Buenos Aires

Nach den Bewertungen soll das Frühstück im Hotel reichhaltig und gut sein. Ich habe trotzdem kein Breakfast gebucht, denn in einer Stadt wie Buenos Aires möchte ich auch beim Morgenmahl Abwechslung und die kleinen Bars in der Umgebung ausprobieren. Heute am Sonntag sind leider die meisten geschlossen. Drei Blocks weiter hat ein Mini-Cafe offen, keine acht Quadratmeter groß, zwei Tische draußen und drinnen eine Sitzbank am Fenster mit zwei Hochstühlen. Ich lerne erst mal: im Offenbacher Dialekt ein Sandwich zu bestellen, macht hier wenig Sinn. Ausgesprochen wie „Sand“, versteht hier niemand. Saaandwich belehrt mich der Chef. Aha. Jedenfalls in der Version Schinken / Käse schmeckt es richtig gut und der Kaffee ist was besonders. Er riecht in Südamerika immer ein wenig nach einem Schuss Kakao.

Während ich so vor mich hin kaue, baut vor der Tür ein Fotograph sein Equipment auf. Irgendeine Geschichte mit hochhackigen Stiefeln.

Gesättigt mache ich mich in den Park nebenan: Überlegen was ich mit dem Sonntag so anfange. Um mit dem Hop On Hop off Bus zu beginnen, ist es ein wenig spät. Sonntag: da fahr ich mal zur Kathedrale. Kann nicht schaden.

Der ÖPNV funktioniert auch hier mit Plastikkarte auf die ein Guthaben geladen wird. Unten am Schalter deutet man mir: Aufladen kein Problem aber die Karte gibt es nur oben in einem Laden. Also wieder langer Gang, Treppe hoch, zum Glück hat nur ein Laden auf: das muss er sein. Die Verkäuferin spricht Englisch und ich bekomme meine SUBE, so heißt das blaue Plastikteil mit Magnetstreifen. Unten marschiere ich wieder zum Schalter. Der Mann hinter der Scheibe nickt. Ich lege 4.000 Pesos auf die kleine Drehscheibe und muss nur noch meine Karte fest auf einen Transponder drücken. Auch mit dem Umsteigen klappt alles. Aber die Verbindungsgänge zwischen den beiden Linien sind sehr lange, eng und einsam. Es ist schon ein ungutes Gefühl an dem ein oder anderen der in einer Ecke hockt vorbeizulaufen.

Die Bahnsteige schmücken oft großformatige Bilder. Die Ausschilderung erinnert an die Metro in Paris. Buenos Aires war 1913 die erste Stadt in Südamerika die eine U-Bahn baute. Die Gänge schmücken oft Kacheln im portugiesischen Stil.

Von außen ist das Gebäude kaum als Kathedrale zu erkennen. Der Säulengang der die Fassade dominiert, passt eher zum Capitol im alten Rom. Der Innenraum und die Seitenschiffe stammen aus dem 18. und 19.Jahrhundert und verbinden Elemente der Neorenaissance mit Zitaten des Neobarock. Viel Prunk und Gloria, reich geschmückte Ornamente, Fresken und wunderschöne Mosaike. Der erste Vorgängerbau stammt aus dem 16. Jahrhundert. Seitdem wurde hier mehrmals eine Kirche neu errichtet. Das Haus ist der Heiligen Dreifaltigkeit gewidmet. Als Buenos Aires 1580 gegründet wurde, gehörte die Stadt zum Erzbistum Asuncion. Die Stadt liegt ein paar hundert Kilometer weiter im Landesinneren und gehört heute zu Paraguay. Es ist schon interessant wie tief Spanien noch nicht einmal 100 Jahre nach der Entdeckung von Amerika Südamerika beherrscht (und unterdrückt) hat um hier die reichen Bodenschätze, vor allem Gold, auszubeuten.

Der Franziskaner Pater wirkt zwischen all dem Glamour angenehm bescheiden.

In einer Krypta ist der Freiheitskämpfer General Jose de San Martin begraben. Die Soldaten die ihn bewachen müssen stundenlag still stehen ohne eine Mine zu verziehen.

Der Dom liegt an einem der zentralen Plätze in Buenos Aires, dem Plaza de Mayo. Ringsum Geschichte pur wie das Historische Museum aber auch …

Zeitgeschichte wie der argentinische Präsidentenpalast.

Man könnte in jeden Hausgang fotografieren. Überall Zeugnisse der Vergangenheit des Landes, das vor 100 Jahren sehr wohlhabend war.

Manch Zeugnisse überlebten eingeklemmt zwischen Hochhäusern wie diese Kirche.
Es ist Sonntag. Abends sind heute nicht viele Lokale auf. In meiner unmittelbaren Umgebung finde ich in den einschlägigen Foren nichts was mich anmacht. Genau weiß ich auch nicht was ich will: einfach, bescheiden aber schmecken soll es. Eine Hamburger-Grill hat offen. Also Kinderpappe, aber ein Stück Weg ist es schon. Google Maps verkündet: 950 Meter.
Es ist schon dunkel. Der Stadtteil in dem ich wohne gilt auch nachts als einigermaßen sicher. Eine Garantie gibt es natürlich nicht aber hier stehen etwa alle 100 Meter ein bis zwei schwarz gekleidete Beamte, viele mit einer schusssicheren Weste. Dazu Blaulicht an vielen Kreuzungen. Hier sind Einsatzfahrzeuge positioniert, um bei Gefahr schnell zu unterstützen. Das permanente Blaulicht dient wohl der Abschreckung. Im Prinzip passiert bei dieser Präsens auch nicht viel. Ohne wäre es problematisch. Ich habe mir aber auch auf dieser Welt eine gewisse Gelassenheit angewöhnt wenn ich alleine für mich verantwortlich bin.
Trotzdem braucht es einige Vorsichtsmaßnahmen. Hauptstraßen nutzen, auch wenn es ein Umweg ist, möglichst alte Klamotten, keine Uhr oder Schmuck, gerade so viel Geld wie man für das Essen braucht, nirgendwohin wo es um Leib und Leben geht und vor allem: selbstbewusst auftreten.
Aber für die Menschen hier ist die Kleinkriminalität ein Mega Problem. Es müssen zehntausende Beamtinnen und Beamte sein, die hier Tag und Nacht stehen. eine gigantische Ressourcenverschwendung wenn die Steuern für Sicherheit ausgegeben werden müssen statt für Bildung oder Infrastruktur.

Motiv: Gegenüber dem Eingang zu meinem Hotel.
Mein Hamburger war ganz ok. Nebenan schwätzten Deutsche, interessant zuzuhören. Die Kneipe hatte was alternatives. Auf dem Heimweg gab es noch ein paar nette Motive




Die letzten zweihundert Meter muss ich durch eine dunkle Arkade. Es ist genug Security da. Aber der Weg macht klar wie tief die Probleme des Landes sind. Ringsum Luxushotels (natürlich nicht meines), teure Restaurants und hier liegen die Menschen die keinen Platz in der Gesellschaft haben nachts in Duzenden auf der Straße.