Donnerstag, 23. Juni 2017 – Rund um das Schwarze Meer. Ankara, München, Mühlheim

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Das Frühstück korrespondiert nicht unbedingt mit der Qualität der Zimmer. Aber es ist das erste Mahl am Morgen seit drei Tagen, das sich Frühstück nennen darf.

Anschließend packen. Check out ist erst um 12 Uhr. Zeit, um durch die Geschäftsstraßen der Umgebung zu bummeln.

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Naja. Wenn ich jetzt noch Aldi finde, kann ich mich hier unten zwischen Georgien und der Türkei niederlassen. Ich habe lange überlegt, ob ich von Ankara aus zurückfliegen soll oder nur bis Georgien fahre. Weniger aus Angst vor Anschlägen mehr wegen der politischen Situation in der Türkei.

Am Ende bin ich froh die drei Tage mit dem Zug drangehängt zu haben. Nicht nur wegen der Landschaft. Es sind die Menschen und nicht die Regierungen. Ich habe mich auf dem Weg mit vielen Frauen und Männern unterhalten, angenehme Gespräche geführt. Embargos gegen Regierungen sind ein Teil, die Stärkung der Zivilgesellschaften durch kulturellen Austausch eine andere. Mir fallen die Menschen ein, denen ich im letzten Jahr auf dem Weg von Mühlheim zum Mekong begegnet sind, die Goethe-Institute besucht haben.

Ich war vor über 40 Jahren das erste Mal in der Türkei, eine Reise quer durch das Landesinnere damals. Danach immer mal. Die Entwicklung dieses Landes ist enorm. Straßen, Bahnlinien, Infrastruktur. Die neuen Trabantenstädte wirken auf den ersten Blick durchdacht. Keine Wohnmaschinen sondern gegliederter Geschoßwohnungsbau. Das Land erscheint im Vergleich zu früher sehr diszipliniert. Vielleicht ist der Grund weshalb in Deutschland ein so hoher Anteil der Türken für die Verfassungsänderung gestimmt haben, diese Ordnung. Als man als Gastarbeiter vor dreißig Jahren nach Deutschland kam, waren die Unterschiede in den Lebensbedingungen zwischen den Ländern  enorm. Heute gleicht sich das wirtschaftlich an. Für viele wächst somit vielleicht wieder der Wunsch in dieser „geordneten“ Welt die Rente zu genießen. Das scheibt man Erdogan zu. Wie lange er das freilich ohne Hilfe noch finanzieren kann, ist eine andere Frage. Der Schlafwagenschaffner im Nachbarwagen, der gut Deutsch spricht, outet sich als Anhänger des Präsidenten und ist sich sicher: Putin und Russland werden einspringen.

Was mir aufgefallen ist. Regierungsgebäude und regierungsnahe Unternehmen sind in eine Flaggenmeer eingehüllt. Im Alltag, im Basar, Geschäften und Kneipen ist die türkische Fahne kaum zu entdecken.

Die Menschen sind immer noch so freundlich und hilfsbereit wie eh und je. Diese Erfahrung will ich gerne mitnehmen.

Der Rest ist schnell erzählt. Airport. Ein ruhiger Flug. Umsteigen in München. Denkste. Lufthansa hat den Jet von München nach Frankfurt gestrichen. Für dieses Holpern im Betrieb ist das Unternehmen überhaupt nicht gerüstet. Ich werde eine Stunde hin- und hergeschickt bis ich Gepäck und Bahn-Fahrschein habe. Null Information. Ich habe Glück, ich kann meine Hand gerate noch in die Tür der abfahrbereiten S-Bahn schieben und erreiche noch den letzten ICE Richtung Hanau am Hauptbahnhof.

Eigentlich hatte ich ja bei der Planung des Trips vor, von München bis Frankfurt mit dem Zug zu fahren.  Falsch gedacht. Wäre ich nicht nach Frankfurt umgestiegen, wäre mein Flug nach München 200 Euro teurer gewesen. So produziert man auch Lärm über meiner Wohnung in Mühlheim.

 

 

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Mittwoch, 22. Juni 2017 – Ankara

Um 7 Uhr klopft der Schlafwagenschaffner an die Tür. Eine Stunde noch bis zur Ankunft in einer Station etwa 50 Kilometer östlich von Ankara. Hier enden die Gleise. Die Türkei baut an ihren Hochgeschwindigkeitsstrecken. Wir müssen in einen Bus umsteigen.

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Das bedeutet zunächst einmal auf einem schmalen Bahnsteig zwischen zwei Zügen balancieren. Ein letztes Foto von meinem Express, der mir gut 24 Stunden ein Dach über dem Kopf bot.

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Zum Abschluss leiste ich mir nach Tagen der einfachen Unterkünfte nochmal ein Plaza. Was heißt leisten: 40 Euro für einen großen Raum mit Frühstück. Alles vom Feinsten. Einziges Problem: Die nächste U-Bahn-Station ist ungefähr 800 Meter entfernt. Mit dem Taxi bin ich gegen 10 Uhr morgens da und darf mein Zimmer gleich beziehen.

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Blick aus dem verglasten Aufzug, trotz Höhenangst

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Ankara ist eine junge Großstadt. Keine alten Soukhs, eher moderne Verwaltungsgebäude. Mich zieht es nach Okul. Hier ist eine Markthalle und in den Straßen ringsum Basaratmosphäre. Quasi am Tor zu dem Stadtteil eine große Moschee.

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Ich hole erst mal mein Frühstück nach. Vom Fasten während des Ramadans ist nicht viel zu bemerken.

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Die Lokale sind voll. Ich genieße noch einen Tee auf einer kleinen Terrasse. Von hier überblicke ich das Geschehen.

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Und dann rüber in die Markthalle.

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Das Angebot ist reichlich. Und alle Händler wollen fotografiert werden.

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Die Jungs vom Fisch, offenbar zwei Russen.

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Absolut frisch wie die Öffnung der  Kiemen beweist.

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Obst, Obst, Obst

Und Käse, Wurst, Gewürze

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Und dann noch die Abteilung Sweeties

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Abends auf Lokalsuche. Mein Hotel liegt im Regierungs- / Touristenviertel, keine gute Voraussetzungen für ein türkisches Essen zum Abschied. Ich marschiere Richtung Okul. Das Restaurant, das ich im Internet ausgewählt habe, ist komplett ausgebucht. Nach einigem Suchen finde ich in der Nähe in einer Seitenstraße ein kleines Lokal, auch voll besetzt. Ich finde noch einen Stuhl in einer Ecke.

An den drei großen Tischen sitzt die Nachbarschaft und wartet auf das Fastenbrechen. Auf der Tafel  stehen schon die Beilagen, die Getränke sind eingeschüttet. Ich werde gefragt, ob ich gleich essen möchte.  Ich schließe mich der allgemeinen Enthaltung an, was mit Wohlwollen aufgenommen wird. Wäre ja auch blöd, wenn ich den anderen etwas vorkaue. Wir müssen noch fünfzehn Minuten warten. Reden ein wenig. Nach meiner Einschätzung sind meine Tischgenossen Rentner, kleine Beamte. Männer und Frauen. Nur eine trägt ein Kopftuch. Englisch wird gut verstanden.

Das Essen ist sicher das Beste meiner 17tägigen Tour. Die Tochter des Hauses bringt mir eine kleine Haxe und der Chef serviert  anschließend noch die Spezialität des Hauses. Kleine Fleischstücke, ganz besonders eingelegt.

Ich esse ganz selten Desserts und dieses Pistazienzeug ist mir im Normalfall zu süß.  Aber die Tochter, die bedient, überredet mich noch zu einem Nachtisch.

