Aufreger am Morgen. Amtrak teilt per Mail mit: Mein Zug von Washington nach Philadelphia sei gecancelt. Nach Philadelphia muss ich für meinen Anschluss Richtung Pittsburgh. In Europa kein Problem, da fährt der nächste ICE in einer Stunde: hier am nächsten Tag. Im Eiltempo ohne Frühstück zur Metro. An der Union Station interessiert keinen Mitarbeiter mein Problem. Von dem Zugausfall hatte niemand was gehört, obwohl deutlich sichtbar auf dem Monitor zu sehen ist, diese ist Verbindung gestrichen. Ich hätte das Ticket im Internet gekauft, da müsse ich jetzt umbuchen, bedeutet mir ein Mensch am Schalter schließlich. Da reicht es auch dem gutmütigsten Offenbach. Ich verschärfe die Tonlage und es geht. Zum Glück sind wenigstens die Verbindungen zwischen Washington und Philadelphia gut ausgebaut.

Ich bekomme ein Ticket für einen Zug früher für den schon das Boarding läuft.

Schöne Fahrt durch den Indian Summer nach Philadelphia, eine Stadt die mir bei früheren Besuchen sehr gefallen hat.

In Philadelphia Frühstück nachholen und dann ab in den Zug nach Pittsburgh. Der State ist in weiten Teilen sehr ländlich geprägt. Philadelphia, Pittsburgh und zwei drei andere Städte waren und sind Hochburgen der Demokraten und dazwischen Small-Town, Dörfer und Farmen, alles Hochburgen der Republikaner. Der Zug fährt Stunde um Stunde durch Trump Land. Man versteht, warum Pennsylvania ein Swing State ist. Etwa gleich viele Menschen wohnen in den urbanen Metropolen und Counrty-Side im Nirgendwo. In den ländlichen Countys mag die Bevölkerungsdichte nicht hoch sein, aber es gibt gewaltig viele Mini-Ortschaften. Genug Menschen um die Hochburgen der Demokraten in den Metropolen zu kompensieren.

Die Mittelstädte, auf deren Hinterhöfe ich aus dem Zugfenster blicke, haben scheinbar die guten Seiten hinter sich gelassen. Sie lebten offenbar lange auch von den Zulieferern zur Stahlindustrie. Steelers: der klassische Wirtschaftszweig Pennsylvania ist fast überall Geschichte. Hier auf dem Land: leere Fenster in verlassenen Fabrikhallen, Brachen, verrostete Gleise, Lokomotiv-Friedhöfe.

Mit einer Stunde Verspätung komme ich in Pittsburgh an. Zwei Züge pro Richtung erreichen die Stadt mit 300.00 Einwohnern täglich. In der Area sollen über 3 Millionen leben. Das imposante Bahnhofsgebäude nebenan hat längst eine andere Nutzung. Amrak sitzt in einem kleinen Raum im Keller unter der Garage quasi am Katzentisch. Taxi Fehlanzeige. Buchen einer Droschke ist wohl nur noch per App möglich. Zum Glück habe ich mir den Weg zu einer Haltestelle um die Ecke gemerkt und kaum stehe ich lädt mich der richtige Busfahrer ein. Da ich zu blöd zum bezahlen bin, verzichtet er in meinem Fall auf ein Ticket.

Hotel super. Direkt neben dem Stadion mit all den Sport-Bars. Nebenan bei Mickeys leiste ich mir zwei von 500 Biersorten und einen schmackhaften Hamburger. Gut geschlafen.