Sonntag, 27. Oktober Dallas

Im Industriegebiet neben meinem Hotel soll ein weiterer guter Diner ein hervorragendes Frühstück anbieten. Zwanzig Minuten Fußmarsch bei 30 Grad und schon von weitem kann ich erahnen, dass ich die richtige Richtung eingeschlagen habe.

Mama´s Daughters´ Diner. ich wünschte die Mutter hätte auch eine Tochter bei uns in Offenbach. Aber erst einmal heißt es warten. Man wird platziert.

Aber die Warterei lohnt

Nur jeden Tag geht das auch nicht. Aber es ist schon ein toller Laden.

So gestärkt mache ich mich mit dem Bus zum Kennedy Memorial.

Ungefähr dort wo der Pic up fährt, trafen im Jahr 1963 die tödlichen Schüsse den ehemaligen amerikanischen Präsidenten. Ich war 13 Jahre alt und der 22. November zählt zu den zwei Tagen in meinem Leben an deren Ablauf ich mich gut erinnern kann. Irgendwie war Kennedy damals auch für uns deutsche kleine Knirpse ein Versprechen für eine bessere Welt. Zu Recht oder zu Unrecht.

Auch heute noch pilgern die Menschen zu diesem Platz. Einige Verrückte stellen sich für ein Selfie auf das eingezeichnete Kreuz auf der Fahrbahn des Autobahn Zubringers. Wahrscheinlich sind in den über sechzig Jahren danach an dieser Stelle weitere Menschen zu Tode gekommen. Die Abläufe jenes Moments lassen sich gut verfolgen.

Der Platz selbst wirkt sehr viel enger als auf den Filmen vom Attentat. Die sind damals alle in Weitwinkel aufgenommen worden. Die Entfernung für den Schützen betrug kaum vierzig Meter mit viel Zeit zum zielen.

Das Gebäude des Schulbuchverlags aus dessen sechstem Stock Lee Harvey Oswald anlegte wird heute als Museum genutzt.

Die Ausstellung ist gut. Sie ordnet die Zeit, das politische Klima in den USA und speziell in Texas ein. Sie verliert sich nicht in Spekulationen sondern stellt Abläufe und Fakten, auch für die Zeit danach und das Erbe Kennedys, nebeneinander ohne überladen zu wirken. Man merkt, Journalisten haben das Konzept mitentwickelt.

Nur ein Nebenaspekt: Es sind Bilder von der Fahrt Kennedys durch die Main Street von Dallas. Damals noch eine urbane Geschäftsstraße, typisch für eine Großstadt: An den Türschildern erkennt man: Es gab noch Herrenschneider, Uhrmacher, Kurzwaren, Geschirr, Banken mit lebendigen Mitarbeitern, Candy-Strores, Schuhgeschäfte und Fotolabors. Wer heute durch diese Straße erlebt nur noch die öde leerer Hochhausfronten.

Ich mache mich auf zu einem Einkaufszentrum. Brauche noch etwas Wäsche. Naja am Ende lasse ich doch etwas mehr Geld dort als geplant. Die Rückfahrt birgt dann doch eine Überraschung. Ich bin im Tunnel in die falsche Richtung eingestiegen und lande etwa 10 Kilometer weiter in einer Vorstadt, einer typisch White Suburban Town wie Dr Hook sie einst in der Ballade von Lucy Jordan besang.

300 Meter weiter soll laut Google Maps ein Restaurant sein. Also versuchen wir es einmal.

Es ist laut aber gut. Heute Abend ist mal vegetarisch angesagt.

Zurück dann mit zweimal Umsteigen. Naja um diese Zeit sind alle für Security an den Bahnsteigen dankbar. Ich komme gut im Hotel an

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Samstag, 26. Oktober Dallas

300 Meter vom Hotel entfernt soll ein guter Diner für Frühstück sein, so ist auf den Bewertungsportalen zu lesen. 300 Meter sehen auf Google Maps völlig easy aus. Blöd nur, wenn zwei Highways zwischen mir und den Eggs mit Bacon liegen. Anfangs über einen Parkplatz. Kein Problem. Weiter auf Fußgängerwegen. Aber die enden im Nirgendwo. Zum Glück ist Samstag und der Verkehr hält sich in Grenzen. Über den Parkplatz eines Hotels schaffe ich es dann wieder in sicheres Terrain. Die Strapazen lohnen sich. Ein Diner wie aus dem Modellbaukasten. Knallvoll. Es ist Samstag. Familientag. Hier trifft sich die Nachbarschaft. Am Tisch nebenan sechs Ladies. Die Portionen, die sie vertilgen: XXXXL. Naja. Von nix kommt nix. Die Hälfte der Menschen hier hat schlicht 50 Kilo zu viel auf den Rippen. Und bei jedem meiner Besuche in den USA scheint ihr Anteil zu wachsen.

Ich bin da etwas bescheidener in meinen Ansprüchen. Es schmeckt richtig gut.

So gestärkt geht es mit der Straba zum Dallas Museum of Art.

