Montag, 21. Oktober von Portland nach Milwaukee

Reisetag. Tasche in Ordnung bringen. Kontrollieren, ob ich nichts im Zimmer vergessen habe. Koffer konnte ich im Hotel stehen lassen. Stromere ein wenig durch die Innenstadt. Eigentlich hat die City von Portland viele Voraussetzungen für urbanes Flair. Schöne alte Gebäude in der Architektur der 1920 Jahre. Grünanlagen an jedem Block. Radwege. Ein wirklich gut ausgebautes ÖPNV-Netz mit Straba. Die Nutzung: Fast kostenlos. Es gibt am Rand der City viele Wohnungen. Und trotzdem: Montag Mittag: Und niemand ist da.

Die 5th und die 6 th Street waren einst wohl die Flaniermeilen mit exklusiven Geschäften. In den Querstraßen konnten die Menschen ihren Alltag decken. Schneider, Schuster, Hutmacher, Kurzwaren: alles was man für die Haushalt so braucht. Mir fällt beim Bummeln Petula Clarks Lied „Down Town“ aus den 1960er Jahren ein.


So go downtown
Things will be great when you’re
Downtown
No finer place for sure
Downtown
Everything’s waiting for you

Und heute spricht Hillary und ich bin nicht dabei

Die Lichter, all die Genüsse und Einflüsse haben seit den Urzeiten die Menschen immer wieder fasziniert. Die Karawanen die aus der Wüste nach Timbuktu oder Marrakesch kamen, die einst blühenden Metropolen Samarkand oder Buchara an der Seitenstraße die frühen Großstädte an Euphrat und Tigris. Sie alle sind vergangen.

Das einzige Fachgeschäft ist heute der Cannabisladen. Ansonsten gähnende Leere, tote Schaufenster, zugeklebte Scheiben. Auch in dem einst exklusiven Einkaufszentrum können sich nur noch die Läden im Erdgeschoß halten. Die meisten Geschäfte machen spätestens um 17 Uhr zu. Die Cafes schließen schon zwei Stunden früher. Schlicht: Trostlos.

Eine Ausnahme gibt es hier doch. Ein exklusiver Schneider und Hutmacher trotzt der Wegwerfgesellschaft und all den Amazons.

Aber sonst…..

Im Prinzip lässt sich hier ebenso wie in Sacramento oder in Pittsburgh die Zukunft der europäischen Innenstädte besichtigen. Die Entwicklungen beginnen hier halt etwas früher. Und ich fürchte auch, dass die traditionellen Rezepte aus den 1970er Jahren wie ein bisschen Aktionen, Feste oder Kultur und ein wenig mehr Flair bei weitem nicht reichen, um diese Entwicklung aufzuhalten. Die Ursachen liegen viel tiefer. Und die Rezepte verlangen Radikalität.

Portland setzt auf Streetfood. Auf Brachen stehen ein paar Imbisswagen. Durchaus gehobenes Niveau. Ich gehe zu dem bekanntesten an der 5th Street. Nett. Ein paar Tische sind besetzt. Mein Phillie-Steak war auch gut. Aber mehr Stände als Leute. Das Spiel drehen lässt sich so nicht.

Zurück ins Hotel. Gepäck holen. Mit derStraba zum Bahnhof. Mist. Ich habe die Abfahrtszeit eine Stunde zu früh in Erinnerung. Also warten. Ein schönes Gebäude das an die klassische Epoche der Eisenbahn erinnert. Die Wartehalle ist gepflegt. Das Interieur sorgsam erhalten.

Gegen 16.30Uhr ist einchecken. Bisher lief alles digital. Jetzt wird auf Handbetrieb umgestellt. Eine Mitarbeiterin an der Schranke, die die Schlange steuert. Jemand der den QR Code einscannt. Der / die nächste verteilt die Passagiere auf die Eingänge und dort steht jeweils am Wagen Für jeden Wagen ein Schaffner. der Platzkarten verteilt.

