Donnerstag, 17. Oktober Sacramento

Frühstücken wieder nebenan. Diesmal in der Sparversion.

Danach Sachen mal wieder ordnen und sortieren. Ich habe alte Klamotten mitgenommen, die ich hier nach einem „letzten Tragen“ entsorge.

Warten an der Straba

Heute will ich meinem Hobby frönen. In Sacramento gibt es ein hochgelobtes Eisenbahnmuseum. Es wurde übrigens von dem ehemaligen Präsidenten Ronald Reagan in seiner Zeit als Gouverneur von Kalifornien initiiert.

Die Kuratoren haben gute Arbeit geleistet. Die Exponate vermitteln eindrucksvolle Einblicke über den Bau der transkontinentalen Eisenbahnverbindung von Küste zu Küste. Die Herausforderungen vor denen die Ingenieure standen. Wüsten und zwei Gebirge mussten überwunden werden.

Der Alltag der meist chinesischen Kulis ohne die das Projekt chancenlos gewesen wäre. Die Schwierigkeiten für die Logistiker das Material auf einer Strecke von 2000 Kilometern durch Terra incognita herbeizuschaffen.

Das Museum vermittelt einen guten Eindruck über die Entwicklung des Betriebs der Strecken. Von den Anfängen über die Blütezeiten in den 1940er und 1950er Jahren bis hin zum Niedergang des Personenverkehrs.

Danach ein wenig durch Old Sacramento gebummelt. Hier sind einige Blocks im Stil der Jahre um 1900 erhalten. In der Größe eindrucksvoll aber halt im Inneren das übliche. Vom Candy Shop bis hin zur Devotionalienbude. Ich habe Glück und finde am Rand ein kleines Café, das von einer Kirche betrieben wird. Alles biologisch dynamisch. Klar. Aber schmeckt trotzdem und das Interieur ist nicht so verkitscht und auf antik getrimmt.

Bummel am Fluss.

Eine Art Kombi aus Basketball und Boule mit kleinen Säckchen

Die Innenstadt ist ziemlich tot, obwohl sie mit Straba, Bus und Radwegen super angebunden ist. Kaum Kunden in den Läden. Das Angebot dürftig. Auch hier schlägt das Internet zu.

Die Stadt versucht mit Kunst dem Sterben der City zu begegnen

Natürlich darf ein Foto vom State Capitol nicht fehlen. Hier hatte wohl er Ex-Gouverneur Schwarzenegger sein Dienstzimmer in einem Zelt im Garten aufgeschlagen, um das Rauchverbot in den Räumen zu umgehen.

Die Kathedrale

Essen beim Thai. Kaum mehr als ein Imbiss. 30 $ für

Nudeln und zwei Bier stolz. Gegen 23.45 Uhr kommt mein Zug. Fast pünktlich. Von der Bahnhofshalle bis zum Bahnsteig sind es fast 400 Meter. Aber ich bekomme einen Einzelplatz.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Mittwoch, 16. Oktober Sacramento

Das Frühstück im Hotel steht im deutlichen Kontrast zur guten Qualität der Zimmer. Ich beschränke mich auf einen Kaffee und ein paar Cornflakes. Zum Glück ist nebenan ein Bistro, das gute Käsebangles macht.

Heute steht Einkaufen auf dem Programm. In einem der Vororte von Sacramento gibt es ein Outlet. Bis dahin sind es fast 28 Kilometer aber das Gute: Bis dort fährt eine Straßenbahn. Das Beste: Für Senioren kostet eine Tageskarte 3,50 $. Mit dem Ticket schaffe ich es vorher noch in einen Elektromarkt, auch in einem Vorort. Ersatz besorgen für einen verlorenen Adapter, um Fotos von der SD-Karte in der Kamera auf den Laptop zu ziehen.

Die Straßenbahn hält direkt vor dem Outlet, trotzdem ist es schwierig den Eingang auf das umzäunte Gelände zu finden. Kein Hinweisschild. Man ist hier wohl nur auf motorisierte Kunden fixiert. Also hin zum Parkplatz. Und richtig, dort stehen Richtungspfeiler ohne Ende

Zunächst mal bin ich baff. Auf dem riesigen Areal mit über 100 Shops tummeln sich kaum mehr als 100 Kunden. Gähnende Leere in den Geschäften. In Erinnerung habe ich die Qutlet als meist prall gefüllt mit Menschen.

