Sonntag, 26. Nov.2023. Espargos

Abreisetag. Fast. Montag Nacht 1.05 Uhr geht es los. Also heute packen. In die Tasche was ich die restlichen Tage noch brauche, in den Rucksack was erst wieder zuhause in die Hand genommen werden muss.

Nochmal ein tolles Frühstück von Candida. Mit Bananenkuchen. Köstlich. Ein Schweizer Paar ist angekommen. Wir diskutieren in welchem unser beiden Länder es sich besser / schlechter leben lässt. Klagen auf hohem Niveau.

Den Tag über ein wenig Terrasse, Vorschlafen. Im Flieger klappt das eh nie. Um halb elf Uhr Abschied von Candida. Martin fährt mich zum Airport. Ich bin noch früh dran. Der Weg zum Gate ist kurz.

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Samstag, 25. Nov. 2023. Espargos

Vormittags Terrasse. Nach dem Mittagsschlaf geht es noch einmal nach Sal. Alleine mit dem Sammeltaxi. Es ist knallvoll wie immer.

Das Auto startet erst, wenn auch der letzte Platz besetzt ist. Das ist manchmal etwas nervig aber die Fahrt garantiert auch ein authentisches Erlebnis. Vor allem die Musikauswahl. Mit an Bord eine Schar Jungens. Vielleicht sind sie auf dem Weg zu einem Fußballspiel. Auf jeden Fall wollen sie Selfies mit. Und ich dann natürlich auch mit ihnen.

Bezahlt wird dann immer beim Aussteigen.

Angesagt ist noch ein kleiner Stadtbummel. So ein T-Shirt „No Stress“, das Lebensmotto hier, hätte ich gerne auch. Aber 30 bis 40 Euro sind zu viele, obwohl die Qualität des Stoffes gut ist.

Eins zwei Fotos. Danach Essen und wieder mit dem Sammeltaxi zurück.

In Espargos habe ich noch ein nettes Plätzchen „für ein Abschiedsbier“ entdeckt.

Zurück ins Hotel mit dem Taxi. Zwei Kilometer im Dunkeln übers Feld wollte ich dann doch nicht. Martin und Candida hatten sich schon Sorgen gemacht.

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Freitag, 24. Nov. 2023. Espargos

Morgens die übliche Routine: Lesen und Schreiben auf der Terrasse. Mittags fährt mich Martin zu den Salzlaken. Die Insel (klar wenn man sich Sal nennt) war berühmt für ihre Salzproduktion. Kleine flache Seen im Osten. Heute sind die Tümpel eine Touristenattraktion. Man kann sich wie im Toten Meer auf das Wasser legen. Soll hier sogar besser funktionieren, weil der Salzgehalt des Wassers höher ist.

Vom Parkplatzt aus ist noch die alte Seilbahn zu sehen mit der einst das „weiße Gold“ zu einem kleinen Hafen transportiert wurde.

Die Badegäste betreten das Areal durch einen kleinen Tunnel. Der Weg hinab über das Pflaster ist etwas mühsam.

Unten darf / soll man sich mit Schlamm einreiben. Und dann beginnt das zweifelhafte Vergnügen. Zweifelhaft, weil es doch sehr schwierig ist, sich von der Vertikalen in die Horizontale zu bewegen. Besonders dann wenn man wie ich die Crocks anbehalten hat, die den Beinen zusätzlichen Auftrieb geben. Aber ist es geschafft, ist das Gefühl ein angenehmes. Allerdings nicht zu lange. Denn hier sprudeln Schwefeldämpfe aus dem Boden. Richtzeit: Maximal eine halbe Stunde.

Ja und dann das Heraussteigen. Dafür stehen für so Couch-Potatoes -wie ich einer bin- kräftige Männer bereit. Das üble ist wirklich, dass es fast unmöglich ist, die Füße mit den Crocks fünfzig Zentimeter tiefer auf den Boden zu stellen. Alleine hätte ich das nie geschafft. Es muss von draußen unheimlich lustig gewirkt haben. Wenn da jemand ein Video gedreht und uf Facebook gestellt hat. Eine Million Klicks garantiert für den Depp des Monats.

Zurückgeht es mit dem Sammeltaxi. Dauert eine Weile bis ein Wagen kommt. Aber irgendwie klappt das immer. Habe Glück: in dem Wagen sitzt schon ein französisches Paar und der Fahrer hält auf Zuruf an für ein Foto.