46 Stunden bis Milwaukee liegen vor mir. Ich habe Glück. Der Platz neben mir bleibt frei. Die meisten Fahrgäste steigen an kleinen Unterwegs-Stationen aus. Dort wo ein Airport fehlt. Der Name des Zuges „Empire Builder“ erinnert an die glorreiche Zeit der Besiedlung Amerikas. Heute sind es Doppelstockwagen mit sehr viel Platz. Rund 1,50 Meter Sitzabstand. Die Sessel können fast waagrecht gelegt werden. Der Mittelpunkt der Garnitur ist der Observation Car mit einer herrlichen Rundumsicht.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Sonntag, 20.Oktober Portland

Auf dem Programm steht heute: Museum of Art. Zufällig liegt es auch noch fast in Sichtweite zu meinem Hotel. Blöd nur: Erst laufe ich trotz Navi in die falsche Richtung und dann wird das Haus auch noch umgebaut. Die klassischen Sammlungen bleiben fast vollständig im Depot. Nur für zwei Sonderausstellungen sind Räume geöffnet.

Im Erdgeschoß sind Fotographien des Beatles Paul McCartney aus den Jahren 1963 und 1964 zu sehen. Naja, meine erste Reaktion. Weit daneben. Es ist die Zeit als vier Liverpooler Jungs innerhalb von Wochen aus kleinen Clubs Weltstars werden. All die Tourneen durch England, Europa, die USA. Jede Minute scheint verplant. Die Künstler müssen nur eins: Von gestern auf heute: funktionieren.

Den Fotos von McCartney fehlt die Inszenierung, die der Begleittross auf Schritt und Tritt verlangt. Es sind quasi Fotos aus dem Familienleben. Bilder die die Situation unverfälscht einfangen. Den Stress, die Müdigkeit, die Albernheit. Auf manchen Fotos sind Ringo, Paul, John und George kaum zu erkennen. Man sieht 20jährige Teenager und nicht die Kunstprodukte die die Plattencover und Musikmagazine verkaufen.

Nebenbei: Die Ausstellung wurde heute eröffnet. Halb Portland über 80 schien hier anwesend zu sein. Irgendwie habe ich das Gefühl, viele der Gäste haben den ersten Auftritt der Fab Four in der Ed Sullivan Show 1963 live gesehen.

Eine zweite Sonderausstellung widmet sich der Psychedelic Art auf Postern von den Doors, Greatful Dead, Janis Joplin, Big Brother, Hendrix etc. War nie so ganz mein Ding.

Irgendwann hatte ich ein paar Kilo mehr an Gewicht. Der Vorteil: Ich konnte meine Batik-T-Shirts nicht mehr anziehen. Aber es ist schon ganz witzig: Da haben irgendwelche Graphiker im Drogenrausch solche Plakate entworfen und heute bemüht sich die gesammelte Fachwelt um möglichst wissenschaftliche Expertise von jedem einzelnen Pinselstrich

Danach noch in ein Einkaufszentrum gefahren. Wollte noch Wäsche kaufen, weil ich die getragene Ältere entsorge. War ein Flopp. Einkaufszentrum gähnend leer. Kein Angebot in meiner Größe. Dort beim Vietnamesen ein Sandwich eingeschoben und etwas Obst und ein belegtes Brot für das Abendessen gekauft.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Samstag, 19. Oktober Portland

Morgens faul. Habe mich von der Zugfahrt ausgeruht. Das Hotel ist sehr schön. Das Frühstück aber suboptimal. Haferflocken, Toast, Käse, Marmelade, Muffins und Kaffee: dreifach abgepackt. Anschließend ein wenig gearbeitet und mit Sonja telefoniert. Die Kommunikation heute ist schon ein Wunder wenn man wie ich vor über 50 Jahren erlebt hat, dass ein Telefonanruf zuhause manchmal mit einem Tag Warten in einer zugigen Poststation verbunden war.

Mittags habe ich mich dann aufgerafft, das Eisenbahnmuseum hier zu besuchen. Klein aber fein. Eigentümer ist wohl die Stadt Portland aber betrieben wird das Haus von Volunteers, die dreimal die Woche hier arbeiten. Sie halten drei Lokomotiven und einige Wagen betriebsfähig, eine Herkulesaufgabe. Zwei der Loks sind deutlich größer als alle Maschinen, die ich aus Deutschland kenne. Alleine die Räder überragen mich um mindestens 40 Zentimeter. Eingesetzt wurden die Maschinen vor den schweren Güterzügen in den 1940er und 1950er Jahren. Quasi die letzte Blütezeit des Dampfs.

Der Star des kleinen Museums. Die Maschine zog den Freedom-Train zur 200 Jahrfeier der USA durch 48 Bundesstaaten.

