Montag, 6. November 2023: Von Melilla nach Fes

Morgens um sechs Uhr aus dem Bett. Der Rucksack ist fertig gepackt. Duschen, ein letzter Blick ob alles an Bord ist. War nicht das super beste Zimmer aber vom Preis- / Leistungsverhältnis unschlagbar. Sauber. Und das Bett war gut. Naja: der Ausblick auf acht Quadratmeter Hinterhof trübt die Bilanz. In Melilla kann man sich verlieben. Jedenfalls in die vier fünf Straßen im Zentrum. Es ist wie eine Trutzburg, in der jeden Abend die Rest-Spanier Party feiern. Vielleicht ist hier eine gute Alternative zu Gran Canaria für einen Wintermonat.

Zurück zum frühen Morgen. Taxi zur Grenze. Ein nettes „Buenos Dias“ an die spanische Zöllnerin, den Rucksack durch ein enges Drehkreuz balancieren hin zu einem langen dunklen Gang. An seinem Ende begrüßt mich in seiner Bude ein marokkanischer Beamter mit „Salam aleikum“ und fragt dann in perfekten Englisch nach meinem Pass. Zwei drei kleine Scherze, woher – wohin und das war es. Völlig entspannt. Die Zahl der Koberer mit Sim Karten, Taxis, Geldwechseln hält sich in Grenzen. Eine Wechselstube ist geöffnet. 50 Euro in Dirham für die ersten Stunden müssen reichen.

Der Taxifahrer macht einen fairen Preis. Ob ich German sei, fragt er. „Yes“ meine Antwort. „Frankfurt?“  „No“ antworte ich „Offenbach“. Seine Begeisterung kennt keine Grenzen. Hier aus der Grenzstadt „Nador“ sind Anfang der 1960er Jahre viele Menschen Richtung Offenbach gezogen. Die Stadtwerke, sprich die Müllabfuhr, hatten einen großen Arbeitskräftebedarf. Die Migranten, die alle irgendwann wieder heim wollten, waren ziemlich mies in Baracken am Schneckenberg untergebracht. Viele ihrer Kinder und Enkel machten später ihren Weg in der Stadtgesellschaft: Handwerker, Anwälte oder Ingenieure. In den Sozialen Netzwerken liest man gelegentlich ihre Berichte über ihre Heimatbesuche. Manch Haus an dem ich heute hier vorbeifahre, ist sicher mit Geld gebaut, das in Offenbach hart erarbeitet wurde.

Zwanzig vor acht bin ich am Bahnhof. Er öffnet um acht Uhr. Ein netter Mitarbeiter lässt mich schon vorher rein.

Zwei Züge je Richtung am Tag, das ist auch auf arabisch überschaubar.

Der Zug soll um 9.36 Uhr fahren. Ich hole mir mein Ticket. Leider gibt es hier keine Imbissbude sondern nur einen Eissalon. Also ein Kaffee und ein Teilchen. Pappsüss. Der Zug ist pünktlich. Ich habe erster Klasse genommen. Eine gute Entscheidung. Die zweite Klasse ist ziemlich belegt. Der Zug hat maximal Interregio-Niveau. Die ONCF, so heißt die Bahn hier, ist als sehr leistungsfähig bekannt.

An mir zieht eine eintönige Landschaft vorbei. Der Osten des Maghreb-Staates ist dünn besiedelt. Eins zwei Städte: wenige Dörfer. Die meisten Flüsse sind ausgetrocknet. Dennoch in den Tälern werden Felder bestellt. Das Rif-Gebirge liefert im Frühjahr ausreichend Wasser.

Gegen drei Uhr Ankunft in Fes. Auf die Minute liebe Bundesbahn. Zum Taxistand: Und ewig grüßt das Murmeltier: Mit den Jungs, die mich in ein Auto zerren wollen, diskutiere ich schon gar nicht mehr. Der erste Fahrer sagt, er wisse genau wo meine Unterkunft sei. Seine Augen sagen das Gegenteil. Der zweite Driver schwört Stein und Bein, er wisse wo ich hin müsse. Vielleicht hätte ich am Morgen doch eine Sim-Karte für Google maps kaufen sollen. Die Richtung, die er andeutet, stimmt irgendwie mit meiner Erinnerung überein. Am Ende ein Trugschluss.

