Sonntag, 20. November 2016 von Buchara nach Samarkant

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Der Tag ist schnell erzählt. Morgens um 7 Uhr bringt mich der Hotelbesitzer die 12 Kilometer zum Bahnhof. Stolz zeigt er auf die neuen Bürogebäude in der Neustadt. Zwischen Vorplatz und Bahnsteig nur dreimal Pass zücken. Mit im Zug ist die örtliche Damen-Basketball-Mannschaft auf dem Weg zu einem Auswärtsspiel, wie sie mir erzählen. Schlanke, groß gewachsene Mädels, die amüsiert die Soap auf dem Bildschirmen an der Decke verfolgen. In Samarkant scheint der Erdogan Besuch passe, die Polizei müde. Direkt ohne „Passport please“ tippele ich zum Taxistand. Handele den Fahrer um 50 Prozent herunter, zahle aber immer noch das doppelte wie die Einheimischen. Was soll´s: Mit zwei Euro fünfzig  ist die Fahrt für die etwa fünf Kilometer immer noch billiger als beim rmv ein Stehplatz in der überfüllten S-Bahn.

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Das Hotel schein gut gewählt. Sauberes Zimmer mit tollem Blick aus dem Fenster auf Innenhof und die benachbarte Moschee. Ein wenig geschlafen. Danach ein Spaziergang über den Markt, der nur wenige Meter von meiner Unterkunft  entfernt liegt. Er hat die Größe der Offenbacher Innenstadt. Hier gibt es alle Spezereien des Orients. Wie immer stromere ich entlang der vielen Gewürzstände und atme die wunderbaren Aromen ein.

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Ich beschließe nicht essen zu gehen sondern kaufe mir für den Abend Käse und Brot. Als ich dann noch einen Laden finde, der Bier im Sortiment führt, ist das Glück fast perfekt.

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Samstag, 19. November 2016, Buchara – eine Stadt wie aus 1000 und einer Nacht

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Ja, wenn ich das vorher gewusst hätte. Der Aufenthalt in Buchara lohnt für einige Tage mehr. Das Hotel stimmt  (Inklusive dem Empfang des ZDF. Endlich wieder Sportstudio). Das Frühstück ist usbekisch / westlich, dazu noch reichhaltig und sehr gut. Bald nach der morgendlichen Stärkung lasse ich mich durch die Altstadt treiben. „Old Buchara“ wie die Einheimischen sagen, hat seine architektonische Handschrift seit Jahrhunderten bewahrt. Fast flächendeckend sind die Mauern noch aus Backstein. Dank der UNESCO  sind viele Monumente vorbildlich restauriert, die Mosaike glänzen wie am ersten Tag. Torbögen und Kuppeln sind kunstvoll gemauert, Türbeschläge neu geschmiedet, Fensterläden  filigran geschnitzt. Buchara muss einst sehr wohlhabend gewesen sein. Man kann sich so richtig vorstellen, welche Anziehungskraft die prächtige Stadt voller Leben für die Karawanentreiber nach Wochen der Entbehrung in der Wüste hatte. Hier gab es Delikatessen, Wein,  Unterhaltung, Kneipen, Badehäuser.

Vor einem solchen Badehaus bleibe ich eher zufällig  stehen. Die „Managerin“, eine ältere Frau, lädt mich ein hineinzutreten. Es ist ein Damenbadehaus und seit dem 16. Jahrhundert ununterbrochen im Betrieb. Die Mädels haben an diesem Vormittag wohl gerade ihre Schönheitskur beendet. Im Inneren Raum dampft es noch. Es ist angenehm warm. Die Kamera beschlägt.

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Man (äähh frau) sitzt noch auf Jahrhunderte alten Steinen, nach einer Phase der Akklimatisierung  im Vorraum. In der Mitte ein riesiger steinerner Massagetisch. Beim Herausgehen möchte eine junge Italienerin einen Termin für den nächsten Tag vereinbaren. Zwei- dreimal zeigt sie  auf mich und fragt die Managerin fast ängstlich „But only for woman?“. Naja man wird älter. Vor vierzig Jahren hätte sie sich diskret erkundigt, ob  der sympathische nette Junge auch käme.

Danach ein Blick in eine Koranschule. Betreten werden darf nur die Vorhalle am Eingang zum  Hof. Auf großen Tafeln werden die Lerninhalte in Englisch beschrieben. Neben den Lehren Allahs werde sehr viel Wert auf Sprachen, Physik und Mathematik  gelegt. Nach dem Besuch diverser Moscheen und eines mittelalterlichen Studentenwohnheims mit schmalen Kammern steige ich hoch auf die Burg.

Hier treffe ich Olebruck, so habe ich seinen Namen verstanden.

