Montag, 21. Oktober von Portland nach Milwaukee

Reisetag. Tasche in Ordnung bringen. Kontrollieren, ob ich nichts im Zimmer vergessen habe. Koffer konnte ich im Hotel stehen lassen. Stromere ein wenig durch die Innenstadt. Eigentlich hat die City von Portland viele Voraussetzungen für urbanes Flair. Schöne alte Gebäude in der Architektur der 1920 Jahre. Grünanlagen an jedem Block. Radwege. Ein wirklich gut ausgebautes ÖPNV-Netz mit Straba. Die Nutzung: Fast kostenlos. Es gibt am Rand der City viele Wohnungen. Und trotzdem: Montag Mittag: Und niemand ist da.

Die 5th und die 6 th Street waren einst wohl die Flaniermeilen mit exklusiven Geschäften. In den Querstraßen konnten die Menschen ihren Alltag decken. Schneider, Schuster, Hutmacher, Kurzwaren: alles was man für die Haushalt so braucht. Mir fällt beim Bummeln Petula Clarks Lied „Down Town“ aus den 1960er Jahren ein.


So go downtown
Things will be great when you’re
Downtown
No finer place for sure
Downtown
Everything’s waiting for you

Und heute spricht Hillary und ich bin nicht dabei

Die Lichter, all die Genüsse und Einflüsse haben seit den Urzeiten die Menschen immer wieder fasziniert. Die Karawanen die aus der Wüste nach Timbuktu oder Marrakesch kamen, die einst blühenden Metropolen Samarkand oder Buchara an der Seitenstraße die frühen Großstädte an Euphrat und Tigris. Sie alle sind vergangen.

Das einzige Fachgeschäft ist heute der Cannabisladen. Ansonsten gähnende Leere, tote Schaufenster, zugeklebte Scheiben. Auch in dem einst exklusiven Einkaufszentrum können sich nur noch die Läden im Erdgeschoß halten. Die meisten Geschäfte machen spätestens um 17 Uhr zu. Die Cafes schließen schon zwei Stunden früher. Schlicht: Trostlos.

Eine Ausnahme gibt es hier doch. Ein exklusiver Schneider und Hutmacher trotzt der Wegwerfgesellschaft und all den Amazons.

Aber sonst…..

Im Prinzip lässt sich hier ebenso wie in Sacramento oder in Pittsburgh die Zukunft der europäischen Innenstädte besichtigen. Die Entwicklungen beginnen hier halt etwas früher. Und ich fürchte auch, dass die traditionellen Rezepte aus den 1970er Jahren wie ein bisschen Aktionen, Feste oder Kultur und ein wenig mehr Flair bei weitem nicht reichen, um diese Entwicklung aufzuhalten. Die Ursachen liegen viel tiefer. Und die Rezepte verlangen Radikalität.

Portland setzt auf Streetfood. Auf Brachen stehen ein paar Imbisswagen. Durchaus gehobenes Niveau. Ich gehe zu dem bekanntesten an der 5th Street. Nett. Ein paar Tische sind besetzt. Mein Phillie-Steak war auch gut. Aber mehr Stände als Leute. Das Spiel drehen lässt sich so nicht.

Zurück ins Hotel. Gepäck holen. Mit derStraba zum Bahnhof. Mist. Ich habe die Abfahrtszeit eine Stunde zu früh in Erinnerung. Also warten. Ein schönes Gebäude das an die klassische Epoche der Eisenbahn erinnert. Die Wartehalle ist gepflegt. Das Interieur sorgsam erhalten.

Gegen 16.30Uhr ist einchecken. Bisher lief alles digital. Jetzt wird auf Handbetrieb umgestellt. Eine Mitarbeiterin an der Schranke, die die Schlange steuert. Jemand der den QR Code einscannt. Der / die nächste verteilt die Passagiere auf die Eingänge und dort steht jeweils am Wagen Für jeden Wagen ein Schaffner. der Platzkarten verteilt.

46 Stunden bis Milwaukee liegen vor mir. Ich habe Glück. Der Platz neben mir bleibt frei. Die meisten Fahrgäste steigen an kleinen Unterwegs-Stationen aus. Dort wo ein Airport fehlt. Der Name des Zuges „Empire Builder“ erinnert an die glorreiche Zeit der Besiedlung Amerikas. Heute sind es Doppelstockwagen mit sehr viel Platz. Rund 1,50 Meter Sitzabstand. Die Sessel können fast waagrecht gelegt werden. Der Mittelpunkt der Garnitur ist der Observation Car mit einer herrlichen Rundumsicht.

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