Der Zug ist pünktlich. Die Fahrt ok. Der Capitol Limited von Washington nach Chicago wird von Amtrak immer als Flaggschiff beworben. Dafür etwas zu sehr versifft.
Umsteigen in Chicago. Immer wieder sind viele Amish People in den Zügen zu sehen. Ihre Religion erlaubt keine Modernität, also auch kein Auto und kein Flieger. Die Frauen tragen fast immer Kopftuch und müssen ihrem Mann gehorsam sein. (also gibt es auch bei uns in christlichen Gefilden) Ihre Kleider orientieren sich an dem Outfit des 19. Jahrhunderts. Farben und Art der Kopftücher sind Code, beispielsweise für verheiratet etc. Im mittleren Westen sind sie meist Farmer. Man sieht es an den kräftigen Händen und an den Muskelpaketen der Männer. Warum sie aber bei aller Ablehnung des modernen Lebens in Scharen die Tische von Mc Doof bevölkern, kapiere ich dann doch nicht.
Eine beeindruckende Bahnhofshalle.
Fahrt durch die Ebenen von Illinois und Iowa. Hotel in Lincoln direkt am Bahnhof. Ankunft nach Mitternacht.
Morgens ein Rundgang durch die Deutschtown. Ein richtig spannendes Viertel. An den Rändern deutliche Zeichen der Gentrifizierung. Im Kern entlang der Hauptstraße offensichtlicher Niedergang. Aber auch hier bemüht sich die Stadt offenbar mit vielen Initiativen um Verbesserung. Auffällig die ehrenamtlichen Nachbarschaftsprojekte quasi vor jedem Block.
Deutschtown in Pittsburgh. Im Prinzip wie die südliche Innenstadt in Offenbach. Nur ohne Türken und Pakistani. Aber auch einst prall gefüllt mit Fremden, mit Deutschen. Die sind vor 180 Jahren hierher ausgewandert, weil sie im Herzen Europas ihre Familien nicht mehr ernähren konnten, die Obrigkeit fürchten mussten, in Würde leben wollten und vor allem weil es ihre Kinder einmal besser haben sollten.
Sie blieben lange Zeit bei der Deutschen Sprache, gründeten eigene Zeitungen, brauten Bier nach unseren Rezepten, pflegten Kultur in Chören wie Teutonia, lebten Religion nach ihrem Ritus und verzehren Sonntags Streuselkuchen und Bratwurst.
Auch wenn das Quartier heute zwischen Absturz und Gentrification schwankt, viele Zeugnisse erinnern daran, dass einst Schmitt, Müllers und Maiers halfen, ein blühendes Gemeinwesen aufzubauen. Eine Zeitreise in die wir uns immer versetzen sollten bevor wir Ausgrenzung verlangen.
Die Kirche: heute eine Event-Location
Später dann ins Andy-Warhol-Museum neben dem Hotel.
Ein interessantes siebenstöckiges Industriegebäude. Gefüllt mit vielen Exponaten auch aus seinem Leben. Warhol ist hier geboren als Kind slowakischer Einwanderer. Später zog er nach New York. Das Museum selbst hat Fleißkärtchen fürs sammeln verdient aber irgendwie fehlt der Spirit, der Überbau.
Abends vor dem Zug nochmal zu Mickeys auf ein Bier. Um 22 Uhr zum Bahnhof. Warten auf den Midnight-Train.
Im Holiday Inn wirklich gutes Frühstück, wenn wir den Plastikmüll ausblenden, der in der preiswerteren Express-Klasse dieser Kette Standard ist. Bummel durch die Innenstadt.
