Das Frühstück vier plus. Europäisch das Toastbrot und die bescheidene Obstplatte. Zunächst muss ich mich um eine Fahrkarte nach Peking kümmern. Ab hier ist nichts im voraus gebucht. Zum Glück muss ich nicht die 40 Minuten mit der Metro zur neuen Station, an der ich angekommen bin, zurück.

In der Nähe des Hotels steht ja noch der alte Deutsche Stadtbahnhof aus der Kolonialzeit, der immer noch genutzt wird, auch von vielen High Speed Trains.

Der alte Stadtbahnhof. Naja so ganz stimmt das nicht, auch wenn das Gebäude in jeder Deutschen Kleinstadt als Schmuckstück gelten könnte. Im Jahr 1904 nahm das Kaiserreich hier einen Bahnhof in Betrieb, im malerischen Stil des Jugend- und Späthistorismus. Er sollten in der „Musterkolonie“ bescheiden, gemütlich und heimatverbunden wirken. Auch hier lies die (chinesische) Bahn später das Gebäude vergammeln bis die Anlage Ende der 1980er Jahre dem rasanten Stadtumbau im Wege stand.

Er wurde abgerissen und ein langgestrecktes neues Gebäude errichtet, das stilistisch eine, wenn auch kleine, Brücke zu seinem Vorgänger versucht. Das fanden die Einwohner von Qingdao nicht wirklich lustig und hatten mit ihrem Protest Erfolg. Dort wo der alte Bahnhof stand, klatschte man ein Imitat der historischen Fassade an das neue Mauerwerk und baute den Uhrturm nach.

Freilich nicht original sondern höher und breiter. Aber es sieht täuschend echt aus. Im neuen alten Teil ist heute ein Museum. Im Anbau Ticketing, Wartebereich und Shopping. Der Gleisbereich wird von einer riesigen Halle überdacht.

Mensch habe ich mich auf den Fahrkartenkauf vorbereitet. Zugnummer aufgeschrieben, Ziel, Abfahrtzeit, 2. Klasse, Window. Vergebens. Der Beamte am Schalter spricht doppelt so gut Englisch wie ich. Mit einem schäbigen Kassenbon mit QR Code ziehe ich ab. Mensch waren das noch Zeiten als es Fahrkarten aus Karton gab. Die hat man nicht aus Versehen weggeworfen. Aber immerhin die Chinesische Bahn nimmt noch Cash. Ich kann meinen Bestand um vier Hunderter (52 Euro) abbauen.
In den Räumen hinter der angeklatschten Fassade informiert ein Museum über die Geschichte Schantung Bahn die hier aus Jinin endet. China, und das gilt nicht nur für diese Ausstellung, ist uns in Punkto Museumspräsentation und -didaktik mindestens ebenbürtig. Die Fortschritte im Vergleich zu meinem letzten Aufenthalt vor zehn Jahren sind enorm.

384 Kilometer war sie lang die Schangtung Bahn. Deutsche Ingenieure bauten sie ab 1904 in nur vier Jahren. Deutsche Ingenieure? Ja, die planten sie aber die Schwellen und Gleise legten chinesische Kulis unter menschenunwürdigen Bedingungen.