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Olebruck spricht perfekt Deutsch, ohne Akzent. Eigentlich unterrichtet er an der Musikschule. Er spielt Stehgeige. 2010 gastierte er mit der Gruppe Karavan in der Berliner Philharmonie, ein Konzert, das von der UNESCO organisiert wurde.  Auf dem Handy hat einige Stücke gespeichert, die er mich hören lässt. Traurige usbekische Weisen. Deutsch hat er im Goethe-Institut gelernt. Er erzählt mir wie wichtig eine solche Einrichtung für ein Land wie Usbekistan sei. Hier habe er Zugang zu Literatur, zu Filmen, zu Zeitschriften. In der Hauptstadt Toshkent und in der Filiale in Buchara werde hervorragende Arbeit geleistet. Er selbst könne von dem Musikunterricht nicht leben, deshalb sein Nebenjob im Museum. Hinter der Tür auf dem Foto hat er sich in einem etwa 1,5 qm großen Raum eingerichtet. Stuhl, Tisch, Regal. Dort lernt er jetzt Chinesisch.

Nach der Burg Rast in einem traditionelles Teehaus. Ginger Tee und leckere Süßigkeiten. Ich bummele noch ein wenig durch die alten Gassen, deren Restauration  noch nicht in Angriff genommen wurde. Da wartet noch eine Menge  Arbeit. Viele Baustellen sind zu sehen. Aber auch manch schmuckes Wohnhaus, das seinen neuen Glanz dem Engagement des Eigentümers verdankt. Selbst entlang der schäbigsten Wege und in halb verfallenen Höfen sind immer wieder Zeugnisse vergangener Pracht zu entdecken. Verblasste Fresken, ein kunstvoller wenn auch verrosteter Beschlag an einer Tür, eine alte Inschrift, Schnitzereien, die Torbögen zieren.

Zurück im Hotel lädt der Besitzer zu einem winzigen Drink (sagt er) ein. Mit von der Partie: ein Russe, ein Australier und der Student, der das Haus managt. Es dauert eine Weile bis aufgetischt ist. Brot, eine Wurstplatte, Cola und Cognac. Wir werden auf die hiesigen Sitten verpflichtet: Jedes Glas (und die haben keine kleinen Gefäße) muss in einem Zug ausgetrunken  und jede angebrochene Flasche muss bis zur Neige geleert werden.

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Russe, Hotelbesitzer, ich Australier beim anstoßen. Der Student fotografiert.

Ein lustiger Abend. Der Australier, ein verrückter Typ,  ist sieben Monate auf dem Motorrad unterwegs von Korea zu Freuden nach Belgien. Er ist Fotograf und macht einen Blog, mit dem er dank Sponsoring des Kameraherstellers „Olympus“ seine Reise finanziert. Sein Bildbearbeitungsprogramm ist mir unbekannt. Die Ergebnisse lassen mich erstaunen. Der Russe arbeitet angeblich als Spezialist im Pipelinebau, vergisst aber sofort seinen englischen Wortschatz, wenn es um seine Arbeit auf den Ölfeldern geht. Ja und der Student erzählt mir von seinen  Plänen. Er möchte einige Semester in Deutschland „Tourismus“ studieren und dann hier in Buchara ein Hotel aufmachen. Die Stadt sei im Frühling und Herbst ausgebucht. Ich verspreche ihm, mich nach Fördermöglichkeiten zu erkundigen. Eine Frage von ihm überrascht mich dann. „Was für mich der 9. Mai sei?“ „Natürlich. Ein Tag der Befreiung und der Scham über unsere Verbrechen, ist meine Antwort“.. Der Student erklärt mir die unterschiedliche Art von Usbeken und Russen des Kriegsendes zu begehen. Während die Russen ausgelassen feiern, gedenke man hier seit der Selbständigkeit nur der eigenen Toten.

Der Russe und der Usbeke konzentrieren sich bei den Happen zwischen reichlich Hochprozentigem auf die Pferdewurst. Dem Australier und mir ist es recht. Uns bleibt die köstliche Salami mit einem sehr schmackhaften Brot. Alkohol, so die Usbeken, sei für sie als Moslems kein Problem.  Mein Nachbar aus Sydney und ich sagen dann unisono nach der geleerten  zweiten Flasche: „Aber für uns jetzt schon“ und drehen die Gläser um. Ein toller Abend.

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Freitag, 18. Nov. 2016, Buchara – eine prachtvolle Oase

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Buchara. Einst ein Zentrum auf der langen Seidenstraße. Der Zauber der Stadt, die Magie des Orients ziehen mich sofort in ihren Bann. Buchara ist seit über 2.500 Jahre bewohnt.  Eine Oase auf dem Weg von der Wüste Gobi in die prachtvollen Städte Persiens, Drehkreuz zwischen  den Hochkulturen in Indien, China und dem Orient. Die Seidenstraße war ein Handelsweg nie ein eigener Kulturraum.  Handel heißt immer auch Toleranz, sprachliche Vielfalt, ohne Vorurteile gegen Religionen, offen für neue Ideen. Noch immer sind diese liberalen Einflüsse in der Stadt zu spüren. Das Sprachtalent scheint in den Genen die Jahrtausende überdauert zu haben. Es ist kein Problem hier nach dem Weg zu fragen. Usbekistan ist ein islamisches Land. Nur wenige Kopftücher sind zu sehen, keine Frau mit Schleier. Die jungen Mädchen sind oft -trotz der   niedrigen Temperaturen- sehr leger gekleidet. Pärchen bummeln „toll verliebt“ durch den Park.

