Samstag, 4. Februar 2023

Von Luang Prabang nach Udon Thani

Zurück nach Thailand. In Bangkok werde ich morgen Ute treffen. Um 12.10 Uhr soll mein Zug Richtung Vientiane abfahren. Sammeltaxi bestellt. Zu Zehnt im Minivan geht es zum Bahnhof. Wenigstens habe ich den Sitz vorne rechts.

Vor dem Gebäude steppt der Bär. Ein endloser Strom von Sammeltaxen und Bussen schaufeln Passagiere heran. Zum Glück sind hier die Prozeduren deutlich relaxter als in Vientiane. Ticket und Pass werden nur einmal statt dreifach kontrolliert aber das Megaphon ist auch an dieser Station Statussymbol. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das Geplärre irgendjemand beeindruckt.

Das Boarding beginnt pünktlich auf die Minute.

Der Triebzug hat 16 Waggons, jeweils mit 100 Plätzen. Er ist ausverkauft. Mit den anderen drei Zügen und den Verbindungen aus China kommen täglich per Bahn etwa 4000 Gäste in die Stadt. Als ich das erste Mal hier war dauerte die Anreise mit dem Bus mindestens zehn Stunden, mit dem Slow Boat 2 Tage. Vielleicht viermal täglich kam ein Flieger, meist so eine Art Playmobil-Jet der Lao Air mit 40 Plätzen. Das waren in der Woche noch nicht mal so viele Besucher wie heute an einem Tag mit der Bahn. Das ist eine Menge Mensch, die natürlich der Wirtschaftskraft des Landes gut tut, die Jobs und Einkommen bringt, aber auch die Strukturen des Landes radikal verändern wird. Das Pro Kopf Einkommen der rund 7 Millionen Einwohner lag im Jahr 2017 bei rund 2.300 Dollar. In Deutschland waren es im Jahr 2021 51.000 Dollar, also das zwanzigfache. Man sieht an diesen Zahlen den Nachholbedarf dieser Ländern und auch die Notwendigkeit von Einschränkungen in unseren Volkswirtschaften, um all die Klimaziele zu erreichen.

Ich hatte Glück. Ein netter Mensch überließ mir seinen Fensterplatz, damit er mit seinem Kumpel schwätzen konnte. Gelegenheit, die Landschaft an mir vorbeiziehen zu lassen.

Ankunft in Vientiane. Draußen wartete eine Armada an Bussen, Tuk Tuk und Taxen. Ich wollte weiter zum alten Bahnhof an der Freundschaftsbrücke, die Thailand mit Laos verbindet. Wenn schon, dann so oft wie möglich mir dem Zug. Das Problem: Der alte Bahnhof liegt rund 15 Kilometer entfernt, auch weit außerhalb der Stadt. Von dort fahren nur zwei Züge täglich Richtung Thailand, die kaum genutzt werden und niemand scheint die Station zu kennen, wie ich schon bei früheren Besuchen erfahren durfte.

Rettung versprach ein Stadtbus. Auf dessen Anzeige stand „Freundschaftsbrücke“, die Haltestelle liegt knapp einen Kilometer von diesem Bahnhof entfernt. Ob er denn am alten Bahnhof halte: Klar war die Antwort des Fahrers, der Englisch sprach. Ich bemühte noch mein Navi auf dem Handy, um ihm das Ziel zu visualisieren. Kopfnicken. Thailand Railways. Ja natürlich und jetzt ab in den Bus. Schnell, schnell. 30 Minuten Fahrt endeten m Zoll an der Freundschaftsbrücke. Und wie es denn jetzt weiter zum Bahnhof gehe: Schulterzucken. Ich fange an böse zu schauen: Ach Bahnhof. Ja da fahren wir jetzt hin. Ich werde wieder eingeladen, viel lächeln und nicken und los geht es. Den Bus habe ich ganz alleine.

Ich verfolge die Tour auf dem Navi. An der endscheidenden Kreuzung kein Blinker. Ich melde mich, protestiere mit jedem weiteren Kilometer vehementer. Keine Chance. Wir stromern irgendwo im Nirgendwo. Den Google Translator bemüht und ernte viele „Aaahs“ und „Oohs“. Aber so einen Bahnhof habe man in Vientiane nicht. Es gebe nur den an der neuen Strecke nach China. Meine Bitte umzudrehen, wird negativ beschieden. Man fahre nach Plan, was ja irgendwie richtig ist, da könne man nicht einfach Umwege machen. Also die ganzen 30 Minuten zurück zum Bahnhof an der Hochgeschwindigkeitsstrecke.

Umsteigen in ein Tuk Tuk. Die Zeit drängt. Ich weiß nur, der Zug nach Thailand fährt irgendwann nach vier und es ist 5.30 Uhr. Der Fahrer versteht meine Not und langt finanziell richtig zu. Einen zweiten Bahnhof, so verstehe ich auch ihn, gebe es in Vientiane nicht. Aber für den Schein, der ihm die Fahrt bringt, soll ihn doch der komische Ausländer über Feldwege mit seinem Navi rumscheuchen.

Groß die Augen als wir plötzlich um eine Ecke biegen, schmale Gleise und einen Zug sehen.

Ein richtiger Grenzbahnhof im Nirgendwo. Ein muffiger Zöllner, wach genug, um das übliche Bakschisch mitzunehmen. Man zahlt, weil eine Stunde stehen vor dem Schalter ist den Dollar nicht wert. Kein Stress mit Stempel und Gepäck, noch ein Abschiedsdosenbier für die letzten KIP und dann mit acht weiteren Passagieren ab in den Zug.

Reden wir nicht von meinem Klimafußabdruck als die Lok mit viel Ruß gestartet wird. Glaube, die in einem Jumbo wäre besser.

Der Mekong. Grenze zwischen Laos und Thailand.

Fahrt über die Freundschaftsbrücke. Wenn zweimal am Tag je Richtung die Bahn die Brücke passiert, ruht der Autoverkehr.


Ankunft nach 15 Minuten in Nong Khai. Die Zollkontrolle zieht sich, ist aber freundlich und es geht auch ohne Dollar. Nächste Überraschung. Am Bahnhof gibt es keinen ATM. Und ich muss noch ca 50 Kilometer weiter. Das Hotel am Bahnhof, das ich von einem früheren Aufenthalt kenne, hat zu. Schade. Es war sehr passable. Und nebenan verkaufte ein alter Mann Bier, der von jedem Gast wissen wollte, wo er lebt. Dann holte er sein kleines Tablet raus und schaute, wo die Stadt liegt. Es war ein gutes Programm. Es zeigte Offenbach ohne Frankfurt. Anyway. Alle anderen Hotels in der Grenzstadt lagen zu weit entfernt. Um 18.50 Uhr gab es noch eine Verbindung nach Udon Thani. Das liegt Richtung Bangkok und ich konnte in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof ein Hotel buchen.

Der Mensch am Schalter war gnädig. Er gab mir das Ticket gegen einen Dollar. Ein wenig warten…

…ein paar Eisenbahnbilder…

…und weiter gings. Zum Glück konnte ich die Route auf dem Navi verfolgen und wusste, wo ich auszusteigen hatte.

Udon Thani entpuppte sich als umtriebig. Direkt neben dem Bahnhof ein riesiger Markt mit Food Court und einem ATM. Ich beschloss erst Mal Richtung Hotel zu marschieren. 300 Meter immerhin. Die Rezeption verlangte 200 Baht (7 Euro) als Sicherheit. Kreditkarten werden nicht akzeptiert. Also zurück zum ATM. Wenigstens war das Zimmer ordentlich.

In dem Esstempel gibt es Duzende Stände. Fisch, Fleisch, Vegetarisch und was weiß ich noch. Ich entschied mich für Schwein mit Reis. Spicy. Das Essen war ziemlich gut. Das Bier sowieso. Alles für circa 5 Euro. Anschließend noch eine Thai-Simcard besorgt. Auf dem Weg zurück viele Mädels mit meinem Standardspruch, „Maybee Tomorrow“, der alle Komplikationen vermeiden hilft, vertröstet. Um mein Hotel herum sind diverse Bars. Aus einer klang richtig guter Musik. Aber kein Bock auf irgendwelche Mädels, die mich dort dauernd ansprechen werden. Dann lieber noch ein Bier auf der Hotelterrasse. Dort laufen so nach und nach die Jungs mit ihrem frisch erworbenen Anhang ein. Kaum übertrieben: 70+ mit 21-. Man muss nur in die traurigen Gesichter der Mädels schauen. Manchmal schämt man sich dann doch als Mann.

