Dumm gelaufen. Eigentlich sollte ja in der Überschrift „Xian“ nicht alleine stehen sondern von Xian nach Qingdao. Rechtzeitig aufgewacht. Gepackt ist fast alles. Um 7.30 Uhr Abmarsch. Der Zug soll gegen halb zehn fahren. 10 Minuten mit Rucksack zur Metro, 40 Minuten bis zur Station für die High Speed Züge in den Norden der Stadt, dabei einmal Umsteigen: eine Stunde vor Einchecken dort sein. Klingt einfach, ist es auch. Bis zur Einlasskontrolle: Dort wo Ausländer ihren Pass statt dem Ticket präsentieren müssen. Der Mensch in der Box gibt meine Passnummer ein. Die Maschine schüttelt mit dem Kopf. Zweiter Versuch, gleiches Ergebnis. Wo denn mein Ticket ist. Ich überreiche es ihm. Er grinst: Abfahrt ist nicht heute sondern morgen: 27. Oktober. Ich versinke ungespitzt vor Scham in den Boden. Mir ist mein Fehler auch sofort klar. Ich hatte für heute keinen Platz mehr bekommen, wahrscheinlich weil Montag ist und halt den nächsten Tag den Dienstag gebucht. Vor drei Wochen war es. Das Hotel wollte ich vor Ort verlängern, habe das aber verdrängt. Und im Ibis haben sie mich begrüßt „Three nights“ ?. Und ich sage „yes“ ohne nachzudenken. Und heute morgen waren die drei Nächte um.
Aber nix passiert. Meine Hotelreservierung in Qingdao gilt erst ab morgen. Was tun? Zum Ibis zurück und morgen wieder 40 Minuten Metro. Keine Lust. Auf meiner Google Maps sind die Metro-Stationen nicht eingezeichnet. Das kann blöd werden wenn ich mich morgens mit Rucksack eine halbe Stunde zur Station schleppen muss. Also auf Booking Hotels in Bahnhofsnähe anschauen und Rezensionen lesen. Beim dritten Hotelklappt es: Holiday Inn soll direkt an der Metro liegen und 30 Euro die Nacht ist ein Schnäppchen. Mit Frühstück. Also drei Klicks. Hotel gebucht.
Zurück in den Untergrund. Draußen regnet es heftig. Es macht also auch keinen Sinn 500 Meter hier zum nächsten Hotel zu laufen. Drei Stationen Metro. Ich wähle fast den richtigen Ausgang aber es auch fast 500 Meter aber meist überdacht. Es ist ein Business District mit riesigen Bürotürmen. Holiday Inn hat seinen eigenen Aufzug. Den muss man erst finden. Aber dann geht alles ganz schnell. Early Check Inn ohne Aufpreis. Kleines aber richtig schnuckeliges Zimmer mit Schreibtisch und Couch, ein super Bett. Alles wird gut.
Nachmittags finde ich dann den kürzesten Weg zur Metro. Ab in die Innenstadt. Dann ein wenig schlendern. Dann komme ich doch noch in die bekannte Muslim Street. Die Tage zuvor hatte ich den Besuch nach hinten geschoben. Halal und kein Alkohol: das habe ich in Offenbach auch. Die Besonderheit hier: Mopeds und Fahrräder dürfen in den engen Gassen der Fußgängerzone fahren. Deren Menge hat dank der Lieferdienste für Speis und Trank stark zugenommen. Und das schlimmste: Man hört sie Dank Elektro nicht mehr. Die Begegnungen zwischen Mensch und Rad sind manchmal dramatisch, zumal die Hälfte der Besucher und Fahrer ununterbrochen aufs Handy schaut. Ich lasse mich treiben. Schaue in die Kochtöpfe die meist auf einem Herd vor dem Lokal stehen und versuche zu erahnen, was die Menschen auf dem Teller haben.
Irgendwann werde ich mutig. Unter einem Vordach bruzzelt die Brühe in mindestens 20 Schalen. Jede Portion wird individuell zubereitet. Der Küchenmeister mixt aus vielen Schüsseln mit Fleisch, Gemüse, Eiern, Kräutern und Gewürzen. Der Laden ist voll. Ich setze mich an einen schmalen Tisch irgendwo dazu. Die Speisekarte gibt es auf Englisch. Ich bestelle eine Beef Casserole. Meine Riesenschale mit der Brühe wird mit mindestes zehn großen Stücken Fleisch serviert. In dem Sud schwimmen viele andere Zutaten von denen ich nichts weiß und über die ich auch nicht unbedingt genau was wissen will. Es mundet köstlich. Ständig werden auf der Zunge andere Geschmacksnerven angesprochen. Mit Cola kostet die Portion ungefähr sechs Euro. Anschließend auf der Terrasse eines Cafés ein wenig süß und einen Kaffee.
Langsam bummele ich zurück zur S-Bahn und freue mich auf mein Zimmer