Tacna
Ein kleiner Grund für den Umweg über Tacna: Hier gibt es ein Eisenbahnmuseum. Von Tacna führt eine Strecke in das rund sechzig Kilometer entfernte Arica in Chile. In Breitspur. Gebaut als der Landstrich noch komplett zu Peru gehörte. Dann gab es Krieg. Mal hin, mal her. Und im Salpeterkrieg wechselte das Bähnlein nochmal den Besitzer. Die Strecke war nie ein wirtschaftlicher Erfolg. Im Jahr 2001 wurde der Verkehr eingestellt weil eine Brücke weggeschwemmt wurde. 2005 begann der Betrieb neu wurde zehn Jahre später wieder aufgegeben. Der Verkehr wurde dann für den Tourismus wiederbelebt und ruht seit Corona-Zeiten. Die Strecke ist sehr reizvoll. Auf der einen Seite Wüste, auf der anderen der Pazifik. Mittlerweile sind Schwellen und Bahndamm marode. Die Regionalregierung soll die Sanierung der Gleise neu ausgeschrieben haben.

Aber am Morgen erst mal leiden. Das Kickers Spiel im Internet gehört.

0:0. Naja besser als verloren. Ich marschiere immer den Gleisen lang.

Das Museum im alten Bahnhof. Es muss schon ein imposanter Anblick gewesen sein wenn einst die mächtigen Dampfloks im Schritttempo das Tor passierten.

Museum und Bahnhof sind getrennt. Die Vorsteherin führt immer noch Aufsicht über Bahnsteigpersonal und Ticketkontrolleure obwohl schon lange kein Zug mehr abgefahren ist. Alles ist im Betrieb. Nur die Fahrgäste fehlen seit Jahren. Nebenan die Museumsabteilung.

Madame mit Helm begleitet mich. Nicht um mir die Exponate zu erläutern sondern als Aufsicht. Kann ich ja verstehen. Soll ja nix wegkommen. Nur Madame hat feste Vorstellungen wie hoch mein Zeitbedarf sein darf um die Exponate zu besichtigen. Ist die Uhr abgelaufen, deutet sie mir unmissverständlich an: weitergehen. Es gibt mehrere Madams. Alle sitzen am Eingang und quälen ihr Smartphone. Ich bin der einzige Besucher und verstehe nicht weshalb sich die Madams nicht auf die einzelnen Hallen verteilen.

Draußen hätte ich gerne die Triebwagen angeschaut, die bis vor einigen Jahren gefahren sind. Das scheint aber wieder die Abteilung Bahnhof zu sein. Da darf ich nicht hin bedeutet mir Madam, obwohl ich mit meinem Offenbacher – Hinterhof- Romeo – Charme alle Register ziehe. Normal setze ich mich inmitten einer solchen Kulisse gerne auf eine Bank und versetze mich in vergangene Zeiten. Aber nach fünf Minuten blickt Madam ungeduldig, nach sieben Minuten nimmt ihr Gesichtsausdruck strafende Züge an.



Was auch fehlt, ist die Brücke zwischen den einzelnen Exponaten. Kaum Erklärung und der englische Text wirkt gegenüber dem spanischen Original halbiert.


Good bye. Schade.

Abends nochmal auf den Dorfplatz. Wochenende, viel los.

Keine Ahnung was hier abgeht: Hochzeit, Schwur der ewigen Treue oder einfach nur Theaterprobe.


Mir gefällt nebenan ein Italiener. Ziemlich urig eingerichtet. Viele Familien muss gut sein. Ist es auch.

Im Hotel beschäftigt mich der Angriff der USA und Israels auf den Iran. Nicht einfach eine Position zu finden. Froh bin ich nur, dass ich nicht wie ursprünglich geplant nach Indonesien über Katar geflogen bin. Irgendwie hatte ich so eine Ahnung. Die Entscheidung für Südamerika fiel ja erst kurz vor Abflug