Die alte Verladeanlage

Der alte Hafen.

Abendessen mit Martin und Candida

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Donnerstag, 23. November 2023. Espargos

Lesen, Schreiben. Das Buch über die Geschichte des Mittelalters fasziniert mich. Mittags ein wenig schlafen. Martin und Candida haben mich zu einem Abendessen in Sal eingeladen. Er fährt einen riesigen Pick-Up. Braucht man hier aber auch um Haus und Hof zu versorgen.

Nach Sal sind es ungefähr zehn Kilometer. Ein Badeort, überschaubar obwohl er der meistbesuchte Fleck auf der Insel ist. Die Bebauung ist immer noch sehr dezent. Da gibt es schlimmere Beispiele aus Spanien oder Italien. TUI ist hier wohl stark engagiert.

Zum Sonnenuntergang sind viele Menschen an den Bootssteg gekommen. Ist halt immer romantisch wenn die Sonne im Meer versinkt. Gleich ob in Capri oder auf Espargos.

Nebenan das Restaurant. Tolles Ambiente auf einer nen Terrasse am Meer. Der Pina Colada gut gemixt.

Ich entscheide mich für einen Reistopf mit Fisch. OK. Aber man hätte auch mehr Raffinesse erwarten können an so einem Ort. Aber der Cocktail war klasse.

Anschließend zum Supermarkt.

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Mittwoch, 22. November 2023. Espargos

Heute Nacht war es mit meiner Bronchitis ein wenig besser. Der Husten ist nicht mehr so aggressiv. Martin hat mein Tablet wieder zum Laufen gebracht. Es war wohl nicht leicht mit der Reparatur. Die Maschine musste auf „Null“ gesetzt werden und dann hat er eine komplett neue Software aufgespielt.

Mich zieht es nach dem Frühstück in nach Espargos. Es ist die Inselhauptstadt. Wir würden sagen: ein Dorf. Die Hitze macht mir schon zu schaffen. Klar. Ich bin noch schwach von der Bronchitis. Ein Glück, dass ich mich entschieden habe, Mauretanien zu verlassen. Keine Ahnung wie ich das dort auf die Reihe bekommen hätte.

Die Kleine Schweiz: eher eine Eiger Nordwand. Ab so wird auch in der Nachbarschaft gebaut.

„Die kleine Schweiz“ steht etwas entfernt vom Dorfrand. Candida empfiehlt mir einen kleinen Umweg, um das Dornengebüsch zu meiden. Im Prinzip ist die Umgebung eine riesige Sandinsel. Irgendwie schaffe ich es bis ins Zentrum. Es geht ziemlich bergauf.

Oben ist eine Markthalle. Dazu einige Geschäfte. Ich setze mich in ein Cafe. Überdachte Terrasse. Cola ist angesagt. Seitdem ich gesehen habe wie sie in Mauretanien Wasser in Flaschen gefüllt und in die Regale gestellt haben, ist mir die Lust auf Wasser vergangen. Zugegeben: Jetzt werde ich ungerecht.

Eins zwei Fotos. Zurück zum Lesen und ausruhen. Abends dann wieder ein vorzügliches Menü genießen.

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Dienstag, 21. November 2023. Espargos

Die Bronchitis ist immer noch heftig. Ich habe die ganze Nacht gehustet. Auch heute ist mehr wie Terrasse nicht drin. Das Schöne hier ist: Gastgeber und Gäste sitzen hier beim Frühstück zusammen, plaudern. Heute lerne ich ein Schweizer Paar aus Adelboden kenne.

Mittags lesen. Ich habe als Sachbuch auf meinem Torlino ein Buch über das Mittelalter. Eine Epoche mit der ich mich bislang kaum beschäftigt habe. Ein sehr lehrreiches Werk. Viele Entwicklungen erinnern an heute. Die Folgen von Klimawandel auf Wohlstand und Fortbestrand von Völkern. Abends wieder ein tolles Essen. Candida ist eine Portugiesin aus Angola, die sehr lange in der Schweiz lebte und heute noch für einige Monate im Jahr dort in der Altenpflege arbeitet. Ihre afrikanischen Wurzeln zeigen sich bei ihren Kochkünsten.