Ich hatte am Abend vorher Tickets im Internet bestellt und war ziemlich erstaunt, dass der Eintritt ins Museum nichts kostet. Gebeten wurde nur um eine kleine Spende. Klar. Macht man gerne.

Tricky. Bluff. Wie man es nimmt. An der Kasse muss ich mich mit dem Ausweis legitimieren. Bei dieser Gelegenheit erklärt mir der nette Mitarbeiter: Wenn ich die Bilder der Ausstellungen sehen wolle, koste das 20 $ extra. Eh. Geht´s noch. Wozu komme ich ins Museum: Um überteuerten Kaffee aus dem Becher zu trinken?

Das Haus zeigt (gerade noch bis Anfang November) die Ausstellung „Die impressionistische Revolution“, eine Homage an die Geburtsstunde des Impressionismus. Mein Lieblings-Sujet. Im Jubiläumsjahr ist es mir immerhin gelungen vier bedeutende Ausstellungen zu 1874 zu sehen. Paris und Washington sowie Köln und Dallas. Die beiden ersten waren herausragend. Beide auf Augenhöhe. Dallas zeigt viele „Hochkaräter“. Allein deshalb lohnt sich der Besuch. Aber es fehlt ein wenig das Narrativ. Ist in den USA auch objektiv schwierig. Oft sind die Ausstellungen nach den Sponsoren beziehungsweise Mäzenen geordnet. Das gibt es den Smith Raum und das Müller Zimmer. Dort hängen dann Bilder ohne inneren Zusammenhang. Dazu: In Dallas mag es an dem Zahlen-Fetischismus der Texaner liegen: In den Begleittexten spielt eine zentrale Rolle wie oft die Künstler an den 12 Ausstellungen nach 1874 teilgenommen haben. Quasi wie eine Hitparade.

Den zweiten Teil meines Besuchs in dem Museum verbringe ich in der Abteilung „Amerikanische Kunst des 20 Jahrhunderts“

Weiter geht es zum Farmer Market. Ein Fußmarsch von rund zwanzig Minuten. Eine Gelegenheit den Rand der City kennen zu lernen. Hier am Ausgang des Museums bin ich noch mitten in der Innenstadt. Das Foto habe ich gemacht, weil die kleine Kirche in diesem Quartier die einzige Erinnerung daran ist, wie die Stadt vor 50 Jahren ausgesehen hat.

Auch hier im Erdgeschoss der vielen Hochhäuser leere Räume. Auffallend: Viele Restaurants und Bars der gehobenen Kategorie haben aufgegeben. Ihre Eröffnung basierte vielleicht auch auf der Illusion, die Innenstädte der Zukunft werden nicht mehr von dem normalen Bürgertum bevölkert sondern von einer Oberklasse, die zwischen den Abstechern in teuren Boutiquen von Nobelschuppen zum nächsten Esstempel zieht, um Kaviar zu löffeln und Champagner zu schlürfen. Viele der Läden wirken von außen schon so abgehoben, dass die meisten Menschen wenig Lust auf eine Einkehr verspüren.

An jeder Scheibe eine Telefonnummer und der Hinweis „For Lease“. Block für Block. Selbst einen Seven Eleven oder einen Mc Donalds sucht man hier vergeblich. Dafür ist die Obdachlosigkeit ebenso unübersehbar wie das massive Aufgebot an Sicherheitskräften.

Das alte Dallas: Das „Majestic“ am Rande der Innenstadt. Erinnerung an eine goldene Zeit der Musiktheater. Jonny Cash ist hier aufgetreten. David Bowie und viele Weltstars mehr

Ein Regierungsgebäude. Die Parallelen zum Imperium Romanum sind unübersehbar und gewollt. In dem blauen Auto ein Foto-Shooting mit einem Brautpaar. Bei einer Scheidung bleibt wenigstens der Wagen im Gedächtnis.

Im Farmers Market beim Italiener gegessen. Eigentlich ist das Label irreführend. In der Halle reiht sich Futterbude an Futterbude. Obst und Gemüse vom Erzeuger ist nur noch selten zu finden.

Der anschließende Besuch eines Eishockey-Spiels endet fast schon vorzeitig an der Ticket-Box. Ich bitte die nette Mitarbeiterin, mir einen guten Platz auszusuchen, bezahle und sie fragt mich nach meiner Telefonnummer. Sekunden später blinkt auf dem Smartphone aber die Nachricht lässt sich nicht öffnen. Neuer Versuch mit Email. Gleiches Spiel. Ah meint sie, ich müsse die App von Ticket- Master installieren. Nur: Ich mache ja viel, aber auf der Straße eine mir fremde App einrichten mit Kreditkarten-Nummer etc. No Way. Die Schlange hinter mir wächst. Wir debattieren. Papiertickets gebe es nicht mehr. Das sei „Old School“, aber Geld zurück gehe auch nicht. Es geht hin und her. Die Schlange in meinem Rücken schlängelt sich über den Platz. Irgendwann kann ich sie mit meinem Offenbacher Hinterhof Romeo Charme davon überzeugen, ihren Boss zu kontaktieren. Und (oh Wunder) sie kommt mit einem Papierschnipsel zurück auf dem ein leibhaftiger QR Code aufgedruckt ist. Merke: Wer im digitalen Zeitalter sich nicht auf die Regeln einlässt (und normal bin ich ja gutwillig), ist ausgeschlossen.

Drinnen streike ich. Der Becher Bier 16 Dollar für ca 0,3 Liter. Dann geht Sport halt mal ohne Sprit. Dafür ist die Show gigantisch. Choreographiert vom ersten bis zum letzten Moment. Ich muss zugeben: Es macht Spaß. Und die „Dallas Stars“ spielen richtig gut wie ich mit meinen bescheidenen Kenntnissen aus einigen deutschen Spielen glaube beurteilen zu können. Bei uns auf dem Niveau: Ich glaube ich wäre Fan des Spiels auf Schlittschuhkufen. Nebenbei: die beiden Jungs vor mir hauen sich jeder vier Bier zum Preis von 16 Dollar rein.

Auch die Rückfahrt nicht ohne Hindernisse. Mein Bus hält nicht an dem Gate wo er hingehört. Der Fahrer mag lieber mit einer Kollegin flirten. Ich spreche ihn an. Nein, er fahre nicht in meine Richtung und düst los. Seine Kollegin erkennt den Fehler. Aber da ist es zu spät. Mit der Zentrale Kontakt aufzunehmen hat aber auch niemand Lust. Eine Stunde warten. Wenigstens ist es warm und eine Security bewacht den Busbahnhof.

So wird es kurz nach 11 am bis ich im Hotel ankomme und noch ein wenig Muse zum lesen finde. Immerhin: 0,3 Liter Bier kosten hier nur 7 Dollar (plus Tax and Tip).

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Freitag, 25. Oktober Von Milwaukee nach Dallas

Wenn man alleine auf einer Bank sitzt, kann man sich nachts quer legen und schlafen. Bei mir hat das gut funktioniert.

Morgens an irgendeiner kleinen Station aufgewacht. Für die Süchtigen Raucherpause. Für den Rest: Beine vertreten.

Der Zug ist jetzt angenehm leer. Noch drei Stunden bis Dallas.

Die Skyline3 kennen wir ja noch irgendwo her. Richtig: Das Intro zur Fernsehserie Dallas

Bye, bye Texas Eagle. Die Straba fährt direkt am nächsten Bahnsteig ab. Das erspart die Schlepperei. Umsteigen in der City in den Bus. Dummerweise steige ich dann eine Station zu früh aus. Also 200 Meter mehr laufen. Zwischen Haltestelle und Hotel liegt noch eine breite Unterführung. Die Homeless People hier sind zwar etwas laut aber nicht übergriffig. Trotzdem steht mein Entschluss: Kein Weg nach Einbruch der Dunkelheit.

Es ist angenehm warm. Eine gute Gelegenheit den Abend in einem Biergarten zu verbringen. Ich hatte etwas von einer Micro-Brauerei gelesen, die auch gutes Essen macht. Und das beste: Ein Bus fährt von meinem Hotel aus direkt dahin und wieder zurück.

Schönes Lokal. Live Musik. Gutes Bier und auch der Burger schmeckt. Aber: Das Lokal st auch Beispiel für die gesellschaftliche Spaltung. Im Bus war ich der einzige Weiße. Die meisten Fahrgäste kamen wohl von der Arbeit. Wahrscheinlich müssen sie für ihre Dollars und ihre Wohnung in einem strukturschwachen Viertel hart schuften.

Mein Lokal mit hohen massiven Zäunen abgesichert. Drinnen gehobene Mittelschicht. Vielleicht drei vier Farbige unter den 200 Gästen. Obere Mittelschicht unter sich. Man genießt seinen Cocktail. Schlendert von Gruppe zu Gruppe zum Small Talk. Und draußen sorgt ein Barde für richtig gute Musik. Ein wenig Blues, gemischt mit Country und Southern Rock.

Rückfahrt mit dem Bus ohne Problem. Gut angekommen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Donnerstag, 24. Oktober Von Milwaukee nach Dallas

Noch ein großer Reisetag. Aber erst mal eine Stärkung am Frühstückstisch. Angebot und Vielfalt liegen deutlich über dem Schnitt der üblichen Mittelklasse-Hotels. Keine Überraschung: das Haus wirkt gut geführt. Kompetenter Staff. Nur: auch hier eine Plastik-Orgie.

Mit dem Rucksack auf dem Rücken zur Straßenbahn. Wegen der Einbahnstraßen muss ich etwas weiter laufen. Unterwegs sehe ich mein Traumauto.

Stadt der Brauereien halt.

Straba Nulltarif. Die Fahrzeuge wirken gepflegt. Aber die Wagen sind trotzdem wie in Portland, Sacramento oder Pittsburgh leer.

Das Bahnhofsgebäude ist sehr modern. Ich bin eine Stunde zu früh. Rucksack parken. Ein Wasser und ein Sandwich für unterwegs kaufen. Sie haben nach längerem Suchen sogar Sparkling Water. Aber 14 Dollar zusammen für 0,5 Liter Wasser und ein Käsebrötchen? Ist schon happig

Beim Boarding das übliche Chaos an der Schnittstelle zwischen Digital und Analog. Viel Personal trotzdem lange Wartezeiten. Passagierzahlen wie in Deutschland ließe das System binnen Sekunden kolabieren.