Vom Hotel nur einmal gerade über die Brücke. Die Stadt liegt an drei Flüssen. In den 1930er und 1940er Jahren ein Drecksloch. Zeitzeugen schildern, dass die Menschen wegen der Rauchfahnen und Abgase oft nicht mehr die Sonne sahen. Heute zählt Pittsburgh zu den Städten mit der höchsten Lebensqualität in den USA. Sport, Outdoor und vor allem Kultur prägen das Image. Die Zeiten der Depression scheinen passé. Die Transformation war für viele Menschen war brutal. Sie ist es für manche auch heute noch. Ich erinnere mich an einen Stahlarbeiter den wir Ende der 1990erJahre in einer Geisterstadt in Montana trafen. In dem Touristenspot betrieb er eine Kneipe, prall gefüllt mit Devotionalien aus seiner Zeit als Stahlarbeiter. Das sei sein Leben und seine Identität. Das Lokal habe er jetzt zum Geld verdienen, aber er lebe dafür, sich einmal im Jahr mit seinen alten Kumpels vom Hochofen zu treffen.
Pittsburgh investiert in Kultur. Massiv. Das alte Theaterviertel wird revitalisiert. Überall neue Kulturzentren, Kinos, Galerien. Dennoch: Viel Leerstand, Billigläden. Lanz hat vor einigen Tagen bei seiner Reportage aus Amerika Pittsburgh als Beispiel für die negativen Entwicklungen in den USA geschildert. Weit übertrieben, auch wenn die Obdachlosigkeit nicht zu übersehen ist. Das war sie auch früher nicht. Aber man lässt sich halt auch verrückt machen. Die Bewertungen von Hotels in vielen amerikanischen Städte kennt scheinbar nur noch ein Kriterium: Wie viele Wohnsitzlose treiben sich um das Hotel herum.
Leider habe ich mich davon auch beeinflussen lassen: Eigentlich wollte ich in das Hotel Prior, ein wunderhübscher Backsteinbau, einst ein Kloster. Aber überall wurde die Gegend als unsicher beschrieben. Bullshit wie ich feststellte als ich während meines Aufenthaltes zufällig vorbeikam.
Zurück in die City. Jeden Donnerstag ist Farmers Market. Ich habe gut und preiswert gegessen. Und dazu spielte ein gutes Duo Jazz und Blues. Nachmittags bei den Pittsburgh Penguens ein T-Shirt für Philip gekauft.
Danach zufällig in ein Oktoberfest geraden, das der Einzelhandelsverband dort zur Belebung der Innenstadt organisiert. Naja. Und 0,3 Bier rund 10 Dollar. Dagegen sind die Wiesenwirte auf dem Münchener Pedant Wiesenknaben.
Abends dann ein echtes Spaten in Max´s Tavern im ehemaligen Deutschen Viertel und dazu eine überraschend gute Bratwurst.
Aufreger am Morgen. Amtrak teilt per Mail mit: Mein Zug von Washington nach Philadelphia sei gecancelt. Nach Philadelphia muss ich für meinen Anschluss Richtung Pittsburgh. In Europa kein Problem, da fährt der nächste ICE in einer Stunde: hier am nächsten Tag. Im Eiltempo ohne Frühstück zur Metro. An der Union Station interessiert keinen Mitarbeiter mein Problem. Von dem Zugausfall hatte niemand was gehört, obwohl deutlich sichtbar auf dem Monitor zu sehen ist, diese ist Verbindung gestrichen. Ich hätte das Ticket im Internet gekauft, da müsse ich jetzt umbuchen, bedeutet mir ein Mensch am Schalter schließlich. Da reicht es auch dem gutmütigsten Offenbach. Ich verschärfe die Tonlage und es geht. Zum Glück sind wenigstens die Verbindungen zwischen Washington und Philadelphia gut ausgebaut.
Ich bekomme ein Ticket für einen Zug früher für den schon das Boarding läuft.
Schöne Fahrt durch den Indian Summer nach Philadelphia, eine Stadt die mir bei früheren Besuchen sehr gefallen hat.
In Philadelphia Frühstück nachholen und dann ab in den Zug nach Pittsburgh. Der State ist in weiten Teilen sehr ländlich geprägt. Philadelphia, Pittsburgh und zwei drei andere Städte waren und sind Hochburgen der Demokraten und dazwischen Small-Town, Dörfer und Farmen, alles Hochburgen der Republikaner. Der Zug fährt Stunde um Stunde durch Trump Land. Man versteht, warum Pennsylvania ein Swing State ist. Etwa gleich viele Menschen wohnen in den urbanen Metropolen und Counrty-Side im Nirgendwo. In den ländlichen Countys mag die Bevölkerungsdichte nicht hoch sein, aber es gibt gewaltig viele Mini-Ortschaften. Genug Menschen um die Hochburgen der Demokraten in den Metropolen zu kompensieren.
