Fast die Katastrophe. Irgendwas fehlt plötzlich. Hecktisches abtasten, Blick in die Umhängetasche. Kein Handy, wo ist es geblieben. Gerade eben hatte ich doch noch telefoniert. Irgendwo zwischen all den Bits und Bytes verstecken sich in dem Kästchen meine Reiseunterlagen. Tickets für die Bahn, Codes und und und. Blöd nur: ich sitze schon auf dem Platz 340 in einem Airbus 340 der Lufthansa. Der soll in wenigen Minuten Richtung Washington abheben. Und ausgerechnet jetzt ist auch noch die Telefonverbindung zum Gate gestört. Nach einigen Versuchen klappt es. Einige Passagiere sind verspätet. Ihnen sei Dank. So schafft es das Mobiltelefon noch in die Maschine. Der Blick der Purserin, eine gestandene 50-jährige, die mir das Gerät bringt, sagt ohne Worte alles: „Männer. So einen habe ich auch zuhause“.

Der Flug glatt wie ein Brett. Kein einziger Wackler über dem Atlantik. In Washington erst mal ein Durchblicker-Lehrgang Richtung Passkontrolle. Die Passagiere werden mit einem Bus, groß wie eine Zehn-Zimmer -Wohnung, über das Vorfeld transportiert. Ich war als erster im Bus. Jetzt darf ich aussteigen. Vor mir warten schon die Reisenden von einem anderen Flug. Kurz: 100 Meter Schlange. Und ich ganz hinten.
Das Procedere hat sich gegenüber den vergangenen Jahren deutlich beschleunigt. Ohne das Frage- und Antwortspiel: Woher, wohin? Waren Sie einmal an einem Anschlag beteiligt? Kennen Sie Putin persönlich? Stattdessen: Netter Small Talk. Auch meine letzten dunklen Seiten und Geheimnisse sieht der Beamte auf dem Bildschirm. Schließlich musste ich bei dem ESTA-Verfahren nicht nur meine Daten vom Handy bis zur Kreditkarte angeben sondern mich auch zu allen Sozial Media-Aktivitäten bekennen.

Ein netter Mensch erklärt mir wie ich eine Metro-Fahrkarte ziehe. Etwas kompliziert hier. Glück. Als ich am Bahnsteig bin, rollt auch der Zug ein. Das ist ideal in einer Suburban Town kurz vor Washington. Sechs Stationen vom Weißen Haus entfernt aber für ein Drittel des Preises einer Innenstadt Übernachtung. Typisch amerikanische (untere) Mittelklassen-Kette.

Nebenan noch ein Bier in einem der drei Lokale in dem Kaff. Ein japanisches Restaurant. Meine Erkenntnis: Bierbrauen gehört nicht zu den Kernkompetenzen dieses fernöstlichen Landes.

Früh ins Bett. Wegen Jetlag um drei Uhr nachts aufgewacht.