Der Aufreger um 7:45 Uhr am Morgen: Es gibt kein Taxi, Uber oder sonst was. Der Portier meint: es dauere mindestens 45 Minuten bis ein Wagen frei sei. Ungläubig schaue ich ihn an, denn jeden Abend drehen ungezählte Droschken ihre Runden. Ich stehe unter Stress: mein Bus nach Ha’il fährt in 45 Minuten. Zu Fuß sind die fünf Kilometer mit Rucksack nicht zu schaffen. Der Grund für den Chauffeurmangel um diese Uhrzeit sei, so der Mann an der Rezeption: Die Eltern schicken ihre Kinder per Mietwagen in die Schule. So bekommt unsere deutsches Unwort „Elterntaxi“ eine ganz neue Bedeutung. Irgendwie gelingt ihm es dann doch einen Cousin oder was weiß ich zu erreichen und zu überreden, mich zur Bus-Station zu bringen. Ich schaffe es gerade noch rechtzeitig. Gut so: der nächste Bus fährt erst morgen früh.

Die Mädels haben ihren eigenen Warteraum. Der Norden ist eher konservativ
Vor mir liegen 500 Kilometer Wüstenfahrt. Auch hier gibt es wie am Airport einen Check in zum einzigen Gate. „Männer hinten, Frauen vorne einsteigen“ wird mir erklärt. Das kenne ich doch aus dem Bürgerrechtsmuseum in Memphis TN. Da steht in einer Halle ein Bus aus den 1960er Jahren. Drin sitzen Puppen: Weiße Puppen hinten, die Schwarzen vorne. Aber immerhin der Bus hat nicht nur einen Gebetsabteil sondern auch eine Toilette. Er ist sauber und sieht bequem aus.


Die Sitze bleiben fast leer. Vielleicht zehn Fahrgäste sind an Bord. Alle 50 Kilometer ein Halt in einem kleinen Wüstenort. Zwischendurch ein Checkpoint. Ich werde das erste mal richtig kontrolliert. Meine Medikamente wecken das Misstrauen der Beamten. Ich soll erklären, wofür ich sie brauche. Aber: Cool bleiben. Ich habe einen Jocker. Kurz vor dem Abflug habe ich mir bei meinem Hausarzt ein Testat besorgt. Darauf sind alle Medikamente -und der KI sei dank- in Englisch und Arabisch beschrieben. Die Jungs sind beeindruckt. Ich halte meine rechte Hand aufs Herz und verneige mich leicht. Sie ebenso und lächeln.

Gegen Mittag Halt im Nirgendwo an einem riesigen Autobahnkreuz. 20 Minuten Pause.

Die Neugier siegt. Ich gehe mit in den kleinen Imbiss. Will aber um Himmels Willen nichts essen…


…bis der Chef mir ein Brot und einen Tee anbietet. Es ist das beste Fladenbrot, das ich je gegessen habe. Frisch aus dem Ofen. Mit Tee keine 50 Cent.

Die anderen Passagiere und die Crew verzehren dazu Gemüse oder Fleisch. Man sitzt auf Podesten auf der Erde, schwätzt. Ich muss erzählen woher ich komme. Die meisten hier sprechen gut Englisch. Ich kann nicht aufhören, das Brot zu loben. Das macht den Mann hinter der Theke richtig stolz. Und fotografieren soll ich sie auch alle.


Gegen 17 Uhr erreichen wir Ha’il. Drei- viermal muss der Fahrer anhalten. Die Achse hinten hat dem Geräusch nach einen Schaden. Aber sie hält durch. Wie jeder Ort hier schmückt sich die Stadt am Eingang mit einem Gag. Unterwegs begegneten mir eine Säulenhalle von Steinmännchen, eine Stelen-Kolonnade oder lustige Motive am Straßenrand auf Kunstrasen.

In Ha’il ist es ein Würfel. Am Busbahnhof lasse ich mich auf ein nicht konzessioniertes Taxi ein. Ich will nur noch ins Hotel. Natürlich kennt der Mann das Hotel nicht und versteht auch kaum Englisch. Ich gebe das Ziel in mein Handy ein, das Navi blinkt auf und die Karte zeigt mit deutschem Unterton dem Fahrer den richtigen Weg.
Das Hotel entpuppt sich als riesiges Appartement. Größer als meine Wohnung in Mühlheim. Gerade mal 60 Euro. Wohnküche, Wohnzimmer, Schlafzimmer. Und zu meinem Glück bringt mir der Boy noch Tee, Kaffee und eine Büchse mit wunderbaren Datteln.

Mein Wohnzimmer oder ist das das Wartezimmer für den Harem? Zunächst möchte ich nebenan im Einkaufszentrum essen. Doch da gefällt mir nur der Eisbär in der Wüste.

Ich entscheide mich für eine lmbissbude am Straßenrand. Arabische Pizza aus dem Holzofen. Echt lecker.