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Freitag, 3. Februar 2023,Luang Prabang

Ereignisarmer Tag. Frühstück wie immer. Bei der Auswahl bleibt wenig Spielraum für Varianten. Obst (sehr gut), Saft aus dem Tetra Pak, Banana Pancake oder Ei mit Ham und einem Würstchen. Danach Schreiben, Packen und am Nachmittag in die Stadt, Mekong schauen. Die Terrassen vor den Cafes und Restaurants sind voll besetzt. Es wirkt alles ehr europäisch, quasi die Leitkultur, die auch den Chinesen im Urlaub Vergnügen bereitet. Zugegeben: auch mir. Ich setze mich in das letzte französische Bistrot, das ich von früher kenne: Ein Cappuccino und ein Diabolo.

Abends noch einmal ins Tamarind. Fisch in Bananenblättern, Sticky rice und Gemüse. Besonders der Fisch war ein Gedicht.

Danach ein Teller mit laotischen Süßigkeiten und Kaffee Lao.

Ein Bummel noch über den Nachmarkt. Es gibt maximal acht verschiedene Standtypen, deren Warenangebot gleicht sich bis zur Lochung im Lederriemen und zum Knick im Lampion. Alles Chinaschund. Vor Jahren konnte man hier noch selbst Gewebtes oder Geschnitztes erwerben. Ich habe auch etwas zu viel Geld getauscht. Kaufe mir noch einen Gürtel. Bei meinem ist die Schnalle zerbrochen. Joop steht drauf. Am nächsten Tag zeigte die Schnalle bereits erste Verschleißerscheinungen.

Eine Runde noch über die Foodcourt. Hier wird das Bier mittlerweile in drei Liter Humpen angeboten, so wie der Sangria aus Eimern am Ballermann. Dann lieber ab ins Bett.

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Donnerstag, 2. Februar 2023, Luang Prabang

Früh ein wenig geschrieben.

Dann ein Bummel durch die Stadt.

Tempel besichtigen

Flanieren am Mekong…

..und seinem Nebenfluss

Nationalmuseum

Reste des kolonialen Flairs

Abends dann kleine Kreuzfahrt auf dem Mekong. Mein Fluss.

Ein Tequila Sunrise als Sundowner. In den Boxen lief dezent angenehme Musik. Bowie, Adele, Westcoast. Die Crew lies die Passagiere Bananenblätter beschriften mit ihren Wünschen und ihrem Ärger, die dann den Fischen zum Fraß überlassen wurden.

Also: Fische im Aquarium fressen unsere Bananenblätter und danach werden die Fische über eine Schütte in den Mekong befördert.

Spät Essen im Tamarid. Eines der Lokale, die noch eine original laotische Küche anbieten. Habe hier schon einen Kochkurs mit Ute gemacht.

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Mittwoch, 1. Februar 2023 Luang Prabang

Mein dritter Besuch hier, jeweils im Abstand von ungefähr 5 Jahren. Ein idealer Zeitraum, um Veränderungen wahrzunehmen. Und diese Stadt hat sich deutlich gewandelt. Die Gebäude sind die gleichen geblieben, die Tempel stehen natürlich alle auch noch. Nur die Atmosphäre ist eine andere. 2010 oder 2011 kam ich aus Laos zurück und erzählte: „Die Menschen hier sind nicht von dieser Welt“. Arm aber glücklich. Freundlich, zurückhaltend, immer lächelnd. Hektik schien ihnen fremd zu sein. Das Angebot auf den Märkten orientierte sich am lokalen Bedarf. Die Balance zwischen der alten Kaiserstadt und der französischen Kolonialcapitale war noch im Gleichklang. Die meisten Touristen kamen mit dem Rucksack, also junge Leute. Dazu einige Mädels 60+ in weiten Hosen mit Batikmotiven, die hier ihren Seelenfrieden suchten.

In manchem Cafe konnte man sich noch plastisch vorstellen wie sich frustrierte Kolonialbeamte, gezeichnet von Malaria und Absinth, hier zurück in ein Bistrot an den Boulevard Montparnasse sehnten. Ich konnte Stunden in einem dieser Cafes sitzen.

