Von Bariloche nach Bahia Blanca
Beim Aufwachen ist es gespenstisch ruhig im Wagen. Bis auf zwei Pärchen sind alle ausgeflogen. Auch der Mädels-Geselligkeitsverein ist verschwunden. Sie warten vor dem Bahnhof auf den Bus. Ich google ein wenig. Wahrscheinlich wäre es intelligenter gewesen hier in San Antonio Oeste auf den Omnibus umzusteigen statt in Viedma wie von mir geplant. Anyway. Zu spät.

Der Zug wechselt die Richtung. Die Lok rangiert an das andere Ende. Zeit um sich die Beine zu vertreten.

Der Bahnhof wirkt ziemlich verlassen. Naja: ein Zug die Woche hin, einer zurück. Drei vier Güterwagen und jede Menge Personal.

Auf einem Abstellgleis einige verrostete Waggons. Offenbar wohnen hier Menschen.

Mit einiger Verspätung geht es weiter. In Viedma muss der Zug pünktlich sein sein damit ich den Bus mittags bis Bahia Blanca erreichen. Das würde mir dort alle Optionen für die Weiterreise am gleichen Tag offen halten. Der Speisewagen ist angenehm leer. Das Personal verschnauft. Gestern war der Teller übervoll. Heute bleibt er leer. Zwei Tee und ein Mini-Croissant.

Draußen Pampa. Die Gegend heißt hier wirklich so. Endlose Steppe, braun in braun. Ab und zu ein Wasserturm aus der Dampflokzeit. Hier und da ein Halt an einer verfallenen Station. Auf Google maps kann ich das Weiterkommen gut verfolgen. Es scheint zügig voranzugehen….bis 30 Kilometer vor der Endstation. Unser Zug verfällt ins Schritttempo. Wahrscheinlich hält das Gleis nicht mehr aus.

Mit circa 30 Minuten Verspätung kommen wir in Viedma an. Ein Bild vom Zug. Und dann raus auf den Bahnhofsvorplatz. Mit mir warten circa zehn Leute auf ein Taxi. Die Station liegt -wir würden sagen- in der Pampa. Mitten drin. In der Ferne ist die Stadt zu erahnen. Ein Mann versucht per Handy Taxen zu ordern. Nach 15 Minuten trifft die erste ein. Man sollte meinen, der Fahrer alarmiert jetzt alle seine Kollegen im Umkreis. Denkste. Er versucht uns nach und nach alleine abzuholen. Zum Glück gesellt sich irgendwann ein Auto dazu. Ich bin der letzte der nach einer Stunde in die Stadt, zum Busbahnhof mitgenommen wird.

Nächstes Problem: der Busbahnhof wird generalsaniert. Das Gebäude innen ist eine riesige Baustelle und Handwerker machen Krach. Keine Pizzabude im Umkreis von 300 Metern. Ich habe keine Lust weiter mit dem Gepäck zu laufen. Deponieren kann ich es hier auch nirgendwo. Es ist kurz vor zwei. Der nächste Bus nach Bahia Blanca fährt um sechs Uhr. Vier Stunden Fahrzeit. Wenigstens gibt es einen Kiosk vor dem Gebäude. Ich hol mir eine Cola und ein paar Kekse, finde eine Bank und zieh mir im Internet ein Ticket. Lesen ist angesagt. Der Bus ist pünktlich. Der Beifahrer hakt meinen Namen ab: wie der so schnell auf die Liste kommt. Fragezeichen. Auf meinem MP3 Player ist noch Saft. Die Sitze sind angenehm. Die restlichen Passagiere telefonieren nicht übermäßig. Nach einer eintönigen Fahrt kommen wir fast pünktlich an.

Das Hotel ist ein Volltreffer. Das Zimmer ist nicht besonders groß aber es ist alles da was man braucht. Und die Dusche gefällt mir richtig. So um 11 Uhr nachts frage ich den Jungen an der Rezeption wo man noch essen kann: es sind zwar 500 Meter Fußmarsch, aber absolute safe wie er versichert. Scheint auch so zu sein, denn draußen führen einige Frauen ihren Hund Gassi. Aber: es liegen auch jede Menge Obdachlose auf den Gehsteigen.
Das Lokal liegt am zentralen Platz der Stadt. Es entpuppt sich als Volltreffer, viele andere Optionen hätte es um diese Uhrzeit eh nicht mehr gegeben. Die Kellnerin spricht nur spanisch aber es gibt eine englische Speisekarte. Das Bild zeigt die kleinste mögliche Portion. Nebenan sitzt eine fünfköpfige Familie beim Mitternachts-Snack. Die haben normale Portionen, also ungefähr die Größe meiner Wochenration. Und die Putzen alles weg, auch die etwa zehnjährige Tochter. Ein Blick genügt. Von nichts kommt nichts.