Die übliche Nervosität vor einer Reise. Winni und Petra bringen mich zum Bahnhof und fahren für einen Spaziergang auf dem Lohrberg bis Frankfurt mit in der S-Bahn.

Eigentlich müsste ich ja genug Erfahrungen am Airport haben: Aber auf Rhein-Main stelle ich mich dieses Mal richtig blöd an. Verwechsle Gate und Check In und dann den Bereich „E“ mit „D“. Wie ein Schulbub. Aber es geht alles super schnell beim Einchecken. Zeit für zwei Weizenbier. Die nächsten beiden Wochen werden hart und trocken.

Es erwartet mich ein Flug der besonderen Art. Der Jet ist fast ausgebucht. Meist Männer. Pilger wie sich herausstellen sollte. Die Destination von SV 168 von Saudia ist Dschidda, nicht weit von Mekka. Die wenigen Frauen im Flieger sind meist locker gekleidet, die Jungs in Jeans und T-Shirt. Meine beiden Nachbar machen den Eindruck, sie seien letzte Nacht nochmal richtig um die Ecken gezogen.
Kaum sind die Anschnallzeichen erloschen bilden sich lange Schlangen vor den Toiletten. Die Männer ziehen ihr Pilgergewand den Rida an. Zwei Tücher um Brust, Rücken und Schulter geworfen. Es bleibt jede Menge nackte Haut zu besichtigen, inklusive manch heftiger Speckfalte um die Hüfte. Bei den Mädels geht das Dressing in eine andere Richtung. Verhüllen ist angesagt.
Die Schlage im Mittelgang kollidiert mit dem Service. Die Flugbegleiter versuchen verzweifelt ihre Minibar zwischen den Wartenden zu rangieren. Richtig blöd wird es über dem Mittelmeer. Die Turbulenzen sind heftig. Der Flieger knallt richtig auf den Jet Stream. Ein Luftloch und 20 Leute hätten an der Decke gehangen. Aber die Schlange lässt sich nicht beirren. Inshallah

Kurz vor der Landung präsentiert sich hoch über den Lüften die Männerwelt überwiegend „Ganz in Weiß“ nur ohne Blumenstrauß während die Gesichter der Female unter dem Schleier kaum noch zu erahnen sind.
Der Airport in Dschidda ist riesig. Während der Wallfahrtsmonate kommen hier einige Millionen Menschen an. Wir rollen ohne Ende zum Gate. Aber dann geht alles richtig schnell. Es sind kurze Wege (gemessen an Frankfurt) bis zum Zoll. Das Visum on Arrival habe ich in zehn Minuten im Pass. Kaum zu glauben nach Jahrzehnten einer restriktiven Haltung gegenüber dem Tourismus. Den Stempel hätte ich mir auch am Automat holen können aber besser nicht. Beim Scannen meines Passes scheitere ich schon in Frankfurt regelmäßig. Und meine Finger wollen einfach keine Abdrücke hergeben. Die Beamtin lächelt geduldig hinter ihrem Mundschutz als ich zum vierten Mal meine Hand auf die Scheibe drücke und das Licht wieder rot leuchtet. Dann ist es endlich geschafft. Mein Rucksack dreht schon einsame Runden auf dem Band.
Natürlich haben sich in der Ankunftshalle jede Menger Koberer versammelt, die mich in ein Taxi ziehen wollen. Eigentlich ist der Markt gut strukturiert. Taxameter ist wohl Pflicht. Aber diese Vorschrift gilt nicht für den Limousinen Service. Wenn ein Fahrtgast also ins falsche Auto einsteigt, ist er Ruckzuck den Zehnfachen Preis los. Und die Kategorie Limousine ist dehnbar. Ich stelle mich am Taxistand an. Die Fahrt zu meinem Hotel dauert 15 Minuten inklusive Ehrenrunde, weil der Chauffeur die richtige Abfahrt „übersah“. Aber bei gerade mal 12 Euro wäre das Meckern auf unangemessenem Niveau.
Das ibis hat meine Reservierung verbaselt. Irgendwie dachte ich mir das schon am Airport als irgendeine KI via Mail meldete, mein Zimmer sei storniert. Nach Mitternacht sind alle Standardzimmer vergeben. Dem Portier bleibt nichts anders übrig als mir für 60 Euro die Suite zu überlassen. Suite? Naja: Sagen wir das Appartement. Wohnzimmer, Küche, Bad, Schlafraum und zwei Toiletten. Fast so groß wie meine Wohnung in Mühlheim. Alles ok.