Santiago
In einer der zahlreichen Bewertungen über mein Hotels hatte ich gelesen: Man rate dazu, ohne Frühstück buchen. Das sei in der Unterkunft zwar auch sehr gut aber es sei viel spannender in einem der vielen kleinen Läden ringsum Abwechslung zu suchen. Aber erst einmal bringe ich den Kleidersack zu Mr Wash drei Häuser weiter. Eigentlich ist es ja eine Mrs Wash wie ich in dem winzigen Laden feststelle. Donnerstag verstehe ich auf Spanisch könne ich die T-Shirts, Jeans und Unterwäsche wieder abholen.

Direkt um das Hotel stehen vier, fünf Cafés zur Auswahl plus zwei „Späties“ die Kaffee und Sandwiches anbieten. Naturkost ist eigentlich nicht mein Ding, aber das kleine Bistrot mit den fünf Tischen draußen sieht sehr einladend aus. Und ich werde nicht enttäuscht. Das Obst wird frisch geschnippelt und das Spiegelei mit dem Avocado-Brot drunter ist eine Delikatesse. Gerne öfter.

Ich hatte gestern einen Hop-On- Ticket geordert. Das ist auch pünktlich auf meinem Handy eingetroffen. Problem: Mein Hotel liegt genau mitten zwischen zwei Haltestellen, je Richtung 800 Meter. Also: Ein Morgenspaziergang ist angesagt. Ich habe ein Drei-Tage-Ticket. Leider gibt es hier keinen Seniorendiscount, aber dafür einige wertvolle Zusatzleistungen. Wie immer: erst mal eine Runde zur Orientierung. Drei Stunden. Das reicht für heute.
Der Bus hier fährt ausschließlich die schönen Ecken der Stadt ab. Dazu zählen nicht nur die Sehenswürdigkeiten und die Altstadt sondern auch die Viertel, die von der Oberschicht bevölkert werden. Viele leben in Hochhäusern. Trend in Chile sei, so die Stimme aus der Kopfhörerbuchse, Arbeiten, Wohnen und Freizeit auf engstem Raum zu vereinen. Für Ausflüge hat man dann das Wochenende.
Santiago de Chile ist Hauptstadt sowie geleichzeitig das kulturelle, wirtschaftliche und politische Zentrum des Landes. 1541 gegründet leben hier etwa sieben Millionen Menschen. 40 Prozent des Bruttosozialproduktes von Chile werden hier erwirtschaftet, zunehmend im Dienstleistungssektor. Die Stadt vereint Kolonialarchitektur mit modernen Hochhausensembles.

Grünzüge und Parks prägen die Stadt, jedenfalls die Viertel der Wohlhabenden. In einer Stunde erreichen die Einwohner mit dem Auto die Skigebiete der Anden. Zum Freizeitwert gehören auch eine große Zahl von Museen, Theater und Kultureinrichtungen. Dazu Kneipen satt.

Eigentlich mache ich bei der ersten Runde selten Bilder. Ausnahme heute der Costanera Turm mit über 300 Metern nicht nur das höchste Haus der Stadt sondern von dem gesamten südamerikanischen Kontinent. Entworfen hat den Wolkenkratzer der Architekt Cesar Pelli, der auch die Petrona Towers in Kuala Lumpur plante.


Am Nachmittag ein kleiner Bummel durch mein Viertel.

Abends dann in einer Art Brauereigaststätte eine Portion Lachs.