Zwei unterschiedliche Generationen.

Kleinere Reparaturen werden in einer Art „Gläsernen Werkstatt“ selbst erledigt.

Leider konnte das Außengelände nur aus der Ferne besichtigt werden. Dafür habe ich wieder viel zu viel Geld im Museums-Shop ausgegeben. Eigentlich hätte ich noch mehr kaufen müssen. Die Kappen, Regenjacken und Jeanshemden waren sensationell preiswert.

Nach der Besichtigung Essen in einem kleinen Vorstadtimbiss gegenüber. Gute Pizza. Und das Beste: Man sitzt an einem großen Fenster ohne Glas wie an einer Bar und beobachtetz die Straße und die gegenüberliegende Bahnstrecke. Wie bei uns früher auf dem Dorf.

Zurück mit der Straba. Ich bummle noch ein wenig durch die Innenstadt. Gestern habe ich das noch nicht so wahrgenommen: Straßenweise Leerstände. Kein einziger Laden mehr da. Nur blinde Scheiben. Dabei hat die Stadt doch alles. Hübsche Gebäude, die sich zu einem harmonischen Bild fügen, viel Grün, Radwege, preiswerte Parkplätze, ein wirklich gut ausgebauter ÖPNV weit in die Region mit einer Art Stadtbahn.

Eine Entwicklung, die auch uns in Deutschland droht. Ich fürchte ja. Die Entwicklung wird über den Teich schwappen. Und ich fürchte unsere Rezepte greifen alle nicht, weil sie nicht radikal genug sind.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Freitag, 18. Oktober Sacramento nach Portland

Der Zug steht bereit. In der Nacht schlafe ich einigermaßen. Morgens finde ich mich mitten in einem Gebirge wieder.

Die Landschaft draußen ist atemberaubend. Seen, schneebedeckte Gebirge, Herbstwald. Auf steilen Rampen überquert der Zug ein Gebirge. Später geht es weiter durch eine Ebene Richtung Portland.

Die Einfahrt in den Bahnhof lässt wenig Gutes erwarten. Zelte, Pappkartons notdürftige Abdeckungen. Im reichsten Land der Erde ist Obdachlosigkeit ein Problem. Leute die ihren Job verlieren, stehen schnell auf der Straße. Draußen am Bahnhofsvorplatz erwartet mich eine Zeltstadt. Hier hausen kaum Migranten oder irgendwelche Streuner und Käuze, die halt nicht sesshaft werden möchte. Bei aller Vorsicht in der Einschätzung: das sind vom Anaschein in der Mehrheit Menschen, die vor einigen Monaten noch einen Job hatten, eine Wohnung, sich am Wochenende zum Barbeque mit Freunden trafen. Mit dieser Entwicklung steigt die Kriminalität. Das einstige Paradies Oregon belegt heute in der Kriminalstatistik der USA einen der vorderen Plätze.

Ein angenehmes Hotel erwartet mich. Bin wegen der Probleme, die ich draußen gesehen habe, sehr nachdenklich.

Eine Terrine vietnamesische Suppe 17 $ in einem Schnellimbiss. Das Bier (0,3) dazu 7 $. Man fragt sich, wer sich das Leben in den USA noch leisten kann. Ein Faktor für das Wiedererstarken von Trump?

Mich zieht es zum Basketball. Das heimische NBL-Team trägt ein Vorbereitungsspiel gegen Utah aus. Der Ticketkauf scheitert fast an meiner deutschen Telefonnummer. Karten gibt es im Normalfall nur aufs Handy. Ok. Für mich macht man dann doch eine Ausnahme. Die Sicherheitskontrollen am Eingang sind heftig und die Preise hoch. 0,3 Liter Bier 15 $. Geht´s noch? Dagegen ist es auf dem Oktoberfest in München wie bei Aldi.


Ich bin bei Basketball eher Laie. Aber selbst als dieser war zu sehen. Saisonvorbereitung. Die Jungs haben Spielzüge und Dreier geübt. Aber eines muss man den Amis lassen. Die Show ist immer perfekt.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Donnerstag, 17. Oktober Sacramento

Frühstücken wieder nebenan. Diesmal in der Sparversion.

Danach Sachen mal wieder ordnen und sortieren. Ich habe alte Klamotten mitgenommen, die ich hier nach einem „letzten Tragen“ entsorge.

