
Frühstück: Einziger Kritikpunkt an dem Haus. Gut aber zu viel Süßfraktion.
Will meine Fahrkarte Richtung Marrakesch kaufen. Der Weg zum Bahnhof lässt sich mit einer Besichtigung des Jüdischen Viertels kombinieren. Genau die richtige Länge für einen Fußmarsch. So langsam finde ich mich in dem Gewirr der Gassen zurecht. Zumindest auf den Hauptwegen. Ich muss heute aber auch nur am Rand ein Stück durch die Altstadt laufen.
Erste Station ein Park. Jnan Sbil. Ich genieße im Schatten die Ruhe. Es ist eine sehr gepflegte Anlage mit einem kleinen See. Auffällig die vielen Jugendlichen am Vormittag. Die Jugend-Arbeitslosigkeit mag hoch sein.

Weiter. Nächstes kleine Viertel: Schmale Durchgänge, kleine Soukhs, Geschäfte und Werkstätten. Nix Touristisches sondern Angebote für die Nachbarschaft und alle Lebenslagen.

Eine Vielfalt von interessanten Hinguckern. Es macht Spaß durch die vielen kleinen Gassen zu stromern. Irgendwann stehe ich im Gewirr der Gassen vor einer Wand. Ich habe mich verlaufen. Aber zum Glück gibt es Google Maps. Ich finde den Exit und das Eingangstor zum Jüdischen Viertel daneben.


Im 14. Jahrhundert mussten die Juden aus Andalusien vor den Christen fliehen. Auch aus anderen Regionen rund um das Mittelmeer hat man sie vertrieben. Viele siedelten in muslimischen Ländern. Erste Spuren jüdischen Lebens gibt es in Fes bereits im 8. Jahrhundert. Die Stadt beherbergt somit eine der ältesten jüdischen Gemeinden in Nordafrika. In Fes leben heute nur noch wenige 100 Menschen jüdischen Glaubens. Sie haben die vollen Bürgerrechte. Nur im Erbrecht und bei Familienangelegenheiten entscheidet der Rabbi. Jüdische Viertel etablierten sich in der Vergangenheit auch, weil sich die Menschen mit Mauern schützen mussten, deren Tore nachts abgeschlossen wurden.

Die Häuser hier in der Mellah, so wird das Jüdische Viertel genannt, erkennt man an der offenen Bauweise mit Balkonen und Arkaden, ein „Mitbringsel“ aus Spanien. Ihre muslimischen Nachbarn in den anderen Vierteln von Fes betonen dagegen die Privatsphäre mit hohen Mauern, die gleichzeitig vor der Hitze schützen.

In der Mellah hier leben heute fast ausschließlich Araber. Die beiden Synagogen dienen eher musealen Zwecken. Ich entscheide mich für die orthodoxe Kultstätte. Sie wird offenbar regelmäßig gepflegt, auch wenn man den Bänken und Polstern das Alter ansieht. An den Wänden Exponate, die die Geschichte der Gemeinde dokumentieren. Es ist ein Ort der Ruhe.


Draußen: Die Straße mündet in einen Basar. Ein Amazon wieder: Vom Handy bis zum Scherenschleifer, vom Brautkleid bis zur Unterhose.

Dazwischen jede Menge Obst und Gemüse. Und immer wieder die Düfte von exotischen Kräutern und Gewürzen aus dem Orient.

Wenig später im Bahnhof. Ein modernes Gebäude. Hier beginnt das marokkanische Hochgeschwindigkeitsnetz. Ticketkauf ohne Probleme. Taxi zurück in mein Quartier.

Und dort die Ruhe genießen.

Abends Essen in meinem Ryad. Unschlagbar.