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Montag, 20. Januar 2023. Espargos

Meine Bronchitis ist heftig geworden. Candida hat zum Glück in der Schweiz als Krankenschwester gearbeitet. Gut für den Notfall. Zum Glück habe ich ein schwaches Antibiotikum dabei. Hat schon drei Urlaube überlebt. Aber jetzt brauche ich es. Den Tag über liege ich auf der Terrasse in der Sonne und huste so vor mich hin.

Abends dann ein wunderbares Essen.

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Sonntag, 19. Nov. 2023. Nouakchott – Kapverden

Punk vier Uhr stehe ich in der Lobby. Zwei ankommende Franzosen warten ratlos vor der Rezeption. Der Portier ist nicht auffindbar. Mit Hilfe des Nachtwächters entdecken wir ihn schlafend in einer Ecke im Restaurant. Jetzt dauert es, denn erst müssen die Nachbarn aus Frankreich einchecken bevor bin ich dran bin. Habe gestern alles bezahlt. Und auch der Transfer zum Airport ist da. Ein richtig komfortabler Toyota.

Unterwegs ein kurzer Schreckmoment. Der Fahrer biegt in die Gegenrichtung ab in ein Slum. „Don´t worry“, er holt weitere Passagiere ab. Es dauert ein wenig bis diese aus ihrer Wohnung kommen aber dann geht es direkt zum Airport, der bestimmt zwanzig Kilometer außerhalb liegt. Am Checkpoint kennt einer der anderen Fahrgäste den Polizisten. Ein Plausch, kein Stress mit dem Pass und keine Fragen zum „woher“ und „wohin“.

Am Airport ist zwar eine Tür unter dem Schild „Departure“ geöffnet. Aber ich werde gleich wieder vertrieben. Noch sei alles verschlossen.

Ich gedulde mich auf einer Parkbank. Da nur wenige Menschen so früh am Flughafen sind, geht alles einigermaßen flott. Mein Gepäck wird bis zu den Kapverden durchgecheckt aber ich muss mir in Dakar eine neue Boarding-Karte am Schalter ziehen. Die Maschine düst über Dakar nach Mali, zur Elfenbeinküste und dann bis Conakry. Air Mauretania. Leider darf ich kein Foto vom Jet, ein etwas betagter Airbus, machen. Hier herrscht Hochsicherheit. 45 Minuten bis Dakar, ein total ruhiger Hupfer.

In Dakar möchte ich den Transitbereich nicht verlassen. Ich bin nicht gegen Gelbfieber geimpft. Und die Einreise in die Kapverden ist nur erlaubt, wenn ich hier im klimatisierten Flughafen bleibe.

Denkste. Am Tor zum Transitbereich steht niemand. Ein Wächter bedeutet mir, dass ich durch die Passkontrolle raus müsse. Also Stempel Senegal in den Pass und ich stehe am Ausgang. Wenn schon denn schon denke ich. Da kann ich auch eine Stadtrundfahrt machen. Der Trip scheitert aber an den astronomischen Forderungen der Taxi-Fahrer. Zurück in die Halle zu einen Thunfisch-Brötchen und einem Kaffee. Zusammen zehn Euro. Flughafenpreise sind international. Zeit mit Lesen vertreiben.

Gegen 12 Uhr stelle ich mich in der Check-in-Zone von Air Senegal an. Mir wird bedeutet, ich müsse noch zwei Stunden warten. Aber diesen Bereich verlassen kann ich auch nicht mehr. Endlich gegen 14 Uhr darf meine Boarding-Karte abholen. Mein Gepäck liegt ja irgendwo hier in einem Lager. Hoffentlich. Zoll. Ausreise. Stempel und zu den Gates.

Ich glaube es kaum. Hier gibt es Bier. Dazu bestelle ich mir ein Tuna-Sandwich. Der Nachmittag vergeht mit lesen. Der Flieger hat 90 Minuten Verspätung. Endlich um sieben Uhr heben wir ab. Rund eine Stunde bis zu den Kapverden.

Dort liegt erstmal ein langer Weg vor mir: Vom Flieger zur Ankunftshalle. Zweimal wird der Pass auf dem Vorfeld überprüft. Klar. Angst vor illegalen Einreisen. Beim zweiten Mal wird es für mich ernst. Wo denn meine Geldfieber-Impfung sei, fragt mich die Dame in Uniform. Zum Glück habe ich auf die Stadtrundfahrt in Dakar verzichtet. Mit meinem ganzen Offenbacher Hinterhof Charme versichere ich ihr, den Airport von Dakar nicht verlassen zu haben. Sie schaut mich zweifelnd an, lässt mich aber passieren.

