Samstag, 21. März 2026

Mar del Plata nach Buenos Aires

Es regnet in Strömen. Also Hotellobby. Lesen. Spannende Themen sind genug auf dem Tolino. Bisher habe ich auf die Thriller verzichtet und mich den Problemen unserer Zeit gewidmet.

Ein bisschen Geld muss ich noch am Automaten ziehen. Nebenan hatte ich gestern Nacht auf dem Rückweg vom Restaurant keine Lust den Vorraum der Bank zu betreten, weil vor den Automaten zu viele Obdachlose lagen. In einer Trockenpause mache ich mich auf den Weg. Das Limit 60.000 Pesos. Gut gerechnet 38 Euro. Und dafür auch noch 4.000 Peso Gebühren. Hier wird fast zu 100 % mit Karte gezahlt. Aber für das Taxi in Buenos Aires hätte doch gerne ein paar Scheine Bargeld. Ein weiser Gedanke wie sich am Abend zeigen sollte.

In Argentinien gibt es quasi keinen Personenverkehr mehr auf der Schiene. Einst verbanden über 50.000 Kilometer Gleise die Städte im Land. Selbst abgelegene Strecken bediente die Bahn bis Paraguay und Chile über die Anden in 4.200 Metern Höhe. Heute gibt es praktisch nur noch Verbindungen zwischen Buenos Aires in Cordoba und von der Hauptstadt nach Mar del Plata. Hierher kommt zweimal täglich ein Zug und der ist oft Wochen vorher ausgebucht. Die Lobby der Busunternehmer, so ist zu lesen, hat sich durchgesetzt, und verhindert mehr Verkehr auf der Schiene.

Immerhin: Der Schienenbahnhof und die Busstation liegen hier direkt nebeneinander. Mit dem Taxi zum Bahnhof. Drinnen eine großzügige neue Halle. Jede Menge Personal, meist mit arbeitsimitierender Mimik, ohne sichtbare Aufgabe. Größeres Gepäck wird wie im Flieger abgegeben. Am Ende der Waggons hängt ein Packwagen, davor eine Schlange und wie beim Bus, ich bekomme eine Quittung mit Nummer.

Drinnen ICE Qualität der frühen 1990er Jahre. Allerdings immer noch mit den gleichen Polstern. Die Sitze sind aber bequemer als die im ICE 4 der Deutschen Bahn.

Ich mach es mir gemütlich. Draußen regnet es noch immer heftig. Der Zug verlässt pünktlich Mar del Plata, beinahe im Schritttempo auf den ersten Kilometern. Wahrscheinlich erlaubt das Gleisbett nicht mehr. Es stehen jede Menge Garnituren auf den Abstellgleisen. Keine Ahnung warum die nicht öfter fahren wenn die Züge so gut nachgefragt sind. Sieben Stunden dauert die Fahrt. Zwischendurch kommt mal der Kaffeemann. Warum nicht öfter. Die heißen Becher werden ihm förmlich aus der Hand gerissen. Draußen ist die Erde eine Scheibe. Mehr lässt sich bei den dunklen Wolken und dem Dauerregen nicht erkennen. Ein paar mal ein Halt in der Pampa, aber nur wenige Menschen steigen unterwegs aus und ein.

Beinah pünktlich kommen wir in Buenos Aires an.

Ich muss erst mal von ganz vorne nach ganz hinten zum Gepäckwagen. Die drei Jungs die ich schon vom Einchecken kenne sind die ganze Zeit mitgefahren. Da sie keine Uniform tragen, sind sie wahrscheinlich keine Bahnbeamten eher so eine Art Ich-AG. Jeder der sein Koffer erhält wirft einen Schein auf den Boden des Packwagens. Ich bin einer der letzten und werfe mein Geld auf ein beachtliches Häuflein.

In Constitution bin ich angekommen. Das ist die Station von der früher (und die wenigen heute) lange Züge Richtung Süden gefahren sind. Heute ist er ein Kreuz für den Vorortverkehr und die Metro. Fast wie eine Kathedrale zeugen die Hallen noch heute von der Pracht und der Bedeutung der argentinischen Bahnen im frühen 20sten Jahrhundert. Eine Ära die in den 1990er Jahren endet.

Mein Taxifahrer kennt mein Hotel nicht. Zugegeben es ist relativ klein und etwa fünf Kilometer entfernt. Ich könnte auch mit der Metro fahren aber der erste Abend in einer fremden Stadt, lieber nicht. Mit Google maps locke ich den Jungen auf die richtige Fährte.

Taxisfahren ist in Argentinien preiswert, also so etwas unter den Tarifen des rmv. Mir tun die Fahrer immer ein wenig leid, denn Auto, Versicherung und Tank wollen finanziert sein. Deshalb habe ich ja für manchen Trick Verständnis wenn ein Chauffeur beispielsweise dreimal um den Block fährt. Aber der Dreh heute ist neu. Eher gelangweilt betrachte ich den Taxometer. Der hüpft so alle 100 Meter um 200 Pesos nach oben. Aber: nach der Hälfte der Fahrt macht er einen Zwischenspurt. 3.000 Pesos in einem Satz. 1,80 Euro lohnen keine Debatte. Aber dann doch. 15.000 Pesos soll ich zahlen. Ich drücke dem Fahrer 20.000 in die Hand. Er habe kein Wechselgeld bedeutet er mir. Ich schüttele den Kopf und dann hat er doch. Normal gibt es immer ein gutes Tip. Heute nicht.

Das Hotel ist so wie in den Bewertungen beschrieben. Kleines Zimmer aber zweckmäßig eingerichtet. Das Bad von oben bis unten gekachelt. Sehr sauber und ein Safe. Für Buenos Aires ein vernünftiges Preis-/ Leistungsverhältnis. Für alleine ausreichend.

Die Gegend ist safe, auch nachts um 23 Uhr. Ich gehe noch um die Ecke und entdecke die „Extrawurst“.“ Deutscher geht kaum. Nur die Küche ist schon zu. Ok. Aber Bier ist noch reichlich im Fass. Der Kellner muss meinen Hunger erahnen. Ich bekomme zweimal Erdnüsse. Beim Herausgehen entdecke ich die Vorratskammer und bin sicher: Ich komme wieder.

Müde. Bett.

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