Dienstag, 17. März 2026

Bahia Blanca

Das Bett ist gut. Das Frühstück: Sagen wir mal argentinischer Durchschnitt. Also Kaffee genießbar, der Rest naja. Ich beschließe zwei Tage zu verlängern und über Mar del Plata Richtung Buenos Aires zu fahren. Das bedeutet sieben Stunden zusätzlich mit dem Bus: aber auch eine lange Zugfahrt mit der einzig täglich bedienten Linie im Land.

Und ich habe die Chance wieder waschen zu lassen. Google maps schlägt mir eine Laundry in ca 800 Meter Entfernung vor, direkt neben dem Hotel ist aber auch ein Selbst Service. Das ist nicht so mein Geschmack weil schon zuhause der Lavamat auf deutsch eine ziemliche Herausforderung ist. Aber alles klärt sich wieder einmal von selbst. Als ich mit meiner Tchibo-Tüte an dem Laden mit der Waschmaschinen -Batterie vorbeilaufe und nur kurz durch die Scheibe schaue, erkennt die Besitzerin messerscharf mit all ihren weiblichen Instinkten: Mann und hilflos. Sanft bugsiert sie mich in den Laden. No Problem. Ich bekomme einen Zettel. Sie zeigt auf den Mittwoch auf dem Kalender und hebt vier Finger in die Höhe -was wohl vier Uhr bedeutet- und drückt mir einen Zettel mit einer Nummer in die Hand.

Ich bummele ein wenig durch die Stadt. Sie muss vor über 100 Jahren sehr wohlhabend gewesen sein. Zahlreiche Prachtbauten säumen die Straßen und Parks.

Endlich wieder Palmen. Ich verbringe die Siesta im Park…

Bewundere die endlos Reihe an Bänken…

… bevor ich mir einen besonderen Genuss gönne.

Bahia Blanca verdankt seine Existenz Auswanderern aus Europa, auch aus Deutschland. Vor 150 Jahren schipperten sie über den großen Teich, auch weil sie Armut, Hunger oder auch Verfolgung entfliehen wollten. Sie brachten ihr Leben mit, ihre Kultur, ihren Alltag und Gewohnheiten. Handwerker, Landwirte, Händler gründeten Betriebe wurden Schmied, Schreiner, Bierbrauer, Viehzüchter oder betrieben einen Laden. Sie sprachen lange ihre Heimatsprache und informierten sich einmal die Woche aus ihrer eigenen Zeitung. In der Freizeit pflegten sie Geselligkeit in Gesangsvereinen, trafen sich Sonntags in der Kirche und danach beim Fußball. Irgendwie so ähnlich wie die rund 160 Kulturen die heute in Offenbach leben.

Einer von ihnen gründete 1890 das Gambrinus. Die Kneipe existiert heute noch. Keiner der Kellner spricht mehr Deutsch aber immerhin einer hat in der Schule Englisch gelernt. Die Rezepte von damals kennen sie heute noch…

…Zum Glück. Ich bestelle mir zwei Knackwürste mit Sauerkraut. So nach vier Wochen Cross over Südamerika ein wenig Heimatgefühl. Irgendwo bin ich halt doch eine „Kartoffel“ und keine Pommes Das Sauerkraut mit Kümmel, ich hätte mich reinsetzen können. Und eine richtige Wurst und dazu Senf aus Deutschland. Eigentlich bin ich einfach glücklich zu machen.

Natürlich ist so eine Kneipe prall gefüllt mit Devotionalien. Ich besichtige Stück für Stück. Auf so einem Foto fantasiert man natürlich über all die Schicksale.

Und die ein oder andere Flasche scheint kommt bekannt vor.

Und zum Ende des Abends ein Espresso aus dieser Maschine. Ehrlich. Einer der besten in meinem langen Leben.

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