Montevideo

Das Café, das mich gestern mit tollen Schnittchen verwöhnte, ist noch geschlossen. Also probiere ich es nebenan. Durchschnittskost.

Los gehts. Heute einmal per Hop-on-Hop-off quer durch Montevideo. An der Bushaltestelle am Unabhängigkeitsplatz erwartet mich eine interessante Perrspektive auf einen dieser wunderbaren Kioske die quer über die Stadt verteilt sind.
Ich muss nur drei Minuten auf den blauen Doppeldecker warten, kann im Bus direkt bezahlen. Zunächst mache ich eine Runde (etwa drei Stunden) quer durch die Stadt. Es ist die ehrlichste Hop-On-Tour auf meiner Reise. Quartiere deren Menschen offenbar richtig reich sind, deren Gebäude an die Schlösser der Loire erinnern und daneben Viertel aus -bei uns würde man sagen- Schrottimmobilien. Ich frage mich zwischendurch ob die Route bewusst so gewählt wurde oder ob es keine Alternative gab.
Die Hauptstadt von Uruguay hat 1,3 Millionen Einwohner. Sie ist das wirtschaftliche, politische und kulturelle Zentrum des Landes. Eine Studie aus dem Jahr 2019 bescheinigt ihr die höchste Lebensqualität in Südamerika.
Die Grundstruktur ähnelt der von vielen anderen Siedlungen in Südamerika. Ein kolonialer Kern von den spanischen Konquistatoren beeinflusst. Kathedrale, Hauptplatz mit Governeurssitz, Handelskontoren und allerlei Amtsstuben. Feinste Kolonialarchitektur. Fassaden verziert mit Erkern, Türmchen und geschwungenen Ballustraten an den Balkonen. Hinter den schweren Toren ausladende Treppen aus Mamor, die den Besucher mahnen Ehrfurcht zu bezeugen.
Um den Platz ein schachbrettartiges Straßensystem. Hier wohnte Handel und Verwaltung in prächtigen Bürgerhäusern in Nachbarschaft zu kulturellen Einrichtungen wie einem Theater. Gerade diese Viertel haben im vergangenen Jahrhundert viel von ihrem ursprünglichen Charme verloren. Sicher haben Erdbeben, Unwetter und Kriege viel an Substanz zerstört. Aber auch die wirtschaftlichen Interessen der Menschen haben großen Anteil, dass viele Zeugen der Geschichte verloren gingen. Mit dem Ausbau des Hafens und einer Immigrantenwelle zu Beginn des 19. Jahrhunderts war der Druck Flächen intensiver zu nutzen, erheblich. Das Neue, das das Alte ersetzte, hat trotzdem an manchen Stellen eine erstaunliche architektonische Qualität.
Zu dem kreuz und quer im Stadtbild hat auch eine Politik beigetragen die zwischen Extremen schwankte. In den 1950er Jahren wurden die Mieten gedeckelt, deutlich unter der Inflationsrate. Die Folge: Gebäude wurden nicht mehr renoviert, zerfielen. Später in den 1970er Jahren mit der Liberalisierung setzte der Wildwuchs ein als hastig neue Gebäude hochgezogen wurden.

Nur die Kirchen sind eine Konstante im Stadtbild geblieben

Meine erste Runde durch die Stadt habe ich nur für einen Besuch des Stadions unterbrochen. Ein Muss. Hier in Montevideo fand im Jahr 1930 die erste Fußball WM statt. Die Arena hat sicherlich einige Umbauten erlebt, aber hier auf den Tribünen ist immer noch ihre große Tradition spürbar.

Das Museum in den Katakomben ist richtig gut gemacht. Es verbindet Narrative mit Exponaten und es folgt -trotz beengter Fläche- einem Kompass. Gut erzählt wird die Geschichte wie es zur ersten WM kam. Die Sitzungszimmer sind nachgebaut und spiegeln die Fotos aus jener Zeit. Leider war das Angebot in dem Shop eher rudimentär.

Fahrt entlang der Küste.

Zweite Runde in einem der besseren Quartiere der Innenstadt

Zwischen all den Neubauten immer wieder Kleinode.

Das Parlamentsgebäude

Immer wieder die riesigen Graffitis

Vom Parlamentsgebäude laufe ich mit ein wenig Herzklopfen zur ehemaligen landwirtschaftlichen Markthalle.

Das Innere des Gebäudes hat wenig mit seiner Umgebung gemein. Ringsum sind noch die Hallen der ehemaligen Betriebe die den Export aus dem Argraland Uruguay aus dem nahen Hafen in alle Welt vorbereiteten. Von ihnen ist wenig geblieben. Die meisten Bauwerke zerfallen wie fast alle Fabriken rings um den Port.
Die ehemalige Markthalle setzt auf Exklusivität und hochwertige Angebote. Es gibt nur noch zwei oder drei Marktstände aber dafür jede Menge Geschäfte die Feinkost anbieten. Dazu einige Spezialitätenrestaurants. Die Kunden kommen wohl eher aus dem Ausland: aus dem nahen Argentinien und aus Brasilien. Ein Indiz ist die Dichte der Wechselstuben.

Ein Bummel vorbei an den schmackhaften Auslagen macht Spaß.

Ich suche eine Bodega die Tapas anbietet. Ungelogen. Das Bild zeigt die kleinste Portion. Aber sehr zu empfehlen. Dazu ein brasilianisches Bier. Weniger zu empfehlen.

Ein Blick in die alte Markthalle in neuem Outfit.

Die Haltestelle für meine Rückfahrt ist zum Glück vor der Halle. Muss noch eine halbe Runde mit dem Bus Richtung Hotel drehen. Eine Stunde durch die Quartiere durch die ich schon mal bei Tag besuchte. Oft Suburban. Viele Reihenhäuser. Manchmal prächtige Villen. Interessant die vielen Restaurants links und rechts. Man geht wohl gerne aus. Der Bus ist leer. Ernst am botanischen Garten steigt eine Familie ein. Die Kids nerven etwas. Sie dürfen durch den Bus toben. Ich hoffe nur der Fahrer muss nicht plötzlich bremsen.

Zum Glück legt der Fahrer 200 Meter vor meinem Hotel einen Extrastopp ein. Vorbei an einer mächtigen Bank schaffe ich es mit einem kleinen Umweg durch einen Supermarkt ins Hotel.