Martin und Candida, die Eigentümer meines B&B, holen mich ab. Es sind nur wenige Minuten Fahrt und mich erwartet ein kleines Refugium. Beide haben sich hier ihren Traum verwirklicht. Das Haus verbindet Schweizer Qualitätsstandards mit kapverdischer Lebensart. Das Abendessen einfach aber es schmeckt. Die Zimmer mit tollem Bad und was man so braucht. Alles gut. Ich schlafe zufrieden ein.

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Samstag, 18. November 2023. Nouakchott

Gestern Abend habe ich beschlossen, den Aufenthalt in Mauretanien zu begrenzen. Es ist für die Jahreszeit ungewöhnlich heiß. 34 Grad schränken den Radius in meinem Alter deutlich ein. Und das Land bietet auch nicht viel. Jedenfalls in den Städten. In der Wüste soll es viele Orte geben, die einen Besuch lohnen. Aber seit die Situation in Mali eskaliert, wird vor Reisen in den Osten von Mauretanien gewarnt. Es gibt ein Entführungsrisiko. Und abends in die Tagesschau mag ich auch nicht. Außerdem habe ich eine heftige Bronchitis. Ziemlich eitrig. Es gibt zwei Flüge Richtung Sal auf den Kapverden. Sonntag und Mittwoch. Ich bekomme noch einen Platz für den nächsten Tag. Dort buche ich in einem Refugium, das sich „kleine Schweiz“ nennt. Ein Ort, um mich auszukurieren. Martin, der Besitzer, ruft mich auch sofort an, um die Buchung zu bestätigen. Und wie sich „Oh Happy Day“ herausstellt: er ist Informatiker und kann meinem Netbook wieder Leben einhauchen.

Auf dem Programm heute steht Stadtrundgang. Nouakchott ist eine künstliche Kapitale. In den 1950er Jahre ein Dorf mit wenigen hundert Einwohnern hat die Stadt heute die Millionengrenze überschritten. Nouakchott liegt am Schnittpunkt verschiedener Stammesgrenzen. Das war wohl ein Grund für ihre Wahl als Regierungssitz. Also: keine besonderen Sehenswürdigkeiten. Mein Ziel das Nationalmuseum. Ich habe mir Google maps offline geladen. Blöd bloß, dass das Haus auf dieser Version nicht verzeichnet ist.

Erster „Programmpunkt“: die Deutsche Botschaft. Zwangsläufig, da der Weg in die Stadt an ihr vorbeiführt. Samstagsruhe. Das Areal ist riesig. Ein wenig schäme ich mich für den Schaukasten. Das jüngste Plakat: eine Veranstaltung im letzten Mai. Der Rest der Poster uralt und von der Sonne gebleicht. Positive Imagewerbung für unser Land ist das nicht.

Wenig weiter passiere ich eine riesige Moschee. Ein riesiges Gotteshaus, von den Saudis den Mauretaniern geschenkt. Irgendwie ist das auch blöd. Unsere Entwicklungshilfe kümmert sich um Brunnen, Landwirtschaft, Bildung, Aufbau von Industrien oder Gewerbe während aus dem Nahen Osten die unbegrenzten Ölmilliarden in das Seelenheil investiert werden, in Moscheen in denen uns nicht nur Lobpreisungen gewidmet werden.

An der Hauptstraße treffe ich auf viele Stände. Nichts was ich gebrauchen könnte aber es macht Spaß sich hier treiben zu lassen. Es wird buchstäblich alles recycelt. Das war mir schon vor dem Hotel aufgefallen. Da stehen Menschen mit Säcken voller Wäsche. Unterhosen, Joggingkleidung, Hemden, Strümpfen. Es wird gekauft. Hier gibt es eine Zeile mit Handyzubehör. Gebrauchte Deckel, Ladekabel, Tasten. Irgendwas geht immer.

Nach einigem Fragen finde ich das Nationalmuseum. Riesige Bannern werben für eine Bücherschau an diesem Wochenende. Aber leider ist das Haus zu. Entgegen der Ankündigung im Internet.

Naja noch ein wenig treiben lassen.

Irgendwann finde ich ein kleines Cafe. Cola und Espresso. Cola mit Strohhalm. Auch wenn die Trinkhilfe bei uns verpönt ist, hier ist ein Strohhalm Pflicht. Aus einem Glas trinken geht nicht wegen Wassermangel beim Spülen und aus der Dosen, die oft von Fliegen übersät sind, mag niemand direkt an die Lippen führen. Ein Beispiel, dass wir unsere Maßstäbe nicht überall zur Norm machen sollten.

Das kleine Cafe ist ein guter Ort, Menschen zu beobachten. Männer, die auf dem Kopf Bleche mit Brot balancieren, Frauen in prächtigen farbigen Gewändern, fliegende Händler mit ihren Karren.

Wer sein Auto liebt, schiebt

Nach einem Mittagsschlaf, bei dieser Hitze Pflicht, marschiere ich abends nochmal in die andere Richtung, Richtung Vorstadt. Nach einer kurzen Wegstrecke vorbei an kleinen Villen wieder der übliche Driss.

Ich kaufe ein paar Kekse für das Nachtmahl und dazu etwas O-Saft. Im Hotel Transfer zum Flughafen bestellt. Morgen um 4 Uhr früh. Der Jet geht um 7 Uhr. Eine Stunde bis Dakar im Senegal und dann neun Stunden warten auf den Anschluss Richtung Kapverden. Also früh schlafen.

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Freitag, 17. Nov. 2023: Nouadhibou nach Nouakchott

Ich habe es geahnt. Pünktlich um 6.15 Uhr morgens stehe ich in der leeren Hotellobby. Kein Taxi weit und breit. 6.15 Uhr wurde mir als letzter Zeitpunkt genannt, um die Busstation zu erreichen. Der Nachtportier ist ein etwa achtzehnjähriger Bub, den ich mühsam wecke. Wenigstens spricht er ziemlich gut Englisch aber helfen könne er auch nichts: die Kollegin komme erst um acht Uhr. Super. Ich fange an Druck zu machen. Will seinen Chef. Den anzurufen traut er sich nicht. Er versucht es bei Kollegen, ohne Erfolg. Beim Taxi Unternehmen nimmt niemand ab. Er versucht an der Straße einen Wagen anzuhalten. Klappt auch nicht. Irgendwann gegen zwanzig vor sieben erreicht er einen Verwandten mit Auto, der soll mich abholen. Zum Glück ist auf dem Ticket gerade noch so der Name der Busstation ablesbar. Jedes Unternehmen hat hier seinen eigenen Hof. Wo der meines Transporteurs genau ist, weiß er auch nicht: aber dafür hat Google „Maps“ erfunden.

Kurz nach sieben sind wir da. Zum Glück läuft der Betrieb auch hier erst an. Noch stehen die Wagen auf dem Areal, das mit hohen Mauern begrenzt wird. Das Unternehmen sei das Beste hat man mir versichert. Jedenfalls ist das Buschtaxi klimatisiert.

In einer Art Becken, das mit Teppichen ausgekleidet und mit Kissen bestückt ist, haben wohl einige Fahrgäste genächtigt. Ich registriere mich mit meinem Pass und behalte das Gepäck immer schön im Auge. Draußen werden nicht nur die Koffer und Taschen der Mitreisenden aufs Dach verladen sondern auch viele Pakete. Die Van’s sind wohl auch so eine Art DHL. Ich setze mich raus mit Blick auf meinen Rucksack. Nicht wieder, dass er auf dem falschen Wagen landet.

So langsam kommt Bewegung in die Sache. Mein Minibus ist der links und der Rucksack findet das richtige Dach.

Ich habe einen Einzelsitz. Zum Glück ist der Wagen nicht voll besetzt. Von den 14 Plätzen bleiben vier frei. Gleich zu Beginn sammle ich bei meiner Nachbarin Bonuspunkte. Jeder erhält eine kleine Lunchbox und ich schenke ihr meine Milch. Dafür füttert sie mich für den Rest der Fahrt mit Keksen. Wieder begegnet uns zu Beginn der Fahrt ein Zug. Aber keine Chance auf ein Foto.

Links und rechts Wüste. Den ganzen Tag lang

Sechs bis sieben Stunden soll die Fahrt dauern. Zu Anfang passieren wir viele Checkpoints. Zoll, Polizei, Militär, Geheimdienst: manche Kontrollpunkte sind im Abstand von 500 Metern aufgebaut. Je nach Bedeutung der Truppe ein klimatisierter Container oder eine vergammelte Hütte. Heute ist Freitag, also im Islam Feiertag. Die Jungs haben keine Lust auf Pässe. Unser Fahrer kennt eh alle. Ein Scherzlein, ein Blick in den Wagen, weiter geht es.

