Schlemmen aud relaxen auf der Ostsee

Freitag, 12.Nov. 2016, 18 Uhr, Helsinki

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Einfahrt in den Hafen von Helsinki vom Frühstückstisch.

Die Riesenfähre schlängelte sich frühmorgens vorbei an den vielen kleinen Inseln im Finnischen Meerbusen, so heißt er wohl. Ich konnte mich kaum satt sehen. Die Schifffahrtsrinne reicht praktisch bis an die Uferlinie. Auf jeder Insel eine kleine Hütte, Grill und Sauna. Wie zum Anfassen. Um 1991 war der Presseausschuss des Deutschen Städtetags hier. Wir waren eingeladen vom Finnischen Gemeindeverband und der Regierung des neuen Staats Estland. Kann mich noch sehr gut an die stürmischen Überfahrt zwischen Tallin und Helsinki bei Nacht erinnern. Ich gehörte zu den Dreien, die sich nicht übergeben mussten. Zum Abschluss der Begegnung waren wir von einem Vertreter der Stadt Helsinki am Sonntag für zwei Stunden auf seine kleine private Insel eingeladen. Bei Sonnenschein. Ein Traum. Es lebt sich hier oben wohl ganz gut. Jedenfalls im Sommer. Im Augenblick ist die Temperatur auf minus zehn Grad gesunken. Zum Glück habe ich nach intesiver Diskussion auf Ute gehört und lange Unterhosen dabei. Ich finde die Rhönbomber, wie sie in meiner Hemiat heißen, ja unsexy. Aber Ute meinte bei einem älteren Herren, der alleine reist, sei das in Ordnung.   Habe ich nicht verstanden, aber macht auch nix.

Mit dem Schiff nach Helsinki überzusetzen statt mit dem Zug über die Baltischen Staaten anzureisen, war eine gute Idee. Es war ein Tag der Muse, der Lektüre  und des guten Essens für den Preis eines Billigbahn-Tickets. Auch der Transfer in die Stadt bereitete keine Problem: Shuttle, Zubringerbus, Metro. Eine Mitreisende sprach perfekt Finnisch und orderte für uns alle die Tickets. Bei der Fahrt in die Stadt konnte ich mal wieder einen richtiger Winter bestaunen. Verschneite Fichtenwälder, zugefrorene Flüsse und der Blick auf eine Küste, auf der sich die Sonne auf  Wasser, Schnee und Eis spiegelte. Hotel, Stadtbummel, ein paar Ravioli und vorbereiten auf das Konzert. Zum Glück ist die Halle quasi nebenan. Ein Musikabend an dem Tag, an dem Leonard Cohen gestorben ist,  löst schon zwiespältige Gefühle aus. Erinnere mich noch an den Ort, an dem ich zum ersten Mal ein Lied von ihm bewußt hörte. Es war so um 1970 in Menton an der Cote d azur. Hier lebte ich im Schlafsack am Strand für einige Tage. Meine Abende verbrachte ich mit ein paar Jungs und Mädels in ein Cafe und „So Long Marianne“ war der Dauerbrenner in der Musikbox. Seit dieser Zeit hat mich Cohen nicht mehr losgelassen und mir über manch traurige Stunde hinweggeholfen. Zum Glück durfte ich ihn vor drei vier Jahren noch einmal Live in der Festhalle erleben.

PS. Bevor in OF ein Untersuchungsausschuss tagt: Ich habe den Flug  mit dem Städtetag nach Helsinki selbst bezahlt.

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Donnerstag 10. November 2016 – Fähre Lübeck – Helsinki

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Über die Ostsee auf einer fast leeren Fähre. Mit mir waren drei ältere Paare und ein Duzend Trucker, wenn es überhaupt so viele waren, auf dem Schiff. Die Brummi-Kapitäne, meist Finnen, nutzten den autofreien Tag um die monatliche Dosenbierbilanz über den Eichstrich ihres statistischen Mittels zu heben. Ich teile meine kleine Kabine mit einem russischen LKW-Fahrer. Seine einzigen englischen Worte sind „Breakfast“ und „no Problem“   (das.wird ja lustig mit der Verständigung östlich von Moskau).  Naja. Seine  laute Handymelodie  heute morgen um fünf Uhr war schon ein Problem.

Aber sonst habe ich super geschlafen. Die Kabine ist klein, hat aber alles was man braucht.  Hatte mit Essen gebucht. Habe nach dem Frühstück auf den Rest des Brunchs verzichtet, so gut und reichhaltig war aufgedeckt. Den Rest des Tages habe ich bei einem Bier in einem bequemen Sessel  gelesen, den Wellen zugeschaut. Im November ist die Überfahrt echt eine preiswerte Alternative zu einer Kreuzfahrt. Der Transfer vom Bahnhof Lübeck nach Travemünde ist auch um Mitternacht völlig easy. Der Bus steuert direkt den Skandinavienkai an, 30 Sekunden einchecken, dann hat mich ein Van exklusiv zum oberen Wagendeck chauffiert. Die übrigen Passagiere sind  wohl mit dem Auto gekommen. Morgen Abend Helsinki. Auf mich wartet eine Band, die ich schon seit 50 Jahren hören wollte. Vorfreude auf Turn a Whiter Shade of pale und You better take off your Homburg cause your overcoat is to Long.