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Der ist wirklich der Hammer. Wenig Süß, sehr gehaltvoll,  einfach nur eine toller Ausklang zum Abschluss.

Ich unterhalte mich noch mit dem Chef. Er spricht sehr gut Deutsch. Sein Bruder lebt mit seiner Familie in Hamburg.

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Zufrieden gehe ich zurück zum Hotel. Passieren kann mir nichts. Auf dem Weg liegen das Hauptquartier der Polizei, das Verteidigungsministerium und einige andere wichtige Behörden. So alle zwanzig Meter ein Posten. Und dazwischen immer ein Kiosk.

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Dienstag, 21. Juni 2017 – Rund um das Schwarze Meer – Kars – Ankara

Ich habe schlecht geschlafen. In der Nacht so  um vier verkündete der Muezin sehr laut den Beginn des Fastens. Ich höre mehrere Stimmen im Halbschlaf: irgendeine Art von Aufführung so zwischen Oper und Fronleichnamsprozession. Oder habe ich nur geträumt. Die folgenden drei Stunden nicke ich allenfalls für einen Moment ein. Das Zimmer ohne Klimaanlage liegt unter dem Dach und hatte sich über den Tag aufgeheizt.

Das Hoteleigene Taxi bringt mich zu Bahnhof.  Ich geselle mich zu den etwa zwanzig Fahrkästen auf dem Vorplatz. Sechs Jungs, allenfalls Heranwachsende, bewachen uns mit Maschinenpistole. Eine bunte Truppe: Militärjacke, Jeans und Turnschuhe. Von wem sind die denn: Polizei, Armee? Man ist nach einigen Anschlägen sehr nervös hier, besonders um öffentliche Gebäude.

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Der auf der Treppe gehört auch zu der bewaffneten Truppe.

Von Kars fährt einmal am Tag ein Zug ab. Der DOGU_Express nach Ankara. Ansonsten gibt es nur  einen spärlichen Güterverkehr. Aber die Türkische Staatsbahn hat großes vor. Die Strecke nach Georgien soll wiederbelebt werden. Im Herbst ist es soweit. Ein neues Stationsgebäude ist bezugsfertig, neue Gleise für den Güterverkehr werden verlegt. Eigentlich macht eine Strecke hier nur Sinn, wenn der Handel mit Russland neu belebt werden soll. Das Problem: Putin hat Zoff mit Georgien. Die russisch georgische Grenze ist sehr undurchlässig.

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Endlich werden die Wagen bereitgestellt. Zeit noch die Dampflokomotive zu fotografieren.

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Pünktlich um acht Uhr verlässt der Zug Kars. 24 Stunden dauert die Fahrt bis Ankara. Einmal quer durch die Türkei.

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Ich habe mir ein Single-Abteil im Schlafwagen 1. Klasse geleistet. Was heißt geleistet: Die Fahrt am Wochenende zu Ute mit dem ICE nach Kassel ist teurer. Der Schaffner erklärt mir auf türkisch wie ich das Bett aufklappe und bringt mit Wasser, Salzstangen und einen Schokoriegel. Sogar einen Kühlschrank nenne ich mein eigen. Hätte ich das nur früher gewusst.

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Ich mache mich auf Richtung Speisewagen: Frühstücken. Liegt es am Ramadan? Es gibt fast nichts. Der Chef macht mir einen Kaffee und schiebt eine Packung Reis mit Hühnchen in die Mikrowelle. Hätte ich doch nur im Hotel einen Happen gegessen. Aber irgendwie ging das heute so früh nicht.

Unser Weg führt zunächst durch eine Hochebene. Weiden und Felder. Der Schnee auf den Gipfeln in der Ferne zeugt von harten Wintern. Jetzt im Frühsommer ist Wasser reichlich vorhanden.

 

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Hirten bewachen Kühe und Schafe weiden. Die Arbeit erledigen die Hunde. Die Wächter beschäftigen sich oft ganz zeitgemäß mit ihrem Smartphon. Die Gleise sind an die Landschaft angepasst verlegt. Es gibt viele Kurven statt Brücken. Und hier oben gibt es kaum Dörfer.

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Nur wenige Fahrgäste wollen ein- oder aussteigen.

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Nach einigen Stunden endet die Hochebene. Der Zug muss in den folgenden Stunden einen Gebirgszug überqueren.

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Ezerum ist der erste größere Bahnhof. Meine Hoffnung hier etwas zu Essen zu finden, zerschlagen sich. Ich beginne zu verstehen, warum meine Mitreisenden heute Morgen große Kühltaschen schleppten.

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Die nächste Hochebene wirkt noch fruchtbarer. Wasser ist reichlich vorhanden und garantiert den Menschen ein Auskommen. Industrie Fehlanzeige. Ich sehe Reparaturwerkstätten für Traktoren und Landmaschinen.  Silos. Mielen. Oft ziehen noch Pferde die Transportwägelchen. Die Türkei exportiert reichlich landwirtschaftliche Produkte nach Russland. Für so eine Region ist das Embargo ohne Ausgleich der Verluste natürlich ein riesiges Problem. Embargo, klingt immer so einfach.

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Jetzt wird es richtig eng. Zwei Sunden lang bis zur Abenddämmerung schlängelt sich der Zug durch ein enges Tal. Tunnel um Tunnel, Kurve um Kurve, Brücke um Brücke.

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Beim Blick aus Fenster des hintere Wagens lerne ich einen Deutschen aus Rosenheim kennen. Wir hatten uns schon kurz im Hotel zugenickt.  Er ist 75 Jahre alt und reist mit seiner Frau auf Interrail durch Europa. 610 Euro kostet das Ticket für 31 Tage und er ist in dieser Zeit von Portugal über Finnland bis in die Türkei gefahren. Jetzt haben die beiden noch vier Tage Zeit für die Reise zurück nach Rosenheim. In unserem Zug waren die Schlafwagen ausgebucht. Sie  müssen die Nacht auf ihren  Sitzen in den normalen Waggons verbringen. Ich beneide sie nicht.

 

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Am Ende des Tales wird ein neuer See aufgestaut. Häuser verschwinden. Irgendwie erinnert mich das an die alten Geschichten mit dem Edersee im Heimatkundeunterricht..

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Kurz vor Mitternacht wiegen mich das Rattern der Schienen und mein MP3-Player  in den Schlaf.

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Montag, 19. Juni 2017 – Rund um das Schwarze Meer – Von Akhaltsikhe (Georgien) nach Kars Türkei

Morgens frühstücke ich in dem kleinen Restaurant im Erdgeschoß. Käse, Ei und Wurst. Die Grenze soll um 10 Uhr öffnen. Ich habe Zeit, den Rucksack umzupacken. Der Wirt, mein mindestens zwei Zentner schwerer Chauffeur, lacht als ich mich anschnalle. Auch er hat das Lenkrad auf der rechten Seite und überholt sein Leben gerne. Ganz besonders vor Kuppen und Kurven.

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Auf dem Weg zum Pass

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Mein Auto zur Grenze

Pech an der Zollkontrolle. Vor mir wird ein Kleinbus mit zehn Personen abgefertigt. Alle müssen aussteigen und stehen jetzt am Schalter vor der netten georgischen Zöllnern. Das dauert so um die drei Minuten pro Mann. Auf türkischer Seite werde ich zweimal Hin- und Hergeschickt. Auf Fußgänger ist die Abfertigung offenbar nicht wirklich eingerichtet. Alles geht glatt. Und ich habe eine Stunde Zeit gewonnen. Es ist in der Türkei 9.30 Uhr statt 10.30 Uhr wie in Georgien.

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Good Morning Turkey

Hinter dem Zaun steht weder ein Bus noch ein Dolmus-Taxi. Ein Baggerfahrer zeigt Richtung Dorf, das etwas abseits liegt. Ich marschiere lieber auf der Hauptstraße auf ein Gebäude zu, etwa 500 Meter entfernt. Beim Näherkommen sehe ich das wird erst noch ein Haus, ein Restaurant wie über der Tür schon zu lesen ist.

Ich beschließe mit dem Rucksack keinen Schritt mehr weiterzulaufen. Nach einer Viertelstunde hält ein Taxi. Meine Verhandlungsposition ist suboptimal. Die 20 Kilometer bis zum nächsten richtigen Dorf kosten mich 20 Dollar. Eine Wechselstube gibt es an der einsamen Grenze auch nicht.

In Posof will ich erst mal Geld tauschen. Mein Fahrer bringt mich zu einer Bank. Wartemarke ziehen, unnötig. Er verkündet laut ich sei Tourist, Germanski und deshalb jetzt sofort dran. Mir ist das Megapeinlich. Ein weiteres Problem: Am Schalter werde nicht mehr gewechselt, erklärt mir die Frau hinter dem Counter, draußen stehe ein Geldautomat: Fünfzig Euro rein – türkische Lira raus.

Geldautomaten sind in der Türkei so eine Sache, in Posof, dem kleine Gebirgsweiler ganz besonders. Etwa 20 Leute stehen in einem dichten Pulk vor der Money-Spender. Ein Wachtmann mit einer Pistole im Halfter managt das Geschäft. Man gibt ihm Karte und PIN, sagt wieviel man braucht und dann zieht er das Geld. Mein Taxifahrer erklärt der versammelten Mannschaft wieder: Tourist und Germanski und schon teilt sich die Schlange. Mir wird es oberpeinlich. OK. 50 Euro glätten, biegen und ab in der Schlitz. Türkische Worte blitzen auf dem Display, es summt, brummt und der Schein kommt wieder. Nach drei vergeblichen Versuchen probiere ich den nächsten Braunen. Gleiches Ergebnis. Ich vermute: die nagelneuen 50iger kann die Slotkiste noch nicht identifizieren.

Notgedrungen hole ich die Mastercard aus meinem Schulterhalfter. Immerhin: die Schritte werden mir jetzt in Englisch angezeigt. Ich bin wieder Herr des Verfahrens und kann meine PIN selbst eingeben. Das Problem: Ich bekomme 750 Türkische Lira und hätte gerne gewusst: Wieviel Euro sind das eigentlich.

Mein Taximensch fährt mich zum Busbahnhof. Dort steht eine Flotte von Dolmus. Er und die anderen Fahrer kommunizieren auf Türkisch und mir wird erklärt, es gebe nur einmal täglich einen Bus Richtung Ardahan und Kars. Morgens um acht Uhr. Und der sei leider schon weg. Aber es gäbe ein Hotel hier. Ich merke, ich werde gerade abgekocht mit geringen Chancen zur Gegenwehr. Die Nummer kenne ich bereits seit 1972. Ich weiß, heute habe ich keine Chance dagegen. In der Türkei fahren immer und zu jeder Stunde Busse. Aber wenn gerade von hier nicht, dann ist morgen früh mein Zug in Kars weg und meinen Flug ab Ankara kann ich knicken.

Also frage ich ganz nett, was es denn bis Ardahan koste. Wir einigen uns auf 200 Lira. das sind 50 Euro wie ich am Abend im Internet recherchiere. OK. Es sind auch fast 100 Kilometer.
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Die Aussicht während der Fahrt ist phantastisch. Ober auf einem zweiten Pass liegt noch Schnee. Unterwegs begegnen uns regelmäßig Busse einer Anzeige:  Ardahan – Posof“. Wahrscheinlich fahren die alle morgen früh um acht Uhr im Rudel zurück. Naja. Hoffentlich bezieht mich der Fahrer in sein Gebet ein, wenn er heute Abend vor Glück ein Lamm opfert.

An der Kreuzung vor Ardahan begegnet uns ein Bus. Ich werde umgeladen. Endlich. Es geht nach Kars. Denkste. Die Richtung stimmt zwar, aber nach 60 Kilometer biegt der Omnibus-Mensch Richtung Flughafen ab. Kein Problem glaube ich, der wird da ein paar Fahrgäste ausladen.

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Es ist ein Flughafenbus, der im gesamten Osten von Kars Passagiere sammelt. Und vom Airport nach Kars gibt es nur Transportmöglichkeiten, wenn Jets landen. Also die 500 Meter mit Rucksack zur Kreuzung zurück. Hier könne mich ein Bus nach Kars mitnehmen. Am Abzweig angekommen erklärt mir ein Junge per Google Translator ich müsse noch einen Kilometer marschieren.

Ratlos streife ich meinen Rucksack ab. Was hat Ute mir bei der Abreise gesagt: „Komm bloß nicht nach Hause und erzähle mal wieder, für den Scheiß seiest Du zu alt“. Doch Ute. Ich bin es definitiv!

Rettung naht von unserem „Freund und Helfer“. Ein Auto mit viel Blaulicht auf dem Dach stoppt. Drinnen zwei Jungs, die aussehen als kämen sie von den Dreharbeiten für Miami Vice. Jung, mega Cool und original Sonnenbrille. „Wohin ich denn wolle?“ glaube ich zu verstehen. „Kars“ antworte ich. Der Beifahrer macht die hintere Tür auf und winkt mich lässig mit der Hand hinein. So ganz wohl ist mir nicht. Aber was passiert wenn ich „Nein“ sage. Also setze ich mich zwischen all die Schlagstöcke und Handschellen und die beiden, die kein Wort Englisch verstehen, beginnen mit mir sofort per Google-Translator zu kommunizieren. Woher, wohin und so weiter.

Am Checkpoint am Stadteingang wird mir noch etwas mulmiger. Was wird ihr Chef sagen, wenn er einen Zivilisten im Auto sieht. Der lacht aber bloß. Er spricht gut Englisch und stellt mir seine Pflichtfragen. Einen Blick auf den Pass und dann muss ich erzählen, was ich mache und Frankfort. Und „oh yes“ sehe ich bei all den Jungs mit Maschinenpistole im Anschlag in den Augen. Da wären sie jetzt lieber. Der Oberpolizist erklärt meinen Fahrern noch genau wo das Hotel liegt und ich lerne mal die Vorteile von so einem Polizeiauto von innen kennen. Jeder vor uns, der zu langsam ist, wird weggehupt. Und wer Vorfahrt hat, ist doch klar. Wir lachen viel, ohne zu wissen was der andere sagt. Und ich werde standesgemäß bis vor die Hoteltür gefahren.

Das Zimmer kann erst gegen zwei Uhr bezogen werden. Ich deponiere mein Gepäck und lasse mir von der Rezeption eine Halbtagsausflug nach Ani, der alten armenischen Stadt 50 Kilometer von Kars entfern organisieren. Als ich den Wagen besteige, will ich mich anschnallen. „Germany?“ grinst der Fahrer und macht den Gurt los, der hinter dem Sitz festgeknotet war. Aber endlich ein Taxilenker der Tempo 80 fährt und kaum überholt.
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Ani ist weitgehend ein Trümmerfeld. Die Anfänge der Stadt reichen zurück bis zur alten Seitenstraße. Die flächenmäßig große Siedlung wird Omega-förmig von einem tiefen Canyon umschlossen und musste so nur nach einer Seite verteidigt werden. An dieser Stelle stehen noch die mächtigen alten Mauern. Ansonsten sind nur wenige Sakralbauten erhalten. Aber selbst diese Ruinen mit den hohen Kuppeln und Bögen lassen erahnen, zu welchen Leistungen hier Architekten und Bauherrn zu einer Zeit fähig waren, in der bei uns noch finsterstes Mittelalter herrschte.

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Hier finden sich aber auch noch ältere Zeugnisse der Besiedlung aus der Vorzeit

Das Dorf Ani nebenan ist bitterarm. Kleine Hütten aus groben Steinen, kaum größer als ein Raum. Ein Stoffbanner als Tür. Es hat den Anschein als habe sich die Türkei hier seit meiner Reise im Jahr 1972 quer durch das Landesinnere eher zurück entwickelt. Es gibt kaum noch Touristen hier. Mit mir sind auf diesem Denkmal der Menschheitsgeschichte noch eine türkische Familie und vier polnische Biker. Keine ökonomisch sinnvolle Grundlage für Cafés, Souvenirshops und Hotels. Der Mensch an der Kasse hat noch nicht einmal genügend Wechselgeld. Es ist halt nicht mehr viel los.

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Impressionen von der Rückfahrt

Kars selbst ist eine moderne, durchaus ansehnliche Stadt. Hier ist in den letzten Jahren investiert worden, auch in den Wohnungsbau, in formschöne mehrgeschossige Gebäude. Ich wundere mich, wie wenige Frauen hier ein Kopftuch tragen. Da ist die Quote in Offenbach höher. Viele Mädchen sind hier eher locker gekleidet. Das Leben hier scheint typisch für das Zentrum einer türkische Kleinstadt. Kleine Geschäfte, Teestuben.

Aus meinem Zimmer blicke ich auf ein Militärgelände gegenüber. Schwer bewacht. Ich erschrecke dann abends auch sehr als ich einen lauten Schuss wie aus einer Kanone höre. Es ist Ramadan, Sonnenuntergang, die Zeit des Fastenbrechens.

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Das Restaurant, das ich ausgesucht habe, finde ich nicht. Alternativ wähle ich ein dicht besetztes Lokal mit einem besonderen Konzept: auf den Tischen sind alle möglichen Zutaten bereits aufgedeckt. Jedem quasi sein eigenes Buffet, man wählt nur die Hauptspeise individuell. Ich kenne das schon Malaysia. Der Vorteil im Ramadan. Die Gläubigen können unmittelbar nach dem Sonnenuntergang schnell den ersten Happen zu sich nehmen.

Und dann passiert mir noch ein Fauxpas. Ich frage nach Bier oder Wein. Hätte mir eigentlich an der Kleidung und den Bärten auffallen müssen: Das Lokal ist religiöse sehr konservativ geprägt. Die Reaktion auf meine Bitte war entsprechend. Aber geschmeckt hat es trotzdem.

Auch die Suche nach Bier war am Ende erfolgreich. Die meisten Läden verkaufen keinen Alkohol mehr. In den riesigen Kühltheken immer nur Cola, Fanta und Wasser. Fast wäre ich an dem kleinen Kiosk vorbeigelaufen. Aber mir fiel aus den Augenwinkeln auf, dass die Scheibe seines riesigen Getränkekühlschranks blind war. Rein. Aufmachen. Mist: das ganze Efes war geplündert. Der Schrank fast leer. Klar hier wird doch trotz Ächtung weitergetrunken. Aber zwei Flaschen einer anderen Marke waren noch übrig. Und man konnte sie trinken. Gut sogar.

Im Hotel noch eine Stunde mit Ute geskypt.

 

 

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Sonntag, 18. Juni 2017 – Rund ums Schwarze Meer Von Tiflis nach Akhaltsikhe

Um 6.30 Uhr fährt der Zug ab Tiflis Central. Das Ticket muss ich auch noch lösen. In Georgien gibt es keinen Vorverkauf für Nahverkehrszüge. Der Junge an der Rezeption sollte mich um 5 Uhr wecken. Zum Glück habe ich auch das Handy auf 5.15 Uhr gestellt. Als ich um Viertel vor Sechs das Hotel verlasse, schlummert der Knabe weiter friedlich auf der Couch neben dem Desk.

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Der Bahnhof in Tiflis öffnet um 6.00, theoretisch, aber eigentlich auch praktisch. Aber es merkt kaum einer. Vor dem Casino neben dem Haupteingang stehen die gleichen Schränke wie am Vorabend. Es mag nicht derselbe Kerl sein aber geclont wirken sie alle. Kurzhaarschnitt, schwarzer Anzug, Schlips, breite Schultern, ein Jacket, das um den Bauch zu eng ist und ein grimmiges Gesicht.

Vor der Automatiktür wartet eine Menge von dreißig Personen. Um 5.58 Uhr schließt der Wachmann auf. Die erste Reihe drängt gegen die Tür. Nichts passiert. Zu. So um die zehn Minuten stehen sich beide Seiten gegenüber: drinnen der Schlüsselmann mit Pokerface, draußen nervöse Fahrgäste, die zu ihrem Zug müssen. Beide getrennt durch eine Scheibe. Endlich und zum Glück möchte eine junge Dame das Gebäude verlassen. Auch bei ihr reagiert der Sensor nicht. Sie bittet den Wachmann um Hilfe, der ihr erklärt -so interpretiere ich seine Geste- die beiden Scheiben mit den Händen einmal auseinanderziehen. Es funktioniert. Und fortan reagiert der Sensor. Und weshalb haben wir jetzt gewartet liebes Pokerface.

Drinnen spule ich die übliche Routine ab: Fahrkarte holen, nach dem Bahnsteig fragen, einen Becher Kaffee und Wasser kaufen, dazu zwei Stückchen (vom Vortag).

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Mein Triebwagen wirkt leider nur von außen elegant. Drinnen ist er ziemlich heruntergekommen. Der Waggon wird voll. Im Mittelpunkt des Großraumwagens tummelt sich eine Gruppe von Jugendlichen, die Jungs mit einer Bierdose am Hals. Ich vermute mal: das Wochenende bis jetzt durchgefeiert wie „im Frühtau zu Berge“ sehen die nicht aus. Die etwa vierstündige Fahrt geht Richtung Borjomi. Von hier startet eine Schmalspurbahn ins Gebirge, die ich an meinem letzten Tag in Georgien unbedingt noch „mitnehmen“ möchte.

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Nach zwei Stunden wird die Landschaft gebirgig. Wir fahren durch ein enges Tal. Kleine Dörfer, Hängebrücken überqueren den Fluss. Der Zustand der Strecke wird von Kilometer zu Kilometer schlimmer. Immer öfter muss der Triebwagenführer sein Tempo auf Schrittgeschwindigkeit reduzieren.

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Aber immer noch zeugen Stationen von alter Pracht.

 

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Irgendwann sehe ich auf dem Nachbargleis ein Schmalspur-Krokodil mit den zwei Wagen wie aus dem Museum. Schnell aussteigen.   Aber es ist noch Zeit. Der Lokführer entspannt auf einer Bank im Schatten.

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Auf den Plastikbänken sitzen bis jetzt nur vier Eisenbahnfans.

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Schaffner und Rangierer schwätzen noch ein wenig bei einer Zigarette. So langsam füllt sich das Bähnlein auch mit Einheimischen. Pünktlich um 10.55 Uhr ertönt ein lauter Pfiff. Es geht steil bergan, in endlosen Kurven, Serpentine um Serpentine. Jedes Seitental wird bis in die letzte Biegung ausgefahren, um mit moderaten Steigungen Höhe zu gewinnen

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Der Mini-Zug hält an kleinen Stationen, manche sind wahre Kleinode mit geschnitzten Geländern und Säulen mit kunstvollen Ornamenten, die Vordächer stützen. Nur: Sie haben die besten Jahre hinter sich.

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Fünf Minuten Zeit für einen small talk mit der Mannschaft des Gegenzuges ist immer

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Weichen müssen dann gestellt werden

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Dieselbe Blumenwiese von unten und oben. Der Zug hat sie mit einer 180 Grad Kurve umrundet.

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Der Mini-Zug hält an kleinen Stationen. Er bringt Bier zur Lok, das an der nächsten Station weitergereicht wird.

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Kühe haben Vorfahrt

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Er bekommt das Bier. Sieht man?

Die Landschaft ist abwechslungsreich: Blumenwiesen, Weiden, kleine Gärten, Wälder. Die Dörfer präsentieren sich mit der Zeit immer schmucker. Hier wird Urlaub gemacht: im Winter auf Ski und zur Sommerzeit beim Wandern. Viele Wege sind ausgeschildert. Die Hotels und Ferienwohnungen wirken von außen anspruchsvoll. Die Restaurants machen Appetit.

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Nach gut drei Stunden ereicht der Zug die Endstation, ein Ferienort umgeben von Steinbergen. Auf den Gipfeln liegt noch Schnee. Etwa 50 Eurocent hat der Spaß gekostet.

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Vor Abfahrt muss am Sammeltaxi noch geschraubt werden. Mit Gewicht.

Da Akhaltsikhe von Borjomi etwa sechzig Kilometer entfernt liegt, fahre ich die drei Stunden nicht mit dem Gegenzug zurück sondern laufe (mit Rucksack) den halben Kilometer bis zum Dorfplatz. Andere Mitreisende lassen sich hier mit dem Pferd abholen. Um 14 Uhr bringt mich ein Sammeltaxi in 40 Minuten nach Borjomi. Im Auto gibt es noch ein Kassettendeck. Nostalgie pur.

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Der Chauffeure bedeutet mir in Borjomi, gegenüber der Busstation an der Straße zu warten. Nach einer Viertelstunde kommen mir die ersten Zweifel, kein Haltestellenschild, habe ich Akhaltsikhe richtig ausgesprochen. Bei Freiburg hießen die Kicker aus Georgien doch auch irgendwann mal irgendwas mit „Willie“.  Kobiashvili, Iashvili und Co.

Endlich gesellt sich ein zweiter Mensch mit Tasche zu mir. Ich sage „Akhaltsikhe“ und er nickt. Weitere 30 Minuten vergehen. Mein Mitreisender stellt sich als Freund von Arthur Abraham vor. Erst kürzlich habe er den Boxer in München besucht. Und die beiden Dorfsheriffs drehen mit Blaulicht Runde um Runde. Etwa fünf Minuten dauert es: Dorfstraße hoch, Dorfstraße runter.

 

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Endlich: ein Dolmus-Taxi hält. Naja. In Deutschland wäre der letzte TÜV vor zwanzig Jahren möglich gewesen. Wir haben Glück: zwei Mädchen mit Rucksäcken steigen aus. Platz für zwei Neue. Der Wagen ist nicht größer als unser Sammeltaxi in Mühlheim. Da gehen so um die elf Leute rein. Hier hat man auf der gleichen Fläche 23 Schemel angeschweißt. Aber so unbequem wie es aussieht ist es nicht. Und die georgische Musik macht Laune.

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Meine Pension in Akhaltsikhe liegt keine 100 Meter vom Busbahnhof entfernt. Ich hatte mir das Bild vom Haus eingeprägt. Also keine Fragerei. Und ich habe es wieder mal gut getroffen. Ein einfaches Zimmer aber sauber und mit Dusche und Toilette. Ein großes schönes Wohnzimmer mit einer bequemen Couch dient den Gästen gemeinsam. Die Besitzerin begrüßt mich mit einer Obstschale.

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Über dem Haus steht oben auf dem Berg eine riesige Festungsanlage. Unten läuft eine Terrasse um die kleine Pension. Auf der einen Seite ein kleines Restaurant auf der anderen ein Dorfladen mit ein paar Stühlen vor der Tür, so wie ich es mag. Ich ignoriere die Werbung,  kaufe mir eine einheimische Dose Bier,  und genieße die Sonne

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Abends dann Essen auf der anderen Hausseite. Das Fleisch wird noch über dem offenen Feuer gegrillt, ein guter Salat dazu und ein letztes Mal Teigtaschen.

Die Tochter, die leidlich Englisch spricht, empfiehlt mir ihren Vater für den nächsten Tag als Fahrer zur türkischen Grenze. Für zehn Euro will er mich die 20 Kilometer zum Pass hinaufbringen. Ein Bus lohnt offenbar nicht.

Ich surfe noch ein wenig im Wohnzimmer. Ein Schlaftrunk noch und ich träume von meiner Schmalspurbahn.

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Samstag, 17. Juni 2017 – Rund ums Schwarze Meer – ein Tag in Tiflis

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Mist, aber ich habe es schon geahnt. Auf booking.com war mein Bahnhofshotel nur eine Nacht frei. Der Mensch an der Rezeption schüttelt heute morgen  nur den Kopf: von Samstag auf Sonntag ausgebucht. Ob das an den vielen Pärchen liegt, die hier übernachten? Ich finde im Internet ein Hotel vielleicht zweihundert Meter Richtung Stadt. Und ich habe Glück. Der Eingang in den langgestreckten Hof wirkt zwar nicht sehr vertrauenserweckend aber dafür steht in der hinteren Ecke ein Backsteingebäude, das gerade revitalisiert wird. Das Haus hat erst vor kurzer Zeit eröffnet. Schöne Zimmer und man bemüht sich, mir bloß alles recht zu machen. War nicht notwendig. Ich bin auf den ersten Blick zufrieden.

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Erst mal frühstücken. In der Bäckerei nebenan lasse ich mir ein Käseteilchen warm machen, einen Kaffee brühen und setze mich ans Fenster Leute gucken. Die Menschen hier wirken entspannt. Man geht seinen Geschäften nach ohne hektisch zu wirken. Tiflis ist für mich die Stadt der Bäume. Viele Bürgersteige säumen zwei Pflanzenreihen mit einem dichten Blätterdach. Da bleiben  die Temperaturen angenehm. Und im Abstand von zwanzig Metern stehen formschöne, unbeschädigte, bequeme und saubere Bänke. Adjektive, die beim urbanen Mobiliar in unseren Breiten in der kompletten Kombination eher selten sind.

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Ja und den musste ich fotografieren. Gab es nicht einmal einen Getränke Hoffmann in Offenbach? Anyway. Hier fahren die Sprinter und Lastkraftwagen, die es bei uns nicht mehr über den TÜV bringen, zu Hunderten mit den Original-Aufschriften aus den Siebzigern: Liecken Urkorn, Schöller Eiscreme, Spenglerei Maier, Schreiner Bolte und und und. In einem kleinen Dorf fuhr ein Kastenwagen mit der Aufschrift Gentlemen-Club an mir vorbei. Ich dachte noch: Naja hier auf dem Land? Dann fiel mir das kleine .de am Schluss der Internetadresse auf. Vielleicht transportiert das Fahrzeug, das einst bei uns der „Sünde diente“, hier täglich Nonnen zum Gebet.

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Ich  schlendere die drei Kilometer vom Hotel in die City um ein Gefühl für die Stadt zu bekommen: zunächst die Zufahrtsstraßen, die Fahrbahnen an den Kreuzungen doppelstöckig. Es folgt eine ruhige Zone. Hier wird am Rande der Innenstadt gewohnt. Danach ein Pracht-Boulevard mit edlen Geschäften, Parlament, Oper  und Theater, der auf diesem Vorzeigeplatz, der von internationalen Hotels begrenzt wird, endet.

 

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Gleich nebenan liegt die Altstadt, an vielen Ecken sorgfältig restauriert. Überall kleine Geschäfte mit Krimskrams, gemütliche Cafés, Pensionen und Restaurants, die Tische und Stühle auf der Straße stehen haben.

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Na. Und mit den Religionen, das geht wohl auch ganz gut zusammen. Hoffe nur, dass die obere Tafel nicht der Überbegriff ist.

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Ich besuche die Basilika. Ein beeindruckender Sakralbau.

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Das Uhrtürmchen ist keineswegs „antik“ sondern das Werk des Besitzers des Marionetten-Theaters vor dem es steht.

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Die Peace-Bridge ist ein gelungenes Bauwerk zeitgenössischer Architektur.

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Und ich überwinde meine Höhenangst, mache die Augen zu und steige in die Seilbahn.

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Der Blick von oben zeigt wie harmonisch sich die Quartiere in die Landschaft einfügen. Ein tiefes Flussbett durchzieht die Stadt. Unten, entlang des Wasserlaufs, die ruhige Altstadt mit wenig Verkehr und oben hoch über dem Wasser pulsiert das Leben.

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Ein Foto von einer Kirche noch..

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… dann geht’s in Hotel zum Packen .

Für den Abend habe ich ein Restaurant in der Nähe der Universität ausgesucht. Vorstadt schon aber mit Metro-Station. Die Lage birgt aber immer ein Risiko: Es ist zu oder ich finde es nicht und es gibt kein richtiges anderes Lokal in der Nähe.

Aber ich habe dreimal Glück:

– von der Metro in das Lokal sind es nur ein paar Meter
– ein Saxophon und ein Klavier machen angenehme Musik
– und es schmeckt

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Ich genieße vorweg Teigtaschen mit Fleisch. Dazu einen Salat „Tiflis“. Hauptgang ist eine Kartoffel- Fleischpfanne mit allerlei feinen Zutaten. Und ein Cognac zum würdigen Abschluss.

Es ist fast 23 Uhr. Die Metro Richtung City ist brechend voll. Die Studenten machen sich  auf, um ins Wochenende zu feiern. Wie bei uns und auch im Qutfit kaum zu unterscheiden. Ich überlege immer noch ob Georgien zu Asien oder Europa gehört. Im Fußball gehören sie zur UEFA aber auch sonst. Die Menschen hier könnten auch aus einem unserer Nachbarländer kommen.

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Ich muss morgen um 5.15 Uhr aufstehen. Es geht weiter. Abfahrt 6.30 Uhr Tiflis Central.

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Freitag, 16. Juni 2017 – Rund um das Schwarze Meer Von Yerewan nach Tiflis

Was sagte der Armenier gestern im Van? Armenien is eating and churching. Recht hat er. Er hat übrigens in Lüdenscheid, Köln und Heidelberg (welche Kombi) für zwei Jahre gelebt. Computerfachmann ist er wohl. Jetzt arbeitet er in Tiflis und besucht seine Familie, die nach wie vor in Armenien lebt. In Georgien gebe es halt die besseren Jobs.

Der armenische Libanese bzw. libanesische Armenier gestern Abend hat wirklich ein Lokal das den Besuch  lohnt. Aber mein Frühstück heute Morgen ist auch Super. Die Menge, die auf dem Tisch steht, reicht mir normal eine Woche. Das ist schon eher Brunch. Und es schmeckt.
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Mein Zug zurück geht erst nach drei Uhr, also Stadtbummel ist angesagt. Morgens um 10 Uhr wirkt die City wie ausgestorben. Die meisten Geschäfte machen erst gegen 11 Uhr auf. Kein Wunder, wenn Armenien  die halbe Nacht unterwegs ist.

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Ein Prachtstück.

Zeit zum Schlendern und Beobachten. Die Stadt wird von Parks geprägt. Überragt wird Yerewan von einer riesigen Statue, Teil  des Cafesjian Center for Arts. In der City steht fast auf jedem Platz moderne Kunst. Ein angenehmer Kontrast zu den historischen Gemäuern. Vor dem Cafesjian Center ist es fast wie in einer Galerie.

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Das Cafesjian Center of Arts liegt unter einer riesigen Treppenanlage, die den Berg vielleicht 100 Höhenmeter hinaufführt. Zum Glück laufen innen lange Rolltreppen. Das besondere: Man kann an den Übergängen abbiegen und kleine Galerien besuchen. In diesen Räumen ist jeweils ein überdimensionales Werk an einer Wand angebracht. Sehr traditionelle Kunst, sehr auf die nationale Identität fokussiert. Religion und Unabhängigkeit sind die bestimmenden Themen der Reliefs aus Stein und des Trịptychon. Es erinnert  eher an naives Schaffen. Im scharfen Kontrast dazu wird der Besucher an der endlosen Rolltreppe von modernen Kunstwerken begleitet. Manche herausragend. Ein toller Spannungsbogen.

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Von oben hat man einen Traumblick bis in die Schneeberge. Hier in der Stadt sind es aktuell 28 Grad. Leider ist es sehr diesig und ich muss voll in die Sonne knipsen.

 

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15.30 Uhr Mein Zug steht bereit. Im Sommer fährt er einmal täglich nach Tiflis zu einer Zeit, in der es lange hell ist. Gelegenheit aus dem Fenster  etwas von Armenien  jenseits seines Zentrums zu sehen oder besser zu erahnen.  Und der Unterschied zwischen Yerewan und den ländlichen Regionen ist deutlich. Das Leben in der Stadt ist europäisch mediterran. Schöne Geschäfte, urbane Quartiere, Kneipen, Eleganz und Subkultur. Draußen auf dem Land ist Armut zu spüren. Auch hier stehen überall leerstehende Fabriken. Dörfer sind verlassen. Die Magie der Lichter der Großstadt ist nur ein Teil der Erklärung..

Landschaftlich ist die Hochebene eine Augenweide. In der Ferne die Berge, auf die wir langsam zurollen. Später mit der Dämmerung begleiten den Express enge Täler, manchmal wirken sie kaum breiter als der Zug.

Mein Abteil ist sehr plüschig. Getränke und eine Schachtel Schokoherzen ist im Preis inbegriffen.

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Aber mich zieht es eher zu was Deftigen und ein Bier in den Speisewagen. Und wenn die Suppe dann noch Max heißt.

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Um 00.13 Uhr rollt der Express  auf die Minute pünktlich in Tiflis ein. Die Schaffnerin räumt schnell die Schokoherzen ab. Ich habe wieder im Bahnhofshotel gebucht. Sechs Stock mit dem Lift und ich liege im Bett.

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Donnerstag, 15. Juni 2017 -Rund um das Schwarze Meer – Von Tiflis nach Yerewan

Obwohl früh aufgewacht, vertrödele ich die  Zeit in meinem Zimmer. Auf dem Programm steht das Online-Kreuzworträtsel der ZEIT. Die nette Kollegin aus dem Infobüro hatte mir empfohlen, etwas später zu kommen, da die Vans morgens meist ausgebucht seien. Gegen 8:50 verlasse die  Metro-Station und sehe -wie gestern beschrieben- genau gegenüber vor Kirche und Park- zwei Vans mit dem Schild Yerewan. Und ich habe Glück. Zwei Plätze wurden storniert. Um 9 Uhr soll es los gehen. Kein Frühstück bis jetzt. Ich kann mir gerade noch einen Becher Kaffee besorgen.

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Die fünf Stunden bis Yerewan kosten etwa 13 Euro. Nochmal  Glück -so mein erster Gedanke, ich darf neben dem Fahrer sitzen. Also Beinfreiheit. Georgien hat wie Deutschland Rechtsverkehr. Nur war das Steuer bei diesem Van auf der rechten Seite, also ein Auto für den Linksverkehr. Um zu überholen, lässt  sich der Fahrer einige Meter zurückfallen, schert aus und Vollgas. Und überholen tut  er eigentlich immer.