Neunzig Minuten mit einer Art komfortablem Regionalexpress nach Chicago.

Unterwegs: Typischer Bahnhof in Illinois. Filmkulisse

Einfahrt in Chicago aus dem Zugfester

Ankunft in Chicago. Als die amerikanischen Eisenbahnen in den 1950erJahren den Personenverkehr aufgaben, leisteten sie gründliche Arbeit und bauten seine Infrastruktur gleich mit ab. Was zählte war nur der profitable Güterverkehr. Die wenigen Personenzüge verbannte man irgendwo ganz hinten in die Ecke oder wie hier in Chicago in den dunklen Keller. Jetzt wo der Transport von Passagieren eine (bescheidene) Renaissance erleb, fehlen die Kapazitäten. Man kann sie auch nicht mehr ohne weiteres mal eben reaktivieren. Viele Trassen sind schlicht zugebaut. Oben prächtige Bahngebäude und Hallen während unten die pure Not herrscht. Das System ist sehr personalintensiv weil die Fahrgäste oft in kleinen Gruppen über die Nachbargleise zum Ausgang geführt werden müssen.

Ich habe nur rund zwei Stunden Aufenthalt. Aus Versehen hat man mich in die Lounge geschickt so habe ich wenigstens einen angenehmen Sitzplatz im Wartebereich.

Aber auch hier beginnt bald beim Boarding das Chaos. Etwa 100 Passagiere, fünf Wagen und etwa 30 Minuten Wartezeit in der Schlange. Zunächst werden alle d möglichen Priority Personen auf den schmalen Bahnsteig geführt. Und wir sind auch dort noch nicht am Ziel unserer Träume. Erst müssen die Platzkarten per Hand ausgeschrieben werden.

Mein Wagen ist gut besetzt. Ich habe einen Sitznachbarn und mache mir schon Sorgen um meinen Schlafkomfort später. Aber zum Glück steigen die meisten Mitreisenden in Springfield aus. In St. Louis bleibt kaum mehr als ein Duzend übrig. In der Stadt am Mississippi haben wir eine Stunde Aufenthalt. Der Zug wird aufgetankt. Ein Wagen wird abgehängt. Zeit um frische Luft zu schnappen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Mittwoch, 23. Oktober Von Portland nach Milwaukee

Morgens mit einem Kaffee und einem Sandwich vom Barwagen in den Observation Car gezogen. Überraschung: Mich spricht ein Mitglied einer Amish Familie an. Wie ich genießt er mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn, vier Monate alt, die Landschaft. Mit dabei, seine Schwester, die kaum älter als zehn Jahre alt ein Kopftuch trägt, seine Brüder und seine Eltern. Sie sind auf dem Weg von Wisconsin nach Maine. Dort lebt Verwandtschaft, die sie einmal im Jahr besuchen. Zwei Tage je Richtung für vier Tage Aufenthalt dort. Aber zuhause auf dem Hof kann die Arbeit nicht liegen bleiben. Seine Kühe, die er zum Schlachten züchtet, können eine Woche alleine auf der Weide stehen. Aber nicht länger und in seiner Baufirma stapeln sich die Aufträge. Er fertigt Blockhäuser für Jagdpächter oder Touristencamps. Richtig tolle Konstruktionen, die auf den Fotos einen großen, stabilen und komfortablen Eindruck machen.70-80.000 Dollar kostet bei ihm so eine Hütte. Das Geschäft scheint einträglich.

Es dauert nicht lange, da sitzt der kleine Bub auf meinem Schoss und lächelt mich eine Stunde lang an. Fotografieren ist leider nicht drin. Die Amish versuchen alle Errungenschaften der Moderne zu vermeiden. Deshalb fahren sie auch Zug. In beinahe jedem Express sitzen Amish. Oft in großer Zahl. Sie tragen Kleidung wie sie vor zweihundert Jahren Mode waren. Auch der kleine auf meinem Schoß hat so eine Art grünes Leinenhemd an. Die Männer und Frauen könnten in einem Historienfilm mitspielen.

Sie alle sprechen untereinander Deutsch wie es vor zweihundert Jahren bei uns üblich war. Sie lesen die Bibel in Altdeutscher Sprache. Die Vorfahren dieser Familie kommen aus Witzenhausen und aus Zweibrücken. Kontakte zur Verwandtschaft in Deutschland haben sie nicht mehr. Sie erzählen mir von ihrem Leben. Es ist hart, arbeitsam und fromm. Sie wollen aber auch von mir wissen wie wir in Deutschland leben. Hochspannende zwei Stunden. Sie haben aber nicht nur ihren Glauben und ihre Sprache in die neue Zeit mitgenommen sondern auch ihre traditionellen Rollenbilder. Die Frauen werden selbstverständlich geschickt, um Unterlagen, Bilder oder das Getränk für den Mann aus dem Abteil zu holen. Zum Schluss schreiben sie meine Adresse auf. Nicht die Email: die gilt ja nicht sondern die richtige Hausanschrift.

