Dienstag, 8. Oktober – Washington

Kein Frühstück im Hotel geschwänzt. Die Kommentatoren in den Bewertungsportalen sind sich einig: Dürftig. Also: Zwei Blocks weiter ist ein Bistro. American Breakfast wie ich es mag.


Danach mit der Metro zur Union Station in Washington. Nochmal am Schalter checken ob das all das was ich zuhause ausgedacht und ausgedruckt habe auch seine Richtigkeit hat.

Amerikanische Bahnhöfe in Großstädten erinnern an Kathedralen. Zeugnisse einer glorreichen Vergangenheit als Eisenbahnen der Motor für die Eroberung des Landes war.

Von der Union Station bis zum Capitol sind es nur wenige Schritte. Heute ist das Innere hermetisch abgeriegelt. Adolf Kühn erzählte mir vor ein paar Tagen, dass er vor drei Jahrzehnten unkontrolliert in die Lobby marschieren konnte. Viele Schulen machen im Herbst Klassenausflug. Überall fröhliches Kindergeschrei. Andere stehen zusammen und lauschen den Erklärungen ihrer Lehrer. Im Capitol sind heute wohl nur Anhörungen oder Konferenzen. Von Zeit zu Zeit verlassen wichtig scheinende Männer mit Schlips und Anzug das Parlament. Im Gefolge ein Schwarm von Aktentaschenträgern, Assistenten und Spin-Doktorinnen im Business-Kostüm. Alle eifrig um die Aufmerksamkeit ihrer Herren bemüht. Ein Gruppenfoto noch vor dem Capitol zur Erinnerung bevor die schweren Limousinen vorfahren.

Begegnung unterwegs


Der Übergang zum Ostflügel

Einige Schritte sind es nur bis zum Smithsonian Museum of Modern Art. Mich überrascht eine Ausstellung zu den Anfängen des Impressionismus. “1974“, mein Lieblings-Sujet. In diesem Jahr habe ich bereits zwei ähnliche Exhibition zu diesem Thema gesehen. In Paris und Köln. Die Schau hier bewegt sich auf Augenhöhe. Gut kuratiert hat sie ihre Stärken im Übergang von der Klassischen Malerei zu der revolutionären Technik von Monet oder Cezanne. Ein Glückstreffer für mich zum richtigen Zeitpunkt in Washington zu sein. Die Abteilung Impressionismus scheint hier auch jenseits vom Jubiläumsjahr gut bestückt. Ebenso sind die Exponate zur Modernen Kunst des 20. Jahrhunderts im Ostflügel einen Besuch wert.

Anschließend das Weiße Haus umrundet. Die Zäune stehen deutlich weiter entfernt als bei meinem letzten Besuch. Ein Teil des Rasens wird mittlerweile als Parkplatz genutzt. Auch die Straße vor dem Haupteingang ist heute Hochsicherheitstrakt. Die liebenswerten Protestler aus aller Welt, die hier Tag und Nacht für ihre Spinnereien demonstrierten fehlen ebenso wie etablierte Organisationen, die hier für Frieden oder Umwelt ihre Stimme erhoben. Quasi im Blickfeld wenn Biden mal das Gästeklo benutzt.

Nur der Truth Doctor ist übriggeblieben. Er fragt jeden nach seinem Herkunftsland und spielt dann vom Band die jeweilige National-Hymne. Gegen eine Spende natürlich. Es dauert nicht lange bis ich zu „Einigkeit und Recht und Freiheit“ mit ernstem Blick stramm stehe.

Zurück mit der Metro in mein Kaff plus ein kleiner Rundgang. Washington ist ja schön langweilig, jedenfalls die Innenstadt. Ich glaube ich habe mir für die Übernachtung den langweiligsten Vorort ausgesucht. Geputzte Gärten, blitzblanke Autos und kein Stück Papier auf der Straße. Schnell noch beim 7/11 was zum Abendessen besorgt. Auch die Discounter in den USA sind teuer geworden.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse einen Kommentar