Die Mittelstädte, auf deren Hinterhöfe ich aus dem Zugfenster blicke, haben scheinbar die guten Seiten hinter sich gelassen. Sie lebten offenbar lange auch von den Zulieferern zur Stahlindustrie. Steelers: der klassische Wirtschaftszweig Pennsylvania ist fast überall Geschichte. Hier auf dem Land: leere Fenster in verlassenen Fabrikhallen, Brachen, verrostete Gleise, Lokomotiv-Friedhöfe.
Mit einer Stunde Verspätung komme ich in Pittsburgh an. Zwei Züge pro Richtung erreichen die Stadt mit 300.00 Einwohnern täglich. In der Area sollen über 3 Millionen leben. Das imposante Bahnhofsgebäude nebenan hat längst eine andere Nutzung. Amrak sitzt in einem kleinen Raum im Keller unter der Garage quasi am Katzentisch. Taxi Fehlanzeige. Buchen einer Droschke ist wohl nur noch per App möglich. Zum Glück habe ich mir den Weg zu einer Haltestelle um die Ecke gemerkt und kaum stehe ich lädt mich der richtige Busfahrer ein. Da ich zu blöd zum bezahlen bin, verzichtet er in meinem Fall auf ein Ticket.
Hotel super. Direkt neben dem Stadion mit all den Sport-Bars. Nebenan bei Mickeys leiste ich mir zwei von 500 Biersorten und einen schmackhaften Hamburger. Gut geschlafen.
Kein Frühstück im Hotel geschwänzt. Die Kommentatoren in den Bewertungsportalen sind sich einig: Dürftig. Also: Zwei Blocks weiter ist ein Bistro. American Breakfast wie ich es mag.
Danach mit der Metro zur Union Station in Washington. Nochmal am Schalter checken ob das all das was ich zuhause ausgedacht und ausgedruckt habe auch seine Richtigkeit hat.
Amerikanische Bahnhöfe in Großstädten erinnern an Kathedralen. Zeugnisse einer glorreichen Vergangenheit als Eisenbahnen der Motor für die Eroberung des Landes war.
Von der Union Station bis zum Capitol sind es nur wenige Schritte. Heute ist das Innere hermetisch abgeriegelt. Adolf Kühn erzählte mir vor ein paar Tagen, dass er vor drei Jahrzehnten unkontrolliert in die Lobby marschieren konnte. Viele Schulen machen im Herbst Klassenausflug. Überall fröhliches Kindergeschrei. Andere stehen zusammen und lauschen den Erklärungen ihrer Lehrer. Im Capitol sind heute wohl nur Anhörungen oder Konferenzen. Von Zeit zu Zeit verlassen wichtig scheinende Männer mit Schlips und Anzug das Parlament. Im Gefolge ein Schwarm von Aktentaschenträgern, Assistenten und Spin-Doktorinnen im Business-Kostüm. Alle eifrig um die Aufmerksamkeit ihrer Herren bemüht. Ein Gruppenfoto noch vor dem Capitol zur Erinnerung bevor die schweren Limousinen vorfahren.
Begegnung unterwegs
Der Übergang zum Ostflügel
Einige Schritte sind es nur bis zum Smithsonian Museum of Modern Art. Mich überrascht eine Ausstellung zu den Anfängen des Impressionismus. “1974“, mein Lieblings-Sujet. In diesem Jahr habe ich bereits zwei ähnliche Exhibition zu diesem Thema gesehen. In Paris und Köln. Die Schau hier bewegt sich auf Augenhöhe. Gut kuratiert hat sie ihre Stärken im Übergang von der Klassischen Malerei zu der revolutionären Technik von Monet oder Cezanne. Ein Glückstreffer für mich zum richtigen Zeitpunkt in Washington zu sein. Die Abteilung Impressionismus scheint hier auch jenseits vom Jubiläumsjahr gut bestückt. Ebenso sind die Exponate zur Modernen Kunst des 20. Jahrhunderts im Ostflügel einen Besuch wert.
