Santiago

Neuer Tag neues Obst. Das finde ich am Urlaub so toll. Genüsse werden möglich, die zuhause nur mit Mühe herbeigezaubert werden können. So eine Obstschale ist ein Beispiel. Man kann den Inhalt der Schüssel ja nicht einzeln kaufen und in großen Mengen bleiben die Früchte selten frisch.

Meine erste Station ist heute ein Park. Die vielen kleinen Cafés hier waren mir gestern auf der Rundfahrt aufgefallen. Aber sie sind heute früh leider zu. Immerhin so ein Streetfood Wagen hat auf. Es reicht für einen Kaffee. Ich schaue auf die Hochhäuser nebenan. Ein „Reichen-Viertel“, mit dem Attribut „Super“. Die Straßen wie geleckt, Regionalmarkt am Mittwoch, direkter Zugang zum Golfplatz. So vor sechzig Jahren begannen Privilegierte den Landstrich zu bevölkern. Einst stand hier eine Hazienda. Soweit keine interessante Geschichte bis die linke Regierung von Salvatore Allende gewählt wurde. Die hatte die Idee, hier Wohnungen für 1.000 Familien zu bauen. Ziel: Brücken zu bauen zwischen den Schichten und Milieus an beiden Enden der Gesellschaft. Man kann sich die Aufregung vorstellen als plötzlich 1.000 Normalos die Kreise der etablierten zu stören drohten. Ich habe vor einiger Zeit eine sehr lange und sehr anstrengende Doku über den Militärputsch in Chile im Jahr 1973 gesehen. Für mich war vor allem der Hass abstoßend mit dem die Mittel- und Oberschicht den gewählten Präsidenten bekämpfte. Eine Ursache vielleicht auch, die neue ungewollte Nachbarschaft. Die Sozialwohnungen wurden von der Oberschicht aufgekauft. Im Jahr 2014 ging das letzte Appartement für rund eine Million Dollar über den Tisch.

Nächste Station: Die Metropolitankathedrale von Santiago am Plaza de Armas. Sitz des Erzbischofs. Neoklassische Architektur mit barocken Elementen. Von außen betrachtet schon eine Statement für die Macht der Kirche. Drinnen? Ich habe sie betreten und nur gesagt: Wowww. Es gibt nur wenige Adjektive um den Glanz zu beschreiben. Das Wort „Überbordend“ triff es vielleicht.

Ein schier endloses Kirchenschiff. Zierrat an jeder Säule satt. Ornamente, Arabesken, Verzierungen: mehr als ein Auge erfassen kann.

Und inmitten das Bodenpersonal, das in so prunkvoller Atmosphäre den armen Schäfchen zu Reue und Buse rät.

Mich zieht es in die Markthalle. Wie so oft spielt auch hier der Verkauf von Obst, Gemüse und Gewürzen nur noch eine untergeordnete Rolle. Auch hier in Santiago setzt eine der beiden Hallen ausschließlich gastronomische Akzente. Ein Trend nicht nur hier in Chile. Ich habe über viele Besuche das Schicksal der Markthale in Lissabon beobachtet. Immer weniger Händler, immer mehr leere Flächen, kaum noch Besucher. Dann mein Erstaunen im letzten Jahr. Die Halle brummt. Duzende Streetfood Stände beleben hier mit Spezialitäten aus aller Welt die Halle.

Ein breites Angebot gibt es hier in Santiago nur für Meerestiere. Auch die verschiedenen gastronomischen Betriebe werben mit Fisch und Langusten auf ihren Speisekarten. Es fällt auf: Auch viele der Fischbratereien, die in den verschiedenen Foodblogs punkteten, sind verschwunden. Drei Namen nur noch prägen das Angebot in den ehrwürdigen Hallen.

Anyway: Heute ist Austerntag. Der Schleim ist hier sensationell preiswert, aber man muss auch zugeben: von der Qualität von Bordeaux oder Südafrika können die Anbieter hier nur träumen.

Nach dem Schlemmen noch ein Bummel vorbei an den Ständen….

…und Nischen.

Auch draußen ist Markt.

Gleich nebenan ist eine Metrostation. Ich kaufe mir eine Plastikkarte zum Aufladen. Neben dem Hotel noch ein Feierabendbier. Schöner Tag.