Die Altstadt ist UNESCO Weltkulturerbe. Zurecht. Ihre Strukturen blieben über Jahrhunderte erhalten. Heute wird, soweit das mit einem flüchtigen Blick beurteilt werden kann, die Substanz mit Sorgfalt restauriert. Aber meinen Rundgang habe ich mir für den nächsten Tag aufgehoben.

Auf dem 12 Kilometer langen Weg vom Bahnhof in de Stadt passiere ich schmucke moderne Reihenhäuser. Der Taxifahrer ist sichtlich stolz auf die Entwicklung. Banken, Büros in Hochhäusern, gut ausgebaute Straßen. Die Stadt unterscheidet sich nach meinen Eindrücken deutlich  von der Tristesse im Norden, vielleicht auch, weil hier in der Nachbarschaft mit Erfolg neue Gasfelder erschlossen werden.

Es ist schon fast Abend als ich im Hotel ankomme. Ein Backsteingebäude am Rande der Altstadt, einst vielleicht Karawanserei oder Handelshaus. Die Zimmer sind rund um einen Innenhof gruppiert. Freundliche Begrüßung. Ein einfacher sauberer Raum. Ein freundlicher Besitzer  und ein netter Student, der sich selbst fünf oder sechs Sprachen beigebracht hat, und das Tagesgeschäft managt.

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Der Aufenthaltsraum im Hotel, in dem auch gefrühstückt wird, ist ein Kleinod. Duzende Teekannen stehen in kleinen Schreinen.

Abends zum Essen ins „Old Buchara“. Es ist kalt. Die Dachterrasse mit dem Blick über die Altstadt mi den beleuchteten Minaretten muss deshalb ausfallen. Dennoch. Das Essen lohnt. Ich bestelle die kleinste Portion Fleisch mit Gemüsen des Landes. Die Menge würde bei uns für zwei Personen reichen, Borscht und endlich wieder richtiges Bier vom Faß. Nur mit den Pommes müssen aie noch üben. Und zum Abschluss einen usbekischen Brandy (kleine Gläser scheinen untersagt). Und dann: nach vier Tagen Liegewagenpritsche endlich ein richtiges Bett. Und ein Skype mit Ute.

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Donnerstag, 17. November 2016, von Wolgograd nach Samarkand. Teil 3, Usbekistan

p1040766Gemeinsam haben wir es geschafft. Alle Angaben auf dem Einreiseformular sind sogar in Kyrillisch.

Drei Stunden vor der usbekischen Grenze wird es ernst. Der Liegewagenschaffner verteilt die Einreiseformulare. In einer Sprache, deren Buchstaben ich schon nicht mehr verstehe. Meine Begleiter fragen in den Nachbarabteilen vergeblich, ob jemand Russisch- und Englisch Kenntnisse hat. Schließlich finden sie am anderen Ende des Wagens eine Frau, die das lateinische Alphabet beherrscht, ohne ein Wort Englisch oder Deutsch zu verstehen. Gemeinsam brüten wir über meinem Pass, über Family und Given Name, Sex und Gültigkeit. Die Kiebitze in den Betten über uns geben uns immer wieder neue Ratschläge, äußern Kritik, warnen vor Fehlern. Wie gut, dass ich nichts verstehe. Mein Pass wandert von Hand zu Hand, Formulare werden zerrissen, Neue begonnen. Schließlich ist es geschafft. Ich kann unterschreiben.

Vor dem usbekischen Zoll haben alle Respekt. Es wird still als die Beamten den Wagen betreten. Wir harren alle auf den unteren Betten der Dinge. Der Usbeke deutet mir mit Gesten an, nur das Gepäck zu öffnen, wenn der Zöllner es will.

Die Ausbilder des langen -auf den ersten Blick sehr sympathischen- Schlacks in Uniform, der unser Abteil betritt, war wohl Trainees an der innerdeutschen Grenze. Damals, noch vor dem ersten Vertrag über Reiseerleichterungen zwischen der BRD und der DDR. Der Zug wird förmlich auseinander geschraubt. die Dachverkleidung entfernt, die Wände aufgeklappt. Es dauert Stunden bis jeder Koffer geöffnet und alle Passdaten im Laptop erfasst sind. In jeden Winkel leuchtet eine Taschenlampe. Ich muss zum Glück nur meine Medikamente erklären. Was gesucht wird, ist klar. Aber alles geht glatt. Und dennoch, einige Stunden später werde ich ganz weiche Knie bekommen. Aber um das zu formulieren, brauche ich ein paar Tage, dann werde ich sicher im nächsten Land sein.