Die Medina, die Altstadt hat rund 9.000 Gassen. 800.000 Menschen leben hier. Alles ist völlig verwinkelt und verschachtelt.  Hier darf kein Auto rein, manche Pfade sind weniger als zwei Meter breit.

Der Fahrer setzt mich am Haupttor ab und zeigt grob über die Dächer hinweg: Irgendwo dahinten sei es. Super. Am Tor die üblichen Fake-Führer. Hier habe ich schon einmal vor 30 Jahren Lehrgeld bezahlt. Irgendjemand, den ich frage, zeigt nach links und ich steuere mit meinem Rucksack mitten ins Gewusel. An zwei drei Ständen frage ich vergeblich. Ich hatte extra einen Screenshot auf mein Handy gemacht. Nutzlos. Und dann habe ich richtig Glück. Ich treffe am Stand einen Jungen, der sagt er wohne im Haus nebenan und wolle eh heim. Er begleitet mich. Links, rechts, rechts links, dreimal um die Kurve, geradeaus und so weiter.

Erste Eindrücke

Das hätte ich niemals gefunden. Richtig sauer bin ich, weil meine Unterkunft direkt an der Stadtmauer neben einem Parkplatz, auf den Anwohner ihren Wagen abstellen, liegt. Das Taxi hätte mich hier 150 Meter vor der Tür absetzen können.

Mein Ryad ist in einer langen dunklen und eher schäbigen Gasse. Von außen Uijujujui und nö.

Aber kaum wird die Tür geöffnet, taucht der Gast in eine Welt aus 1000 und einer Nacht. Zur Begrüßung wird mir ein Tee gereicht.

Ryad sind alte Patrizierhäuser um einen Innenhof. Meines hat einen schönen Garten, einen kleine Pool….

…. und ist komplett und schonend renoviert. Ein tolles Zimmer mit allem Schnickschnack. In dem Haus spürt man in jedem Winkel die alte Tradition. Der Staff ist perfekt geschult.

Abends wird ein marokkanisches Menü serviert. Sehr gut angerichtet und es schmeckt richtig gut. Und das Haus darf Alkohol ausschenken. 150 Freuden-Smilies. Insgesamt zehn Zimmer. Vier Franzosen und sieben Deutsche sind in dieser Nacht Gäste. Alles sehr ruhig. Ich schlafe  zufrieden ein.

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Sonntag, 5. November 2023. Melilla

Morgens gut gefrühstückt in der einzigen Bar in der Innenstadt, die am Sonntag um diese Zeit geöffnet hat.

Danach im Park in der Sonne gefaulenzt. Im Handy nach Quartieren für morgen in Marokko gesucht.

Schöner Kiosk im Park. Um 13 Uhr ein paar Stunden arbeiten. Das Wifi im Hotel ist ordentlich. Sonntagabend ist hier offenbar Familientag. Wenigstens ein Laden hat für eine Dose Bier geöffnet.

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Samstag, 4. November 2023: Melilla

Auf Besichtigungstour durch Melilla. Die Altstadt erkunden und vor allem die Burg mit ihren Museen. Die Festung auf einem kleinen Hügel über dem Hafen ist ein Kleinod.

Sehr verwinkelt mit zahlreichen Innenhöfen…

….. und einem Strand, der zum Baden einlädt. Hinter jedem Bogen öffnet sich ein neuer Hof. Irgend so ein Treffen von Jugendlichen ist gerade hier in der Stadt. Überall Theater und Gesang.

Die Leerstände in der Innenstadt sind wirklich dramatisch. Ein paar Luxus Läden, einige Bars: Ende. Dennoch wirkt die Stadt nicht heruntergekommen. Überall wird die Fußgängerzone aufgehübscht. Alles nur vom Feinsten. Aber wenn man die Fassaden hinauf blickt, sieht man auch, dass die Wohnungen über den Geschäften leer stehen.

Es reizt mich, hier im nächsten Winter mal einen Monat zu leben. Das Klima ist angenehm. Es gibt einige wirklich schöne Bars und Restaurants. Und die Fischplatte am Abend war wirklich vom Feinsten, für einen Preis zu dem man bei uns gerade Fischstäbchen auf dem Seniorenteller bekommt.

Mittags Kickers gehört und dabei gearbeitet. Irgendwie ist mir bei dem Spiel die Laune vergangen. Das wird diese Saison wieder nix.

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Freitag, 3. November 2023: Melilla

Melilla war ja im Juni 2022 in den Schlagzeilen als tausende Migranten die Zäune überkletterten und die Stadt quasi stürmten. Spanien und die Frontex reagierten brutal. 23. Migranten starben. Mindestens. Alle die die Grenze überwunden hatten, wurden sofort abgeschoben. So viel zum Thema „es gibt kein Push back“ in Europa. Marokko nimmt die Flüchtlinge zurück, obwohl Spanien und Marokko keine befreundeten Staaten sind. Handelsinteressen spielen eine große Rolle. Die Enklave liegt in Afrika. Gehört seit 1500 Knips zu Spanien. Hier und in Ceuta haben Europa und Afrika einige Kilometer gemeinsame Grenze. Die Enklave zählt nicht zum Schengen-Raum. Egal wie triftig ein Asylgrund sein mag, Flüchtlinge werden sofort wieder zurück transportiert.

Mittlerweile ist nach dem Sturm auf Europa wieder Ruhe eingekehrt. Im Zentrum, dort wo ich wohne, wirkt Melilla wie ein durchschnittliches spanisches Landstädtchen. Ein paar Bars, Bürgerhäuser mit Balkonen und Geschäfte. Auffällig: Es wird erheblich in den öffentlichen Raum investiert. Straßen werden ausgebaut, die Fußgängerzone schickt möbliert, die Parks wirken wie geleckt. Riesige neue Kais und Piers warten auf Schiffe.

Alles in Ordnung. Fragezeichen. In den paar Straße rund um den Kern der City ballt sich das „Spanische Leben“. Es wirkt ein wenig wie: „Hier sind wir unter uns“. Hinter der Tapete scheinen viele Risse. Während der Pandemie waren die Grenzen geschlossen. Vielleicht ist das der Grund, dass jedes zweite Geschäft leer steht. Es ist selbst am Samstag Morgen kaum Betrieb auf der Einkaufsmeile. Überall Schilder: „Zu vermieten“ oder „zu verkaufen“. Aber ich kann mir auch vorstellen, dass es wenig Spaß macht weit weg vom Mutterland wie auf einer Insel zu leben: Die Enklave ist acht Kilometer lang und vier Kilometer breit. Eigentlich leben die Menschen hier in einem Hochsicherheitstrakt.

Ich bin auch gekommen, weil mich die Situation in einer eingeschlossenen Stadt interessiert.

Entlang der Borderline sechs bis acht Meter hohe Zäune: Fünf bis achtfach. Wenn man die Bilder mit denen vor einem Jahr vergleicht, hat Spanien deutlich aufgerüstet. Die Zäune sind höher und der erste Zaun hat jetzt eine Krone, die unüberwindbar scheint.

Die Zwischenräume sind mit Kameras gesichert. Nachtsichtgeräte. Bewegungsmelder. Sirenen. Bei der Ankunft hatte ich am Hafen 100 oder mehr wartende Soldaten gesehen. Sie sollten offenbar ausgetauscht werden. Entlang der Grenze wacht sichtbar kein einziger Beamter. Die Beobachtungstürme stehen leer. Man kann bis obenhin klettern. Der Alarm erfolgt offenbar elektronisch. Und dann werden Reserven herangeführt.

Hier in Höhe der Moschee starben vor einem Jahr viele Flüchtlinge. Auf der anderen Seite reicht das Dorf bis an den Zaun. Der Bürgersteig ist die Grenze. Viele Asylsuchende, die den ersten Draht überwunden hatten, wurden von Spanischem Gebiet aus mit Steinen beworfen, starben zwischen den Drahtverhauen.

Die Situation hier erinnert mich an eine Zugfahrt in den USA entlang der Grenze zwischen New Mexiko und Mexiko. Nördlich vom Zaun wohlgenährte Amis in riesigen SUVs, zwei Meter weiter hinter den Maschen Kinder, die mit Blechdosen kicken, weil ihnen richtiges Spielzeug fehlt. Auch hier: Ein Golfplatz bis direkt an den Zaun. Fröhliche Menschen, denen es an nichts zu fehlen scheint, versuchen ihr Whole in one. Auf der anderen Seite Männer und Frauen, die es unendlich schwerer haben über die Runden zu kommen. .

Im Jahr 1989 querte ich schon einmal hier die Grenze. Auf meiner ersten Tour durch Marokko. Es war Nacht und ich hatte es eilig, weil mein Schiff in einer Stunde fahren sollte. In der Dunkelheit erahnte ich einige alte Fabrikgebäude und sah den hohen Zaun. Dahinter ein Schild mit den Europasternen und eine Tafel mit welche Stadt Melilla alles verschwistert ist. Nach drei Wochen Wüste kam mir das absurd vor.

Heute ist der einzige Grenzübergang Richtung Nador eine High Tec Zone. Die kleinen Übergangstellen, die damals noch existierten, sind alle geschlossen. Auffällig: Rund um den großen Übergang ist ein riesiges Gewerbegebiet entstanden. Wahrscheinlich hoch von der EU subventioniert. Nur Firmen fehlen. Zerbeulte Schilder, leere Kioske, breite Straßen mit Behindertenparkplätzen und Ampeln deuten darauf hin, dass bis vor einiger Zeit hier richtig Betrieb war oder wenigstens sein sollte. Die Pandemie und die damalige Grenzschließung mögen wohl auch für den Niedergang mitverantwortlich sein. Irgendwie werde ich aber das Gefühl nicht los: Melilla ist für Spanien und Europa ein ziemlicher Kostenfaktor mit wenig Nutzen.

Im Bus in die Innenstadt sitze ich alleine mit 20 marokkanischen Frauen. Das war mir bereits während der zehn Kilometer meiner Tour heute aufgefallen: Jenseits der Innenstadt leben hier kaum noch Spanier. Die Marokkaner sind jenseits der Hauptstraße in der Mehrheit. Insgesamt hat die Stadt rund 80.000 Einwohner. Wahrscheinlich wird die Demographie irgendwann der Gamechanger werden.

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Donnerstag, 2. November 2023: Malaga – Melilla

Mit dem Schiff Richtung Nordafrika. Zunächst nach Melilla, eine spanische Enklave an der Küste. Ticket gekauft, beim Frühstück in einem eigentlich ziemlich pfiffig eingerichteten Cafe warte ich eine Stunde auf den Toast. Der Staff ist völlig überfordert und rennt ziellos durch die Gegend.

Mittags um drei geht das Boot. Es ist sehr windig.

Das Schiff schlingert ein wenig. Es sind vielleicht 30 Passagiere an Bord des Riesen-Dampfers und gleich fährt noch ein großer Kahn in die gleiche Richtung. Die Verbindungen werden hoch subventioniert. Die afrikanische Enklave muss unter allen Umständen bei Spanien bleiben. Koste es was es wolle.

Der Dampfer ist ziemlich pünktlich, mein Hotel nicht weit. Das Zimmer nicht herausragend aber man kann gut drin wohnen. Vor allem das Bad ist sehr gut ausgestattet. Nebenan ist eine kleine Bar, die wegen ihrer Tapas gerühmt wird. Die Vorschusslorbeeren stimmen wirklich. Habe den Laden sofort zur Stammkneipe geadelt.

Gut geschlafen.

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Mittwoch, 1. November 2023: Ferrol – Malaga

Heute warten Strapazen auf mich. Von links oben nach rechts unten, diagonal durch Spanien mit dem Zug. Gut geschlafen. Der Triebwagen fährt erst gegen 20 vor neun, da bleibt Zeit. Draußen regnet es in Strömen. Und es ist ziemlich kalt.

Am Bahnhof hat die Bar zu. Hungrig steige ich in den Zubringer zur Hauptstrecke.

Nach dreißig Minuten im Nirgendwo umsteigen. 20 Minuten warten auf einem etwas seltsamen Bahnsteig. Knapp ein Meter fünfzig breit, aber kein Übergang auf die andere Seite.

Nochmal Zug wechseln. Den Ort habe ich mir nicht gemerkt aber dass es wenigsten Kaffee und Sandwich gab. Und dazu noch in guter Qualität. In Ourense geht es dann endlich per Hochgeschwindigkeitszug nach Madrid. Entspanntes Fahren über eine endlose Hochebene.

In Madrid muss ich erst mal ein Durchblickerlehrgang machen wie ich vom einen zum anderen Bahnhof mit der Metro komme. Über zwei Stunden Zeit, da kann nicht viel passieren, trotz eines riesigen Umwegs wegen einer Baustelle. Weiter mit dem Hochgeschwindigkeitszug nach Malaga. Um 22.30 Uhr bin ich endlich da. T-Shirt-Wetter. Das Hotel ist in der Nähe vom Bahnhof und für den Preis ziemlich gut. Das Bad neu eingerichtet mit allen Schikanen. Ok. Für die Schönen und Reichen hier ist es wahrscheinlich nicht genug, aber mich macht es froh.

Nebenan noch zwei Bier getrunken. Wetter ausnutzen.

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Dienstag, 31.Oktober 2023: Oviedo – Ferrol

Morgens um sechs Uhr weckt das Handy. Abfahrt des Zuges gegen 7.20 Uhr. Zum Glück ist der Bahnhof nebenan. Die kleine Bar hat schon auf: ein Kaffee und ein Toast. Dann muss ich noch die Fahrkarte für die Schmalspurbahn kaufen. Die gibt es nur am gleichen Tag und nur an einem Extra-Schalter. Zum Glück führen Rolltreppen in die Hallen mit den regionalen Verbindungen.

Im Bahnhof von Oviedo wunderhübsche Reklamekacheln.

Und dann fast die Katastrophe. Ein Triebwagen steht auf Gleis 1, auf dem Bahnsteig, auf dem mein Zug abfahren soll. Etwas schäbig zwar, aber ich denke mir, wird schon ok sein, lege meinen Rucksack rein, steige aus, um mir noch ein Wasser am Automaten zu ziehen. Der Lokführer tutet schon, das Zeichen für die Abfahrt. Ich hetze in das Abteil zurück und eine Frau fragt mich auf Englisch nach meinem Ziel. „Ferrol“ antworte ich. Das sei der nächste Zug, erwidert sie. Der Zug in dem wir seien, sei eine verspätete S-Bahn. Ich schaffe es gerade noch so durch die Tür: mit Gepäck. Wahrscheinlich hat die Frau mich für einen Pilger gehalten. Von Oviedo nach Ferrol führt auch ein Teil des Jacobswegs. Auf jeden Fall Glück.

Mein Waggon, der dann kommt, ist wesentlich bequemer. Sieben Stunden Fahrt für vielleicht 150 Kilometer liegen vor mir. Es geht buchstäblich über Berg und Tal. Manchmal verläuft die Strecke aber auch direkt am Meer entlang. Die Gegend hier ist sehr einsam. Es gibt nur wenige meist kleine Dörfer. Kaum Menschen steigen ein oder aus. Wahrscheinlich ist die Fahrt mit dem Bus schneller und bequemer.

Die Strecke passt sich der Landschaft an. Die Täler werden weit ausgefahren, jedes Seitental umrundet. Trotzdem sind viele Tunnels, tiefe Einschnitte und hohe Brücken notwendig.

Irgendwo müssen wir 15 Minuten auf den Gegenzug warten.

Irgendwann durchqueren wir tatsächlich eine Stadt

Pause um auf den Gegenzug zu warten. Ein Bahnhof mit vielen Reminiszenz an früher….

……wie diese Uhr

Ein Team des galizischen Fernsehens wartet, um die wenigen Fahrgäste zu interviewen. Frage: Ob es Spaß mache, mit so einem Bummelzug zu fahren. „Yes“ antworte ich der Kollegin. Als Bahn-Freak bin ich natürlich hellauf begeistert.

Das Hotel in Ferrol hat nur einen Stern, dafür steht es fast neben dem Bahnhof. Das Zimmer ist sehr sauber, vor allem das Bad mit seiner super Dusche gefällt mir. Die Wirtsleute sind sehr freundlich. Wahrscheinlich eine Pilgerherberge.

Abends esse ich in einem hochgelobten Lokal. Das schlechteste Essen auf meiner Fahrt. Irgendwas vertrage ich an der Tortilla nicht.

Zwei Bilder aus Ferrol

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Montag, 30. Oktober 2023: Oviedo

Morgens Fahrkarten für die Weiterfahrt besorgt. Gestern am Sonntag saßen drei Leute hinter dem Schalter und niemand wollte Tickets. Heute verkauft nur eine Beamtin. Anstehen  in einer langen Schlange, die nicht kürzer werden will. Hier wird halt auch gerne beim Kauf diskutiert. Als ich dran bin, öffnet ein zweiter Counter. Prima.

Zum Glück habe ich die Verbindungen aufgeschrieben mit Zugnummern. Und ich werde nie mehr über die DB App schimpfen. Alle Züge habe ich im Deutschen System gefunden. Die spanische App konzentriert sich auf direkte Verbindungen ohne Umsteigen. Erst wenn man eine Zusatz Funktion mühsam entdeckt hat, werden auch Anschlüsse erkannt.

Die Fahrt wird ein langer Ritt. Morgen nochmal acht Stunden Schmalspur bis Ferrol. Eine Übernachtung und dann quer vom Norden über Madrid bis Malaga. Problem: Fünfmal umsteigen bedeutet in Spanien jeweils ein Extra-Ticket. Mal 2,70 Euro für 100 Kilometer, mal 19 Euro für 200 Kilometer. Es dauert eine halbe Stunde bis die Tour in trockenen Tüchern ist. Der Schalterbeamte spricht kein Wort Englisch, ich verstehe kaum Spanisch. Aber es hat geklappt. In einem Fall hat er mir sogar geraten, einen Zug später zu nehmen, da der Anschluss zu knapp sei. Die sechs Euro für meinen Bahn-Rentner-Ausweis für Spanien haben sich gelohnt. Es gibt zwischen 25 und 50 Prozent Rabatt.

Danach einige Stunden durch die Stadt gestreift. Eine angenehme Stadt

Bis ich mir eine Abfuhr geholt habe….

Zum Trost ein Bier. Montags sind viele Restaurants geschlossen. In der Nähe nur eine Art Schnell-Pizzeria. Naja. Wie bei uns im Rewe aus der Truhe.

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Samstag 28. Oktober 2023: Von Bilbao nach Oviedo

Die baskischen Schmalspur-Bahnen sind rund um die großen Städte quasi die S-Bahn. Und dazu funktionieren sie ziemlich gut. Aber zwischen Kommunen wie Bilbao, Santander und Oviedo liegt viel dünn besiedeltes Land. Zum  Glück können die Basken immer mal wieder den Unabhängigkeits-Jocker ziehen, zum Glück gibt es die EU mit ihren prall gefüllten Töpfen und so verkehren auf dem mit allen Schikanen generalsanierten Netz abseits von Bilbao, San Sebastian und Oviedo auf vielen 100 Kilometern ein oder zwei Züge am Tag.

Morgens früh kurz nach sieben Abfahrt in Bilbo

Im letzten Jahr bin ich von Leon nach Bilbao. Ein einziger Triebwagen alle 24 Stunden fast leer, aber mindesten 50 Mitarbeiter an den Bahnhöfen und im Zug. Mit Rentnerkarte habe ich um die zehn Euro gezahlt. Von Meereshöhe auf Berge, wieder nach unten und wieder hoch. Toll für mich als Bahnfan, aber man muss es sich auch leisten wollen.

Auch von Bilbao nach Santander verkehren nur drei Züge am Tag. Im Mittelabschnitt bin ich der  einzige Passagier. Und von Santander nach Oviedo sieht dann es nicht besser aus. Zwei Züge am Tag. Leer.

Innen bietet der Triebwagen erster Klasse Komfort. Draußen zieht eine tolle Landschaft vorbei: enge Flusstäler, steile Felsformationen, einsame Orte mit kleinen verwunschenen Bahnhöfen. Satte  Wiesen mit Kuh und Ziegenherden. Ein Geißlein musste dran glauben. Der Triebwagen hat es überrollt. Eine Stunde dauert es bis der Kadaver aus dem Getriebe unter dem Boden entfernt ist.

Im Dunkeln in Oviedo angekommen. 4* Hotel direkt am Bahnhof für 60 Euro. Gelegenheit, um zwei Tage auszuruhen. Spät noch gut bei einem Italiener gegessen.

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Sonntag, 29. Oktober 2023: Oviedo

Die Stadt ein wenig beschnuppern.

Altstadt, Kirchen, enge Gassen. Eine typische nordspanische Landstadt mit einer großen Historie. Einst Mittelpunkt des untergegangenen Königreichs Asturien. Vorher als Spanien weitgehend unter arabischer Herrschaft stand, Widerstand hier die letzte Bastion der Christen.

Die Altstadt ist klein aber sehenswert. Die Kathedrale innen ein Schmuckstück.

Abends (angeblich) typisch asturisch gegessen. Auf jeden Fall gab es viel Salat.

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