Warten an der Straba

Heute will ich meinem Hobby frönen. In Sacramento gibt es ein hochgelobtes Eisenbahnmuseum. Es wurde übrigens von dem ehemaligen Präsidenten Ronald Reagan in seiner Zeit als Gouverneur von Kalifornien initiiert.

Die Kuratoren haben gute Arbeit geleistet. Die Exponate vermitteln eindrucksvolle Einblicke über den Bau der transkontinentalen Eisenbahnverbindung von Küste zu Küste. Die Herausforderungen vor denen die Ingenieure standen. Wüsten und zwei Gebirge mussten überwunden werden.

Der Alltag der meist chinesischen Kulis ohne die das Projekt chancenlos gewesen wäre. Die Schwierigkeiten für die Logistiker das Material auf einer Strecke von 2000 Kilometern durch Terra incognita herbeizuschaffen.

Das Museum vermittelt einen guten Eindruck über die Entwicklung des Betriebs der Strecken. Von den Anfängen über die Blütezeiten in den 1940er und 1950er Jahren bis hin zum Niedergang des Personenverkehrs.

Danach ein wenig durch Old Sacramento gebummelt. Hier sind einige Blocks im Stil der Jahre um 1900 erhalten. In der Größe eindrucksvoll aber halt im Inneren das übliche. Vom Candy Shop bis hin zur Devotionalienbude. Ich habe Glück und finde am Rand ein kleines Café, das von einer Kirche betrieben wird. Alles biologisch dynamisch. Klar. Aber schmeckt trotzdem und das Interieur ist nicht so verkitscht und auf antik getrimmt.

Bummel am Fluss.

Eine Art Kombi aus Basketball und Boule mit kleinen Säckchen

Die Innenstadt ist ziemlich tot, obwohl sie mit Straba, Bus und Radwegen super angebunden ist. Kaum Kunden in den Läden. Das Angebot dürftig. Auch hier schlägt das Internet zu.

Die Stadt versucht mit Kunst dem Sterben der City zu begegnen

Natürlich darf ein Foto vom State Capitol nicht fehlen. Hier hatte wohl er Ex-Gouverneur Schwarzenegger sein Dienstzimmer in einem Zelt im Garten aufgeschlagen, um das Rauchverbot in den Räumen zu umgehen.

Die Kathedrale

Essen beim Thai. Kaum mehr als ein Imbiss. 30 $ für

Nudeln und zwei Bier stolz. Gegen 23.45 Uhr kommt mein Zug. Fast pünktlich. Von der Bahnhofshalle bis zum Bahnsteig sind es fast 400 Meter. Aber ich bekomme einen Einzelplatz.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Mittwoch, 16. Oktober Sacramento

Das Frühstück im Hotel steht im deutlichen Kontrast zur guten Qualität der Zimmer. Ich beschränke mich auf einen Kaffee und ein paar Cornflakes. Zum Glück ist nebenan ein Bistro, das gute Käsebangles macht.

Heute steht Einkaufen auf dem Programm. In einem der Vororte von Sacramento gibt es ein Outlet. Bis dahin sind es fast 28 Kilometer aber das Gute: Bis dort fährt eine Straßenbahn. Das Beste: Für Senioren kostet eine Tageskarte 3,50 $. Mit dem Ticket schaffe ich es vorher noch in einen Elektromarkt, auch in einem Vorort. Ersatz besorgen für einen verlorenen Adapter, um Fotos von der SD-Karte in der Kamera auf den Laptop zu ziehen.

Die Straßenbahn hält direkt vor dem Outlet, trotzdem ist es schwierig den Eingang auf das umzäunte Gelände zu finden. Kein Hinweisschild. Man ist hier wohl nur auf motorisierte Kunden fixiert. Also hin zum Parkplatz. Und richtig, dort stehen Richtungspfeiler ohne Ende

Zunächst mal bin ich baff. Auf dem riesigen Areal mit über 100 Shops tummeln sich kaum mehr als 100 Kunden. Gähnende Leere in den Geschäften. In Erinnerung habe ich die Qutlet als meist prall gefüllt mit Menschen.

Und sie sind teuer geworden. Ein paar Turnschuhe ab 100 Euro aufwärts. Die bekomme ich in Deutschland deutlich preiswerter. Lohnend eigentlich nur noch Levis, Hilfiger wegen der Angebotsbreite und Kindersachen. Mein Enkel Philip wird sich hoffentlich freuen.

Ein kleiner Bummel durch das abendliche Sacramento.

Dann mal wieder amerikanisch essen. Diesmal in einer etwas ruhigen Sportsbar.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Dienstag, 15. Oktober Durch die Wüste und die Sierra Nevada nach Sacramento

Durch die Wüste von Nevada. Ich habe leidlich gut geschlafen. Unterwegs Halt an einer kleinen Station, die wohl einst ein Eisenbahnknoten war. Viel Rost und Unkraut. Raucherpause. Das stolze Gebäude wartet vergeblich auf einen Käufer. Das Ticketing von Amtrak logiert mittlerweile in einem Güterschuppen.

Weiter geht es durch die Wüste: Vormittag, Nachmittag. Die Stunden verschwimmen. Noch eine Nacht im Zug.

Sonnenaufgang in Nevada

Zeit um zu schreiben bevor es nach einem Stopp in Reno in der Sierra Nevada wieder auf über 2.000 Meter hoch geht. Auch hier verkürzt ein Scheiteltunnel seit 1927 die Strecke. Viele 100 Meter über uns kann man noch den ursprünglichen Trassenverlauf verfolgen. Es ist kaum vorstellbar wie Dampfloks einst die steilen Rampen bewältigten.

Mittags, fast pünktlich nach 36 Stunden fahrt, Ankunft in Sacramento. Zum Glück gibt es hier eine Straßenbahn, die fast bis zum Hotel fährt. Das Haus gehört zu einer der typischen Mittelklasse-Ketten und ist erstaunlich gut im Schuss, komfortabel und für die Lage mitten im Zentrum auch noch sehr preiswert.

Einige Stunden geschlafen und gelesen, danach Abendessen. Heute mal italienisch.

Später nebenan noch auf ein Bier in einer der typischen Sportsbars. Die Braukunst hat in den USA erstaunliche Fortschritte gemacht. Vor 20 Jahren gab es fast ausschließlich Industriebiere. Heute verwandeln unzählige kleine Brauereien Hopfen in schmackhaften Alkohol.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Montag, 14. Oktober Von Lincoln nach Sacramento

36 Stunden – davon zwei Nächte – im Zug bis Sacramento. Morgens kurz vor Denver aufgewacht. Eine Stunde Aufenthalt, Zeit, um mir im Bahnhof ein Brötchen und Kaffee zu besorgen.

Gut gerüstet für Tour durch die Rocky Mountains will ich noch die Lok von vorne knipsen. Scheitert leider an der Security.

Eine Wahnsinnsfahrt erwartet mich: Denver liegt auf etwa 1400 Meter Höhe. Von hier schraubt sich die Strecke förmlich auf über 2.200 Meter. Kaum zu glauben, dass vor dem Bau des Scheiteltunnels im Jahr 1927 die Bahn auf über 3.000 Meter die Rocky Mountains erklimmen musste.

Hinter jeder Kurve, hinter jedem Tunnel neue Perspektiven. Tiefe Täler, Felswände, Almen, Skiorte, kleine Wälder. Im Observation-Car wird in Schichten die grandiose Landschaft bewundert. Hinter dem Scheiteltunnel beginnt eine stundenlange Fahrt entlang des Colorado River.

Ein enges tiefes Tal, oft vielleicht nur 80 bis 100 Meter breit, teilen sich die Eisenbahn, eine Straße, ein Highway und der Fluss. Später wird der Fluss in den Grand Canyon übergehen, aber bis dort hat die Strecke längst den Flusslauf verlassen.

 

Am späten Nachmittag beginnt die Wüste Prärie. Der Blick aus dem Fenster bietet einen kleinen Vorgeschmack wie es im Monument Valley aussehen muss.

Salt Lake City: die Beine auf dem Bahnsteig vertreten. Noch eine Nacht im Zug schlafen. Ist nicht so schlimm. Der Sitzabstand beträgt einen Meter. Man kann den Sitz fast flach legen inklusive einer Beinliege. Und ich habe keinen Sitznachbarn, kann mich ausstrecken. Die Coach Class ist dünn besetzt. Ich vermute in den Sleeping  Cars sieht es nicht besser aus. Amtrak ist beim Ticketing sehr digital aufgestellt. Sobald man auf dem Bahnsteig ist, agiert das Unternehmen sehr personalintensiv. Einchecken dauert. Platzkarten werden mit der Hand ausgeschrieben. An den Bahnhöfen, an denen meist nur zwei Züge am Tag stoppen, jede Menge Leute, die den Zug fit halten. Wasser nachfüllen, Fenster reinigen, Security und und und.. Nebenbei:die Qualität der Imbiss-Bude im Zug hat sich deutlich verbessert.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Sonntag, 13. Oktober Lincoln Nebraska

Lincoln. Wer, Wo? Immerhin: das Städtchen ist die Hauptstadt von Nebraska. Und dazu: das Kaff hat ein Museum für amerikanische Kunst des 20.Jahrhunderts. Nachts um 12.30 Uhr komme ich an. Das Hotel liegt direkt neben dem Bahnhof. Das Einchecken geht schnell. Und ein Bier gibt es auch noch. Mein Zimmer kann sich sehen lassen. Riesig und mit einer Couchgarnitur ums Eck.

Frühstück. Exzellent und mit einer überschaubaren Menge Plastik. Kleiner Rundgang durch die Stadt. Draußen ist eine Art Kinder Sportfest. Die Dreijährigen müssen angetrieben von ihren ehrgeizigen Vätern einmal 500 Meter um den Block laufen. Viel heulen, weil manche gezogen werden müssen.

Der alte Bahnhof und die Gebäude rings um den Haymart sind vorbildlich restauriert.

Ein Foto noch vom Capitol der Landesregierung und ab ins Museum.

Mich erwartet ein imposantes Gebäude, mit einer eher kleinen Sammlung, die meine Erwartungen absolut erfüllte.

Bilder aus der Periode des  Amerikanischen Realismus der 1950er und 1960er Jahre. Bilder die scheinbar den Überfluss und den Optimismus einer Gesellschaft zeigen, deren Brüche aber unübersehbar sind. Einsamkeit. Isolation. Entfremdung.

Draußen noch ein wenig die Sonne im Skulpturengarten genossen.

Frühes Abendessen am Haymart. Der Hamburger war gut. Ein wenig Zeit zum knipsen. Der Trubel vom Vormittag hat sich gelegt. Die Kinder sind alle im Bett. Gelegenheit ein wenig die Atmosphäre einzufangen.

Einst das Bahngelände. Ein geschäftiger Knoten

Danach noch Zeit für ein Musical. Back tot he Future. Grandios. Ein Haus mit fast 3000 Plätzen. Fast ausverkauft. Es war schon die fünfte Show in dieser Woche. Ich gebe zu ich habe nicht alles verstanden aber die Inszenierung war grandios. Und die Musik dito. Das können sie die Amis.

Fast ausverkauft. In die Halle passen ca 3.000 Zuschauer. Es ist die siebte Show in dieser Woche. Anmerkung: wir sind in der tiefsten Provinz.

Vorbei am alten Bahnhof an die Hotelbar auf ein Bier. Mein Zug geht um Mitternacht.



Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Samstag, 12. Oktober Pittsburgh – Lincoln Nebraska

Der Zug ist pünktlich. Die Fahrt ok. Der Capitol Limited von Washington nach Chicago wird von Amtrak immer als Flaggschiff beworben. Dafür etwas zu sehr versifft.

Umsteigen in Chicago. Immer wieder sind viele Amish People in den Zügen zu sehen. Ihre Religion erlaubt keine Modernität, also auch kein Auto und kein Flieger. Die Frauen tragen fast immer Kopftuch und müssen ihrem Mann gehorsam sein. (also gibt es auch bei uns in christlichen Gefilden) Ihre Kleider orientieren sich an dem Outfit des 19. Jahrhunderts. Farben und Art der Kopftücher sind Code, beispielsweise für verheiratet etc. Im mittleren Westen sind sie meist Farmer. Man sieht es an den kräftigen Händen und an den Muskelpaketen der Männer. Warum sie aber bei aller Ablehnung des modernen Lebens in Scharen die Tische von Mc Doof bevölkern, kapiere ich dann doch nicht.

Eine beeindruckende Bahnhofshalle.

Fahrt durch die Ebenen von Illinois und Iowa. Hotel in Lincoln direkt am Bahnhof. Ankunft nach Mitternacht.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar