Sonntag, 26.Januar 2025 – Tabuk

So richtig gut gefrühstückt. Das Hotel ist wirklich in allen Belangen Spitze und fast ein Schnäppchen. Ich schwelge zwischen Omelette mit Gemüse, Salaten, verschiedenen Käsesorten, Joghurt, Hummus, Oliven und sonstigen Cremes, Müsli, Honig und Marmelade. Natürlich gibt es auch Obst und etwas Süßes zum Abschluss. Eine ideale Fusion zwischen West und Ost.

Nur ein Gang

Auf dem Programm steht heute die Besichtigung des ehemaligen Bahnhofs Tabuk. Einst eine bedeutende Zwischenstation für die Mekka-Pilger. Hier residierte so eine Art Direktion mit Planern, Ingenieuren, Maschinisten und Verwaltungsbeamten. Hier war ein Ausbesserungswerk. Hier residierte das Militärkommando, hier wurde das Material zur Unterhaltung der Strecke gelagert.

Heute ist die Anlage UNESCO-Weltkulturerbe. Viele Gebäude sind vorbildlich renoviert. Aber es fehlt eine rote Linie, ein Narrativ. Ganz viele uniformierte Häuptlinge laufen mit wichtiger Mine über das Gelände vor dem eine riesige Flotte an Dienstwagen aus dem oberen Segment von irgendeinem Ministerium parkt. Beim übrigen Staff in den niederen Rängen überwiegt arbeitsimitierendes Verhalten.

Der historische Ort ist eingeklemmt zwischen einem Gewerbegebiet und einer Schnellstraße. Ursprünglich muss die Fläche ein Vielfaches größer gewesen sein. An einer Schmalseite ist ein riesiges Einkaufszentrum entstanden, auf der anderen Seite riegelt ein Subway den Bahnhof von einem benachbarten Park ab, den man in das Freiluftmuseum einbeziehen könnte.

Die Gebäude können nicht betreten werden. Hier könnte man mittels Exponaten die Arbeitswelt bei der Hedjaz-Bahn vorstellen.

Türschilder weisen auf kleine Boutiquen hin. Vielleicht wollte man hier Tourismus und heimisches Handwerk verbinden. Davon schein wenig übrig geblieben.

Aber es gibt eine sehenswerte Abteilung. Im ehemaligen Lokschuppen finden Besucher ein kurzes Portrait der Geschichte der Bahn. Knapp und gut erzählt. Dazu sind eine Lok und ein Güterwagen nebst einigen originalen Überbleibseln der Bahn ausgestellt. Aber auch diese sind nicht erklärt.

Draußen findet sich dann noch ein Heizkessel. Wie achtlos abgelegt.

Ich habe es leider versäumt, die Bahn-Anlage in der Nähe von Al Ula nebst Museum zu besichtigen. Das Navi hat mich vorbeigeführt und als ich es merkte war es zu spät. Blöd, weil auch nebenan Ausgrabungen von untergegangenen Hochkulturen aus der Zeit vor Christi Geburt mein Interesse gefunden hätten. Anyway. Der Bahnhof in Tabuk würde sich gut eignen, den Betrieb der Hedjaz-Bahn hundert Jahre später nachzustellen. Man hätte Platz für Bahnsteige, drei vier Gleise, die man in den benachbarten Park verlängern könnte wenn man die Subway-Bude ein wenig verrücken würde. Dazu noch die Gebäude möblieren: ein Tourismusmagnet wäre geboren.

Ich mache mich weiter Richtung jordanische Grenze: auch hier stehen noch einige Stationen. Die Autobahn ist richtig gut ausgebaut. Ich bin die Straße vor fünf Jahren fast bis zur anderen Seite der Grenze gefahren. Dort ist es eher ein schmaler Weg durch die Wüste. Auf meiner Tour hier habe ich immer wieder Checkpoints passiert ohne kontrolliert zu werden. Kurz vor der Grenze muss ich das erste mal angehalten: ein Blick und ich darf weiterfahren.

Einer von drei Bahnhöfen, die ich besuche gibt einige Rätsel auf. Er ist gut erhalten aber ringsum viele zerfallene Gebäude und Ruinen. War hier vielleicht einmal eine Garnison stationiert?

Auch hier am Zaun vier Schilder nebeneinander, die auf die zuständige Behörde hinweisen. Vielleicht sollte man mal darüber nachdenken, ob man wenigstens einen dieser Standorte für einige Informationen nutzt.

Zurück im Hotel besorge ich mir erstmal eine SIM Karte. Für mein Busticket brauche ich eine Saudi-Telefonnummer. Wahrscheinlich kann ich so besser verfolgt werden. Der junge Mann in dem Handyladen hat das Ruck-Zuck erledigt und mein Telefon neu konfiguriert. Preis für einen Monat telefonieren und Internet: sieben Euro.

Später ist es beim Edel-Italiener nicht ganz so billig aber umso besser. Meine Trüffel-Nudel schmecken richtig lecker. Das Lokal ist sehr voll. Mittelstand wohl meist. Viele Frauengruppen, die auch nicht in ein Extra-Zimmer gesetzt werden. Mit Gesichtsschleier zu essen ohne zu kleckern: Schwierig. Auffällig: Sehr viele junge Frauen schieben sobald sie das Lokal betreten, ihren Schleier ganz weit in den Nacken und nehmen das Gesichtstuch ab. Später mehr, wenn ich in Riad bin. Der Schleier ist hier seit 2019 nicht mehr obligatorisch wie ich gelesen habe. Das hat auch handfeste innenpolitische und wirtschaftliche Gründe. In Riad wissen einige Mädels der Hauptstadt die Freiheiten zu nutzen.

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