Die Nationalstraße, die wir nutzen, ist der einzige geteerte Weg im ganzen Land. Links Sand, rechts Sand und oft arbeiten auch Raupen, um Verwehungen von der Straße zu schaufeln. Selten nur passieren wie eine kleine Ortschaft. Ein paar Hütten, eine Moschee. Was auffällt: Wir fahren hunderte Kilometer die Küste entlang: Ganz wenige Windräder, obwohl es vom Meer her bläst und noch weniger Sonnenkollektoren, obwohl die Sonne hier unbegrenzt Energie frei Haus liefert.

Irgendwann ist Mittagspause. Eine Art Rasthof. Hier sammeln sich die Vans und Busse aus beiden Richtungen. Einige Bars und Geschäfte nebeneinander. Keine Tür ist einladend. Das Wasser wird aus der Leitung in die Flaschen gefüllt wie ich im Vorbeigehen sehe. Zum Glück habe ich ausreichend Vorrat dabei. Ich treffe die beiden Franzosen wieder. Auch sie haben in Nouadhibou übernachtet, um das Meeresforschungsinstitut zu besuchen. Schade. Hatte ich nichts von gelesen. Hätte mich auch interessiert.

Ich knips noch ein paar Zicklein. Und dann geht der Desert Trip weiter. Dessert Trip wäre jetzt das Richtige. Irgendwann drei Stunden später sind wir in Nouakchott.

Erst mal abladen. Ich lasse mich auch von der Schar der Männer nicht beirren, die an mir von allen Seiten ziehen, um mich in ein Taxi zu lotsen. Rucksack umschnallen und die Straßenseite wechseln nutzt nix. Alle Animateure folgen mir. Ich halte ein Taxi am Straßenrand an und zeige dem Fahrer die Adresse meines Hotels auf dem Handy. Klar kennt der Fahrer das Haus. Sagt er jedenfalls. Kleine Diskussion noch zwischen dem Chaffeur und einem der Koperer, der wohl behauptet, er habe mich vermittelt. Ein kleiner Schein wechselt den Besitzer. Aber wenigstens nennt mir der „Agent“ einen verbindlichen Preis. Zu teuer. Logisch. Aber immer noch unter dem Einzelfahrschein Offenbach beim rmv. Nix worüber Aufregung lohnt.

Der Wagen hat sicher schon zweimal die Autoverwertung Fröhlich bei uns in Offenbach durchlaufen. Innen fehlt eigentlich alles, außer Kupplung, Gashebel, Schaltung, Lenkrad und Sitze. Ob das Auto Bremsen hat? „Ma waas es net“, sagen wir in Offenbach. Der Chauffeure weiß natürlich nicht wo mein Hotel ist. Hier gefragt, dort die Adresse gezeigt. Irgendwann haben wir Erfolg.

Das Haus macht einen vernünftigen Eindruck. Weit weg von den 5 Sternen, die es sich selbst zumisst aber gute drei Sterne bei uns, zum Preis eines einfachen Hostels. Der Mensch an der Rezeption spricht Englisch. Der Check-In dauert. Formalitäten zählen hier. Das Zimmer ist sauber. Alles guit.

Ich wohne hier offenbar in einem besserer Viertel. Nebenan der Präsidentenpalast, viele Regierungsgebäude und die Deutsche Botschaft. Abends finde ich dank Google Maps in einer Seitenstraße ein hochgelobtes afrikanisches Restaurant. Das ist überhaupt nicht einfach, denn Gasthöfe mit guter Küche hängen kein Schild raus. Auch hier muss ich erst durch die Backstube eines Pizza-Services, um den wunderhübschen Garten des Restaurants zu betreten. Ich finde den Weg nur, weil zwei Franzosen vor mir auch auf der Suche sind und sich durchfragen. Leider werden wir alle enttäuscht. Ausgebucht für heute Abend. Ich schaue voll Wehmut auf die vollen Biergläser auf den Tischen.

Mangels Alternativen zurück in das Hotelrestaurant. Essen war ok. Lizenz für Alkohol: Fehlanzeige.

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