Nach der Kontrolle erst einmal schlafen, was mir zu meinem Erstaunen sehr leicht fällt. Der Tee des alten Russen hat offenbar beruhigende Wirkung. Draußen die endlos gleiche Landschaft wie seit zwei Tagen. Kleine Weiler, ein paar Hütten. Alle zweihundert Kilometer ein verfallener Industriekomplex, Zeugnis sowjetischer Kraftmeierei, der irgendwann die Puste ausging. Dann wieder verrostete Gleise in geplante Industriegebiete, die wahrscheinlich nie befahren werden. Mir fällt auf, dass fast alle Güterzüge, die mir seit Helsinki  begegnen zu fast hundert Prozent aus Kesselwagen und offenen Güterwaggons gebildet werden, also dem Transport von Rohstoffen du Öl dienen. Ein  Hinweis auf die Abhängigkeit der gesamten GUS von den Rohstoffpreisen dieser Welt.
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An den Bahnhöfen warten die Lieben auf ihre Angehörigen. Es ist bitter kalt. Auch die beiden Usbeken sind angekommen. Ein letztes da ßwidánja, eine Umarmung. Sie dürfen den Heimaturlaub genießen bis es in einigen Wochen wieder die lange Strecke zurück geht. Einmal im Jahr bleibt ein Monat für Frau und Kinder. Die Menschen in den neuen Staaten im Süden der Ex-Sowjetunion sind auf die Arbeit in Russland angewiesen, wenn sie einigermaßen leben wollen. Der Russe und ich bleiben nicht lange allein. Zwei Jugendliche belegen die oberen Betten, wohl ohne Fahrschein. Darauf deuten die heftigen Diskussionen mit dem Liegewagenschaffner. Sie wollen einfach nur schlafen.

Auf den Gängen ein lebhafter Handel. An jeder Station steigen zwanzig und mehr Männer und Frauen ein, um auf den nächsten 100 Kilometer Früchte und Brot, Wurst und Käse, Milch und Joghurt anzubieten. Es gibt Kinderkleidung und Lederjacken, T-Shirts und Strickwaren. Die Produktpalette eine Elektronik-Fachhändlers reicht von der Taschenlampe über Radios bis zum Handy. Ununterbrochen sind die Geldwechseler unterwegs. Getauscht werden aber nur Rubel und Dollar. Euros zählen nicht. Der Schwarzmarktkurs ist mehr als doppelt so hoch wie die offizielle Rate. Die Inflation scheint exorbitant. Ein Dollar sind etwa 7.000 Sum. Das wäre ja alles kein Problem, wenn es entsprechende Scheine gäbe. In Vietnam oder Laos kostet der Dollar ein paar zehntausend Dong, die haben aber einen Ein-Millionen-Schein. Hier ist die größte Stückelung 5000 Sum. 100 Dollar sind so um die 140 Scheine. Die Wechsler transportieren die einheimische Währung in großen Tragetaschen. Immer ein Koffer voll Geld dabei.

Eine Nacht noch und ich darf nach 60 Stunden und ein paar Minuten in Samarkand aussteigen. Umsteigen für die kurze Weiterfahrt nach Buchara.

Es ist aber kein guter Tag heute für einen Aufenthalt im Bahnhof von Samarkand. Erdogan soll auf Staatsbesuch hier sein. Die Sicherheitsmaßnahmen sind hier eh wegen der kommenden Präsidentenwahlen auf Stufe „rot“.  Meinen Pass zeige ich siebenmal nebst Ticket. Ein Polizist will mich zum Ausgang „City“ schicken. Zum Glück versteht sein jüngerer Kollege meinen Protest. Es wird ein wenig laut. Aber alles wird gut. Ich muss noch einmal durch die Sicherheitsschleuse zum Ausgang, darf direkt hinter dem Gerät auf dem Absatz umdrehen und geduldig das gleiche Programm beim Wiedereintritt in die Bahnhofshalle ertragen. Ungerührt scannt und betastet mich derselbe Beamte mit der gleichen Intensität wie Sekunden zuvor.

Drei Stunden warten. Eine Cola, ein paar Kekse und dann ab nach Buchara. Die kaum zwei Stunden vergehen wie im Flug. Ich sitze mitten in einem Kindergartenausflug. Alles so wie bei uns. Forsche und schüchterne Gören. Begleiterinnen, die sich auf ich Handy konzentrieren. Und eine Erzieherin, die sich rührend um die Kleinen kümmert, scherzt, für alle ein gutes Wort hat. Die Kids hängen an ihr. Und nebenbei: Sie spricht toll Englisch, wie so viele hier im Süden, die entlang der Seidenstraße leben. Buchara erwartet mich. Und ich komme in ein faszinierendes Land, in das man sich verlieben muss, dessen Menschen weltoffen und gastfreundlich sind, in ein Land, dessen Kultur und ihre Zeugnisse um soviel älter sind als die unsere.

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Mittwoch, 16. November, 2016: Volgograd – Samarkand: Teil 2. Kasachstan

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Braun, Ocker, Grau: Seit vielen Stunden zieht eine eine einförmige Steppe an meiner kleinen Scheibe vorüber. Vom Horizont bis zum Horizont. Steppe mit den ersten Lichtstrahlen am Morgen, Steppe in der Mittagssonne, Steppe bei der schnellen Abenddämmerung. Und am nächsten Morgen: Immer noch Steppe oder schon wieder?  Und dennoch kommt keine Monotonie über der kasachischen Wüste auf. Es ist erstaunlich, wie unendlich viele Facetten, Wärme  und Zwischentöne gerade diese Farben haben können. Manchmal iegt noch ein wenig Schnee über den schütteren Sträuchern. Ich lerne Details zu beobachten, sehe kleine helle Erdhügel, dunkles verdorrtes Gras, ausgefahrene sandfarbene  Wege. Auch die Farbe der wenigen Häuser scheint sich der Landschaft anzupassen. Nur sehr selten gibt  ein leuchtend grünes Dach Abwechslung und Kontrast. Dörfer bleiben rar. Alle fünfzig Kilometer markiert eine Handvoll Katen eine Station entlang der Trasse. Einst konnten hier die Dampfloks Kohle und Wasser fassen. Die wenigen Straßen sind nicht geteert. Kaum ein Auto ist zu sehen.

Drinnen im Abteil lernen zwei Usbeken, ein Russe und ein Germanski, dass man auch mit fünf Worten, die man von der Sprache des anderen kennt, viel voneinander erfahren kann.   Wieviel Kinder? Alter? verheiratet?  Beruf? Woher, wohin? Wenn die Worte nicht reichen, hilft ein Kugelschreiber. Nur bei dem mir immer wieder angebotenen Essen streike ich. Es sieht lecker aus. Aber ich habe nach dem ersten Besuch der Toilette beschlossen: drei Tage nur trinken, allenfalls ein paar Kekse. Es sind nur ein paar hundert Kilometer auf dem Transit durch Kasachstan und dennoch eine Tagesreise.

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Einmal im Jahr vier Wochen auf Heimaturlaub

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Dienstag, 15. Nov. 2016. Im Liegewagen von Volgograd nach Samarkand. Teil 1. Russland und Kasachstan

18.30 Uhr. Bahnhof Volgograd. In knapp neunzig Minuten soll die Fahrt ins Abenteuer beginnen. Einmal die Woche, dienstags startet hier ein Zug Richtung Tashkent, auf einer Route durch die kasachische Steppe zwischen Kaspischem Meer und den Überbleibsel des Aral-See. Der Andrang ist unbeschreiblich, aber  die Sicherheitsvorkehrungen sind es auch. Wir sind im Süden von Russland, in der Nähe von einigen Problem-Regionen. Vor einigen Monaten gab es hier ein schweres Bombenattentat auf das Stationsgebäude. Am Gate: Kein Durchwinken wie in Moskau. Penibel und professionell wird jeder Koffer durchleuchtet. Madame in schicker Uniform  kennt trotz meiner Charmeoffensive keine Gnade: Der Scanner piept. Ich darf erst passieren als die letzte Münze aus der Hosentasche raus ist.

Die meisten Passagiere sind  wohl Wanderarbeiter aus Usbekistan, jeder wuchtet mindestens zehn Gepäckstücken durch Tür und Fenster. Fliegen unmöglich, weil ein  Jumbo spätestens mit fünfzig dieser Passagieren überladen wäre. Ich habe ein Bett unten im Abteil. Das garantiert, dass ich meinen Rucksack unter meiner Pritsche deponieren  darf. Amüsiert beobachte ich wie die beiden Usbeken, die in mein Abteil kommen, in der Nische über den obere Betten ihr Hab und Gut verstauen wollen. Ich hätte zehn zu eins gewettet: das klappt nie. Verloren. Irgendwie nach einer halben Stunde des hin und her , des rein und raus, ist es geschafft. Aus den Nachbarabteilen kommen immer wieder Fahrgäste, die mich bitten, auch meinen Stauraum unterm Bett für Beutel mit obskurem Inhalt nutzen zu dürfen. „Njet“, antworte ich aus dem Bauch raus. Zu meinem Glück wie sich zwei Tage später an der usbekischen Grenze  herausstellen sollte.

