Von Bahia Blanca nach Mar del Plata

Versorgt mit Bus-Ticket und Hotel-Reservierung geht es mittags los. Mit dem Taxi zum Busbahnhof. Das Fahrzeug ist das mieseste während meiner ganzen Reise. Und vor mir sitzen zwei Prolos die sich bei reichlich Alkohol lautstark unterhalten. Mein MP3 Player ist ohne Saft. Mein Charger im Koffer. Zum Glück verlassen die Jungs auf halber Strecke den Bus.

Irgendwann glaubt der Betrachter hier dass die Erde eine Scheibe ist. Sieben Stunden Fahrt durch die Ebene. Endlose Weiden, Kühe, selten Pferde. Viele Wege führen zu Farmen. Wie in den USA symbolisiert ein Tor den Zugang. Manchmal in Form eines Hufeisen oder eines Gatters.An den Pfosten hängt allerlei Kitsch. Kleine Kühe, Hörner, Strohballen oder Milchkannen. Getreide wird angebaut, Raps. Immer wieder schützen Hecken und kleine Wälder den Boden vor Erosion.
In den Dörfern Werkstäten für Landmaschinen, Geschäfte für Eisenwaren, Baumärkte, Saatgut, Baumschulen und alles was man sonst für die Landwirtschaft braucht. An den Tankstellen dominieren Pickups. Es ist ein wohlhabender Landstrich.

Mein Bus kommt lange nach zehn in Mar del Plata an. Wir müssen endlos warten weil der Boy der das Gepäck aus dem Bus lädt, abhanden gekommen ist. Am Taxistand ahne ich schon Übles. Der Fahrer kennt augenscheinlich das Hotel nicht. Mein Handy mit der Adresse und dem Weg auf Google maps wird herumgereicht. Eigentlich ist das Haus nicht schwer zu finden. Eine der Hauptstraßen immer geradeaus. Selbst auf eine Einbahnstraße muss der Droschkenkutscher keine Rücksicht nehmen.
Das Gepäck wird eingeladen. Es geht los. Nicht wirklich. Er dreht drei Runden um den Block. Den Spaß kenne ich, er regt mich auch nicht sonderlich auf, denn bei den niedrigen Taxitarifen versucht jeder ein paar Pesos, Dollars oder Bath extra zu verdienen. Kann ich verstehen. In Vietnam haben die Stadtrundfahrten manchmal schon kriminelle Züge, wenn der Taxometer heiß zu laufen droht. Dann steigt man einfach aus bevor man für zwei Kilometer 50 Dollar löhnt. Ich hole das Handy raus und zeige dem Fahrer, dass ich die Route verfolge. Dieser Versuch schlägt heute fehl. Der Mann beginnt in die gegengesetzte Richtung zu fahren. Ich sage „Stop“. Er bleibt unbeeindruckt und chauffiert mich noch weiter raus. Die Straßenlaternen werden spärlicher, die Gegend ärmlicher. Ok. Es macht auch keinen Sinn den Translator zu bemühen, Spanisch kann ich nicht, er kein Englisch. Das brülle ich gleich auf Deutsch los. Das verstehe wenigstens ich. Zurück, Retour zum Busbahnhof, Statinone de Omnibus. Nach dreimal brüllen dreht er.

Nach einigen hundert Meter stoppt er bei einer Polizeistreife. Upps. Davon habe ich schon gelesen, dass die Jungs unter einer Decke stecken. Ich fotografiere, auch ein alter Trick, sein Cockpit und seine Lizenz die am Rücksitz hängt und tue so als ob ich sie per WhatsApp verschicke. Einer von den Beamten kommt zum Fenster. Ich zeige ihm auf dem Handy wo ich hin will. Der Fahrer steigt wieder ein. Ich dirigiere ihn links, rechts und man muss kein Pfadfinder sein. Das Haus liegt direkt an einer Hauptstraße und ist mit zehn Stockwerken und reichlich Licht groß genug um es zu kennen.

Danach ist alles gut. Das schönste Zimmer auf meiner Reise. Mit Kühlschrank. Safe.

Mich zieht es 200 Meter weiter. Ein Bier noch. Leute gucken. Ab ins Bett.