Dienstag, 17. Februar 2026

Panama

Die frühe Möwe fängt das Schiff. Schon eine halbe Stunde bevor mein roter Doppeldecker abfährt, sitze ich auf dem Bank neben der Firmenzentrale, einem kleinen Kiosk. Frühstück war heute easy, die Gruppe ist wohl weiter gereist. Das Buffett ist schon reichhaltig. Das mit den exotischen Früchten gefällt mir aber ansonsten: viel Instant, viele Fertigprodukte. Nach den Runden die ich schon von gestern kenne, kommen wir an der Schleuse plus Besucherzentrum an. 17 Dollar Eintritt. Stolzer Preis. Der Kontrolleur am Einlass drängt zur Eile. Um 9 Uhr käme das letzte Schiff und dann gehe es erst gegen Abend mit dem schleusen weiter.

Mist. Und durch das Gebäude windet sich eine Schlange von vielleicht 100 Metern. Instinktiv wähle ich den mit Gittern markierten Weg daneben. Ich habe doppeltes Glück. Zum einen: Die hunderte von Menschen kommen von den Schleusenkammern zurück und warten auf den Einlass ins Kino. Und es gibt drei maritime Nachzügler. Ich kann in Ruhe beobachten wie so ein Kahn von Level 0 auf die nächste Stufe gehievt wird. Einer der riesigen Dampfer passt gerade so in die Kammer. Beide Seiten betrachten sich wechselseitig im Zoo. Die Crew auf dem Container-Frachter sieht möglicherweise nach zwei Wochen auf See das erste mal Land und Leute, wir die Gaffer können erleben wie es auf so einem Deck zugeht. Das andere Boot ist ein Kreuzfahrtschiff, das auf einer Art Bypass die Szenerie passiert.

Das Geschehen wird von einem Moderator kommentiert dessen Stimme und Tonfall stark an den Käpten erinnern, der in Hamburg die einfahrenden Schiffe begrüßt: Und jetzt ein 300.000 Tonnermit Ladung für Shanghai etc

Es ist jetzt angenehm leer auf der Besucherplattform. Man kann sich zurücklehnen, die Arbeiter beobachten die das riesige Pumpwerk für die nächste Runde präparieren. Das ist schon eine komplexe Maschinerie, die hier am Laufen gehalten wird mit all den Lokomotiven, Pollern, Ventilen. Die Gebäude rund um den Kanal gehorchen einer einheitlichen Ästhetik und Formsprache. Sowohl hier als auch die Verwaltung, das gigantische E-Werk sowie die Unterkünfte der Ingenieure, Techniker. und Arbeiter.

Ich mache mich auf zum Imax Kino. So richtig mit 3-D-Brille. Die Schlange hat sich aufgelöst, aber auch 20 Minuten warten sind in diesen Breiten trotz Klimaanlage nicht einfach. Aber die Steherei lohnt. Hollywood öffnet seinen breit gefächerten Werkzeugkasten. Opulent und eindrucksvoll schildert der Streifen die Geschichte der Landenge seit 1000 Jahren, also auch die Zeit bevor die Konquistadoren die Azteken noch nicht um Geld und Leben gebracht hatten. Schon bald nach der Landung machten sich die Spanier Gedanken mit welchen Wegen sie die Landenge schnell überwinden konnten, von Kutschen bis zur Eisenbahn. Mit dem Goldrausch in Kalifornien und der Globalisierung des Handels gewann der Kanalbau an Fahrt. Den ersten Versuch setzte Ferdinand de Lesseps, der schon den Suez-Kanal gebaut hatte, in den Sand bzw. hier in den Regenwald.

Das Land gehörte zu Beginn des 20.Jahrhunderts noch Kolumbien. Die USA, die ein Hauptinteresse an einem schnellen Seeweg zwischen dem Osten und Westen ihres Landes hatten, enteigneten mit ein wenig Krieg kurzerhand Kolumbien, gründeten die Republik Panama und schlossen mit einem französischen Ingenieur -warum der auch immer befugt war- einen Vertrag das eine 10-Meilen breite Zone links und rechts des Kanals US Territorium sei. So einfach ist Politik. Bis heute.

Jetzt noch die lustige Geschichte im Kino. In 3-D kann man auch Mosquitos durch den Zuschauerraum fliegen lassen. Auch ich habe nach den Viechern, die laut durch den Saal schwirrten geschlagen. Anschließend ist nochmal ein wenig Zeit für das Besucherdeck von hier kann ich die Straße einsehen auf der mein roter Bus kommen wird. Mit ihm will ich weiter auf eine Halbinsel, die ein beliebtes Naherholungsgebiet für die Panamesen ist. Gestern ist mir schon aus dem Bus ein Lokal aufgefallen in dem viele Einheimische gegessen haben. Das will ich heute testen.

Die Hop-on Hop-off Fahrzeuge in Panama sind die schlechtesten die ich auf dieser Welt genutzt habe. Annähernd schrottreif mit einer Tonanlage über die ich auch in Deutsch nichts verstanden hätte. Das Lokal jedenfalls erfüllte die Erwartungen voll. Nach hinten noch auf ein Strand, Pool etc. Ich bestelle Nudel mit irgendeiner Soße von hier.

Zurück geht es mit dem Stadtbus. Blöd. Passiere können sie nur mit einer Plastikkarte nutzen sonst funktioniert das Drehkreuz beim Fahrer nicht. Eine Frau hilft mir aus der Klemme und lässt mich für einen Dollar auf ihrem Ticket fahren. Win / win. Beim Umsteigen in die Metro finde ich einen Aufseher der mir die begehrte Plastikkarte am Automat zieht und auflädt.

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