Mit uns ins Abteil, knapp vier Quadratmetern Fläche, ist noch ein älterer Russe eingestiegen, der Verwandte in Toshkent besucht. Die ersten Stunden ist beobachten und einschätzen angesagt. Keiner spricht die Sprache des anderen. Dann mitten in der Nach passieren wir die erste Grenze: Von Russland nach Kasachstan. Auf russischer Seite: freundlich aber bestimmt. Die Beamtin spricht gut Englisch. Nach zwei Stunden geht es weiter. Kasachstan ist nur eigentlich nur Transit für etwa 12 Stunden. Aber: Die Hauptstadt Astana ist weit und hier in die trostlose Steppe scheint die Grenzpolizei auch nicht die Hellsten eines Ausbildungsjahrgangs zu entsenden. Aber auch zugegeben: auf dieser Route reisen nur wenige Menschen aus der EU. Jedenfalls kommt so ein achtzehnjähriger pausbäckiger Bub in Uniform  in unser Abteil. Usbeke:  Pass. Stempel. Russe: Stempel. Zweiter Usbeke: Stempel. Dann ist Müller an der Reihe mit seinem roten Pass. „Kenn ich nicht, kann ich net lese“, deute ich seine Mine. Und  „Geht gar nicht“. Ich versuche auf Englisch zu erklären: Ein Deutscher braucht seit diesem Jahr kein Visum mehr für Kasachstan. Vergeblich. Er versteht nichts. Der Liegewagenschaffner redet auf ihn ein. Ich dechiffriere: Germanski. Kopfschütteln. Ratlosigkeit bis endlich der Schaffner die rettende Idee hat. Voll Ehrfurcht deutet er auf mich und voll Andacht kommt das Zauberwort über seine Lippen: „Merkel“. Zack. Stempel. Daumen hoch. Dos  Swidanja.

Also. wenn ich zuhause bin werde ich beim Bundeskanzleramt 50 Autogrammkarten von Angela plus Selfie-Termin bestellen. In manchen Ländern hat mich bislang ein unauffälliger Dollar im Pass davor bewahrt bei 98 Prozent Luftfeuchtigkeit Stunden auf den Stempel zu warten. Es geht preiswerter. Der Schlafwagenschaffner hat mich für den Rest der Fahrt als  Merkel vorgestellt. Ich gestehe. Ich habe nicht widersprochen.

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Volgograd: Beklemmung und Hoffnung

 Unbenannt.pngDienstag, 14. Nov. 2016, Volgograd

Montag. Nochmal in Moskau das Buffett hoch und runter gefrühstückt vor der langen Zugfahrt. Mit der Metro zum Volgograder Bahnhof. Ute und Christian hätten ihren Spaß mit mir gehabt: Circa zwei Stunden vor der Abfahrt stand der pflichtbewusste Ex-Beamte am Gate (Hätte ja auch was dazwischen kommen können, liebe Ute. Ich erinnere nur an den Airport in Hongkong mit den etwas längeren Wegen als  Dein Kassel Calden und die verzweifelten Aufrufe aus den Lautsprecherboxen, wo wir denn blieben). Naja. Ein bisschen Warten bis der Zug aufgerufen wurde. Bei um die fünf Grad minus nach draußen. Kein Waggon  da. Nach 15 Minuten immer noch nicht. Aber dauern quarckte die Ansage auf Englisch „Your Train  to  Volgograd is ready“. Endlich wurden gleich drei Züge auf einmal auf die Gleise rangiert. Zielanzeige – Fehlanzeige. Die nächsten Menschen in Uniform gefragt: Is this the Train to Volgograd? Achselzucken. Der Vierte, den ich anquatschte, ein älterer Rangierer, grinste: „Da, Stalingrad“.

Vor meiner Wagennummer nochmal dreißig Minuten (immer noch 5 Grad Minus) warten, bis sich die Türen öffneten. Die Crew musste erst noch ihren Kaffee- und Nikotinpegel ausgleichen. Drinnen wurde  es besser: Der Volgograd-Express war leer. Ich hatte ein Abteil für mich alleine. Die Concierge  textete mich auf russisch zu. Verstanden habe ich, wo die Toilette ist und sonst immer genickt. Folge: Es gab Hühnchen zum Abendessen. Also Hühner sind nach Hund ungefähr meine Lieblingsspeise. Die Sättigungsbeilage wirkte undefinierbar. Alles sehr fad. Aber was fade schmeckt, kann nicht verdorben sein. Im Speisewagen noch ein Bier geholt. Gut geschlafen.

Morgens  stundenlang durch die Steppe gefahren, aus dem Fenster geschaut . Volgograd ist verdammt weit weg. Unbeachtet aller Verbrechen. Wie dumm muss man sein, bis hierhin zu marschieren. Da ist nix. Eine funktionierende Logistik über die lagen Wege: unmöglich. Man sollte all unsere rechten Spinner einfach mal hier vorbeischicken. Hier sind ein paar hunderttausend Menschen schlicht verheizt worden für den Traum von Raum im Osten.

Das Denkmal auf dem Bild markiert quasi die Einfahrt nach Volgograd. Stalingrad, so sein Name damals,  muss in den dreißiger Jahren eine Stadt mit südländischem Flair gewesen sein. Das legen, die alten Fotos in den Museen nahe. Boulevards, Parks, Cafes, die Flaniermeilen am Wolga-Ufer. Davon ist nach der Zerstörung der Stadt wenig geblieben. Notgedrungen wurden die Häuser nach der Zerstörung hastig aufgebaut. Ein Dokument einer brutalen Architektur.

