Samstag, 19. Oktober Portland

Morgens faul. Habe mich von der Zugfahrt ausgeruht. Das Hotel ist sehr schön. Das Frühstück aber suboptimal. Haferflocken, Toast, Käse, Marmelade, Muffins und Kaffee: dreifach abgepackt. Anschließend ein wenig gearbeitet und mit Sonja telefoniert. Die Kommunikation heute ist schon ein Wunder wenn man wie ich vor über 50 Jahren erlebt hat, dass ein Telefonanruf zuhause manchmal mit einem Tag Warten in einer zugigen Poststation verbunden war.

Mittags habe ich mich dann aufgerafft, das Eisenbahnmuseum hier zu besuchen. Klein aber fein. Eigentümer ist wohl die Stadt Portland aber betrieben wird das Haus von Volunteers, die dreimal die Woche hier arbeiten. Sie halten drei Lokomotiven und einige Wagen betriebsfähig, eine Herkulesaufgabe. Zwei der Loks sind deutlich größer als alle Maschinen, die ich aus Deutschland kenne. Alleine die Räder überragen mich um mindestens 40 Zentimeter. Eingesetzt wurden die Maschinen vor den schweren Güterzügen in den 1940er und 1950er Jahren. Quasi die letzte Blütezeit des Dampfs.

Der Star des kleinen Museums. Die Maschine zog den Freedom-Train zur 200 Jahrfeier der USA durch 48 Bundesstaaten.

Zwei unterschiedliche Generationen.

Kleinere Reparaturen werden in einer Art „Gläsernen Werkstatt“ selbst erledigt.

Leider konnte das Außengelände nur aus der Ferne besichtigt werden. Dafür habe ich wieder viel zu viel Geld im Museums-Shop ausgegeben. Eigentlich hätte ich noch mehr kaufen müssen. Die Kappen, Regenjacken und Jeanshemden waren sensationell preiswert.

Nach der Besichtigung Essen in einem kleinen Vorstadtimbiss gegenüber. Gute Pizza. Und das Beste: Man sitzt an einem großen Fenster ohne Glas wie an einer Bar und beobachtetz die Straße und die gegenüberliegende Bahnstrecke. Wie bei uns früher auf dem Dorf.

Zurück mit der Straba. Ich bummle noch ein wenig durch die Innenstadt. Gestern habe ich das noch nicht so wahrgenommen: Straßenweise Leerstände. Kein einziger Laden mehr da. Nur blinde Scheiben. Dabei hat die Stadt doch alles. Hübsche Gebäude, die sich zu einem harmonischen Bild fügen, viel Grün, Radwege, preiswerte Parkplätze, ein wirklich gut ausgebauter ÖPNV weit in die Region mit einer Art Stadtbahn.

Eine Entwicklung, die auch uns in Deutschland droht. Ich fürchte ja. Die Entwicklung wird über den Teich schwappen. Und ich fürchte unsere Rezepte greifen alle nicht, weil sie nicht radikal genug sind.

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