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Auf die letzte Minute

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Mittwoch, 9. November 2016, auf dem Weg von Hanau nach Lübeck
Erste Station Göttingen

Zum Glück mittags die Fahrzeiten nochmal im Internet gecheckt. Streckensperrung zwischen Hannover und Hamburg. Hätte meinen Anschluss in Lüneburg verpasst. Die Fähre wäre ohne  mich von Lübeck nach Helsinki gestampft. Lüneburg, sein Bahnhof und ich werde im Leben keine keine Freunde mehr. Vor zwei Jahren war ein Treffen der kommunalen Pressesprecher in der schönen Stadt. Ich saß im letzten Zug, der noch halten durfte.  „Bombenfund“ erklärte mir die Taxifahrerin, „Routine“.Nicht so schlimm, komme alle zwei Jahre vor. Dann werde halt die City gesperrt. Das seien immer ein paar Kilometer extra.

Naja. Unser Treffen wurde kurzerhand aus dem Rathaus in den Speisesaal der ehemaligen Psychiatrie  verlegt. Toller Abend für uns Exoten im Öffentlichen Dienst. Wir haben uns alle wie beim Meeting in den Stuben der inneren Verwaltung gefühlt. Hätte glatt als Arbeitszeit angerechnet werden könne.

Zurück zu heute. Petra hat mich nach Hanau gefahren. Vielen Dank. Zwei Stunden früher weg, um Umweg über Bremen auszugleichen. Ok, die ersten Kilometer im Auto statt auf der Schiene. Sollte nicht sein. In der Hektik habe ich vergessen den ersten Zug zu fotografieren.

Von Hanau nach Göttingen, umsteigen in einer der geklonten Stationen um Relay, Burger King und Spar Express.  Zum Abendessen Fish and Chips, ein Bier und dann direkt zum Bahnsteig, zum ICE nach Lübeck. Durfte lange vor Abfahrt aufs Schiff, Zeit um die Wahlnacht gestern rausschlafen. Trump. Schauen wir mal.

Städte und ihre Bahnhöfe sind immer auch Erinnerungen an Kollegen. In Of der Fabian, in Hanau Guezin, in Fulda der Michael, in Kassel Ingo und Petra, in Hannover der tolle Abend mit Kollegen im Jazzclub mit  Billy Mo, der Presseausschuss in Hildesheim und und und. Tolle Zeit. Und wenn ich meine Freundin vom ICE abhole und der Zug ist auf die Stadt Neumünster getauft, dann frage ich sie immer: „Hat Dich mein Kumpel Stefan (der dort hoch im Norden das Presseamt leitet) auf plattdütsch angebaggert.

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All my bags are packed

Fertig gepackt. Irgendwas werde ich bestimmt vergessen und vermissen. Morgen 19.14 Uhr steige ich in Hanau in den  ICE.

All my bags are packed
I’m ready to go
I’m standin‘ here outside your door
I hate to wake you up to say goodbye
But the dawn is breakin‘
It’s early morn
The taxi’s waitin‘
He’s blowin‘ his horn
Already I’m so lonesome
I could die
So kiss me and smile for me
Tell me that you’ll wait for me
Hold me like you’ll never let me go
‚Cause I’m leavin‘ on a jet plane
Don’t know when I’ll be back again
Oh babe, I hate to go
There’s so many times I’ve let you down
So many times I’ve played around
I tell you now, they don’t mean a thing
Every place I go, I’ll think of you
Every song I sing, I’ll sing for you
When I come back, I’ll bring your wedding ring
So kiss me and smile for me
Tell me that you’ll wait for me
Hold me like you’ll never let me go
‚Cause I’m leavin‘ on a jet plane
Don’t know when I’ll be back again
Oh babe, I hate to go
Now the time has come to leave you
One more time
Let me kiss you
Then close your eyes
And I’ll be on my way
Dream about the days to come
When I won’t have to leave alone
About the times, I won’t have to say
Kiss me and smile for me
Tell me that you’ll wait for me
Hold me like you’ll never let me go
‚Cause I’m leavin‘ on a jet plane
Don’t know when I’ll be back again
Oh babe, I hate to go
But, I’m leavin‘ on a jet plane
Don’t know when I’ll be back again
Oh babe, I hate to go
Quelle: LyricFind
Songwriter: John Denver
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Ein wenig Herzklopfen

Mühlheim. 4. Nov. 0.30 Uhr. Auf gehts.

p1030489Rückblick: Berlin, 31. Okt.  2016, 17.00 Uhr.  Abholen der Tickets bei der Bahnagentur Schöneberg.  Aber ohne Pass? Schwierig.

Auf gehts. Heute, Donnerstag, 3. November 2016, der erlösende Anruf. Das chinesische Visum ist gestempelt. Mein Pass ist wieder da. Naja, so eine Route von Hanau nach Hanoi mit Umsteigen in Lüneburg ist auch auch nicht unbedingt Routine für die Botschaft. Jedenfalls wenn auf den Fahrkarten immer nur Bus, Bahn und Schiff aufgedruckt ist,  Flieger Fehlanzeige. Und dann auch noch einer von Touristen wenig genutzten Route entlang der Seidenstraße.

Gefühlte 25 mal werde ich auf rund 10.000 Kilometer Wagen und Abteile wechseln. Manche Etappe dauert vier Tage, zusammengerollt im Sitz, im Liegewagen oder im Soft-Sleeper, gemeinsam mit vier Unbekannten. Auch eine Art von Selbsterfahrungstrip.

Ein wenig klopft mein Herz schon. Finnland, Russland, Uzbekistan, Kasachstan, China und Vietnam. Alleine. Oft werde ich nur meinen MP3 Player verstehen. Die Strecke sieht auf dem Globus verdammt weit aus. Aber es muß sein. 20 Jahre habe ich jeden Tag mindestens einmal von dem  Projekt geträumt. Jetzt wird es gelebt.

Songtext von Leonard Cohen – Suzanne

But that’s why you want to be there
And she feeds you tea and oranges
That come all the way from China
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Vom Main zum Mekong

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