Die beiden Museen, die an den Krieg hier erinnern, sind einfach nur grottenschlecht. Schlachten-Dioramen und nebeneinander gepinnte Orden. Dennoch haben mich drei Dinge beeindruckt:

– die Parallelwelt in der Paulus und die anderen Offiziere die letzten Tage vor der Kapitulation im Keller unter dem Kaufhaus lebten. Während draußen ihre Truppen verreckten, gab es drinnen Porzellangeschirr und edlen Cognac,

– die gezeigten letzten Briefe von einigen Soldaten, die sich auch im letzten Moment an völlig irreale Hoffnungen klammerten,

– und die geringe Größe der Innenstadt. Es sind vielleicht vier Quadratkilometer  auf denen auf jeder Seite 100.000 Menschen kämpften und starben.

Aber Volgograd vermittelte mir auch einen spannenden Blick auf das junge Russland heute. Nach einem Spaziergang entlang der Wolga (schmaler als in meiner Vorstellung) habe ich ein Cafe besucht. Hier bediente Vladimir. Vielleicht neunzehn oder zwanzig Jahre alt. Nachdem er mir ansah, dass ich kein Wort seiner Begrüßung in russisch verstand, fragte er: „Sind Sie Deutscher“ und begann mit mir ein Gespräch in meiner Muttersprache. Akzentfrei und grammatikalisch ohne einen Fehler. Er hat Deutsch  im Goethe-Institut gelernt. Er weiß noch nicht, ob er seinem Bruder nach Dresden folgen will. Nächste Woche geht es für 14 Tage nach Österreich . Aber dann wieder zurück. Später will er vielleicht einmal auf Work and Travel. Das Cafe in dem er arbeitet, hätte in jeder Deutschen Stadt seinen Platz. Modern eingerichtet, viel weiß lasiertes Holz, bequeme Sessel, angenehme Musik und ein wirklich guter Obstkuchen. „Und man spricht deutsch“ wie mir Vladimir zum Abschied zuzwinkert.

Vladimir steht für das junge Volgograd mit seinen vielen Studenten, die wahrscheinlich bestens qualifiziert sind. Die andere Seite sieht man auf den Märkten, wo Männer und Frauen bei Minusgraden stehen, um zwei Glas Honig oder einige Nüsse verkaufen, um den nächsten Tag zu überstehen.

Ich habe in den letzten Jahren bei meinen Touren in vielen Ländern diese Vladimirs und seine weiblichen Kolleginnen getroffen. Es gibt in Russland  nicht nur rechtsradikale Jugendliche wie gelegentlich suggeriert sondern viele Heranwachsende, die Neugierig auf diese Welt sind, den Austausch mit anderen Kulturen suchen. Davon lernen und gleichzeitig stolz auf ihre Heimat sind. Aber die Vladimirs brauchen eine Perspektive jenseits des Säbels mit dem der große Vladimir rasselt.

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Sonntag, 13. Nov. 2016, Moskau

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Moskau. Zwei Nächte ausruhen. Hatte gedacht bei meinem Budget bliebe nur eine Bruchbude für das müde Haupt. Es ist ein Vier-Sterne-Holiday Inn geworden. Vor einem Jahr gab es in dem Haus kaum einmal ein  Zimmer unter 200 Euro. Ich zahle 40 Euro mit großem Frühstück. Ein ökonomisches Statement zur aktuellen Situation hier?

Den Kreml besucht. Bin sehr nachdenklich geworden. 70 Jahre Kommunismus, das war allenfalls eine Arabeske, ein Wimpernschlag in der Historie dieses Landes. Längst vergessen. Der gesellschaftliche Wertekanon, der hier in den Bildern und Ausstellungen angedeutet wird, fußt auf den imperialen russischen Erfahrungen und Erinnerungen an die Größe längst vergangener Jahrhunderte.

Das Foto der drei Türme mag ein Symbol sein. Der Doppeladler im russischen Wappen dominiert. Er stammt noch von den byzantinischen Kaisern, in deren Tradition sich die Moskauer Großfürsten und Zaren stellten, in einer Symbiose mit dem orthodoxen Kreuz. Der Rote Stern ist links an den Rand gerückt, allenfalls noch gut, damit sich die vielen Lenin- und Stalin-Doubler am Rande des Roten Platzes ein paar Dollar oder Euro verdienen können, wenn sie mit Touristen posen. Man muss das alles nicht billigen aber man sollte es verstehen. Ob Russland so seine ökonomischen Probleme lösen kann. Glaube eher nicht. Aber ein verdammt gutes Fundament für eine „wunderbare Freundschaft“ mit Trump, dem vor ein paar Tagen gewählten Magier auf der anderen Seite des Ozeans.

Morgen geht es Richtung Volgograd mit einigen beklemmenden Gefühlen. Und danach 70 Stunden Zug bis Usbekistan.

