Bariloche
Ein wenig in den Tag leben. Man wird älter. Morgen geht es 17 plus Stunden von den Anden bis zum Süd Atlantik. Keine Ahnung was mich im Patagonien-Express erwartet. Morgens das Frühstück ein wenig zelebriert. Es ist halt ein Haus in einem Gebiet das im Winter und im Sommer ein Hot Spot ist. Die Leute sind eine Woche hier und werden routiniert durchgeschleust. Man erwartet keine High-Lights. ist aber auch nicht frustriert. Im Prinzip funktioniert die Stadt wie jeder Ferienort in den Alpen. Restaurants um die Hotels: von der Pommesbude bis zum Sterne-Tempel, Büros die Touren organisieren. Im Angebot sind Kajak-Touren, Trekking, Wandern zu Gletschern und verwunschenen Seen. Und dann all das Zeug das andere Gäste vertreibt. Quad Fahren, Mountain Bike, Hubschrauber Touren und so weiter.
Mittags marschiere ich dann den See entlang Richtung Bahnhof. Laut Google etwa drei Kilometer. Checken wie das morgen laufen könnte. Regen droht, deshalb finde ich nicht die Muse in eines der Cafés auf einen Cappuccino einzukehren. Irgendwann beginnt das Seebad (oder ist es ein Skiort?) seine Glanz zu verlieren. Halb verfallene Hotels zeugen von der Pracht im vergangenen Jahrhundert. Fassaden von denen die Farbe abblättert, Dächer auf denen Ziegel fehlen. Die Gegend wird rauer. Auf der Hinfahrt im Taxi vom Busbahnhof ist mir der Wandel nicht so aufgefallen.

Auf dem Abstellgleis hinten steht mein Patagonien-Express. Der Triebwagen im Vordergrund befördert einmal in der Woche Gäste zwei Stunden weit in die Berge zu einem Dinner im Zug.

Der Bahnhof hat sich die Würde vergangener Tage bewahrt, für den einen Tag in der Woche, wenn der Patagonien-Express kurz für Leben sorgt. Kein Vergleich mit den Zeiten als er die einzige Verbindung für die Menschen hier oben zur Außenwelt war. Die meisten Gleise sind verwaist….

… aus dem Güterwagen, der mit dem Patagonien-Express angekommen ist, werden Boxspring-Matratzen ausgeladen. Ich hoffe mein Hotel wird auch beliefert.

So mag die Schalterhalle schon vor 100 Jahren ausgesehen haben. Ein Zug aber drei Leute hinter dem Schalter von morgens acht bis abends um sechs. Die Tickets werden fast ausschließlich über Internet verkauft und sind innerhalb von Stunden vergriffen. Mit Matthias Schulze hatte ich mich über den Arbeitsmarkt hier ausgetauscht. Er hat dazu veröffentlicht, beschrieben wie der informelle Sektor wächst aber gleichzeitig die Leute die einen festen Job haben, stark abgesichert sind, auch wenn die Grundlagen für ihre Arbeit ganz oder teilweise entfallen. Aber eines muss man Patagonia tren lassen: es ist tiptop sauber. Und der Bahnhof hat ein super schnelles Wlan in 5g. Und im Gegensatz zum Stadtbüro, wo auch jemand den ganzen Tag Zeit hat sein Handy zu quälen, wissen die hier super Bescheid. Ich soll um 15.30 Uhr hier sein. Um 16 Uhr fahre der Zug. Das ist jetzt die dritte Abfahrzeit die mir genannt wird.

In einigen Vitrinen erinnern Schaustücke an den Betrieb vor vielen Jahrzehnten.
Regen droht. Ich möchte so schnell wie möglich mit dem Bus zurück. Geht nicht. Ich habe kein Plastikkärtchen. Zahlen beim Fahrer ist nicht möglich. Also geht es per Taxi ins Hotel.
Abends schüttet es. Ich traue mich noch nicht mal auf die 150 Meter zum Italiener nebenan. Lesen und hungrig ins Bett.