Und sie sind teuer geworden. Ein paar Turnschuhe ab 100 Euro aufwärts. Die bekomme ich in Deutschland deutlich preiswerter. Lohnend eigentlich nur noch Levis, Hilfiger wegen der Angebotsbreite und Kindersachen. Mein Enkel Philip wird sich hoffentlich freuen.

Ein kleiner Bummel durch das abendliche Sacramento.

Dann mal wieder amerikanisch essen. Diesmal in einer etwas ruhigen Sportsbar.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Dienstag, 15. Oktober Durch die Wüste und die Sierra Nevada nach Sacramento

Durch die Wüste von Nevada. Ich habe leidlich gut geschlafen. Unterwegs Halt an einer kleinen Station, die wohl einst ein Eisenbahnknoten war. Viel Rost und Unkraut. Raucherpause. Das stolze Gebäude wartet vergeblich auf einen Käufer. Das Ticketing von Amtrak logiert mittlerweile in einem Güterschuppen.

Weiter geht es durch die Wüste: Vormittag, Nachmittag. Die Stunden verschwimmen. Noch eine Nacht im Zug.

Sonnenaufgang in Nevada

Zeit um zu schreiben bevor es nach einem Stopp in Reno in der Sierra Nevada wieder auf über 2.000 Meter hoch geht. Auch hier verkürzt ein Scheiteltunnel seit 1927 die Strecke. Viele 100 Meter über uns kann man noch den ursprünglichen Trassenverlauf verfolgen. Es ist kaum vorstellbar wie Dampfloks einst die steilen Rampen bewältigten.

Mittags, fast pünktlich nach 36 Stunden fahrt, Ankunft in Sacramento. Zum Glück gibt es hier eine Straßenbahn, die fast bis zum Hotel fährt. Das Haus gehört zu einer der typischen Mittelklasse-Ketten und ist erstaunlich gut im Schuss, komfortabel und für die Lage mitten im Zentrum auch noch sehr preiswert.

Einige Stunden geschlafen und gelesen, danach Abendessen. Heute mal italienisch.

Später nebenan noch auf ein Bier in einer der typischen Sportsbars. Die Braukunst hat in den USA erstaunliche Fortschritte gemacht. Vor 20 Jahren gab es fast ausschließlich Industriebiere. Heute verwandeln unzählige kleine Brauereien Hopfen in schmackhaften Alkohol.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Montag, 14. Oktober Von Lincoln nach Sacramento

36 Stunden – davon zwei Nächte – im Zug bis Sacramento. Morgens kurz vor Denver aufgewacht. Eine Stunde Aufenthalt, Zeit, um mir im Bahnhof ein Brötchen und Kaffee zu besorgen.

Gut gerüstet für Tour durch die Rocky Mountains will ich noch die Lok von vorne knipsen. Scheitert leider an der Security.

Eine Wahnsinnsfahrt erwartet mich: Denver liegt auf etwa 1400 Meter Höhe. Von hier schraubt sich die Strecke förmlich auf über 2.200 Meter. Kaum zu glauben, dass vor dem Bau des Scheiteltunnels im Jahr 1927 die Bahn auf über 3.000 Meter die Rocky Mountains erklimmen musste.

Hinter jeder Kurve, hinter jedem Tunnel neue Perspektiven. Tiefe Täler, Felswände, Almen, Skiorte, kleine Wälder. Im Observation-Car wird in Schichten die grandiose Landschaft bewundert. Hinter dem Scheiteltunnel beginnt eine stundenlange Fahrt entlang des Colorado River.

Ein enges tiefes Tal, oft vielleicht nur 80 bis 100 Meter breit, teilen sich die Eisenbahn, eine Straße, ein Highway und der Fluss. Später wird der Fluss in den Grand Canyon übergehen, aber bis dort hat die Strecke längst den Flusslauf verlassen.

 

Am späten Nachmittag beginnt die Wüste Prärie. Der Blick aus dem Fenster bietet einen kleinen Vorgeschmack wie es im Monument Valley aussehen muss.