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Train to Moscow prall voll mit Erinnerungen

Samstag,12. 11. 2016, Moskau 23.00 Uhr

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Im Zug von St. Petersburg nach Moskau. Draußen ist es stockfinster. Schade. Aber dafür hat heute morgen die Fahrt von Helsinki nach St. Petersburg entschädigt. In Finnland liegt richtiger Schnee. Die Strecke führt durch eine Winterlandschaft wie ich sie lange nicht mehr gesehen habe. Tannenwälder wie mit Puderzucker bestäubt, zugefrorene Bäche, Ströme und Seen. Kleine Hütten und Bauernhöfe, denen man von draußen die Gemütlichkeit drinnen ansehen kann. Mit Bollerofen und Eckbank.

Die Züge hier stehen in puncto Komfort unseren ICEs in nichts nach. Nur das sie im Winter nicht liegen bleiben und im Sommer auch bei dreißig Grad klimatisiert werden. Habe es dann doch geschafft in St. Petersburg die zwei Stationen in der Metro zwischen dem Finnischen und dem Moskauer Bahnhof zu handeln, inklusive Fahrscheinkauf. In Moskau werde ich zwei Nächte ausspannen. Der finnische Grenzbeamte traute seinen Augen nicht als er all die Visa bis China sah. Und dann gestand ich ihm noch: Vietnam und Thailand kommen on top. Die Züge, die ich jetzt besteige, werden auch nicht mehr so komfortabel sein und die Gleise etwas ausgelutschter. Mal sehen. Es ist auf jeden Fall spannend.

Train to Moskau. Da gibt es noch eine Geschichte. Wonderland und ihr Ex-Rattles-Frontmann Achim Reichel waren in den 60iger Jahren  meine Deutsche Lieblingsband und ihr Song „Moscow“ gehörte zu meinen zehn Favoriten in jener Zeit.

Moscow, that’s all I know Moscow
Moscow, where shall I go in Moscow
But I’ve got to get her back again
So today I’ll take the train to Moscow

1988 gab es eine Reunion der Rattles. Achim Reichel machte die Tour mit. Konzert in Hanau im Druckhaus. Danach wurde ich, warum auch immer, zum Essen mit Presse und den Rattles eingeladen. Irgendwie hatten die gedacht ich sei bei unserer Lokalzeitung. Und ich hatte nicht widersprochen. Habe mich bis vier Uhr morgens glänzend mit Reichel unterhalten. Der Wein war gut. Ich weiß nicht mehr, ob er rausgetragen werden musste. Gestützt wurde er auf jeden Fall. Ich (Idiot), fast in einem ähnlichen Zustand, setzte mich ins Auto um zu schlafen, wollte aber weg vom Parkplatz  und nahm den nächsten Feldweg und ein paar Kurven. Irgendwie muss das der Weg zum Lokschuppen in Hanau gewesen sein. Jedenfalls stand mein Auto plötzlich Face to Face vor einer riesigen Diesellok. Das Ungetüm auf der Drehscheibe und mein kleines Auto. Auge in Auge. Scheinwerfer in Scheinwerfer. „Train to Moscow“. Die Geschichte ging mir heute den ganzen Tag durch den Kopf.

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Pub in Helsinki

Freitag, 11. November, 23.30 Uhr Helsinki

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Nach dem Procol Harum Konzert  in einem  völlig überfülltem Irish Pub gelandet. Mit zwei Finnen an der Theke bei 7,50 Euro pro Bier über Europa diskutiert. Da kommt was auf uns zu. Wir (also Deutschland) sollten und müssten, so meine beiden Trinkkollegen, Europa führen. Im Augenblick sei Logik gefragt und keine Visionen. Also Merkel müsse den Job übernehmen. Eigentlich ganz nett diese Finnen, wenn nur die Bierpreise nicht wären.

Procol Harum, es war  ein schönes Konzert. Frontman Gary Brooker (der letzte Überlebende der Band) schien nach den ersten Stücken erkältet. Aber nach zwei drei Liedern wurde seine Stimme immer stärker, eindringlicher. Fast so als wäre eine Schmiergel über seine Zunge geflossen. Schon mit den ersten Songs verspühten den Spirit der 60er Jahre. Getragene Balladen, Melodien voll von Flower Power, Arrangements mit einem leichten Einschlag zum Bombastischen. Jeder Ton schien für einen Moment über dem nächsten zu liegen. Mit den beiden Mädels neben mir (man sieht uns das Alter ja nicht an) über „unsere Sechziger“ getrascht. Auch in Finnland wurde „A Whiter Shade of Pale“ aufgelegt, um zu Schmusen und zu Baggern. Die Girls haben richtig in Erinnerungen geschwelgt. Soll keiner Sagen, Europa hätte keinen gemeinsamen Werte.

Habe nebenbei in der ersten Reihe gesessen, weil ich meinen Platz dreimal mit anderen Frauen tauschen konnte, deren Männer wegen der Nachfrage getrennt platziert wurden.

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