Draußen das herbstliche Wisconsin und Minnesota. Schmucke Häuschen, abgeerntete Felder, kleine Dörfer.

Gegen 15 Uhr erreicht der Zug Milwaukee. Ein hochmoderner Bahnhof. Immerhin: von hier aus gibt es einige Verbindungen in das 90 Minuten entfernte Chicago.

Mit der Straßenbahn zum Hotel. Ein richtig gut geführtes Holiday Inn. Nebenan noch ein paar Besorgungen für Christian und mich. Auch hier das gleiche Bild wie in allen amerikanischen Innenstädten: Leere Schaufenster, geschlossene Läden. In den wenigen offenen Läden nur noch Mini-Jobber, die schlicht überfordert wirken, wenn man eine Frage stellt. Um die Geschäfte rum versucht auch in Milwaukee in die Attraktivität der City zu investieren. In Beleuchtungskonzepte beispielsweise. Gelungene Geschichten.

Kultur ist angesagt. Und auch Sport: Squash in leeren Läden.

Die Stadt rückt wieder an den Fluss. Aber all dies kann den Niedergang den ich auch in anderen Städten gesehen habe, nicht aufhalten. Der Umbruch ist radikal und dramatisch. Die Städte verlieren ihren Kern und damit eines ihrer verbindenden Elemente. Wir schlittern in eine Art Post Urbanität in der Städte wachsen, ihre Milieus sich aber zunehmend in ihrer eigenen Blase wohl fühlen.

Mich zieht es in die Markthalle. Im Internet stand, dass es hier gutes Essen in großer Auswahl gibt. Ist richtig aber anders als ich mir in das in meinem von Offenbach geprägten Weltbild vorzustellen vermochte. Also keine Essstände mit Produkten vom Viehzüchter oder Gemüsebauernaus der Region mit Organic Touch. Im Prinzip stehen hier 20 bis 30 Foodtrucks ohne Räder und bieten Speisen aus aller Welt vom Döner bis zur Pho, vom Hamburger bis zu Tacos. Der Höhepunkt: die Bierwand. Kreditkarte rein, Gerstensaft raus. Ersetzt den Wirt.

Insgesamt auf den zweiten Blick kein so schlechtes Konzept. Es sitzen volle Tische über Stunden zusammen. Jeder speist nach seinen Vorlieben. Viele Bummeln von Gruppe zu Gruppe. Außerdem gibt es viele Möglichkeiten E-Sport zu betreiben. Golf Abschläge üben.

So eine Art Boole mit Säcken, die in Löcher geworfen werden. Das ist quer über die Staaten das angesagteste Spiel. Auch in den Fußgängerzonen hoch und runter.

Mich zieht es in mein Bett. Ein letzter Blick auf das nächtliche Milwaukee

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Dienstag, 22. Oktober – von Portland nach Milwaukee

Ich wache im Schnee auf. Mitten im Glacier Park. Der Zug hat in der Nacht vom Meer her mehr als 1.000 Höhenmeter erklommen. Ich habe gut geschlafen. Auch den langen Aufenthalt in Spokane. Die Rangierer haben die Kurswagen aus Seattle angehängt. Jetzt hat die Garnitur eine beachtliche Länge. Sie passt nicht mehr an jeden Bahnsteig, deshalb dürfen die Passagiere nur aus bestimmten Wagen aussteigen.

Die Gegend hier kenne ich. Habe hier vor 12 Jahren schon einmal Urlaub gemacht. In einem Eisenbahndepot. Klingt so bescheiden aber der Schuppen und die Remisen waren damals sehr luxuriös umgebaut worden.

An zwei Dinge kann ich mich erinnern. Es gab kein Netz. Viele Manager und Geschäftsleute, die hier auch Entspannung suchten, sind halb wahnsinnig geworden, weil sie nicht mehr telefonieren konnten.

Und meine Taxifahrerin. Eine sehr resolute Dame, die mit ihrem SUV die Leute in die Berge fuhr. Dafür brauchte sie auch ohne Zweifel ein solches Auto. Aber die Frau hatte auch Angst um ihre Zukunft, Gletscher im Glacier Park gibt es kaum noch und in zwanzig Jahren werden Sie ganz verschwunden sein und mit ihnen die Touristen, die für ihr Auskommen sorgen. Am meisten Kummer machten der Frau aber ihre Kinder, die in der Stadt in Kalifornien lebten und kleine benzinsparende Autos fuhren. Eine Schande sei das. Der Gedanke, dass Abgase eine Ursache für das Gletschersterben sind, lag ihr fern. Als ich ausstieg verblüffte sie mich mit der Frage: „Is Germany a Democracy?“

Und da waren noch die zwei alten Männer, mit denen ich hier an einem kleinen Bahnhof ins Gespräch kam. Sie haben zusammen in Fulda und Bad Hersfeld in den 1950er Jahren bei der Army gedient; Grenze bewacht. Jetzt treffen sie sich noch einmal im Jahr. Einer kommt hier aus dem Norden. Der andere lebt in Florida. Stundenlang befragten sie mich über das Fulda von heute.

Wir fahren wohl zwei Stunden an der Schneegrenze. Im Observation Car treffe ich einen Rentner aus Seattle. Er hat eine Weile in Deutschland an einem Max Planck studiert, irgendwas mit Keramik. Später arbeitete er für Boeing und General Motors. Mit den Problemen von OPEL war er gut vertraut. Er sprach sehr gut Deutsch. Jetzt reiste er zu seiner Tochter nach Neuengland und später wollte er noch seine Schwester in Nashville besuchen. Wie ich fährt er gerne Zug. Er hat allerdings ein bequemes Schlafwagenabteil gebucht.

Von der politischen Einstellung ist er wohl eher ein Linker. Mit Bill Clinton und seiner Neoliberalen Politik habe das Unglück begonnen. Jetzt ist er ein glühender Anhänger von Pamela Harris.

Kleine Stationen, die längst nicht mehr bedient werden, ziehen an uns vorüber. So alle ein bis zwei Stunden ein Halt.

Die Menschen, die hier aussteigen, fahren mit der Bahn, weil der nächste Flughafen weit entfernt ist. Immer wieder überholen wir bei dieser Gelegenheit lange Güterzüge.

Oder bewundern eine Dampflok, die als Denkmal die Anlage schmückt.

Die Landschaft beginnt sich zu verändern. Der Zug verlässt die schneebedeckten Berge. Ab und zu ziehen kleine und große Seen am Zugfenster vorüber.

Die Ebene beginnt

Kleine Weiler. Eher Hütten denn Häuser. Es muss ein hartes leben hier sein. Schon bei meinen früheren Aufenthalten in den Staaten habe ich die Erfahrung gemacht: Viele Menschen zieht es in die Einsamkeit. Für sie ist das Leben hier Freiheit und Unabhängigkeit.

Irgendwann beginnt Farmland. Abgeerntete Felder: Weizen, Mais, Gerste.

So geht es bis in den späten Abend. Einmal noch bei einem Halt die Füße vertreten.

Die Lok muss nochmal aufgetankt werden

Zeit um mal in das Stationsgebäude zu schauen

Obwohl auf den Strecken wesentlich von Chicago meist nur ein Zug je Richtung an den Bahnhöfen hält, sind alle besetzt und wirken meist sehr aufgeräumt.

Dann Nachtruhe während vor der Lok und ihrer Mannschaft noch eine lange Nacht liegt.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Montag, 21. Oktober von Portland nach Milwaukee

Reisetag. Tasche in Ordnung bringen. Kontrollieren, ob ich nichts im Zimmer vergessen habe. Koffer konnte ich im Hotel stehen lassen. Stromere ein wenig durch die Innenstadt. Eigentlich hat die City von Portland viele Voraussetzungen für urbanes Flair. Schöne alte Gebäude in der Architektur der 1920 Jahre. Grünanlagen an jedem Block. Radwege. Ein wirklich gut ausgebautes ÖPNV-Netz mit Straba. Die Nutzung: Fast kostenlos. Es gibt am Rand der City viele Wohnungen. Und trotzdem: Montag Mittag: Und niemand ist da.

Die 5th und die 6 th Street waren einst wohl die Flaniermeilen mit exklusiven Geschäften. In den Querstraßen konnten die Menschen ihren Alltag decken. Schneider, Schuster, Hutmacher, Kurzwaren: alles was man für die Haushalt so braucht. Mir fällt beim Bummeln Petula Clarks Lied „Down Town“ aus den 1960er Jahren ein.


So go downtown
Things will be great when you’re
Downtown
No finer place for sure
Downtown
Everything’s waiting for you

Und heute spricht Hillary und ich bin nicht dabei

Die Lichter, all die Genüsse und Einflüsse haben seit den Urzeiten die Menschen immer wieder fasziniert. Die Karawanen die aus der Wüste nach Timbuktu oder Marrakesch kamen, die einst blühenden Metropolen Samarkand oder Buchara an der Seitenstraße die frühen Großstädte an Euphrat und Tigris. Sie alle sind vergangen.

Das einzige Fachgeschäft ist heute der Cannabisladen. Ansonsten gähnende Leere, tote Schaufenster, zugeklebte Scheiben. Auch in dem einst exklusiven Einkaufszentrum können sich nur noch die Läden im Erdgeschoß halten. Die meisten Geschäfte machen spätestens um 17 Uhr zu. Die Cafes schließen schon zwei Stunden früher. Schlicht: Trostlos.

Eine Ausnahme gibt es hier doch. Ein exklusiver Schneider und Hutmacher trotzt der Wegwerfgesellschaft und all den Amazons.

Aber sonst…..

Im Prinzip lässt sich hier ebenso wie in Sacramento oder in Pittsburgh die Zukunft der europäischen Innenstädte besichtigen. Die Entwicklungen beginnen hier halt etwas früher. Und ich fürchte auch, dass die traditionellen Rezepte aus den 1970er Jahren wie ein bisschen Aktionen, Feste oder Kultur und ein wenig mehr Flair bei weitem nicht reichen, um diese Entwicklung aufzuhalten. Die Ursachen liegen viel tiefer. Und die Rezepte verlangen Radikalität.

Portland setzt auf Streetfood. Auf Brachen stehen ein paar Imbisswagen. Durchaus gehobenes Niveau. Ich gehe zu dem bekanntesten an der 5th Street. Nett. Ein paar Tische sind besetzt. Mein Phillie-Steak war auch gut. Aber mehr Stände als Leute. Das Spiel drehen lässt sich so nicht.

Zurück ins Hotel. Gepäck holen. Mit derStraba zum Bahnhof. Mist. Ich habe die Abfahrtszeit eine Stunde zu früh in Erinnerung. Also warten. Ein schönes Gebäude das an die klassische Epoche der Eisenbahn erinnert. Die Wartehalle ist gepflegt. Das Interieur sorgsam erhalten.

Gegen 16.30Uhr ist einchecken. Bisher lief alles digital. Jetzt wird auf Handbetrieb umgestellt. Eine Mitarbeiterin an der Schranke, die die Schlange steuert. Jemand der den QR Code einscannt. Der / die nächste verteilt die Passagiere auf die Eingänge und dort steht jeweils am Wagen Für jeden Wagen ein Schaffner. der Platzkarten verteilt.

46 Stunden bis Milwaukee liegen vor mir. Ich habe Glück. Der Platz neben mir bleibt frei. Die meisten Fahrgäste steigen an kleinen Unterwegs-Stationen aus. Dort wo ein Airport fehlt. Der Name des Zuges „Empire Builder“ erinnert an die glorreiche Zeit der Besiedlung Amerikas. Heute sind es Doppelstockwagen mit sehr viel Platz. Rund 1,50 Meter Sitzabstand. Die Sessel können fast waagrecht gelegt werden. Der Mittelpunkt der Garnitur ist der Observation Car mit einer herrlichen Rundumsicht.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Sonntag, 20.Oktober Portland

Auf dem Programm steht heute: Museum of Art. Zufällig liegt es auch noch fast in Sichtweite zu meinem Hotel. Blöd nur: Erst laufe ich trotz Navi in die falsche Richtung und dann wird das Haus auch noch umgebaut. Die klassischen Sammlungen bleiben fast vollständig im Depot. Nur für zwei Sonderausstellungen sind Räume geöffnet.

Im Erdgeschoß sind Fotographien des Beatles Paul McCartney aus den Jahren 1963 und 1964 zu sehen. Naja, meine erste Reaktion. Weit daneben. Es ist die Zeit als vier Liverpooler Jungs innerhalb von Wochen aus kleinen Clubs Weltstars werden. All die Tourneen durch England, Europa, die USA. Jede Minute scheint verplant. Die Künstler müssen nur eins: Von gestern auf heute: funktionieren.

Den Fotos von McCartney fehlt die Inszenierung, die der Begleittross auf Schritt und Tritt verlangt. Es sind quasi Fotos aus dem Familienleben. Bilder die die Situation unverfälscht einfangen. Den Stress, die Müdigkeit, die Albernheit. Auf manchen Fotos sind Ringo, Paul, John und George kaum zu erkennen. Man sieht 20jährige Teenager und nicht die Kunstprodukte die die Plattencover und Musikmagazine verkaufen.

Nebenbei: Die Ausstellung wurde heute eröffnet. Halb Portland über 80 schien hier anwesend zu sein. Irgendwie habe ich das Gefühl, viele der Gäste haben den ersten Auftritt der Fab Four in der Ed Sullivan Show 1963 live gesehen.

Eine zweite Sonderausstellung widmet sich der Psychedelic Art auf Postern von den Doors, Greatful Dead, Janis Joplin, Big Brother, Hendrix etc. War nie so ganz mein Ding.

Irgendwann hatte ich ein paar Kilo mehr an Gewicht. Der Vorteil: Ich konnte meine Batik-T-Shirts nicht mehr anziehen. Aber es ist schon ganz witzig: Da haben irgendwelche Graphiker im Drogenrausch solche Plakate entworfen und heute bemüht sich die gesammelte Fachwelt um möglichst wissenschaftliche Expertise von jedem einzelnen Pinselstrich

Danach noch in ein Einkaufszentrum gefahren. Wollte noch Wäsche kaufen, weil ich die getragene Ältere entsorge. War ein Flopp. Einkaufszentrum gähnend leer. Kein Angebot in meiner Größe. Dort beim Vietnamesen ein Sandwich eingeschoben und etwas Obst und ein belegtes Brot für das Abendessen gekauft.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Samstag, 19. Oktober Portland

Morgens faul. Habe mich von der Zugfahrt ausgeruht. Das Hotel ist sehr schön. Das Frühstück aber suboptimal. Haferflocken, Toast, Käse, Marmelade, Muffins und Kaffee: dreifach abgepackt. Anschließend ein wenig gearbeitet und mit Sonja telefoniert. Die Kommunikation heute ist schon ein Wunder wenn man wie ich vor über 50 Jahren erlebt hat, dass ein Telefonanruf zuhause manchmal mit einem Tag Warten in einer zugigen Poststation verbunden war.

Mittags habe ich mich dann aufgerafft, das Eisenbahnmuseum hier zu besuchen. Klein aber fein. Eigentümer ist wohl die Stadt Portland aber betrieben wird das Haus von Volunteers, die dreimal die Woche hier arbeiten. Sie halten drei Lokomotiven und einige Wagen betriebsfähig, eine Herkulesaufgabe. Zwei der Loks sind deutlich größer als alle Maschinen, die ich aus Deutschland kenne. Alleine die Räder überragen mich um mindestens 40 Zentimeter. Eingesetzt wurden die Maschinen vor den schweren Güterzügen in den 1940er und 1950er Jahren. Quasi die letzte Blütezeit des Dampfs.

Der Star des kleinen Museums. Die Maschine zog den Freedom-Train zur 200 Jahrfeier der USA durch 48 Bundesstaaten.

Zwei unterschiedliche Generationen.

Kleinere Reparaturen werden in einer Art „Gläsernen Werkstatt“ selbst erledigt.

Leider konnte das Außengelände nur aus der Ferne besichtigt werden. Dafür habe ich wieder viel zu viel Geld im Museums-Shop ausgegeben. Eigentlich hätte ich noch mehr kaufen müssen. Die Kappen, Regenjacken und Jeanshemden waren sensationell preiswert.

Nach der Besichtigung Essen in einem kleinen Vorstadtimbiss gegenüber. Gute Pizza. Und das Beste: Man sitzt an einem großen Fenster ohne Glas wie an einer Bar und beobachtetz die Straße und die gegenüberliegende Bahnstrecke. Wie bei uns früher auf dem Dorf.

Zurück mit der Straba. Ich bummle noch ein wenig durch die Innenstadt. Gestern habe ich das noch nicht so wahrgenommen: Straßenweise Leerstände. Kein einziger Laden mehr da. Nur blinde Scheiben. Dabei hat die Stadt doch alles. Hübsche Gebäude, die sich zu einem harmonischen Bild fügen, viel Grün, Radwege, preiswerte Parkplätze, ein wirklich gut ausgebauter ÖPNV weit in die Region mit einer Art Stadtbahn.

Eine Entwicklung, die auch uns in Deutschland droht. Ich fürchte ja. Die Entwicklung wird über den Teich schwappen. Und ich fürchte unsere Rezepte greifen alle nicht, weil sie nicht radikal genug sind.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Freitag, 18. Oktober Sacramento nach Portland

Der Zug steht bereit. In der Nacht schlafe ich einigermaßen. Morgens finde ich mich mitten in einem Gebirge wieder.

Die Landschaft draußen ist atemberaubend. Seen, schneebedeckte Gebirge, Herbstwald. Auf steilen Rampen überquert der Zug ein Gebirge. Später geht es weiter durch eine Ebene Richtung Portland.

Die Einfahrt in den Bahnhof lässt wenig Gutes erwarten. Zelte, Pappkartons notdürftige Abdeckungen. Im reichsten Land der Erde ist Obdachlosigkeit ein Problem. Leute die ihren Job verlieren, stehen schnell auf der Straße. Draußen am Bahnhofsvorplatz erwartet mich eine Zeltstadt. Hier hausen kaum Migranten oder irgendwelche Streuner und Käuze, die halt nicht sesshaft werden möchte. Bei aller Vorsicht in der Einschätzung: das sind vom Anaschein in der Mehrheit Menschen, die vor einigen Monaten noch einen Job hatten, eine Wohnung, sich am Wochenende zum Barbeque mit Freunden trafen. Mit dieser Entwicklung steigt die Kriminalität. Das einstige Paradies Oregon belegt heute in der Kriminalstatistik der USA einen der vorderen Plätze.

Ein angenehmes Hotel erwartet mich. Bin wegen der Probleme, die ich draußen gesehen habe, sehr nachdenklich.

Eine Terrine vietnamesische Suppe 17 $ in einem Schnellimbiss. Das Bier (0,3) dazu 7 $. Man fragt sich, wer sich das Leben in den USA noch leisten kann. Ein Faktor für das Wiedererstarken von Trump?

Mich zieht es zum Basketball. Das heimische NBL-Team trägt ein Vorbereitungsspiel gegen Utah aus. Der Ticketkauf scheitert fast an meiner deutschen Telefonnummer. Karten gibt es im Normalfall nur aufs Handy. Ok. Für mich macht man dann doch eine Ausnahme. Die Sicherheitskontrollen am Eingang sind heftig und die Preise hoch. 0,3 Liter Bier 15 $. Geht´s noch? Dagegen ist es auf dem Oktoberfest in München wie bei Aldi.


Ich bin bei Basketball eher Laie. Aber selbst als dieser war zu sehen. Saisonvorbereitung. Die Jungs haben Spielzüge und Dreier geübt. Aber eines muss man den Amis lassen. Die Show ist immer perfekt.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar