Mittwoch 24. Okt. 2018

Amritsar – Pathankot

Heute ist Weiterreisetag in Richtung Himalaya. Ich habe Zeit. Mein Zug geht erst um 16 Uhr. Gelegenheit  zu lesen. Ein Tolino ist was Feines. Gegen 15 Uhr bringt mich ein Tuk Tuk zum Bahnhof. Es ist unklar auf welchem Gleis mein Express abfahren soll. Trotz Rolltreppe, wenn ich mir mit dem Rucksack Umwege ersparen kann, will ich das.

Ich suche die Auskunft. Der Info-Mensch sitzt in einem Gitterkäfig. Ich habe zehn Minuten Zeit ihn zu beobachten bis der Bahnsteig feststeht und er mit den Fingern signalisiert Platform 4. Er hat Stress. Viele Passagiere drängen sich um seinen Schalter, reden gleichzeitig auf ihn ein und auf dem Fußboden vor seinem Schreibtisch balgen sich die Mäuse.

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Zehn Minuten Verspätung. 300 Meter laufen. Ich muss ganz vorne einstegen. Ein IC-Waggon zweiter Klasse, naja bei uns 4. Klasse.  Die Sitze sind aufgerissen, die Scheiben schmutzig. Aber der Wagen ist im Gegensatz zu den tieferen Klassen nebenan  angenehm leer.

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Ich beobachte die Landschaft. Nichts deutet auf den nahen Himalaya hin. Alles flach. Die Bauern auf den Feldern beenden ihr Tagwerk. Reis und  Mais wird angebaut. dazwischen weiden Kühe.

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In Pathankot ist es schon dunkel als ich ankomme. Trotzdem brauch ich keinen Lift zur Herberge. Das Hotel liegt gegenüber dem Bahnhof, wohl das erste Haus am Platz. Sehr gute Wahl, keine 30 Euro.

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Einchecken. Und dann schnell noch einmal zum Fahrkartenschalter. Morgen möchte ich mit der Kangra Valley Bahn 150 Kilometer in den Vorhimalaya, auf etwa 1200 Meter. Ein Joy Train wie er hier genannt wird, Spurweite  600, gerade mal etwas mehr als ein halber Meter. Die Strecke  ist unter Fans berühmt, Kandidat für das Weltkulturerbe. Dumm nur: der Beamte erklärt mir, der Monsun habe ein Teil der Trasse unterspült. No Train, aber es würden Busse fahren. Frust hoch 2.

Busstation gesucht und nach 500 Meter gefunden. Ein hilfreicher Mensch erklärt mir, dass morgens um 8 Uhr, 8.30 Uhr und um 9.30 Uhr ein Autocar fährt. Reservierung sei nicht nötig.  Ich bummele noch ein wenig die Hauptstraße entlang und entdecke einen Nachtmarkt. Ein wenig schäkern und ich darf und soll knipsen.

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Das Restaurant im Hotel sieht eigentlich sehr vornehm aus, mangels Alternativen beschließe ich hier zu essen. Eine gute Entscheidung. Auf dem Speiseplan steht heute China – süß – sauer.  Und ich bekomme sogar während des Essens ein Bier. Alkohol darf eigentlich nur in der Bar ausgeschenkt werden.

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Dienstag, 23. Okt. 2018

Amritsar

Am Morgen ein weiterer Stadtbummel. Ein großes Zelt aus dem  Musik und Reden tönen, weckt meine Aufmerksamkeit.  Ich werde eingeladen, mich zu setzen und verfolge das faszinierende Schauspiel: Ist das jetzt eine Hindu-Feier, Straßenwahlkampf oder Wolldeckenverkauf, auf jeden Fall wird Show und Entertaiment geboten:  Ein Mann nickt bei meiner Frage Election?, Ein anderer bei Hindu-Festival.

Anyway: Ich verfolge das Spektakel eine gute Stunde. Immer wieder werden Zuschauer eingeladen, sich mit den Honoratioren und Würdenträgern auf der Bühne  fotografieren zu lassen. In Riegen  marschieren jeweils  fünfzig Leute mit Smartphone auf die Bühne und anschließend wird heftig gepostet. Der Event lebt nicht vom Augenblick sondern von der Multiplikation seiner Teilnehmer.

Zurück ins Hotel mit dem Tuk Tuk. Wieder so ein Fahrer der sich durchfragen muss.

 

Mittags fahre ich mit dem Taxi die 30 Kilometer zur pakistanischen Grenze. (hin und zurück 15 Euro inklusive drei Stunden Wartezeit, wieder schlechtes Gewissen). Hier wird allabendlich ein besonders Schauspiel geboten: Die Fahnenzeremonie zur Schließung des Grenztors.  Showtime für einen  hemmungslosen Nationalismus.

Eine wahre Karawane zieht ab Mittag  über die Autobahn Richtung Osten. Taxis, Kleinbusse, Tuk Tuks. Endstation ist  ein riesiges Parkhaus, umringt von Kneipen und Souvenirläden. Schon an der Toll-Station bieten  fliegende Händler lauthals  Indien-Kappen, Indien-T-Shirts und Indien-was weiß-ich-noch feil.

Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm, die Körperkontrolle härter als an jedem Airport. Die letzten 500 Meter müssen zu Fuß zurückgelegt werden. Pakistan und Indien haben auf ihrem Territorium jeweils eine Bühne in Form eines römischen Theaters angelegt. Die beiden Hälften ergänzen sich und wirken zusammengesetzt wie ein Stadion (auf indischer Seite Zweitligatauglich,  in Pakistan Hessenliganiveau). Der Grenzstrich ist quasi die Mittellinie. Die Länder Pakistan und Indien besitzen Atombomben, haben in der Vergangenheit mehrmals bewaffnete Konflikte ausgetragen, streiten sich um den Kaschmir und sind auch sonst in herzlicher Feindschaft verbunden.

Die Ränge füllen sich auf beiden Seiten langsam. Die Pakistanis sitzen jenseits des Zauns, knapp 50 Meter von mir entfernt. Zunächst fällt auf, dass „drüben“ die Männer und die – verschleierten- Frauen in getrennten Blöcken  sitzen. Nur im VIP Bereich sind Mädels ohne Kopftuch zu beobachten, Seite an Seite mit den Männern.

Das Tor ist noch  geschlossen. Ich habe mal gelesen, diesen Teil des Übergangs dürfen nur Fußgänger passieren. Die LKW´s werden 50 Meter weiter neben der Arena abgefertigt. Bald ist getragene Musik mit leicht bombastischen Arrangements zu hören.

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Die Show beginnt mit etwa 300 weiblichen Teenagern, die auf der Straße auf das Tor zustürmen und 10 Minuten ekstatisch tanzen. Anschließend paradieren Soldaten. mir scheint, die Choreographie und Abfolge der Schritte ist mit der Gegenseite abgestimmt. Alte britische Tradition oder trainieren beide Seite  heimlich nachts gemeinsam.

Auf beiden Seiten heizen Militärs mit Entertainerqualität  die Menge ein. Patriotische Parolen werden geschrien, Schmähgesänge auf den Nachbarn intoniert. Die wenigen europäischen Beobachter wirken eher konsterniert. Das Schauspiel erinnert an das Aufeinandertreffen von OFC und Eintrachtfans. Immer wieder animieren die  Einpeitscher ihr Publikum die Fäuste gegen den Zaun zu recken. Die Tonanlagen auf beiden Seiten reichen für ein Stones-Konzert. Verstummt die pakistanische  Seite – hier sind bedeutend weniger Zuschauer, dann ruft der Moderator aus Indien ala Block 2 im Kickers-Stadion gen Gästetribüne „Wir hören nichts“.

 

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Dazwischen ein Moment der Ruhe, der fast Hoffnung gibt: Militärs -offenbar die Profis- auf beiden Seiten treffen sich an der weißen Linie und unterzeichnen mit allen Formalitäten das Tagesprotokoll.

 

Danach beginnt der Aufmarsch der Trachtengruppen. Auf indischer Seite angeführt von zwei Frauen paradiert eine  Kompanie  im Stechschritt etwa zwanzig Meter vor das Doppel-Tor, das von beiden Seiten wieder geöffnet wird. Die Soldaten diesseits und jenseits tragen prächtig geschmückte Helme, Symbole der Macht. Am Grenzstrich stehen jeweils vier Uniformierte in Kampfmontur Auge in Auge.

Einzelne Mitglieder der kostümierten Truppen marschieren jetzt abwechselnd Richtung Barriere und posieren direkt am Grenzstrich wie Wrestler vor dem Kampf. Fäuste werden gereckt, Armmuskeln aufgeblasen, seltsame Laute ausgestoßen. Die Menge skandiert begeistert mit. Der Entertainersoldat hüpft wie einst Hänschen Rosental bei „Dalli Dalli“ auf der Laufbahn, animiert zum rhythmischen Klatschen, zum Beifall für sein Land und zu Buhrufen Richtung Pakistan.

Dennoch: die Handlungsablauf wirkt wie einstudiert. Rennen zwei Pakistanis los, machen sich zeitgleich zwei Inder auf den Weg. Bewegen  sich die Indier im Lauf- oder Stechschritt scheinen ihnen die Pakistanis nachzueifern.

Man mag  das Geschehen als Schwank, Lustspiel oder Komödie abtun. Mich gruselt nach  jedem Akt ein  Stück mehr. Nationalstolz sei ja gegönnt, auch wenn ich mit diesem Gefühl wenig anzufangen weiß. Aber was hier von offizieller Seite gepuscht wird, ist Chauvinismus Darüber kann man bei Ländern wie Andorra oder Lichtenstein lächelnd hinwegsehen. Aber hier stehen sich zwei der wichtigsten Länder Asiens gegenüber, hochgerüstet mit Atomwaffen. Was passiert, wenn die Show mal aus dem Ruder läuft.

Alles hat mal ein Ende. Ich warte sehnsüchtig darauf, dass die Sonne verschwindet und die Flaggen eingeholt werden können. Das geschieht wieder absolut synchron. Die Fahne keines Landes darf eher als die des anderen unten ankommen. Das würde als Zeichen der Unterlegenheit gewertet werden. Ich glaube der Uniformierte, der das mal vermasselt, darf die Latrinen der kompletten Heimatarmee mit der kleinsten Zahnbürste reinigen.

sdr

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(Showtime over)

Mein Fahrer hat mich gebeten nach der Veranstaltung, möglichst schnell die Arena zu verlassen, um dem Verkehrsstau zu entgehen.

 

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Zurück in Amritsar ins Hotel und dann nebenan in mein Lieblingsrestaurant. Hier gibt’s nicht nur kaltes Bier sondern auch ein super schnelles WLAN. Mit Ute geskypt und ein wenig Blog geschrieben.

cof

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Montag, 22. Okt. 2018

Amritsar

Die Millionenstadt liegt an der pakistanischen Grenze. Sikh-Land. Das  größte Heiligtum dieser Religionsgemeinschaft,  der Goldene Tempel, steht hier.

Frühstück geht besser. Bekomme ein undefinierbares Omelett und trockenen Toast mit Kaffee aufs Zimmer geliefert.

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Danach lasse ich mich  durch die Altstadt treiben, vorbei an all den kleinen Läden, den Werkstätten, in denen  mit primitiven Werkzeugen gearbeitet wird. Ich verlaufe mich ein wenig. Nicht schlimm, an jeder Ecke warten  neue Eindrücke, Überraschungen.

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Irgendwann stehe ich eher zufällig vor dem Goldenen Tempel. Eine prachtvolle Anlage. Schuhe und Strümpfe müssen vor dem Betreten ausgezogen werden. Ein Türwächter mit einem riesigen Schwert macht mich unmissverständlich auf diese Pflicht aufmerksam.

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(Kopfbedeckung muss sein, aber Kappe ist verboten.  Ute hast Du die angestachelt?)

Durch ein Wasserbecken und über eine Treppe betrete ich das riesige Areal, das von Gebäuden mit kunstvollen Verkleidungen gesäumt wird. In der Mitte öffnet sich eine riesige Wasserfläche, in der sich die die Pilger reinwaschen können. Ich bevorzuge es lieber um das Becken zu laufen. In der Mitte des riesigen Pools steht ein goldener Tempel, der über einen Steg zu erreichen ist. Überall  wachen Tempelwächter mit Lanzen über die Einhaltung der Ordnung.

 

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Sie sind  schon ein toller Anblick die Sikhs in Ihren farbigen Turbanen und ihre Frauen in den bunten Gewändern. Es mögen gerade einige tausend Menschen hier beten und meditieren. Im Garten nebenan ist eine riesige Mensa. Die Köche versorgen pro Stunde einige hundert Menschen mit einer Mhlzeit.

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Ich stelle mich bei der Geschirrausgabe an, aber dann verlässt mich der Mut, obwohl viele Reisende in Netzwerken berichten, die einfachen Gerichte seien gut bekömmlich. Anschließend sitze ich eine Stunde auf einer Bank vor dem Tempel und beobachte das Geschehen.

Und dann gönne ich mir Luxus pur: Belgische Waffeln mit Schoko, Pepsi und einen guter Cappuccino. Toll. Den Nachmittag bummele ich noch kreuz und quer durch die Randzonen der City, durch Handwerkergassen. vorbei an den Manufakturen und Geschäften der Möbelschreiner, Kesselschmiede, Gemüseproduzenten, Saftpresser, Gerüstbauer, Schmuckhändler, Devotionalienanbieter,  Konditoreien und Tuchfabrikanten.  Dazwischen wuseln Tuk Tuks, Rikschas, haushoch beladen, Bettler, Menschen die einen Handkarren schieben,  Pferdefuhrwerke und Nobel-Karossen um die Wette. Eine faszinierende Welt.

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Abends wieder in die Kneipe nebenan. Reis mit einem Käse / Tomatencurry.

 

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Sonntag, 21. Okt. 2018

Zugfahrt  Agra – Amritsar

Dank Umbuchung kann ich bis 7.30 Uhr schlafen statt um 4.30 Uhr aufstehen zu müssen. Und dazu noch ohne Klimaanlage.  Die Erkältung macht mir trotzdem  zu schaffen.

Frühstück am großen Tisch. Der Junge an der Rezeption hat schon das Tuk Tuk bestellt und ohne Auftrag nachgeschaut, ob der Zug pünktlich ist. Super Service. Am Bahnhof -Surprise, Surprise- Rolltreppen. Kein endloses Treppensteigen. Blöd nur: mein Zug ist etwa 400 Meter lang. Wagenstandanzeiger gibt es in Indien nicht und der Bahnsteigchef weiß auch nicht weiter. Pech: ich muss in dem Gedränge rund 200 Meter laufen. Mein Abteil ist ganz vorne.

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Da ich erst am Abend zuvor gebucht habe, erhielt  ich keine Platznummer mehr. Ich werfe meinen Rucksack auf eine leere Liege in einem freien  Abteil. Fünf Minuten später Fahrkartenkontrolle, zwei Mann hoch aber super nett. Mein Name ist auf der Computerliste drei Wagen weiter  verzeichnet bis Delhi jedenfalls. Erst dort könnte ich in dieses Abteil umsteigen. Ich deute traurig auf mein Gepäck und gebe zu verstehen, der Weg in das zugewiesene Kompartiment sei doch recht lang. Der Billeteur schlägt mir vor, nachzulösen (in Indien gibt es acht Wagenklassen, ich war wohl in einem Waggon mit einem Tick höher), kostet fünf Euro extra. Für uns kaum der Rede wert, in Indien  für viele Menschen mehr als ein Tageslohn. Mein schnelles OK  löst einen entsprechenden Blick „Na Ihr habt es ja“ aus. Um die Rückwand der Liege umzuklappen, wird der Boy bestellt. Bis dieser erscheint, habe ich das Problem mit einem leichten Handgriff gelöst. Ein Hinweis, wie sehr in Indien auf Hierarchien geachtet wird.

Allein im Abteil, Zeit die Landschaft passieren zu lassen. Die Region ist ländlich geprägt aber erstaunlich dicht besiedelt. Der Zug fährt meist an den  Hinterhöfen der Städte vorbei. Ich war in vielen Slums und Ghettos dieser Welt, habe Menschen gesehen, die in Blechhütten und hinter Kartons hausen. Aber das Bild hier übertrifft alles. Lumpen über einer Stange dienen oft als Dach oder ein Erdloch. Überall Berge von Dreck, Unrat und Abfällen. Schwer auszuhalten dieses Sightseeing aus dem 1 Klasse Eisenbahnwaggon.

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(Begegnung mit dem Gegenzug)

Der Schaffner sucht das Gespräch mit mir. Gelegenheit Interessantes über seinen Alltag zu erfahren. Er ist um die 50ig und hat noch zehn Jahre zu arbeiten. Als Officer verdient er mit Zulagen etwa 850 Euro. Das ist bei der Bahn und in Indien ein Spitzenverdienst. Er ist schon  dreißig Jahre für die Indian Railway tätig. Sein Kontrakt garantiert ihm eine Abfindung und eine kleine Betriebsrente. Aber auch er muss Geld zurücklegen, wenn er ein Auskommen nach der Pensionierung haben möchte. Dennoch: es geht ihm besser als seinem Kollegen, der nach 2003 zur  Bahn wechselte. Dieser müsse laut gültigem  Tarifvertrag  für die Alterssicherung selbst aufkommen. In Indien müssten die Kinder die Eltern unterstützen. Er sei froh eine Tochter zu haben. Mädchen hätten ein höheres Verantwortungsbewusstsein gegenüber den Eltern.

Ich frage ihn  nach der  Zukunft der Bahn in Indien. Er hält nichts von den Plänen, in dem Land neue Hochgeschwindigkeitsstrecken zu bauen. Die Fahrten in diesen Zügen könnten sich nur wenige leisten. Besser sei es, die gegenwärtige Strecken  auf  eine Geschwindigkeit von 150 km/h zu ertüchtigen. Wegen der veralteten Signaltechnik steht mein Zug oft 20 Minuten auf freier Strecke. Die Zeiten sind in den Fahrplan eingepreist. Deshalb ist die Bahn hier pünktlich. Gut findet mein Gesrächspartner, dass die Staatsbahn die Hochgeschwindigkeitszüge in Japan und nicht in China kaufe. Japan sei eine Demokratie: „Wenn ich gewählt werde, darfst Du gegen mich sein und umgekehrt“. Aber sicher hat die Entscheidung damit was zu tun, dass China und Indien in Asien führende Hegemonialmacht werden wollen.

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In Delhi begleitet ein junger Mann seine Frau zu meinem Abteil. Als er sieht, dass sie mit einem Mann (mir) ihr Coupee teilen muss, ist die Laune dahin. Aber es ist nirgendwo ein Bett in einem Abteil frei, das nur von einer Frau belegt ist. Also lieber einem alten Europäer trauen als einem Inder. Aber der Sonntagnachmittag war für den Typ später zuhause sichtbar gelaufen.

mde

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(Ankunft in Amritsar)

In Amritsar mit dem Tuk Tuk ins Hotel.

Wieder ein Fahrer, der beim Einsteigen sagte, er wisse genau, wo die Herberge sei und dann verzweifelt sucht. Das ist wie im Taxi in Offenbach „Du sagen, ich fahren“. Gut, dass ich vorher auf Street View schaue und so kann ich die abendliche Fahrt genießen. Hotel, solala aber ok. Nebenan hat spät noch ein Restaurant auf und es schmeckt dort richtig gut.

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Samstag, 20. Okt. 2018

Agra

Zeit für Kultur. Und wenn, dann schon richtig. Gut geschlafen, auch weil ich die Klimaanlage abschalten konnte. Nachts sind  die Temperaturen  im Oktober im Norden des Subkontinents offenbar  moderat. Frühstück an einer  großen Tafel. Hat den Vorteil, Gespräche mit Menschen aus aller Welt führen zu können. Schön, es gibt hier keine Plastik-Orgie. Marmelade, Butter, Kaffee stehen auf dem Tisch.

Und noch was klappt. Das indische Bahn-Ticketing ist undurchschaubar. Vor vier Wochen waren die Verbindungen stark gebucht. für die geplante Fahrt am nächsten Tag nach Amritsar hätte ich um 5.50 Uhr am Bahnhof sein müssen. Es gab nur noch freie Sitze mit Umsteigen in Delhi, nebst vier Stunden Aufenthalt. Blöd, weil der Zug nach Amritsar  um 9.30 Uhr auch in Agra hält.  Im Internet gibt es plötzlich massenhaft Karten und die Jungs vom Hotel buchen ein Ticket.  Das kostet zwar jetzt mit 2o Euro  fast das Vierfache des 5.50 Uhr Zugs, aber ich kann Ausschlafen. Es gibt wohl immer im letzten Augenblick Touri-Fahrscheine.

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Pünktlich erschein  mein Guide nebst Fahrer und einem schicken Suzuki, zum Glück mit Klimaanlage. Knapp 30 Euro für zwei Leute plus Auto für sechs Stunden kulturelle Highlights, da bekommt man ein schlechtes Gewissen.

Auf zur herausragenden Sehenswürdigkeit in Indien, dem Taj Mahal. Wie in Delhi sind die Eintrittspreis gestaffelt: Einheimische berappen weniger denn einen Euro, Ausländer knapp 16 Euro, inklusive Wasser und Überziehschuhe. Dafür (und das auch mit unangenehmen Beigeschmack) müssen wir Langnasen nirgends anstehen. Vor dem Security Check gibt es vier Reihen. Inder Male und Female sowie Foreigner Male und Female. Die eine line ist etwa 50 Meter lang, die andere 1,50 Meter.

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Errichtet wurde der Taj Mahal, fast wie im Groschenroman, von einem Sultan, der mit dem Grabmal an seine geliebte verstorbene  Frau erinnern wollte, so die offizielle Lesart. Mein Guide meint: richtig sei wohl, dass die Frau kurz vor Ihrem Tod dem Gatten das Versprechen abgenommen habe, dieses Monument zu errichten. Ein Grund: er solle keine weitere Dame ehelichen  (ok – er hatte noch drei Nebenfrauen). Auch machtstrategische Gründe könnten  eine Rolle spielen. Als der Bau nach 29 Jahren eingeweiht wurde, begann der Sultan auf der anderen Seite des Flusses sein eigenes Mausoleum zu planen. Geblieben sind von diesem Projekt eine Mauer und ein Turm. Sein Sohn hatte den Protz und die Faxen des Alten dick und lies den Vater verhaften.  Er hatte eigne Vorstellungen für das Geld, sicher keine, die dem Volk nutzten.

Über 20.000 Menschen bauten den Taj Mahal. Für mich das schönste Bauwerk, das ich auf dieser Welt sehen durfte. Die gesamte Anlage mit ihren vier Toren, dem Park und dem Teich  ist absolut symmetrisch, auf den Millimeter. Das Grabmal  steht auf einem Fundament, das über ein hydraulisches System Senkungen des Bodens bis hin zum Erdbeben ausgleichen kann. Es wurden die edelsten Baumaterialien und Pretiosen verwendet: aus Persien, der Türkei, Belgien. Die Fugen der  Intarsien aus Edelsteinen  (Blumen und Schriften) im Marmor sind mit den Fingerkuppen nicht zu ertasten, so sauber wurde gearbeitet. Einige der Linien auf den Säulen gaukeln einen 3D Effekt vor. Der Taj Mahal ist ein Zeugnis perfekter Harmonie.

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(Lady Di hat hir gesessen Kate und jetzt ich, nur ohne Lady)

Das Grab im Innere hat für die Inder besondere Bedeutung. Die Schlange vor dem kleinen Raum ist geschätzte 500 Meter lang. Ausländer haben direkten Zugang. Drinnen herrscht ein unbeschreibliches Gedränge. Bei einer Panik ist hier nichts mehr steuerbar.

Anschließend haben wir noch das Agra Fort (ein Sultanspalast mit den Kemenaten für seine Mätressen) und  einen Tempel besucht.

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Beindruckend die Baukunst, die handwerklichen Fertigkeiten und das hohe Kunstverständnis in Indien vor über 500 Jahren. Die Kultur hier war der Europäischen jener Zeit weit überlegen. Ein Beispiel dafür, dass offene Grenzen und der Austausch von Menschen und Gütern nutzen. Aber die Geschichte von vielen Hochkulturen  zeigt auch,  Höhenflüge sind endlich (liebe Europäer). Jede Blütezeit egal ob von den  Khmer, den Inkas, den Hellenen oder den Perser hat sich überlebt. Und noch eines fällt mir beim Anblick von Bauwerken aus vergangenen Jahrhunderten immer  ein (jüngst Kolosseum in Rom oder Eiffelturm in Paris). Wenn es damals schon wie heute BIs und Volksentscheide gegeben hätte, wären wir um viele Kunstschätze ärmer.

 

Zum Ende der Tour der unerfreuliche Teil. Zum Programm gehört wohl der Besuch von Läden, die angeblich Kunsthandwerk produzieren, zufällig mitten im Hotelviertel. Erste Station: Handwerker, die wie im 16 Jahrhundert Intarsien fertigen. Als wir die Tür zum Laden aufmachen, rennen die „Künstler“ schnell zum Arbeitsplatz. Einer hat so glatte Hände und stellt sich so ungeschickt an, dass die Show eher wie ein  Ferienjob wirkt.

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Aber die Lady ist beim Verkaufsgespräch, das irgendwann im Keller fortgesetzt wird, Spitze. Eine Meisterin der psychologischen Steuerung. Aber ich bin auch nicht schlecht. Der Blick zum Abschied drückt eine gewisse Achtung aus. Die Jungs im Teppichladen nebenan waren als Promotoren eher blutige Amateure.

Abends ein Kellerrestaurant besucht, ganz schmal, wenige Plätze aber das beste indische Essen  bisher. Ein Kartoffelcurry. Der Chef war aber Muslim. Kein Bier. Trotzdem gut unterhalten.

 

 

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Freitag, 19. Okt. 2018

New Delhi – Agra

Übergangstag und Premiere in Indien. Mit dem Zug will ich von New Delhi nach Agra. Es  funktioniert. Nach dem Frühstück bringt mich ein  Tuk Tuk zum Bahnhof, ins Gewühle, Gepäck durchleuchten. Zwanzig Stufen mit zwei Rucksäcken die Treppe hoch, Gleis 3, zwanzig Stufen die Treppe runter bei 30 Grad und nebenbei noch die ganzen Typen ignorieren, die an mir zerren, um mir irgendwas anzudrehen. Das Netz an der Außentasche meines Bags  ist wieder ein Stück weiter eingerissen. Liebe Diebe: da ist nur feuchtes Toilettenpapier drin.

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Obwohl die Strecke nur circa 180 Kilometer lang ist, muss ich trotzdem einen Liegewagenzug nutzen, hinter Agra wird der Express noch weitere 2.000 Kilometer zurücklegen. Obwohl die Waggons nicht nummeriert sind, finde ich mein Bett dank der Unterstützung eines Inders schnell. Dumm nur: Upper Bed, also kein Blick durchs Fenster möglich. Dan schlafe ich halt.

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Der Zug fährt auf die Minute genau ab und hat in Agra nur 180 Sekunden  Verspätung. Kann mich nicht  erinnern, wann ich das letzte Mal in Deutschland so pünktlich am Ziel war.

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In Agra mit dem Tuk Tuk zur Pension. Ich bin begeistert. Ein großes Zimmer  in einer Villa für 28 Euro. Ganz einfach eingerichtet aber Megasauber. Das Bett ist gut. Die Nasszelle klinisch rein. Der Laden wird von Jugendlichen gemanagt, keiner scheint älter als 25 Jahre zu sein.

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Ein bisschen geruht und dann ein wenig durch das benachbarte Viertel gebummelt. Hier ist so eine Art Hindu-Festival, bei uns würde man es Love-Parade nennen.

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(Die Beiden wollten unbedingt aufs Bild)

Ohrenbetäubender Techno, vor, hinter und auf einem Wagen wird ekstatisch getanzt. Solange es hell ist, stampfen die Jungs vor den Autos und die Mädchen dahinter. Mit einbrechender Dunkelheit ziehen die Frauen ab. Auch ein Statement. Die Männer umtanzen jetzt mitgeführte weiblich anmutenden Holzfiguren.

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Abends habe ich lange nach einem Lokal gesucht. In die vornehmen Hotels will ich nicht und für Streetfood wie in Hanoi fehlt mir noch die Traute. Habe dann einen Laden gefunden, indem einige Inder sitzen, nach dem Gericht von meinem Tischnachbarn gefragt und bestellt. Einfach, gut aber für ein einfaches Lokal zu teuer.Für den Preis hätte ich auch nebenan in einem Fünf-Sterne-Hotel dinieren können.

Im Bett noch auf dem OP-Ticker das Spiel Kickers verfolgt. Nach dem 1:0 schlafe ich beruhigt ein und träume von vier Kickers Toren. Naja das Ergebnis ist ja bekannt.

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Donnerstag 17. Okt. 2018

New Delhi

Total verpennt. Das Frühstücksbuffet ist fast abgeräumt. Ich kann mir gerade noch drei Muffins schnappen, einen Kaffee drücken und der Koch hängt  noch  einen Banana Pancake dran.

Am Abend vorher hatte ich schon nach guten Apotheken gegoogelt. Hatte meine Cholera-Impfung verpennt, jedenfalls den zweiten Teil. Das kommt davon, wenn man den Abreisetag vertrödelt. Den ersten Teil des Serums hatte ich brav geschluckt, aber zum guten Schutz gehört die Wiederholung. Meine Hausgenossin Petra hat mir ein Foto der Packung nach Indien gemailt. Aber keine Chance: Das sei ein Deutsches Präparat, sagt der Pharmazeut. nach vielen Telefonaten stand fest: es gibt hier nur die  indische Cholera-Prävention. Aber die sei genauso gut, so der Apotheker, und es würde nicht schaden, wenn ich auf die deutsche Vorbeugung „erster Teil“,  das  indische Serum nehme. OK. Es wird bestellt und wie bei uns bis zum Abend geliefert.

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Ich mache mich mit der Metro und einem Tuk Tuk auf in Richtung Eisenbahnmuseum. Eine gute Entscheidung. Die Ausstellung liegt ein wenig außerhalb. Die Fahrt führt über Kilometern auf blitzblanken Boulevards, die von prächtigen Bäumen gesäumt werden, vorbei an tollen Villen in einen Park. Selbst ein Hupen ist hier draußen kaum zu vernehmen.

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Die Schau  hat tolle Exponate: Lokomotiven aus dem 18. Jahrhundert und edle Salonwagen der Maharadschas. Sie erzählt von den Strapazen beim Bau der Schienenwege und von der Kunst der Ingenieure, die steilen Strecken ins Gebirge zu trassieren.

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Auch wenn die Verantwortlichen an der Museumsdidaktik noch feilen könnten: Der Besuch lohnt.

Zurück zur  Apotheke Serum schlucken. Das Präparat sieht genauso aus wie das Deutsche, nur es schmeckt ekelhaft. Bei uns  spendiert die Pharmabranche wenigstens ein süßes Brausepulver als Neutralisator.

Abends wieder in (auf) eines der Dachrestaurants im Bazar. Gut gespeist Ein bisschen bummeln. So langsam freunde ich mit dem Trubel an.

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Mittwoch 16. Okt. 2018

Die Dachterrasse, auf der das Frühstück serviert wird, ist ein Kleinod. Ok. Der Lärm und das Gehupe sind auch hier, fünf Stock hoch, deutlich zu hören. Aber die Atmosphäre ist entspannt. Das Personal kompetent (dabei zahle ich für ein großes Zimmer mit viel Komfort keine 30 Euro). Das Frühstück bleibt eher indisch. Mein Rezept für die ersten Tage: Toast, Jam, Muffins und Banana Pancake.

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Blick vom Dach.