Ich kann den Gegenverkehr meist früher sehen als er. Aber mit der Zeit fasse ich Vertrauen in sein mathematisches Genie. Mit einem schnellen Prozessor und massenhaft Arbeitsspeicher im Hirn berechnet er aus der Geschwindigkeit des Vorausfahrenden, der Entfernung des Gegenverkehrs und dessen Fahrtempo sowie der Leistungsfähigkeit seines Motors genau die Hundertstelsekunde in der es gerade eben wieder möglich ist, einzuscheren. Naja, mich trifft es ja als ersten.

Aber ansonsten von der Landschaft ist die Strecke ein georgisches Roadmovie.

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Tschüss Georgien

An der Grenze etwas Stress. Die beiden Belgier im Auto haben ein Visum aus Aserbaidschan im Pass. Das mögen die Armenier nicht und kontrollieren deshalb sehr genau.

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Endlich die erste Rast. Tanken. Und ich kann mein Frühstück nachholen: ein warmes Schinkenbrötchen.

 

Die Straße schlängelt sich an den Gebirgshängen entlang. Immer ein wenig aufwärts. Kurve um Kurve. Entlang des Weges  bieten Frauen Gemüse an: Gurken, Tomaten, Zwiebel und Obst. Die Gegend scheint fruchtbar zu sein. Auf der anderen Seite in Georgien reihte sich auf den letzten 20 Kilometern Stand an Stand mit Waschpulver und Hygieneartikel, wohl Mangelware in Armenien. Unsere Fahrer hatte sich mit Pampers eingedeckt, die er an einem kleinen Kiosk kurz auslädt. Import / Export. Kleiner Grenzverkehr. Überhaupt. Ab der Grenze klebt das Handy an seinem Ohr. Pausenlos klingelt es. Waren werden eingeladen, avisiert, ausgeladen. Ich bin ganz froh, dass er während er seine „Konkurrenten“ überholt, keine Sms schreibt.

In Armenien dominieren deutsche Automarken. Irgendwann halten wir auf einem Dorfplatz, wo wohl viele Vans und Sammeltaxen aus Georgien Station machen. Die Szenerie erinnert an die Mercedes Benz Niederlassung Frankfurt / Offenbach. Alle Autos haben  einen Stern. Einige nagelneu: Edelklasse oder mächtige SUV, andere repräsentierten die Flotte der achtziger Jahre.

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Die Gipfel, die ich vor mir sehe, machen mir Angst. Ich rechne im Kopf die Serpentinen aus, die es braucht um die Passhöhen zu erklimmen.  Aber die Sorgen sind umsonst. Ein Kilometer langer Tunnel führt unter dem Gebirge hindurch. OK: die Röhre wäre bei jedem ADAC Test durchgefallen: mir Abstand.

Auf der Südseite des Tunnels wird die Straße mit jedem Kilometer besser und endlich vierspurig. Dafür bricht ein Wolkenbruch über uns herein. Auf den Scheiben eine dicke Wasserschicht. Ich wäre in dieser Situation keinen Meter mehr gefahren aber unser Fahrer kämpft sich durch das Wasser, jetzt aber nur mit Tempo 80.

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Das Wetter wird aber bald besser. Schneebedeckte Berge ziehen an uns vorbei. Die Landschaft hier ist atemberaubend. Mittedrin ein großer See. Hier wird  nach dem flüchtigen Anschein in den Tourismus investiert. Viele Hotels, die schon von außen Appetit machen, einmal vorbeizuschauen, Ferienwohnungen, Restaurants.  Hier lassen sich sicher Bade- und Wanderurlaub gut verbinden.

Jerewan liegt in einem Hochtal. Ein breiter Kessel auf fast 1.000 Meter Höhe. In der Ferne ist ein Schneebedeckter Gipfel zu sehe (der Berg Ararat?) Ich stelle mir vor, dass dieses Tal einmal nach langen Regen überflutet war und so die Legende von Noah und der Sintflut entstand.

Der Verkehr wird dichter. Der Busbahnhof von Jerewan liegt etwas außerhalb der Stadt. Hier hängen Leitungen für O-Busse. Das macht nur Sinn, wenn diese ins Zentrum fahren. Ich habe Glück. Ich steige an einem belebten Platz aus und frage mich zur Metro-Station durch.
P1040100Das System ist einfach zu verstehen. Man kauft für ein paar Cent Plastikmünzen wirft eine davon in ein Drehkreuz ein und schon geht es eine lange Rolltreppe hinab. Das Foto mit dem Zug hat mich beinahe den Chip aus der Kamera gekostet. Fotos sind hier unten streng verboten.

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Mein Hotel soll in der Nähe des Bahnhofs liegen. So war es bei booking.com eingezeichnet. Vorher noch dieses martialische Denkmal knipsen. Warum stehen in den ehemaligen GUS Staaten an den Bahnhöfen immer diese Dinge rum, wie Klons. Anyway. Mein Hotel hat die Hausnummer 60. Nach 10 Hausnummern war ich etwa 300 Meter unterwegs. Ich rechne mir aus, dass ich noch ca. 2 Kilometer mit dem Rucksack auf dem Rücken bis zum Ziel marschieren muss. Offenbar hat der Besitzer ein wenig geschummelt, um eine Nähe seines Etablissements zum Bahnhof vorzugaukeln.

Hausnummer 14 ist auch ein Hotel.  Ich trete kurzentschlossen ein. Eine gute Wahl. Einfach und sauber. Ein kleiner Familienbetrieb in der Vorstadt mit viel Know How.

 

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Ausruhen. Und dann ein erster Stadtbummel. Mit der Metro ins Parlamentsviertel. Ein Spaziergang durch den Love-Park Richtung Zentrum. Ich hatte mir zwei Restaurants im Internet rausgesucht und zunächst Pech. Das eine wird von einer Frau in einer Wohnung in einem Hinterhof betrieben und als schwer auffindbar beschrieben. Auch ich scheitere an der Aufgabe. Das andere ist in einem Keller und der Chef erklärt mir: Wir machen gegen 20.30 Uhr -also in zehn Minuten auf- und sind wie jeden Abend ausgebucht.

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Pech und Glück, denn so lande ich bei einem Libanesen mit eine Crossover aus Mittelmeer und Georgien. Ein wunderbares Essen, auf einer schönen Terrasse.

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Das Leben hier scheint erst nach zehn Uhr zu beginnen. Überall in den Parks und am Straßenrand stehen Stände. Hier wird gegessen, getrunken, geschwätzt. Ich lasse das Geschehen bei einem georgischen Rotwein an mir vorbeiziehen.

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Ein Foto von der Oper noch kurz vor Mitternacht. Ich bin müde. S-Bahn, ein Bild vom Hauptbahnhof von Jerewan noch und dann Bett.

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Mittwoch, 14. Juni 2017 – Rund um das Schwarze Meer Im Zug von Kutaisi nach Tiflis

Naja, wenigstens fährt nach der Pleite vom Vortag der Mittagsexpress nach Tiflis.

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Express ist etwas übertrieben. Bis zur nächsten Station schleppt eine doppelte Diesellok den einen Waggon. Später werden noch vier Kurswagen angehängt. Wie in Russland bestehen die Fernzüge fast immer aus Schlafwagen, deren Liegen  zu Sitzen umgeklappt sind.

Wir schaukeln zu viert im Abteil langsam durch ein enges Tal. Ein Pärchen aus Tschechien  und eine Armenierin. Bei russischen Breitspurwaggons kommt kein Gefühl der Enge auf. Draußen begleitet uns eine satte Vegetation. Die Flüsse führen reichlich Wasser. Georgien entlang dieser Route  bietet Landschaft satt.

Und das Land ist preiswert. Mein Zimmer hat für die beiden letzten Nächte 30 Euro gekostet. Mein Frühstück heute morgen keine drei Euro für zwei leckere Blätterteigstangen mit Wurst, einer Creme und reichlich Schnittlauch innen, plus zwei Kaffee und Wasser. Gestern Abend haben meine Vermieter noch einen Teller mit georgischen Tapas aufs Zimmer gebracht. Ein Gedicht. Danach war ich satt bis zum Abwinken. Da passte gerade noch eine große Dose Efes in mein kleines Bäuchlein. Heute morgen ein netter Abschied. Nur der Hund stellte sich schlafend. Der hat mich auch die beiden Tage misstrauisch immer nur beäugt.

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Der Bahnhof von Tiflis ist der ja zu einem riesigen Einkaufszentrum mutiert. Wie in Deutschland  verschwinden Fahrkartenschalter und Info hinter Geschäften. Man muss suchen. Es sind ja auch kaum mehr als 15 Züge, die hier pro Tag abfahren.  Hinter den alten Mauern hat sich ein kontrastreicher Mix aus modern gestylte  Läden und Basaratmosphäre gefunden.

Am Schalter Superfrust. Der Zug nach Armenien am nächsten Abend fällt aus. Just an dem Tag sei Fahrplanwechsel und da sei das halt immer so im internationalen Verkehr in Georgien. (Liebe DBAG-gute Idee. Ein Grund um zweimal im Jahr den Betrieb einzustellen).

Mein Zimmer ist direkt hier in einem Hotel im sechsten Stock des Bahnhofs. Einfach aber ok. Mein Reiseführer beschreibt die Möglichkeit mit dem Bus nach Yerewan zu fahren.  Der Busbahnhof liegt etwas außerhalb, keine Metrostation in der Nähe. Vans würden aber auch vom Platz vor der Metro-Station Avlabai losfahren.

Ich beschließe dort die Situation zu checken und teste die Metro von Tiflis. Am Ausgang erwartet mich ein Wolkenbruch. Trotz Cape keine Chance draußen irgendwas zu finden. Im Reiseführer steht was von einer Tourismus Information. Die schließe um 18 Uhr, aber manchmal bleibe jemand etwas länger. Es ist 19 Uhr. Ich probiere es. Mit der Metro eine Station zurück, zwanzig Meter durch den Regen, mittlerweile blitzt es auch,  und tatsächlich hängt vor der Tür des „I-Centr“ ein open-Schild.

Die junge Dame hinter dem Schalter zuckt bei jedem Donnerschlag über uns ängstlich zusammen. Ich schmeichle mich mit einen „In the thunderstorm you are like my Girl friend“ ein und sie empfiehlt mir für die Tour nach Yerewan  einen Van zu nehmen. Die warteten just an besagter Metro-Station und würden alle zwei Stunden fahren und seien vom Preis kaum teurer als der Bus.

Mittlerweile nieselt es nur noch. In einer Seitenstraße empfiehl sich ein Lokal mit „Georgischer Küche“. Und es hielt, was die Reklame vor der Tür versprach. Mit einer letzten Dose Bier machte ich mich in mein kleines Zimmer im Bahnhof.

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Dienstag, 13. Juni 2017 – Rund um das Schwarze Meer – einen Tag in Kutaisi

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Zwei Nächte will ich in Kutaisi bleiben. Heute soll es ins Gebirge gehen. Auf der Strecke werden die letzten Boxcab-Loks eingesetzt. 9.20 soll Abfahrt sein. Der Kopfbahnhof ist ähnlich modern wie der in Batumi, nur dass hier noch weniger Züge ankommen. Die riesige Halle ist menschenleer. Hinter drei Schalterfenster und einer Informationsklappe langweilen sich uniformierte Beamtinnen plus reichlich Aufsicht.

Ein Ticket ins Gebirge, kein Problem. In den Aushängen ist der Zug gelistet und auch die aktuelle Digitaltafel draußen signalisiert eine baldige Abfahrt. Nur, es sind weder Lok noch Wagen  zu sehen. Nach einigen Fotos von den Maschinen  auf den Nachbargleisen frage ich einen Aufseher und erfahre, der Frühzug falle bis auf weiteres wegen Bauarbeiten aus. Er fahre nur an Wochenenden. Ich könne aber den Abendzug (ohne Rückkehrmöglichkeit am nächsten Morgen) nehmen. Auf meinen Protest kommt die Oberaufseherin, die leidlich Englisch spricht. Ich frage sie warum der Zusatz „wegen Bauarbeiten nur an Wochenenden“ bei dem Abendzug stehe bei dem Frühzug aber „Daily“. Bei dem reichlich unterbeschäftigten Personal wäre doch schon Manpower vorhanden, den Fehler auf den etwa zehn Ausdrucken im Bahnhof kurzfristig zu ändern. Ihre Erklärungen konnten nicht wirklich überzeugen.

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Bei und in Mühlheim passt maximal die Hälfte in so ein Sammeltaxi.

Also bin ich ins Stadtzentrum zurück marschiert. Um 11 Uhr fährt ein Minibus zum Kloster Gelati, im Mittelalter ein bedeutendes kulturelles Zentrum für Georgien.

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Seine Lage auf einem Gipfel ebenso beeindruckend wie die erhaltenen Sakralbauten und Wandmalereien. Derzeit wird die Anlage mit hohem Aufwand saniert. Hier oben ist es angenehm kühl, ich habe genug Wasser dabei und Bänke zum dösen gibt es reichlich auf der Wiese. „Leute gucken“ ist auch mal interessant.

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Blöd nur: Das Kloster heißt Gelati, so ein Eissalon in der Nähe wäre ja angemessen. Und außerdem: bei uns in der Rhön ist ein Kloster eh erst ein richtiges Kloster, das Sünden vergeben darf, wenn nebenan auch eine Klosterbrauerei Starkbier ausschenkt und kräftige Brotzeiten serviert. Und begrüßt werden die Pilger in der Rhön mit einem vollen Krug mit reichlich Schaum vom „Pater Tourismus“, der in der Regel drei Zentner schwer ist. Hier warteten draußen einige Stände mit Devotionalien, die sich im Verhältnis 1:1 zwischen der orthodoxen Kirche und der europäischen  Champions League von Bayern bis Real verteilten.

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Zurück in der Stadt genieße ich eine Kaffee mitten im Park. Ganz Kutiasi scheint  hier unter dem dichten Blätterdach Kühlung vor der Hitze zu suchen.

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Trotz Höhenangst mache ich mich anschließend mit der Seilbahn auf den Hausberg bevor ich zum Ende des Nachmittags durch die riesigen Markthallen stromere.

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Das mediterrane Angebot ist phantastisch. An Fleisch, Käse, Geflügel, Gewürzen und vor allem an Obst und Gemüse. Die Tische scheinen sich förmlich zu biegen. Von überall werden Kostproben gereicht.

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Zum Abendessen besuche ich das gleichen Lokal wie am Vortag. Bei herrlichem Wetter lädt die Terrasse zum Sitzen ein. Ein gemütlicher Ort zwischen all dem alten Gemäuern. Reisbällchen mit Käse stehen auf dem Speiseplan. Dazu exzellenten georgischen Rotwein plus Brandy zum Abschluss

Wie am Vortag. Das Essen ist gut, der Service eine Katastrophe. Junge Leute, die perfekt Englisch sprechen, aber wie aufgescheuchte Hühner sinnlos hin und her rennen. Bei zehn Tischen draußen und drei Kellnern sind über 30 Minuten definitiv zulange bis zur Aufnahme der Bestellung.

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Ja und der hat mich den ganzen Abend beobachtet.

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