Im Jahre 2016 war ein deutliches Ansteigen der Besucherzahlen zu bemerken. Aber: All die Angebote zu Trecking Touren, dem Besuch von Dörfern in den Bergen oder zu Fahrten auf dem Fluss standen unter der Überschrift „Sanfter, grüner Tourismus“. Davon ist wenig geblieben. Auch leider dank Covid 19. Laos lies zwar seine Einwohner schnell und konsequent impfen aber verhängte ebenso konsequent einen Lockdown. Die Touristenströme verebbten, aber die Zahlungen für das neue Elektro Tuk Tuk oder die naturbelassene Ausstattung der Hotelzimmer liefen weiter. Und natürlich mussten die Raten für die Infrastrukturinvestitionen der Chinesen bedient werden. Das Land ist Unterkante Oberlippe verschuldet mit wachsender Dynamik.

Im Augenblick boomt der Tourismus wieder. Hotels sind ausgebucht. Mit dem Bau der Bahn hat sich die Struktur der Gäste hier in Luang verändert. China und andere asiatische Länder sind deutlich stärker vertreten. Sie bringen Geld. Vom Luxus des sanften Wegs können die Leute hier schlicht nicht leben. Pubs, Fast Food und Bodegas bringen schneller Geld als Teestuben. Die Angebote der örtlichen Tourenanbieter haben heute eher Event-Charakter. Und auf dem Morgenmarkt, auf dem früher westliche Besucher an Fledermäusen, gegrillten Grillen und frittierten Schlangen mit leichtem Schaudern flanierten, verdrängen T-Shirt-Stände das heimische Obst und Gemüse.

Wo früher in kleinen Zelten Frauen nach heimischen Rezepten kochten, entstand ein europäisierter Food Court mit abgepackter Ware und Bergen von Plastik-Geschirr.

Aber ich möchte mich in dem Spiel überhaupt nicht exkulpieren. Auch ich trage zu dieser Entwicklung bei. Nach vielen Schritten durch den Stadtkern habe ich mich wieder für meinen Italiener entschieden. Ich bin immer noch malade. Und mit Nudeln kann man nichts falsch machen.

Fundstück auf dem Nachhauseweg

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Dienstag, 31. Januar 2023

Von Vientiane nach Luang Prabang

Luang Prabang: für mich hatte die Stadt immer schon einen leicht mythischen Klang, Hauptstadt des alten Königreichs Laos und später Mittelpunkt des französischen Protektorats, einst das kulturelle und religiöse Zentrum des Landes. Um das Jahr 2010 besuchte ich Luang das erste Mal. Damals war die Anreise noch schwierig. Die Straßen waren in einem katastrophalen Zustand, wenig Asphalt.

Mit so einem völlig überfüllten Slow Boat, auf einem ausgebauten Autositz bin ich zwei Tage den Mekong hinabgeschippert. Von Urwalddorf zu Dschungelcamp. Mit Lars aus Holland, der Engländerin, die mit einem berühmten DJ liiert war, dem Chilenen, den beiden Jungs aus Samoa und den Niederländerinnen. Unvergesslich die Nacht in dem kleinen abgeschiedenen Dorf, in dem die Boote wegen der Dunkelheit halt machten. Das einfache Essen in dem Restaurant, das eher eine Bude mit Plane war und das anschließende Karaoke mit dem Chinesen und seiner Parteimütze.

Anyway. Heute ist die Anreise bequemer. Zwei Stunden mit dem Hochgeschwindigkeitszug, fast mit ICE-Komfort. Aber erstmal zum Bahnhof. Morgens um fünf Uhr aufstehen. Cola und Tütensuppe abrechnen mit einem Nachtportier, der nur wenig Englisch versteht. Das Taxi ist pünktlich. Ich bin früh genug da, um mich an der Station zurechtzufinden. Langsam füllt sich der Vorplatz. Morgens fahren zwei Züge im 30 Minutenabstand. Danach jeden Tag nur noch einer.

Welches ist die richtige Schlange. Es gibt zwei zur Auswahl. Nach einigem Fragen verstehe ich. Eine führt zur Tür zum Fahrkartencenter, hier gibt es jeweils Tickets für die nächsten drei Tage. Die Menschen, die hier anstehen, machen dies aus professionellen Gründen. Sie kommen morgens aus Vientiane mit einer Liste an Vorbestellungen. Und: The second line is mine.

Aber zunächst einmal warten. Eine Security Mitarbeiterin plärrt ununterbrochen Anweisungen in ein Megaphon in einer Sprache, die ich nicht verstehe. Aber selbst wenn ich perfektes Deutsch vernehmen würde, die Tonqualität des Verstärkers ist so miserabel, dass selbst geübte Logopäden Schwierigkeiten bei der Interpretation des Gehörten hätten. Egal ob drinnen oder draußen. Jeder Offizielle in der weiten Halle besitzt sein eigenes Megaphon. Ranghöhere Beamtinnen sind an einem zusätzlichen Funkgerät zu erkennen. Wie eine Steuerfrau einem Achter halten sie alle ihre Schlange mit lauten Kommandos auf Kurs zur Einlasskontrolle: Ticket und Pass. Dann Security-Check. Genauso gründlich wie am Frankfurter Airport, nur schneller. Gelesen habe ich, dass eine chinesische Firma für die Durchführung der Kontrollen verantwortlich ist. Die besitzen offenbar das notwendige Know How. In Shanghai werden alle Fahrgäste der U-Bahn vor betreten der Bahnsteige kontrolliert. Ich habe das nicht für möglich gehalten, aber es funktioniert wie ich selbst erlebt habe.

Die Halle füllt sich allmählich. Ihre Gestaltung erinnert an die chinesische Einheitsarchitektur entlang der Hochgeschwindigkeitsstrecken dort. In Laos mit Anleihen an Bauformen von Pagoden.

Boarding wie am Airport. Wieder laute Anweisungen aus dem Megaphon, für Business, First und Economy jede Line wird mit einem eigenen Hand-Verstärker auf Trab gehalten, ein Verstehen wird so unmöglich. Noch einmal Pass und Ticket. Den richtigen Wagen zu finden, ist kein Problem. Die Züge parken, ähnlich wie in China auf den Millimeter genau auf ihren Markierungen.

Die Lao China Railway verbindet seit 2019 China mit Laos. Sie ist Teil des Seitenstraßen Projektes. Sie soll über Thailand nach Myanmar verlängert werden. Anschluss an den indischen Ozean. Der Transport von Waren aus China nach Afrika oder Europa verkürzt sich so um viele Tage. Im Augenblick ist wegen Covid der Personenverkehr Richtung China unterbrochen. Dennoch sind die Züge voll. Die Passagiere müssen am Grenzübergang für einige Kilometer in einen Minivan umsteigen, der sie in das andere Land bringt.

Offenbar nutzen auch viele Laoten den Zug für einen Trip in die Hauptstadt. Die Fahrt aus dem Norden verkürzt sich von einer Zwei-Tages-Reise auf zwei Stunden. In den eigenen Gepäckabteilen stapelt sich vieles, was es zuhause nicht gibt: Farbeimer, Elektronik in allen Abarten, Schuhe, Kleidung.

Ich habe über Luang Prabang hinaus bis zur Grenze nach China gebucht. Klar als Bahnfan muss man so eine Strecke in sein Poesiealbum kleben.

Die Landschaft ist bis Luang Prabang überwiegend flach. Hinter der alten Hauptstadt überquert sie den Mekong um danach fast nur noch in Tunnels zu verlaufen. Eine kostenintensive Trassierung, die auch später die Verlegung eines zweiten Gleises ermöglicht. Das bitterarme Laos hätte diese Investition aus eigener Kraft nie stemmen können. Perspektivisch braucht China eine schnelle Verbindung zu den Häfen am indischen Ozean, für Laos eigentlich überdimensioniert, aber man ist beim Bezahlen mit an Bord.

Klar. Auch Laos profitiert von der Linie, zu der China parallel noch eine Autobahn gebaut hat. Die Straße zum Bahnhof in Vientiane erinnert mit all den neuen Bürohäusern an den Charme von Frankfurt Niederrad. Jobs und Steuern könnten hier einmal generiert werden. Die Menschen werden mobil. Können besser Universitäten besuchen, einen Arbeitsplatz in der Stadt finden. Laos kann seine Rohstoffe heben und zu den Kunden transportieren.