Auf dem Programm steht: „Erste Eindrücke von der City“. Habe im Internet eine Adresse von einem Fummler gefunden, der auf die Reparatur von Panansonic-Kameras  spezialisiert ist. Finde den museumsreifen Laden  auch in einem unterirdischen Basar irgendwo ganz hinten in der Ecke. Der Meister   telefoniert hin und her, aber ein Display für meine alte TZ 31 zu besorgen dauert eine Woche. Deshalb gibt er mir einen Tipp mit: Im Stand 234 verkauft  ein Händler billige ältere Kameras. Also durc das Gewühl zum Stand 234. Ich suche eine Sony Coolpix aus. Originalverpackt, aber mindestens seit fünf Jahren im Regal. Ich hatte das Modell  mal vor ewigen Zeiten bei Saturn gekauft für knapp 200 Euro. Dafür jetzt 90 Euro zu investieren, ist ok.

Zurück mit dem Bus. Einfach irgendwo einsteigen und tatsächlich fuhr der Oldtimer von British Leyland  fast bis zum Hotel. Der Schaffner wollte noch nicht mal Geld.

Mittags mit dem Tuk tuk zum Roten Fort. So langsam legt sich die Depri. Ich werde wieder sicher, lächle, wenn ich von allen Seiten angequatscht werde. So penetrant wie in Indien habe ich die Anmache  noch nie erlebt. Jeder hat eine Geschichte. Am Roten Fort steige ich aus dem  Tuk Tuk. Sofort will mich ein Koperer in das nächste Transportmotorrad ziehen. Das Rote Fort sei heute geschlossen, so der Schlepper,  für 200 Rupies (das ist der doppelte Preis der Hinfahrt) könne er mich in die Stadt zurückbringen. Ich kann vor Lachen kaum, denn gegenüber stehen die Leute in Zweierreihen vor dem Kassenhäuschen.

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Natürlich wollen mir „best friends“ auf dem Weg zum Schalter Sonderkontingente  zum halben Preis verkaufen (Inder zahlen an der Kasse 80 Cent, Ausländer 8 Euro). Mit meinem Einheimischen-Ticket wäre ich erst bei der letzten Kontrolle 500 Meter aufgefallen. Dann wäre die nette Dame, die mir das die Fake-Karte  andrehen wollte, schon längst entschwunden. Jemand spricht mich an: „Hallo ich arbeite in Ihrem Hotel und gerade ein super Angebot für eine Tour“.

Das Rote Fort dokumentiert das Leben der Fürsten und Mararadschas im 17 und 18 Jhr. Eindrucksvoll, nur das Gebäude für den Harem war etwas unterdimensioniert.

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Danach schlendern  durch das benachbarte „Old Delhi“. Das totale Chaos. Ein Durcheinander von Bussen, Lastwagen, Tuk Tuks, Rikschas, Lastenträgern, die Bürgersteige zugestellt mit Waren und Tischen, ein unbeschreiblicher Lärm. Hanoi ist dagegen eine Wohlfühloase. Aber ich komme immer besser mit dem Trubel zurecht. Ich habe vorher zu viel im Internet über die Risiken hier gelesen, mich verrückt machen lassen. Irgendwie läuft das. aber zwischendurch bin ich von der Straße schon zu Mc Doof geflüchtet, in Ruhe eine Cola trinken.

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Mit der Metro zurück zum Essen in mein Quartier. Das Lokal am ersten Abend war besser. Dieses Mal ist das Gemüsemahl völlig ungewürzt. Auf dem Weg ins Hotel die Abkürzung genommen, einen halber Kilometer durch enge Gassen, kaum einen Meter breit. Da Fenster und Türen offen stehen, kann ich einen Blick in die Wohnungen werfen. Der Schmutz und die Armut sind unfassbar. Die Küchen bestehen aus einem Brett mit Gaskocher und Waschschüssel, eine Decke auf dem Fußboden ist das Schlafzimmer.

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Ja. Es gibt hier eine Oberschicht, eine Mittelschicht. Witzigerweise: bei uns sitzen in den Bussen und S-Bahnen Ausländer, Alte und die weniger Reichen. Hier nutzen die Metro  die Jugend, die Mittelschicht, elegante Damen und die ausländischen Touristen. Die Armut ist  unvorstellbar. Passanten müssen  ständig darauf achten, nicht über verkrüppelte Menschen zu laufen, die auf der Straße liegen, vegetieren. Ich sehe Familien, deren Wohnung eine Baumscheibe ist. Wer bei uns glaubt, den Strom der Menschen, die es nach Europa zieht, aufhalten zu können, irrt. Jede Notunterkunft in Europa ist um ein Vielfaches besser als die Behausungen, die ich auf den 500 Metern durch schmale Gassen gesehen habe.

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Dienstag, 16. Okt. 2018

Von Dubai nach Delhi

Drei Stunden Aufenthalt in Dubai. Keine Lust auf Frühstück (20 Euro an der Bude) oder Bier (15 Euro). Zum Gate und überlegt, ob ich umdrehen soll. Nehme  dann doch den Platz in der 777 ein. Kaum Sitzabstand. Die Maschine transportiert in erster Linie keine langen und übergewichtigen Europäer sondern Asiaten, die am Golf arbeiten müssen. Unvorstellbare Mengen an Handgepäck finden trotz Kontrolle im Gate  ihren Weg in den Flieger. Irgendein Depp, der vier Koffer im Fach über mir verstauen will, setzt sich auf meinen Minirucksack, um ihn zusammenzupressen. So schnell kann ich das Toben „My Display“ gar nicht anfangen. Laptop ok. Tolino auch, leider habe ich Blödel nicht auf die Kamera geschaut: Beim ersten Foto in Delhi funktioniert nichts. Display gesprungen. Laut Internet 119 Euro in Aschaffenburg.

