Mittwoch, 11. März 2026

Temuco – Osoro

Morgens Zeit genug beim Frühstück zu trödeln. Ich bin zufrieden mit meinem Hotel. Einfach aber sauber und trotz Zimmer zur Straße einigermaßen ruhig. 250 Kilometer Fahrt nach Osoro liegen vor mir. Rund drei Stunden wird der Bus brauchen. Der Portier besorgt mir ein Taxi. Es dauert ziemlich aber meine Zeitreserven sind gut. Der Busbahnhof ist weit draußen, direkt neben einem Holiday Inn. Wäre auch eine Option gewesen, dann hätte ich aber den guten Italiener bei mir nebenan verpasst.

Es ist noch ein wenig Zeit. Auch hier quälen die Leute in jeder freien Sekunde ihr Handy. Das ist mittlerweile egal ob ich in Shanghai in der U-Bahn, bei den Saudis im Bus oder bei den Amis am Flughafen sitze. Und ich bin keine Ausnahme. Aber klar. Im Prinzip ist die ganze Reise von den Tickets über die Fotos, die Musik bis zur Kreditkarte in dem kleinen Begleiter. Für die Lektüre nutze ich immerhin wegen der Lesbarkeit als Zweitgerät meinen Tolino.

Ich beobachte noch den versuchten Überfall einer Hundemeute auf den Geldtransporter. Es werden Richtung Ausgang immer mehr die das den Cash Car stoppen wollen.

Der Bus ist leer. Eine Flasche Wasser reicht. In Osoro habe ich einige interessante Restaurants gegoogelt. Kann ja nix mehr schief gehen. Sagt man sich so.

Es regnet. Der Bus rollt mit Tempo 100, auch das wird wie im ICE innen auf einem Display angezeigt, auf dem Pan America Highway.

In Osoro bringt mich ein Taxi zu dem Hotel, das ich am Abend zuvor bei Booking.com gebucht habe. Ungerührt stellt der Fahrer meinen Rucksack auf die Straße, ein Rentner vom Haus nebenan, der seinen Tag auf dem Stuhl mit Leute gucken verbringt, gestikuliert wild. Ich verstehe kein Wort. Das Taxi ist weg und ich rüttle am Tor meiner Unterkunft. Zu. Und das seit langem. Cerrado verstehe ich. Das lese ich mittags auch immer an den Türen von kleinen Geschäften: „Geschlossen“. Upps. So wie das haus aussieht, ist es schon länger zu. Um die Ecke, so sagt mit Googel, ist ein weiterer Beherbergungsbetrieb. Ich biege um den nächsten Block und gehe weiter. Dito bei der letzten Option am zentralen Platz von Osoro. OK. Was sage ich immer: Im Gegensatz zu unserer Jugend hast Du heute die Kreditkarte einstecken. Letzte Chance ein 5-Sterne-Haus. Handy raus. Preise zwischen booking.com und Direktbuchung verglichen. Macht auch keinen Sinn denn sind die Angaben mit oder ohne Steuern. Jedenfalls ist ein Zimmer frei. Für 116 Euro mit Frühstück. Das ist das dreifache wie für meine Abbruchbude aber immerhin besser als die Parkbank.

Es ist der gleiche Taxi-Fahrer der mein Gepäck wieder einlädt. Sehe ich ein leichtes Grinsen in seinem Gesicht oder bilde ich mir das nur ein. Mein Luxus-Schuppen liegt etwas außerhalb mit angegliedertem Casino, Las Vegas Atmosphäre aber die 5 Sterne kann man guten Gewissens geben.

Das Zimmer ist riesig und die Dusche mit allen Spielereien aufgerüstet. Also erst mal Generalreinigung und danach auf einer traumhaften Matratze ruhen. Später sortiere ich meinen Rucksack und die Tasche neu.

Mit den interessanten Lokalitäten in der City wird es nix. An der Rezeption hatte ich einen Gutschein für die Bar erhalten. Kenne ich schon aus Las Vegas. Ein Drink und schon landen die ersten Dollars in einer Slot Maschine. Aber Essen muss ich. Ich löse meinen Gutschein ein und bestelle einen Hamburger und ein Bier. Alles, auch der Drink, schmeckt super. Zuvor hatte ich noch an der Rezeption wegen eines Taxis zum Busbahnhof gefragt. Ein Fahrer stand zufällig in der Halle. Er versprach mir in die Hand: Punkt 8 Uhr 15 steht er vor der Tür. Die Fahrzeit schätze ich auf 20 bis 25 Minuten plus Berufsverkehr. Der Mensch am Empfang übersetzt noch einmal meine Bitte dem Taxi-Menschen.

Während des Essens wird die Amtseinführung des neuen chilenischen Präsidenten übertragen. So einen großen Bildschirm habe ich noch nie gesehen und ich war oft beim Media Markt. Mir kommt die Zeremonie für den Politiker gespenstisch vor. Das mag an meiner Aversion gegen rechts liegen. Vielleicht. Die Kameras begleiten Kast auf der Fahrt durch die Straßen von Santiago. Vor ein paar Tagen bin ich genau hier entlang gebummelt. Der neue Präsident steht perfekt ausgeleuchtet regungslos wie ein Duce im Wagen. Es sind kaum Zuschauer am Straßenrand. Mein Chiffre: Er steht über der Masse und zeigt wo es lang geht. Zugegeben: Alles Phantasie.

Im Zimmer liegt auf beiden Kissen ein Stück Schokolade. Alleinreisen hat auch manch ungeahnte Vorteile.

Ich schlafe gut und fest. Euro für Euro.

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