Aber all diese Profite haben einen Preis. Einen Hohen. Zinn, Gold, Kupfer, Holz zählen zu den wichtigsten Exportgütern von Laos. Verladegleise zweigen immer wieder links und rechts von der Strecke ab. Hier stehen lange Reihen von Waggons mit Schütteinrichtungen, die sich gut zum Transport von Bodenschätzen eignen. Da die Gleise in Vientiane enden, erfolgt die Abfuhr ausschließlich in Richtung China. Man kann vermuten, um die Kosten für den Bau der Bahn zu begleichen.

80 Prozent der Menschen in Laos leben von der Landwirtschaft. Die Ufer von Flüssen wie dem Mekong oder dem Ou sind fruchtbar. China baut hier Staudämme, die sich quasi wie Fischstäbchen in der xxl-Packung aneinanderreihen, um seinen unermesslichen Energiehunger zu stillen. 10.000sende Bauern verlieren damit ihr Land am Strom. Palmöl für den chinesischen Markt wird im Raubbau auf Kosten des Regenwaldes im Norden gewonnen. Auch ökologisch hoch problematisch. Im Prinzip eine Alternative zwischen Pest und Cholera.

Ankunft in Boten an der chinesischen Grenze. In 3 Stunden 30 habe ich das kleine Land durchquert. Der Zug endet hier. Aussteigen und mit dem gleichen Zug in 90 Minuten zurück. Lok von vorne zu fotografieren ist nicht möglich. Ein Heer von Guards hat die Gasse zum Ausgang genau markiert. Noch einmal Pass und Ticket, dann ist es geschafft.

Auf dem Vorplatz steigen die Chinesen in die Minivans um, die sie zur Grenze bringen. Direkt hinter dem Bahnhof beginnt im übrigen eine gemeinsame laotisch chinesische Wirtschaftszone, wohl auch mit einer Menge Spielcasinos. Ich drehe mich um.

Der Bahnhof im chinesisch laotischen Zuckerbäckerstil. Gleiche Prozedur wie in Vientiane und ich bin wieder in der Abfahrtshalle.

Offenbar sind viele Chinesen über die Grenze gekommen. Sie werden an den nächsten beiden Stationen aussteigen. Möglicherweise zum Einkaufen. Hatten wir doch früher auch. Butterfahrten genannt. Im Zug kehrt auch keine Ruhe ein. Permanente Durchsagen in Laotisch Englisch, Chinesisch. Rauchen, Covid, Achtsamkeit in der Endlosschleife. 30 bis 40 Minuten am Stück. Dann zehn Minuten Pause, um die CD wieder aufs neu zu starten. Und dazu die Handys in den Waggons im Dauerbetrieb. Ich werde nie mehr über „Trävelling Deutsche Bahn“ spötteln oder einen Dauertelefonierer in der Ruhezone eines ICE strafend anblicken.

Ankunft in Luang Prabang.

Mit einer Herde Chinesinnen und einem Italiener teile ich mir ein Taxi. Das Problem: Die Mädels hatten verschiedene Hotels gebucht und vor jedem Haus entbrannte eine endlose Debatte, wer jetzt aussteigen muss. Irgendwann platzt dem Italiener der Kragen. Er schnappt sich seinen Rucksack und verlässt wutentbrannt das Auto. Ich halte bis zur Endstation durch und nehme mir ein Tuk Tuk zum Hotel..

Naja. Etwas versteckt in der Seitenstraße, die Aussicht ist auch beschränkt, aber das Bett ist ok.

Abends zum Italiener. Und das war nach 2 Tagen überhaupt nichts essen eine gute Idee. Der Laden wird der Sprache nach von Franzosen geführt. Von der Küche her könnte er auch mein Lieblingsrestaurant in Deutschland sein. Es war einfach nur gut. Campari vorneweg und ein Espresso wie aus dem Lehrbuch hinterher. Aber alles hat seinen Preis.

Auf dem Nachtmarkt noch ein Bier mitgenommen. Auf der Hotelterrasse die Flasche in den Arm geschlossen und ab ins Bett.

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Montag, 30. Januar 2023, Vientiane

Der Tag ist kurz abgehakt. Meine Magen und die Nudeln wurden über die Nacht keine Freunde. Morgens Tee, eine Scheibe Toast und etwas Kuchen. Bett. Gut, dass ich dieses Hotel ausgewählt habe. Sauber und eine Oase der Ruhe.

Abends waren wenigstens die Tickets da. Früh ins Bett. Um fünf Uhr aufstehen. Um 7.30 Uhr fährt der Zug.

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Sonntag, 29. Januar 2023 Vientiane

Frühstück: Obst, Toast, Kuchen. Keine Experimente. Mittags ein Spaziergang durch die Stadt hier hat sich in den letzten fünf Jahren viel verändert. Vientiane galt immer schon im Vergleich zum restlichen Laos als steril. Aber jetzt haben sie nochmal zugelegt. Ein wenig Mekong geschaut. Danach der erste Versuch eines Mittagessens: gedünstetes Gemüse mit Cola. Ging gut.

Ich musste unbedingt noch meine Zugtickets für die Weiterreise in den Norden kaufen. Das geht frühestens drei Tage vor Abfahrt. Das ist in Laos nicht so einfach. Am Bahnhof wohl kein Problem: Der liegt aber 12 Kilometer außerhalb. Stadtbüro der Bahn: nur wenn man eine laotische Kreditkarte hat. Internet: die meisten Anbieter haben wegen der Tücken den Verkauf eingestellt. Agenturen: Haben Sonntags zu. Überhaupt: mir fehlen die vielen Büros der Tourenanbieter. Da macht auch hier das Internet auch hier eine ganze Branche platt.

Ich hatte am Flughafen keine Lao-Sim-Karte gekauft, weil ich mich so malade fühlte und nicht Schlange stehen wollte. Das rächte sich nun. Keine Telefonläden. Wo sind die geblieben? Die rettende Idee: der Busbahnhof. Hier kommen doch auch die internationalen Transporte aus Bangkok und Hanoi an. Und richtig, ein kleiner Marktstand hatte auch Sim-Karten. Keine 3 $ für einen Monat surfen. Und das beste die Frau am konfigurierte das Handy in zwei Minuten und nach einer weiteren Minute war ich online.

Zweieinhalb Kilometer sollte der Weg bis zu einem offenen Büro sein, das Bahntickets verkauft. Mit der Sim Karte geht auch das Navi wieder, also los. Das Ziel war eine wunderbares altes Fabrikgebäude, zu einer Mall umgebaut. Eine Mall, die aber zu achtzig Prozent leer stand. An den leeren Schaufensterscheiben noch die Slogans von Startups. Hier war mal sowas wie ein Innovationscampus. Wahrscheinlich ein Opfer von Corona. Mein Laden war natürlich zu. Weiter gegoogelt, einen Laden in der Nähe gefunden. Aber auch der existierte nicht mehr.

Im Tuk Tuk zurück zum Hotel. Frust. In den Reiseführern wird gewarnt, die Tickets an der Rezeption zu kaufen. Von 100 Prozent Aufschlag wird berichtet. Aber Surprise, surprise. Auch hier ist wohl mein Hotel die Ausnahme. Obwohl der Sonntagsabend-Portier nur schlecht Englisch verstand, hatte er sofort die richtigen Leute am Telefon, gab fürs Bezahlen sein Privatkonto an und berechnete nur eine geringe Kommission.

Vom Hotel wieder in die Stadt. Vorbeimarsch am Siegestor. Für die Freiheitskämpfer hier standen wir doch vor über 50 Jahren auch im Wasserwerfer. Naja. Mittlerweile haben sie sich wohlig im Staats-Kapitalismus eingerichtet. Wir aber irgendwie auch

Das abendliche Fontänen-Ballett am Tor. Getragene Musik mit leicht bombastischem Arrangement.

Und drinnen in einem der Torpfeiler, ein Kiosk. Mal stelle sich mal eine Pommesbude im Triumphbogen in Paris vor.

Zum Essen zum Italiener. Die Idee: Italienische Nudeln beruhigen jeden Magen, sagt man. Bei Tripadvisor stand, der Koch von diesem Restaurant habe in Italien gelernt und seine Ausbildung gemacht. Naja. Vielleicht mal ein Schülerpraktikum. Die Nudeln waren jedenfalls Asian Style und nicht gut.

Noch ein wenig am Ufer des Mekong gebummelt. Wie in London oder sonst wo. Die üblichen Freizeitparks am Ufer. Hier im Duzend.

Ein Bier noch. Heim. Bett.

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Samstag, 28. Januar, 2023, Vientiane

Früh aufgewacht. Es geht mir deutlich besser. Wenigstens der Husten hat nachgelassen. Und Fieberfrei bin ich auch. Aber die Energie, die Stadt zu durchstreifen, habe ich nicht. Das Buffet ist reichhaltig. Ich beschränke mich aber auf Toast, Jam und Obst.

Nach dem Breakfast in den Laden nebenan. Waschpulver besorgen und eine Tonne Papiertaschentücher. Der Hausmeister hilft mir die Maschine anzustellen und öffnet den verschlossenen Safe. Ich räume im Laufe des Tages die Wasser- und Colabestände in der Minibar, dazu eine Tütensuppe plus ein Jumbopack Kohle Tabletten und fühle mich abends fit, an meinem Blog zu schreiben. Hoffen wir, dass der Tag morgen besser wird. Einen guten Italiener solle es hier geben und Pasta ist genau das Richtige, um mich wieder aufzubauen.

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Freitag, 27. Januar 2023

Vientiane Laos

Die Zeit im Transitbereich des Bangkoker Flughafens wollte nicht enden. Zu meinem Anschlussflug waren es rund 900 Meter, also 19 Minuten Laufzeit, so der Wegweiser. Am Gate Ratlosigkeit unter den Passagieren, weil der Bildschirm streikte und alles abgesperrt war. Bloß nicht den ganzen Weg zurück. Keine Liegesitze und der Magen meldet sich immer stärker. Endlich einchecken. Eine Stunde bis Vientiane.

Die Einreisekontrollen in Laos sind zäh. Dafür ein Flughafen der kurzen Wege. Na klar bei den wenigen Einwohnern. Taxi. Hotel. Gute Wahl. Großes angenehmes Zimmer mit Küche. Gute Matratze, sauber. An den Pool mag ich überhaupt nicht denken. Bin froh wenn ich es zwischen Hustenanfälle zur Toilette schaffe. Dazu leichtes Fieber. Irgendwann schlafe ich für drei Stunden. Danach wieder wach liegen. So geht es die ganze Nacht.

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Donnerstag, 26. Januar 2023

Von Lahore nach Laos

Reisetag. Die Zeit in Pakistan geht zu Ende. Mein Flieger soll um 23.45 Uhr, also kurz vor Mitternacht, starten. Vier Stunden vorher sollte man am Airport sein, hatte mein Guide empfohlen. Dazu vierzig Minuten Anfahrt. Late Check out ist kein Problem. Kostet nix. Bringt dem Hotel einen Extra Bonus bei der Bewertung. Und der Airport Shuttle wird auch nicht berechnet. „Ja ist denn heute schon Weihnachten?“

Genug Zeit noch einmal durch die Basare zu streifen. Ich muss mir noch einen neuen Gürtel kaufen: Beim Alten ist die Schnalle kaputt.

Zwei letzte Fotos, ein Tee und eine Cola ohne Eis in der Teestube, packen und noch eine Stunde vorschlafen. Um sechs Uhr weckt mich die Rezeption. Oh je ich habe kein Kleingeld mehr. Leider hatte ich die kleinen restlichen Rupien in die falsche Hosentasche gepackt. Das Trinkgeld für die Boys fiel deshalb spärlich aus. Trinkgeld ist ihr Einkommen. Als ich die Rupien am Airport an der richtigen Stelle finde, ärgere ich mich richtig.

Die Fahrt zum Flughafen dauert über eine Stunde. Die Security am Eingang gnadenlos. Ist ja auch ok. Die Information über Check in etc miserabel. Ich frage mich durch. Am Gate habe ich dann noch zwei Stunden Zeit. Der Flug mit Thai sehr angenehm. Viel Beinfreiheit. Aber ich bemerke, dass eine Atemwegserkrankung im Anmarsch ist und mein Magen rumort. Trotzdem schlafe ich zwei Stunden.

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