Sonntag, 15. März 2026

Bariloche

Weiter geht es. Frühstück, packen, auschecken. Ich kann mein Gepäck in der Lobby stehen lassen. Ein wenig links und rechts durch die Stadt. Mist den Magnet für den Kühlschrank habe ich vergessen. Zurück im Hotel, lesen. Cathryn Clüver Ashbrooks „Der amerikanische Weckruf“ fesselt mich seit Tagen und ihre Erzählung macht mir Angst. Sie seziert quasi wie in Amerika die Konservativen das Land sturmreif schießen.

Kurz nach zwei geht es mit dem Taxi zum Bahnhof. Die Droschke kostet hier weniger als ein rmv-Ticket. Die Tarife sind wohl limitiert und im Verhältnis zum Preis einer Cola oder einem Snack grotesk verzerrt. Ich frage mich immer wovon die Fahrer leben wenn sie mich für fünf Euro eine Viertelstunde fahren. Auto und Benzin müssen ja dazugerechnet werden. Am Bahnhof warten erst wenige Passagiere. Einer von ihnen scheint wie ich ein Eisenbahn Fan zu sein. Wir knipsen uns gegenseitig.

Lange nach vier beginnt das Rangieren. Der Güterwagen wird abgeholt. Dito der Wagen der drei Autos von Urlaubern befördert die sich nicht der Strapaze einer Fahrt ins Tal unterziehen möchten.

Irgendwann kommt dann auch unser Zug.

Er ist bis zum letzten Platz ausgebucht. Ihn im Internet zu buchen, war ein Kampf. die Plätze werden erst kurzfristig frei geschaltet. Einige Angaben wie die Telefonnummer müssen in einem speziellen Format eingegeben werden. Mastercard geht nicht, nur Visa. Das zu verstehen brauchte ich zwei Stunden. Was mich ärgert. Es gibt ausreichend Kapazitäten im Schlafwagen, nur werden die auf der Buchungsmaske nicht angezeigt.

An der Tür Gedränge. Die Plätze werden zugewiesen. Drinnen muss sich erst mal alles, inklusive Gepäck, sortieren.

Ein wenig Pech habe ich mit meinem Wagen. Irgendein Frauenclub kehrt vom Ausflug zurück. Ich habe es früher immer schon gehasst wenn ich beruflich nach Berlin oder Hamburg musste und in meinem Wagen die schwäbischen Landfrauen reserviert hatten und um 8.10 Uhr den ersten Piccolo köpften. So ungefähr war die Lautstärke für die nächsten Stunden.

Punkt 17 Uhr winkt der Schaffner mit der Grünen Fahne. Abfahrt. Ich habe einen Fensterplatz. Das Panorama ist spektakulär. Eine karge Hochebene, manchmal von einem kleinen Fluss unterbrochen. Eingerahmt von Bergen und schneebedeckten Gipfeln.

Ab und zu ein Gebäude oder eine kleine Farm

Meine Sitznachbarin macht mich immer mal auf Lamas aufmerksam, die ich vor der der Landschaft braun in braun niemals selbst erkannt hätte.

Ab und zu ein kleiner Wasserturm oder ein Bahnhof

Für viele hier ist der Zug, der eigentlich nur für die Touristen fährt, eine Möglichkeit, Kontakt mit der Außenwelt zu halten.

Allmählich wird es dunkel. Gestern kein Abendessen. Mich zieht es in den Speisewagen. Ich bestelle mit Nudeln mit einer Soße die mir die argentinische Mitropa-Chefin empfiehlt. Mich hätte ja schon misstrauisch machen müssen dass die Soße doppelt so teuer wie die Nudeln ist.

Der Wein in kleinen Flaschen ist leider aus (ich vermute mal die Ladies in meinem Waggon) also Boer dazu. Und dann wird aufgefahren. Nix Convenience, nix Microwelle: alles wird in der Küche des Speisewagens frisch zubereitet. Die Portion ist riesig. Ich schaffe vielleicht 60 Prozent und jede einzelne Gabel schmeckt. Zu den Nudeln gibt es richtig viel Fleisch in einer perfekt abgestimmten Tunke. Via Translator lobe ich Küche und Köchin, aber mehr wie zwei Drittel schafft auch ein Offenbacher nicht.

Ach so. Es ist ja auch Wahltag in den Kommunen in Hessen. Via Whats App verfolge ich die Ergebnisse und bin ab und zu mit Offenbach in Kontakt. Super gelaufen dort. Mühlheim dagegen die Katastrophe.

Zufrieden lese ich noch ein wenig und schlafe relativ gut durch,

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