Salt Lake City: die Beine auf dem Bahnsteig vertreten. Noch eine Nacht im Zug schlafen. Ist nicht so schlimm. Der Sitzabstand beträgt einen Meter. Man kann den Sitz fast flach legen inklusive einer Beinliege. Und ich habe keinen Sitznachbarn, kann mich ausstrecken. Die Coach Class ist dünn besetzt. Ich vermute in den Sleeping  Cars sieht es nicht besser aus. Amtrak ist beim Ticketing sehr digital aufgestellt. Sobald man auf dem Bahnsteig ist, agiert das Unternehmen sehr personalintensiv. Einchecken dauert. Platzkarten werden mit der Hand ausgeschrieben. An den Bahnhöfen, an denen meist nur zwei Züge am Tag stoppen, jede Menge Leute, die den Zug fit halten. Wasser nachfüllen, Fenster reinigen, Security und und und.. Nebenbei:die Qualität der Imbiss-Bude im Zug hat sich deutlich verbessert.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Sonntag, 13. Oktober Lincoln Nebraska

Lincoln. Wer, Wo? Immerhin: das Städtchen ist die Hauptstadt von Nebraska. Und dazu: das Kaff hat ein Museum für amerikanische Kunst des 20.Jahrhunderts. Nachts um 12.30 Uhr komme ich an. Das Hotel liegt direkt neben dem Bahnhof. Das Einchecken geht schnell. Und ein Bier gibt es auch noch. Mein Zimmer kann sich sehen lassen. Riesig und mit einer Couchgarnitur ums Eck.

Frühstück. Exzellent und mit einer überschaubaren Menge Plastik. Kleiner Rundgang durch die Stadt. Draußen ist eine Art Kinder Sportfest. Die Dreijährigen müssen angetrieben von ihren ehrgeizigen Vätern einmal 500 Meter um den Block laufen. Viel heulen, weil manche gezogen werden müssen.

Der alte Bahnhof und die Gebäude rings um den Haymart sind vorbildlich restauriert.

Ein Foto noch vom Capitol der Landesregierung und ab ins Museum.

Mich erwartet ein imposantes Gebäude, mit einer eher kleinen Sammlung, die meine Erwartungen absolut erfüllte.

Bilder aus der Periode des  Amerikanischen Realismus der 1950er und 1960er Jahre. Bilder die scheinbar den Überfluss und den Optimismus einer Gesellschaft zeigen, deren Brüche aber unübersehbar sind. Einsamkeit. Isolation. Entfremdung.

Draußen noch ein wenig die Sonne im Skulpturengarten genossen.

Frühes Abendessen am Haymart. Der Hamburger war gut. Ein wenig Zeit zum knipsen. Der Trubel vom Vormittag hat sich gelegt. Die Kinder sind alle im Bett. Gelegenheit ein wenig die Atmosphäre einzufangen.

Einst das Bahngelände. Ein geschäftiger Knoten

Danach noch Zeit für ein Musical. Back tot he Future. Grandios. Ein Haus mit fast 3000 Plätzen. Fast ausverkauft. Es war schon die fünfte Show in dieser Woche. Ich gebe zu ich habe nicht alles verstanden aber die Inszenierung war grandios. Und die Musik dito. Das können sie die Amis.

Fast ausverkauft. In die Halle passen ca 3.000 Zuschauer. Es ist die siebte Show in dieser Woche. Anmerkung: wir sind in der tiefsten Provinz.

Vorbei am alten Bahnhof an die Hotelbar auf ein Bier. Mein Zug geht um Mitternacht.



Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Samstag, 12. Oktober Pittsburgh – Lincoln Nebraska

Der Zug ist pünktlich. Die Fahrt ok. Der Capitol Limited von Washington nach Chicago wird von Amtrak immer als Flaggschiff beworben. Dafür etwas zu sehr versifft.

Umsteigen in Chicago. Immer wieder sind viele Amish People in den Zügen zu sehen. Ihre Religion erlaubt keine Modernität, also auch kein Auto und kein Flieger. Die Frauen tragen fast immer Kopftuch und müssen ihrem Mann gehorsam sein. (also gibt es auch bei uns in christlichen Gefilden) Ihre Kleider orientieren sich an dem Outfit des 19. Jahrhunderts. Farben und Art der Kopftücher sind Code, beispielsweise für verheiratet etc. Im mittleren Westen sind sie meist Farmer. Man sieht es an den kräftigen Händen und an den Muskelpaketen der Männer. Warum sie aber bei aller Ablehnung des modernen Lebens in Scharen die Tische von Mc Doof bevölkern, kapiere ich dann doch nicht.

Eine beeindruckende Bahnhofshalle.

Fahrt durch die Ebenen von Illinois und Iowa. Hotel in Lincoln direkt am Bahnhof. Ankunft nach Mitternacht.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Freitag, 11.Oktober Pittsburgh

Morgens ein Rundgang durch die Deutschtown. Ein richtig spannendes Viertel. An den Rändern deutliche Zeichen der Gentrifizierung. Im Kern entlang der Hauptstraße offensichtlicher Niedergang. Aber auch hier bemüht sich die Stadt offenbar mit vielen Initiativen um Verbesserung. Auffällig die ehrenamtlichen Nachbarschaftsprojekte quasi vor jedem Block.

Deutschtown in Pittsburgh. Im Prinzip wie die südliche Innenstadt in Offenbach. Nur ohne Türken und Pakistani. Aber auch einst prall gefüllt mit Fremden, mit Deutschen. Die sind vor 180 Jahren hierher ausgewandert, weil sie im Herzen Europas ihre Familien nicht mehr ernähren konnten, die Obrigkeit fürchten mussten, in Würde leben wollten und vor allem weil es ihre Kinder einmal besser haben sollten.

Sie blieben lange Zeit bei der Deutschen Sprache, gründeten eigene Zeitungen, brauten Bier nach unseren Rezepten, pflegten Kultur in Chören wie Teutonia, lebten Religion nach ihrem Ritus und verzehren Sonntags Streuselkuchen und Bratwurst.

Auch wenn das Quartier heute zwischen Absturz und Gentrification schwankt, viele Zeugnisse erinnern daran, dass einst Schmitt, Müllers und Maiers halfen, ein blühendes Gemeinwesen aufzubauen. Eine Zeitreise in die wir uns immer versetzen sollten bevor wir Ausgrenzung verlangen.

Die Kirche: heute eine Event-Location

Später dann ins Andy-Warhol-Museum neben dem Hotel.

Ein interessantes siebenstöckiges Industriegebäude. Gefüllt mit vielen Exponaten auch aus seinem Leben. Warhol ist hier geboren als Kind slowakischer Einwanderer. Später zog er nach New York. Das Museum selbst hat Fleißkärtchen fürs sammeln verdient aber irgendwie fehlt der Spirit, der Überbau.

Abends vor dem Zug nochmal zu Mickeys auf ein Bier. Um 22 Uhr zum Bahnhof. Warten auf den Midnight-Train.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Donnerstag, 10. Oktober Pittsburgh

Im Holiday Inn wirklich gutes Frühstück, wenn wir den Plastikmüll ausblenden, der in der preiswerteren Express-Klasse dieser Kette Standard ist. Bummel durch die Innenstadt.

Vom Hotel nur einmal gerade über die Brücke. Die Stadt liegt an drei Flüssen. In den 1930er und 1940er Jahren ein Drecksloch. Zeitzeugen schildern, dass die Menschen wegen der Rauchfahnen und Abgase oft nicht mehr die Sonne sahen. Heute zählt Pittsburgh zu den Städten mit der höchsten Lebensqualität in den USA. Sport, Outdoor und vor allem Kultur prägen das Image. Die Zeiten der Depression scheinen passé. Die Transformation war für viele Menschen war brutal. Sie ist es für manche auch heute noch. Ich erinnere mich an einen Stahlarbeiter den wir Ende der 1990erJahre in einer Geisterstadt in Montana trafen. In dem Touristenspot betrieb er eine Kneipe, prall gefüllt mit Devotionalien aus seiner Zeit als Stahlarbeiter. Das sei sein Leben und seine Identität. Das Lokal habe er jetzt zum Geld verdienen, aber er lebe dafür, sich einmal im  Jahr mit seinen alten Kumpels vom Hochofen zu treffen.

Pittsburgh investiert in Kultur. Massiv. Das alte Theaterviertel wird revitalisiert. Überall neue Kulturzentren, Kinos, Galerien. Dennoch: Viel Leerstand, Billigläden. Lanz hat vor einigen Tagen bei seiner Reportage aus Amerika Pittsburgh als Beispiel für die negativen Entwicklungen in den USA geschildert. Weit übertrieben, auch wenn die Obdachlosigkeit nicht zu übersehen ist. Das war sie auch früher nicht. Aber man lässt sich halt auch verrückt machen. Die Bewertungen von Hotels in vielen amerikanischen Städte kennt scheinbar nur noch ein Kriterium: Wie viele Wohnsitzlose treiben sich um das Hotel herum.

Leider habe ich mich davon auch beeinflussen lassen: Eigentlich wollte ich in das Hotel Prior, ein wunderhübscher Backsteinbau, einst ein Kloster. Aber überall wurde die Gegend als unsicher beschrieben. Bullshit wie ich feststellte als ich während meines Aufenthaltes zufällig vorbeikam.

Zurück in die City. Jeden Donnerstag ist Farmers Market. Ich habe gut und preiswert gegessen. Und dazu spielte ein gutes Duo Jazz und Blues. Nachmittags bei den Pittsburgh Penguens ein T-Shirt für Philip gekauft.

Danach zufällig in ein Oktoberfest geraden, das der Einzelhandelsverband dort zur Belebung der Innenstadt organisiert. Naja. Und 0,3 Bier rund 10 Dollar. Dagegen sind die Wiesenwirte auf dem Münchener Pedant Wiesenknaben.

Abends dann ein echtes Spaten in Max´s Tavern im ehemaligen Deutschen Viertel und dazu eine überraschend gute Bratwurst.

Heimweg durch Deutschtown

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Mittwoch, 9.Oktober -Washington – Pittsburgh

Aufreger am Morgen. Amtrak teilt per Mail mit: Mein Zug von Washington nach Philadelphia sei gecancelt. Nach Philadelphia muss ich für meinen Anschluss Richtung Pittsburgh. In Europa kein Problem, da fährt der nächste ICE in einer Stunde: hier am nächsten Tag. Im Eiltempo ohne Frühstück zur Metro. An der Union Station interessiert keinen Mitarbeiter mein Problem. Von dem Zugausfall hatte niemand was gehört, obwohl deutlich sichtbar auf dem Monitor zu sehen ist, diese ist Verbindung gestrichen. Ich hätte das Ticket im Internet gekauft, da müsse ich jetzt umbuchen, bedeutet mir ein Mensch am Schalter schließlich. Da reicht es auch dem gutmütigsten Offenbach. Ich verschärfe die Tonlage und es geht. Zum Glück sind wenigstens die Verbindungen zwischen Washington und Philadelphia gut ausgebaut.

Ich bekomme ein Ticket für einen Zug früher für den schon das Boarding läuft.

Schöne Fahrt durch den Indian Summer nach Philadelphia, eine Stadt die mir bei früheren Besuchen sehr gefallen hat.

In Philadelphia Frühstück nachholen und dann ab in den Zug nach Pittsburgh. Der State ist in weiten Teilen sehr ländlich geprägt. Philadelphia, Pittsburgh und zwei drei andere Städte waren und sind Hochburgen der Demokraten und dazwischen Small-Town, Dörfer und Farmen, alles Hochburgen der Republikaner. Der Zug fährt Stunde um Stunde durch Trump Land. Man versteht, warum Pennsylvania ein Swing State ist. Etwa gleich viele Menschen wohnen in den urbanen Metropolen und Counrty-Side im Nirgendwo. In den ländlichen Countys mag die Bevölkerungsdichte nicht hoch sein, aber es gibt gewaltig viele Mini-Ortschaften. Genug Menschen um die Hochburgen der Demokraten in den Metropolen zu kompensieren.

Die Mittelstädte, auf deren Hinterhöfe ich aus dem Zugfenster blicke, haben scheinbar die guten Seiten hinter sich gelassen. Sie lebten offenbar lange auch von den Zulieferern  zur Stahlindustrie. Steelers: der klassische Wirtschaftszweig Pennsylvania ist fast überall Geschichte. Hier auf dem Land: leere Fenster in verlassenen Fabrikhallen, Brachen, verrostete Gleise, Lokomotiv-Friedhöfe.

Mit einer Stunde Verspätung komme ich in Pittsburgh an. Zwei Züge pro Richtung erreichen die Stadt mit 300.00 Einwohnern täglich. In der Area sollen über 3 Millionen leben. Das imposante Bahnhofsgebäude nebenan hat längst eine andere Nutzung. Amrak sitzt in einem kleinen Raum im Keller unter der Garage quasi am Katzentisch. Taxi Fehlanzeige. Buchen einer Droschke ist wohl nur noch per App möglich. Zum Glück habe ich mir den Weg zu einer Haltestelle um die Ecke gemerkt und kaum stehe ich lädt mich der richtige Busfahrer ein. Da ich zu blöd zum bezahlen bin, verzichtet er in meinem Fall auf ein Ticket.



Hotel super. Direkt neben dem Stadion mit all den Sport-Bars. Nebenan bei Mickeys leiste ich mir zwei von 500 Biersorten und einen schmackhaften Hamburger. Gut geschlafen.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Dienstag, 8. Oktober – Washington

Kein Frühstück im Hotel geschwänzt. Die Kommentatoren in den Bewertungsportalen sind sich einig: Dürftig. Also: Zwei Blocks weiter ist ein Bistro. American Breakfast wie ich es mag.


Danach mit der Metro zur Union Station in Washington. Nochmal am Schalter checken ob das all das was ich zuhause ausgedacht und ausgedruckt habe auch seine Richtigkeit hat.

Amerikanische Bahnhöfe in Großstädten erinnern an Kathedralen. Zeugnisse einer glorreichen Vergangenheit als Eisenbahnen der Motor für die Eroberung des Landes war.

Von der Union Station bis zum Capitol sind es nur wenige Schritte. Heute ist das Innere hermetisch abgeriegelt. Adolf Kühn erzählte mir vor ein paar Tagen, dass er vor drei Jahrzehnten unkontrolliert in die Lobby marschieren konnte. Viele Schulen machen im Herbst Klassenausflug. Überall fröhliches Kindergeschrei. Andere stehen zusammen und lauschen den Erklärungen ihrer Lehrer. Im Capitol sind heute wohl nur Anhörungen oder Konferenzen. Von Zeit zu Zeit verlassen wichtig scheinende Männer mit Schlips und Anzug das Parlament. Im Gefolge ein Schwarm von Aktentaschenträgern, Assistenten und Spin-Doktorinnen im Business-Kostüm. Alle eifrig um die Aufmerksamkeit ihrer Herren bemüht. Ein Gruppenfoto noch vor dem Capitol zur Erinnerung bevor die schweren Limousinen vorfahren.

Begegnung unterwegs


Der Übergang zum Ostflügel

Einige Schritte sind es nur bis zum Smithsonian Museum of Modern Art. Mich überrascht eine Ausstellung zu den Anfängen des Impressionismus. “1974“, mein Lieblings-Sujet. In diesem Jahr habe ich bereits zwei ähnliche Exhibition zu diesem Thema gesehen. In Paris und Köln. Die Schau hier bewegt sich auf Augenhöhe. Gut kuratiert hat sie ihre Stärken im Übergang von der Klassischen Malerei zu der revolutionären Technik von Monet oder Cezanne. Ein Glückstreffer für mich zum richtigen Zeitpunkt in Washington zu sein. Die Abteilung Impressionismus scheint hier auch jenseits vom Jubiläumsjahr gut bestückt. Ebenso sind die Exponate zur Modernen Kunst des 20. Jahrhunderts im Ostflügel einen Besuch wert.

Anschließend das Weiße Haus umrundet. Die Zäune stehen deutlich weiter entfernt als bei meinem letzten Besuch. Ein Teil des Rasens wird mittlerweile als Parkplatz genutzt. Auch die Straße vor dem Haupteingang ist heute Hochsicherheitstrakt. Die liebenswerten Protestler aus aller Welt, die hier Tag und Nacht für ihre Spinnereien demonstrierten fehlen ebenso wie etablierte Organisationen, die hier für Frieden oder Umwelt ihre Stimme erhoben. Quasi im Blickfeld wenn Biden mal das Gästeklo benutzt.

Nur der Truth Doctor ist übriggeblieben. Er fragt jeden nach seinem Herkunftsland und spielt dann vom Band die jeweilige National-Hymne. Gegen eine Spende natürlich. Es dauert nicht lange bis ich zu „Einigkeit und Recht und Freiheit“ mit ernstem Blick stramm stehe.

Zurück mit der Metro in mein Kaff plus ein kleiner Rundgang. Washington ist ja schön langweilig, jedenfalls die Innenstadt. Ich glaube ich habe mir für die Übernachtung den langweiligsten Vorort ausgesucht. Geputzte Gärten, blitzblanke Autos und kein Stück Papier auf der Straße. Schnell noch beim 7/11 was zum Abendessen besorgt. Auch die Discounter in den USA sind teuer geworden.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar