Nächste Etappe entlang der Hedjaz -Bahn. Mangels Alternative: Frühstück in einem Dunkin Donut an der Tanke. Es gibt hier zwei Arten von Benzin-Abfüllern. Zum einen einfache Hütten mit einer Zapfsäule. Davor sitzt ein Kreis von konservativ gekleideten Männern auf einem Teppich im Schatten, drinnen ein kleiner Tante Emma-Laden. Hier glaubt man noch ein wenig Vergangenheit zu spüren. Das Warenangebot ist beschränkt, kaum Fertigprodukte. Der Chef addiert noch bedeutungsvoll die Preise auf einem kleinen Zettel.


Und dann gibt es noch die futuristischen Tanken, Kathedralen eines Zukunftsversprechen. Nacht für Nacht in einem Bonbonfarbenen Lichterdom. Alle umsäumt von US-Junkfood-Anbietern. Hier sitzt meist ein junger Mann in Jeans zwischen den Zapfsäulen, der nur ungern vom Handy aufblickt um den Hahn zu bedienen. Hier wie da: gezahlt wird eigentlich wie überall im Land per Kreditkarte. Bargeld ist out. Selbst bei 20 Cent für das Wasser wird die Karte an den Scanner gehalten.
Mich treibt es zunächst in südöstliche Richtung. Bahnhöfe knipsen. Ich biege auf eine sechsspurige Autobahn mit einem parallelen zweispurigen Bypass ein und fühle mich für die nächste Stunde einsam. Vielleicht alle fünf Minuten begegnet mir ein Auto. Der Hammer. Auf den ersten dreißig Kilometern begleitet ein breiter Radweg den Highway durch die Wüste. Obwohl ideales Radlerwetter ist, keiner will auf dem Weg ins nirgendwo strampeln. Wäre auch schwierig. Der rote Belag ist porös und wellig. Ein Ausflug wäre wahrscheinlich sehr anstrengend.

Auf dem Bild sieht man in einiger Entfernung drei kleine Pfosten. Sie stehen etwa alle hundert Meter, um die Massen in geordnete Bahnen zu lenken. Wahnsinn. Aber ich bin überzeuigt: Irgendwann führt die Tour d´France durch Saudi Arabien.

Die Hedjaz-Bahn wurde in fünf Abschnitten gebaut, jeweils mit unterschiedlichen architektonischen Akzenten. Dieser Bahnhofstyp bestimmt das Bild zwischen Al Ula und Tabuk.

Die Gebäude sind so konstruiert, dass sie gut zu verteidigen sind. Davon zeugen auch die Schießscharten. Das erste Stockwerk ist zurückgesetzt. Dort waren wohl die Maschinengewehre postiert. Kaum eine Station wurde von den Beduinen, die eine Guerilla Armee waren, erobert.

Nächste Station gleiches Bild.

Und so weiter. Der Bahndamm neben der Trasse ist gut erhalten. Manchmal entdecke ich kleine Durchlässe.

Zeit, dass ich mich auf meine Fahrt nach Tabuk konzentriere. Die Fahrt aus der Wüste ins Gebirge ist atemberaubend.




Unwillkürlich fällt mir der Bibelsatz ein: Und die Erde war öd und leer. Es ist ein Stück Urlandschaft. Und natürlich begleiten mich wieder die Eagles und Pink Floyd auf dem MP3 Player.
Leidet schaffe ich es nicht ganz vor der Dunkelheit in Tabuk einzutreffen. Ich hatte eine kleine Oase erwartet. Ist Tabuk auch. Aber mit der Dunkelheit erwachen die vier Highways um den Kern der Stadt zum Leben. Jeder ist etwa vier Kilometer lang und wird am Abend zur Rennbahn. Alle Gebäude blinken, sind angestrahlt, werden von grellem Neon umrandet. Man glaubt sich in einer Großstadt obwohl ein Grundstück dahinter Wüste liegt. Jede dieser Ringstraßen hat mindestens sechs Spuren, alle 500 Meter einen riesigen Kreisel und die Jeunesse Doree rast Stoßstange an Stoßstange um die Blocks. Wer zuckt hat verloren. Und auch wer defensiv fährt. Nach links abbiegen unmöglich wenn man vorne und hinten eingeklemmt ist. Das Navi ruft verzweifelt: Bitte Wenden. Irgendwann schaffe ich es rechts rauszufahren. Und ich brülle meinen Lenker und die Windschutzscheibe an. Mit der Karte tüftele ich einen Schlachtplan aus: Eine Route nur noch geradeaus und rechts. Und wirklich, es gelingt mit einigen Umwegen.
Das Hotel ist eine positive Überraschung. Kein 5-Sterne-Haus, aber ein Betrieb, der die Erwartungen deutlich übertrifft. Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Sauberes Bad mit allem, tolles Bett, alles was man braucht ist da und noch mehr. Ein freundlicher und kompetenter Staff. Es stimmt alles.
Einziges Problem, um in das Restaurant zu kommen, das ich nebenan ausgesucht habe, muss man einen der Highways überqueren. Jeweils zehn Minuten habe ich auf eine Lücke im Verkehr warten müssen, um eine der beiden Fahrbahnen überqueren zu können. Dazwischen musste ich auf dem schmalen Mittelstreifen balancieren. Vom Essen her hat es sich gelohnt. Ein ziemlich feiner Laden mit einer gut zubereiteten Grillplatte.
Zufrieden kann ich einschlafen.