Flug ok. Komisches Gefühl über den Iran und Pakistan zu fliegen. In Delhi zieht sich die Passkontrolle. Mit uns ist eine Maschine aus Afghanistan gekommen. Es  dauert bei jedem Passagier gefühlte 15 Minuten und etwa 70 Leute harren vor mir. Hatte extra in Deutschland ein Visum beantragt, damit es schneller geht. Meine Schlange wird von drei Beamten bearbeitet, gegenüber bei Visa on Arrival sitzen zwanzig Beamte ohne Kunden. Mit einer Gruppe Chinesen versuchen wir es am anderen Ende der Halle. Da sitzt noch einer hinter dem Schild „Foreigner“. Kaum sind wir da, dreht er das „open“ um . Jetzt steht auf der Tafel „closed“. Also zurück. in den Pulk.  Die Chinesen ignorieren stoisch die Aufforderung der Wartenden wieder ans Ende der Line zu gehen. Zum Glück bin ich mitten in der China-Meute.

Irgendwann kommt ein netter Mensch und lots uns zum Counter für Einheimische. Stempel, durchwinken. Keine Fingerabdrücke, keine Einreisekarte, keine Deklaration von Wertgegenständen. Da sind wir mal gespannt auf die Ausreise.

btf

btf

Metro in die Stadt. Alle Vorplanungen auf Google Street view waren für die Katz. Tausende Autos, Rikschas, Mopeds, Tuk Tuk und was sonst noch versuchen sich an der einzigen Ausfahrt vom Bahnhofsgelände in eine völlig verstopfte Straße zu drängeln. Es  ist Feierabendverkehr. Mit dem  Tuk Tuk  zu dem etwa 600 Meter entfernten Hotel zu knattern,  hätte Stunden gedauert. Also mit zwei Rucksäcken bei 32 Grad  50 Stufen hoch zweihundert Meter auf dem Überweg über den Zentralbahnhof geradeaus,  auf der Gegenseite runter in ein ohrenbetäubendes Chaos. Irgendwie schaffe ich es bis zum Hotel. Die Gegend ist ziemlich runtergekommen. Aber meine Herberge 1A. Begrüßt werde ich mit Obstsaft, Früchten und viel Wasser. Das Zimmer ist sauber, mit Safe. Duschen. Schlafen.

Spätabends dann in den benachbarten Basar, Chaos pur auf 1500 Meter, aber das Essen auf einer Dachterrasse vier Stockwerke über dem Verkehr ist sehr schmackhaft.

mde

mde

sdr

sdr

Nur Bier ist hier teuer.  Hauptgericht 2 Euro, Bier 2,5 Euro. Aber der Blick vom Dach ist ganz amüsant. Im Zimmer mit Ute noch ein wenig geskypt und acht Stunden durchgeschlafen.

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Montag 15.Oktober 2018

Frankfurt Airport

Mein Freund Winni hat mich zur S-Bahn gebracht. Zum Abschied spüre ich eine gewisse Besorgnis in seinem Blick. Irgendwie hatte er Recht. Mit 68 Jahren nach Indien, dazu nicht organisiert. Wenn ich mit Ute oder Christian unterwegs bin, habe ich immer das Gefühl, sie  gewähren mir  „betreutes Reisen“.  Ich bin nicht besonders gut drauf, hatte den Nachmittag vertrödelt, obwohl noch einige Vorbereitungen für die Reise nach Indien zwingend erforderlich waren. Das wird sich rächen. Aber davon später mehr.

Indien? Irgendwie interessiert mich das Land (fast ein Kontinent) schon.  Ein Reiseziel  für Eisenbahnfans ist es allemal. Auf der anderen Seite: habe viel über Indien gelesen. Vieles törnt eher ab. Der Schmutz, die Anmache, eine dezente Kleinkriminalität. Klar: Nervös bin ich vor jeder großen Tour. Aber heuer war schon fast Lustlosigkeit. Ich war kurz davor umzubuchen. Nach Kassel zu Ute ging nicht, weil im Winter in Calden keine Jets landen. Aber Hanoi, wo ich mich fast zuhause fühle, wäre schon eine Option.

Also mit der S-Bahn zum Airport. Vor lauter Unlust habe ich noch nicht einmal auf das Ticket geschaut. Die Maschine sollte schon eine halbe Stunde früher abheben als ich dachte und dann auch noch vom Terminal 2. Die Zeitreserve ist auf einen Schlag dahin.  Und  auf dem Ticket ist mein Name noch falsch eingegeben: Mueeller statt Mueller. Der Fauxpas musste am Schalter  erst von ganz oben abgesegnet werden.

Aber irgendwie schaffe  ich den Check-in gerade noch so, um dann im Sitz angeschnallt eine Stunde auf Passagiere aus Anschlussflügen zu warten. Dafür ist  die Flugzeit eine Stunde kürzer als angegeben. Im A 380 ist genügend Beinfreiheit. Das Essen bei Emirates ist gewohnt unterdurchschnittlich und der Scheich hat das Bier rationiert. Zwei Dosen Tiger ist  wohl jetzt das Maximum in der Holzklasse. Ein etwas nervöser Flug, aber gerade noch ok von den Turbulenzen. Zwei Stunden geschlafen. Hätte länger sein können: aber das Mädel neben mir musste auf Toilette. Schüleraustausch nach Australien. Bei uns damals war Klassenausflug nach Bad Orb schon eine Weltreise.

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