Sonntag, 27. Oktober Dallas

Im Industriegebiet neben meinem Hotel soll ein weiterer guter Diner ein hervorragendes Frühstück anbieten. Zwanzig Minuten Fußmarsch bei 30 Grad und schon von weitem kann ich erahnen, dass ich die richtige Richtung eingeschlagen habe.

Mama´s Daughters´ Diner. ich wünschte die Mutter hätte auch eine Tochter bei uns in Offenbach. Aber erst einmal heißt es warten. Man wird platziert.

Aber die Warterei lohnt

Nur jeden Tag geht das auch nicht. Aber es ist schon ein toller Laden.

So gestärkt mache ich mich mit dem Bus zum Kennedy Memorial.

Ungefähr dort wo der Pic up fährt, trafen im Jahr 1963 die tödlichen Schüsse den ehemaligen amerikanischen Präsidenten. Ich war 13 Jahre alt und der 22. November zählt zu den zwei Tagen in meinem Leben an deren Ablauf ich mich gut erinnern kann. Irgendwie war Kennedy damals auch für uns deutsche kleine Knirpse ein Versprechen für eine bessere Welt. Zu Recht oder zu Unrecht.

Auch heute noch pilgern die Menschen zu diesem Platz. Einige Verrückte stellen sich für ein Selfie auf das eingezeichnete Kreuz auf der Fahrbahn des Autobahn Zubringers. Wahrscheinlich sind in den über sechzig Jahren danach an dieser Stelle weitere Menschen zu Tode gekommen. Die Abläufe jenes Moments lassen sich gut verfolgen.

Der Platz selbst wirkt sehr viel enger als auf den Filmen vom Attentat. Die sind damals alle in Weitwinkel aufgenommen worden. Die Entfernung für den Schützen betrug kaum vierzig Meter mit viel Zeit zum zielen.

Das Gebäude des Schulbuchverlags aus dessen sechstem Stock Lee Harvey Oswald anlegte wird heute als Museum genutzt.

Die Ausstellung ist gut. Sie ordnet die Zeit, das politische Klima in den USA und speziell in Texas ein. Sie verliert sich nicht in Spekulationen sondern stellt Abläufe und Fakten, auch für die Zeit danach und das Erbe Kennedys, nebeneinander ohne überladen zu wirken. Man merkt, Journalisten haben das Konzept mitentwickelt.

Nur ein Nebenaspekt: Es sind Bilder von der Fahrt Kennedys durch die Main Street von Dallas. Damals noch eine urbane Geschäftsstraße, typisch für eine Großstadt: An den Türschildern erkennt man: Es gab noch Herrenschneider, Uhrmacher, Kurzwaren, Geschirr, Banken mit lebendigen Mitarbeitern, Candy-Strores, Schuhgeschäfte und Fotolabors. Wer heute durch diese Straße erlebt nur noch die öde leerer Hochhausfronten.

Ich mache mich auf zu einem Einkaufszentrum. Brauche noch etwas Wäsche. Naja am Ende lasse ich doch etwas mehr Geld dort als geplant. Die Rückfahrt birgt dann doch eine Überraschung. Ich bin im Tunnel in die falsche Richtung eingestiegen und lande etwa 10 Kilometer weiter in einer Vorstadt, einer typisch White Suburban Town wie Dr Hook sie einst in der Ballade von Lucy Jordan besang.

300 Meter weiter soll laut Google Maps ein Restaurant sein. Also versuchen wir es einmal.

Es ist laut aber gut. Heute Abend ist mal vegetarisch angesagt.

Zurück dann mit zweimal Umsteigen. Naja um diese Zeit sind alle für Security an den Bahnsteigen dankbar. Ich komme gut im Hotel an

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