Ticket zu ordern wird schnell zum Gebührengrab wie ich später erfahren sollte.

Aber erst mal scheint alles zu klappen: Buchung und Bestätigung, das Ticket, das Handgepäck und der Platz für den Rucksack im Frachtraum. Und dazu für 12 Euro einen Platz am Fenster links. Sonst ist ja eher Gang mein Ding. Aber wenn man schon mal an den Anden entlang fliegt, soll es auf 12 Euro auch nicht ankommen. Well done.

Ungefähr zwei Stunden lang übermannt mich das Gefühl der Unbesiegbarkeit: bis zum ersten Mail von Sky, natürlich auf Spanisch: Google mein einzig wahrer Freund übersetzt: Wir können leider ihr Gepäck nicht mitnehmen. Upps. Zehn Minuten später. Kein Handgepäck möglich, sie können nur eine Tasche bei sich haben, wenn diese unter den Sitz passt. Und dann die Schocknachricht auf dem Screen: „Leider mussten wir umdisponieren. Wir haben ihnen Platz 40 A zugewiesen“. Naja, hinten sitze ich nicht gerne, aber 40 A ist wenigstens ein Fensterplatz mit freiem Blick auf die Anden. Zehn Minuten später piept mein Handy: Booking.com hat die Gepäckgebühren zurücküberwiesen, aber nicht die Fee für den Sitzplatz.

Einen Abend verbringe ich damit, das Gepäck bei SKY einzuchecken. Ich muss unbedingt dem Google Translator zu Weihnachten eine Karte schicken. Es kostet halt jetzt 10 Euro mehr pro Gepäckstück als bei Booking.com. SKY sei gnadenlos bei Passagieren mit einigen Gramm Übergepäck steht in den Bewertungen im Netz. Am Schalter koste es richtig Geld wenn das Handgepäck größer als eine Tasche sei. Irgendwann -ich schließe den Erfinder des Google Translator in mein Nachtgebet ein- sehe ich auf der Maske von Sky nur noch grüne Haken. Nächtens träume ich von der Premium Economy bei Latam.

Soweit die Vorgeschichte: Ein Taxi bringt mich zum Flughafen. 20 Kilometer vielleicht. Acht Euro. Da bekommt man ein schlechtes Gewissen. Ich bin früh dran. Mit einem Schweizer Paar wechsele ich seit zwei Wochen die ersten Worte auf Deutsch. Einchecken ohne Probleme Vor uns jemand, der für sein Gepäck kräftig löhnen muss. Der arme Kerl hat weder Kreditkarte (oder die funktioniert nicht) noch Pesos und US-nimmt Sky nicht.

Der Jet ist fast ausgebucht. Ich kämpfe mich zur letzten Reihe, zu Platz 40 A , zum freien Blick auf die Anden durch. Upps das Fenster ist mit einem Alu-Blech verschlossen. Ich habe 12 Dollar extra für einen Sitz gezahlt ohne hinausblicken zu können. Wenigstens bleibt neben mir bei 71 Zentimeter Beinfreiheit der mittlere Platz frei. Der Flug entlang der Küste ist etwas unruhig aber im Rahmen. Weil ich mir nur eine Tasse Kaffee und zwei Toasts mit Marmelade zum Frühstück gönnte, bestelle ich mir hier oben eine Cola und ein Sandwich für 13 Dollar. Wenigstens das Sandwich war seinen Preis wert.

Der Airport in Santiago ist überschaubar. Ich bestelle mir ein Uber einen Pick up. Auf dem Display sehe ich, der Wagen ist ohne Halt entschwunden. Der Fahrer klärt mich schnell per WhatsApp auf: Ich stehe Ausgang 5 „Ankunft“, er dürfe aber nur einen Stock höher bei Tor 5 „Abflug“ halten. Eine Runde Aufzug. Problem gelöst.

Ich bin mittlerweile gerade an Flughäfen ein Fan von Uber, trotz Kritik der Gewerkschaften. Aber das Taxigewerbe hat die Entwicklung verpennt. Ich weiß wer der Fahrer ist, kenne seine Bewertung, ich kann die Fahrt Googlemaps verfolgen, mir wird der Preis genannt. Zu oft bin ich gerade auf Fahrten vom Flughafen abgezogen worden. Ich habe mich in Laos mal mit einer ziemlich linken Professorin unterhalten, die eigentlich auf allen Feldern radikale Ansichten vertrat aber Uber trotz des Widerstandes von Gewerkschaften verteidigte, weil ihr die Plattform die Möglichkeit gibt überall auf der Welt unbesorgt Taxi zu fahren. Bei meinem letzten Besuch vor einem Jahr in den USA fiel mir auf, dass das allgegenwärtige Taxi aus vielen Städten vollständig verschwunden ist.

Mein Fahrer ist sehr nett und hilfsbereit, aber mit dem Sprechen hat er es nicht so. In zwanzig Minuten bin ich im Hotel, mitten im Amüsierviertel von Santiago. Und ich habe es richtig gut getroffen. preiswert, tolles Zimmer, sauber, ruhige Straße und ringsum Cafés, Restaurants, Kneipen und ganz viele kleine Geschäfte. Angenehmes Publikum.

Es ist für die späte Stunde noch sehr warm. Ich suche ein Lokal namens „Heiliger Hamburger“. Der Klops soll dort besonders lecker sein. Ist er auch. Und das Bier hat der Wirt heute im Angebot. Drinnen läuft im TV die Aufholjagd im Spanischen Pokal zwischen Barcelona und Madrid. Entsprechend laut ist die Stimmung in beiden Fanlagern. Ich mache mich nach dem Spiel ins Hotel.

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