Anschließend das Weiße Haus umrundet. Die Zäune stehen deutlich weiter entfernt als bei meinem letzten Besuch. Ein Teil des Rasens wird mittlerweile als Parkplatz genutzt. Auch die Straße vor dem Haupteingang ist heute Hochsicherheitstrakt. Die liebenswerten Protestler aus aller Welt, die hier Tag und Nacht für ihre Spinnereien demonstrierten fehlen ebenso wie etablierte Organisationen, die hier für Frieden oder Umwelt ihre Stimme erhoben. Quasi im Blickfeld wenn Biden mal das Gästeklo benutzt.
Nur der Truth Doctor ist übriggeblieben. Er fragt jeden nach seinem Herkunftsland und spielt dann vom Band die jeweilige National-Hymne. Gegen eine Spende natürlich. Es dauert nicht lange bis ich zu „Einigkeit und Recht und Freiheit“ mit ernstem Blick stramm stehe.
Zurück mit der Metro in mein Kaff plus ein kleiner Rundgang. Washington ist ja schön langweilig, jedenfalls die Innenstadt. Ich glaube ich habe mir für die Übernachtung den langweiligsten Vorort ausgesucht. Geputzte Gärten, blitzblanke Autos und kein Stück Papier auf der Straße. Schnell noch beim 7/11 was zum Abendessen besorgt. Auch die Discounter in den USA sind teuer geworden.
Fast die Katastrophe. Irgendwas fehlt plötzlich. Hecktisches abtasten, Blick in die Umhängetasche. Kein Handy, wo ist es geblieben. Gerade eben hatte ich doch noch telefoniert. Irgendwo zwischen all den Bits und Bytes verstecken sich in dem Kästchen meine Reiseunterlagen. Tickets für die Bahn, Codes und und und. Blöd nur: ich sitze schon auf dem Platz 340 in einem Airbus 340 der Lufthansa. Der soll in wenigen Minuten Richtung Washington abheben. Und ausgerechnet jetzt ist auch noch die Telefonverbindung zum Gate gestört. Nach einigen Versuchen klappt es. Einige Passagiere sind verspätet. Ihnen sei Dank. So schafft es das Mobiltelefon noch in die Maschine. Der Blick der Purserin, eine gestandene 50-jährige, die mir das Gerät bringt, sagt ohne Worte alles: „Männer. So einen habe ich auch zuhause“.
Der Flug glatt wie ein Brett. Kein einziger Wackler über dem Atlantik. In Washington erst mal ein Durchblicker-Lehrgang Richtung Passkontrolle. Die Passagiere werden mit einem Bus, groß wie eine Zehn-Zimmer -Wohnung, über das Vorfeld transportiert. Ich war als erster im Bus. Jetzt darf ich aussteigen. Vor mir warten schon die Reisenden von einem anderen Flug. Kurz: 100 Meter Schlange. Und ich ganz hinten.
Das Procedere hat sich gegenüber den vergangenen Jahren deutlich beschleunigt. Ohne das Frage- und Antwortspiel: Woher, wohin? Waren Sie einmal an einem Anschlag beteiligt? Kennen Sie Putin persönlich? Stattdessen: Netter Small Talk. Auch meine letzten dunklen Seiten und Geheimnisse sieht der Beamte auf dem Bildschirm. Schließlich musste ich bei dem ESTA-Verfahren nicht nur meine Daten vom Handy bis zur Kreditkarte angeben sondern mich auch zu allen Sozial Media-Aktivitäten bekennen.
Ein netter Mensch erklärt mir wie ich eine Metro-Fahrkarte ziehe. Etwas kompliziert hier. Glück. Als ich am Bahnsteig bin, rollt auch der Zug ein. Das ist ideal in einer Suburban Town kurz vor Washington. Sechs Stationen vom Weißen Haus entfernt aber für ein Drittel des Preises einer Innenstadt Übernachtung. Typisch amerikanische (untere) Mittelklassen-Kette.
Nebenan noch ein Bier in einem der drei Lokale in dem Kaff. Ein japanisches Restaurant. Meine Erkenntnis: Bierbrauen gehört nicht zu den Kernkompetenzen dieses fernöstlichen Landes.
Früh ins Bett. Wegen Jetlag um drei Uhr nachts aufgewacht.
Letzter Tag. Und mir ist überhaupt nicht festlich zumute. Am Ende einer Tour: die gewohnten Rituale, die übliche Reise-Routine. Auf dem Weg zum Bahnhof kaufe ich noch ein Rosinenbrötchen. Beim Vorbeigehen ist mir gestern aufgefallen, dass ein kleiner Laden noch richtig mit der Hand und im Ofen backt.
Warten auf den TGV. Für den Kaffee und eine Metro-Karte stehe ich dann drinnen im Bistrot 30 Minuten an. Die Franzosen mögen ja für ihre Züge alle Design Awards abräumen aber der Imbisswagen ist von seiner Funktionalität eine Katastrophe. Drei Meter von der Theke zum Kaffeeautomat und nochmal zwei Meter zu Milch und Zucker. Für jeden Becher müssen die Service Kräfte so zehn Meter laufen. De Mitarbeiterin hat mir leid getan.
Umsteigen in Paris. Ein Käsebrötchen für 6 Euro 95. Belegt mit einer Tomate und Mozzarella. Spinnen die?
Der ICE ist angenehm leer. Erster Klasse Ticket war mit der franz. Rentnerkarte von Bordeaux bis Frankfurt gerade mal 15 Euro teurer und deutlich unter dem Preis für einen Flug. Und mit der Eisenbahn dauert es inklusive Warten auch nur 2 Stunden länger. Ein wenig am Blog gearbeitet und mit meiner Nachbarin gesplaudert. Etwa mein Alter, pendelt wöchentlich zwischen Paris und Saarbrücken. Auch nicht schlecht.
Ankunft in Frankfurt. Der Name meines ICE „Paris“.
Kalt hier. Die S-Bahn hat 20 Minuten Verspätung. Mein Bus ist in Mühlheim weg. Frieren bis das Anruftaxi kommt. Dafür erwartet mich im Müllerweg eine warme Wohnung. Winni hat die Heizung aufgedreht. Endlich im eigenen Bett schlafen.
Notfrühstück in einem Backladen. Heute geht es in die Nähe von Arcachon. Austern satt. In meinem Lieblingslokal ist mein Lieblingstisch frei. An der Tür zur Terrasse mit Blick aufs Meer. Aber es ist richtig kalt. Gut dass Decken auf den Stühlen liegen.
Wie immer 12 Austern, eine Portion Pastete und Weißwein. Das hier ist eine Bucht mit einer Art Häckerwirtschaft für Austern. Gut wie immer. Aber es beginnt zu regnen. In Strömen.
Zurück wieder mit dem Zug. Zum Glück ist mein Hotel in der Nähe vom Bahnhof und hat Deutsche Fernsehkanäle. Wenn auch nur ARD und ZDF.
Ich schaue zum ersten Mal seit sechs Wochen wieder einen heimischen Sender. xy ungelöst.
Ganz spät noch ein Bier an der Hotelbar. Meininger, kann ich nur empfehlen. Eher junges Publikum aber saubere und zweckmäßige Zimmer. Für zwei Nächte völlig ok.
Unfassbar wie preiswert der ÖPNV in Bilbao ist. Auf meiner Karte waren noch neun Euro gespeichert. Flughafen, drei mal U-Bahn und am nächsten Tag die rund 100 Kilometer bis zur französischen Grenze mit der Schmalspurbahn und auf der Karte bleiben immer noch vier Euro für das nächste Mal.
Morgens um 9 Uhr gings los. Schade. Für das Frühstück hätte ich mehr Zeit einplanen sollen. Es ist richtig gut. Praktisch: vor dem Hotel die Bahnstation.
Der Zug ist fast leer. Die Fahrt geht durch enge Täler und entlang des Meeres bis San Sebastian. Unterwegs für ein paar Kilometer im Bus. Die Strecke wird saniert.
Umsteigen in San Sebastian. Leider keine Zeit für ein Pintxos am Morgen.
Von dort mit der Straba über die Grenze ins französische Hendaye.
Ankunft an der Grenzstation. Bis zum französischen Bahnsteig muss ich keine 30 Meter laufen. Meine Rentnerkarte suchen, Ticket kaufen.
Es bleibt noch Zeit für ein schnelles Bier in einer Brasserie und ein Brötchen vom Bäcker, dann geht es auch schon weiter nach Bordeaux.
Auch hier sind die Hotelpreise mit den Temperaturen gepurzelt. Direkt am Bahnhof habe ich ein schönes Haus gefunden. Allerdings ist die Umgebung eine einzige Baustelle. Selbst Google Maps kommt ins Grübeln.
Der Italiener, der für seine Nudeln gerühmt wird, war leider schon dabei die Tür zu schließen. Dafür schmeckte bei seinem Nachbarn die Pizza gut. Später füllte sich das Lokal. Die Franzosen dinieren halt etwas später wie wir.
Auf dem Weg zurück mit der Straba noch drei Bilder am Bahnhof. Eine imposante Kulisse.
Ein etwas ungewöhnlicher Weg. Aber ich wollte nicht direkt mit dem Flieger heim. Und Pintxos in Bilbao und dann Austern in Bordeaux hat auch Lebensqualität.
Der Flug in SAL beginnt pünktlich, ziemlich neuer Airbus. Hoffe, dass die Maschine besser funktioniert als die Buchung bei TAP Portugal. Das erste Ticket: war auf ein falsches Datum ausgestellt, obwohl das Bestätigungsmail eindeutig zeigt, dass ich alles richtig gemacht habe. Kann passieren. Was aber nicht sein darf: ich bekomme einen Gutschein und nicht das Geld zurück (nebenbei minus 35 Euro Bearbeitungsgebühr).
Der Flug selbst ist so wie ich es nicht mag: vier Stunden leichte Turbulenzen. Nix ernstes. Aber kaum sind die Anschnallzeichen aus muss der Pilot sie wieder einschalten.
In Lissabon gefühlte Minus zehn Grad. Schockgefrostet. Wollte für meinen Enkel am Airport noch ein Benfica-Trikot kaufen. Aber für ein Unterhemd Größe 104 über 100 Euro zu verlangen weil es den Schriftzug „Ronaldo“ trägt: Muss nicht sein.
Der Anschluss nach Bilbao in einer kleinen Maschine. Angenehm, obwohl ich die Hälfte des Fluges nur Wolken gesehen habe. Wir sind in eine richtige Suppe eingetaucht. In Bilbao Regen. Codekarte für den Bus hatte ich noch. Einmal umsteigen, direkt vor dem Hotel aussteigen.
Man merkt die Nebensaison. Ziemlich gutes Haus. Ziemlich hoher Preisnachlass. 60 Euro und aus irgendeinem Grund, den ich nicht verstanden habe, ein Up-Grade plus kostenloses Frühstück. Kann man nicht meckern.
Eine Runde schlafen. Trikot von Bilbo für Philip kaufen und dann durch die Häuser: Pintxos naschen.
Angefangen im Roma. Seit meinem letzten Aufenthalt mein Lieblingslokal in Bilbao. Die Häppchen werden hier noch direkt in der Küche selbst gemacht und kommen nicht aus der Fabrik. Der Wirt ist ein cooler Typ. Und er hat Bier von einer kleinen Brauerei.
Anschließend habe ich mich durch die Altstadt gekämpft. Die Gassen eher leer, weil es nieselte. Man muss schauen wo sich besonders viele Einheimische an der Theke drängen.
Mir gefällt im Baskenland, dass es dort möglich ist „small Beer“ zu bestellen, also ein Glas mit 0,1. Reicht genau um zwei Tapas runterzuspülen. 6×2 Pintxos plus sechs kleine Bier habe ich geschafft. Ein Abstecher der lohnt.