Gestern Abend habe ich beschlossen, den Aufenthalt in Mauretanien zu begrenzen. Es ist für die Jahreszeit ungewöhnlich heiß. 34 Grad schränken den Radius in meinem Alter deutlich ein. Und das Land bietet auch nicht viel. Jedenfalls in den Städten. In der Wüste soll es viele Orte geben, die einen Besuch lohnen. Aber seit die Situation in Mali eskaliert, wird vor Reisen in den Osten von Mauretanien gewarnt. Es gibt ein Entführungsrisiko. Und abends in die Tagesschau mag ich auch nicht. Außerdem habe ich eine heftige Bronchitis. Ziemlich eitrig. Es gibt zwei Flüge Richtung Sal auf den Kapverden. Sonntag und Mittwoch. Ich bekomme noch einen Platz für den nächsten Tag. Dort buche ich in einem Refugium, das sich „kleine Schweiz“ nennt. Ein Ort, um mich auszukurieren. Martin, der Besitzer, ruft mich auch sofort an, um die Buchung zu bestätigen. Und wie sich „Oh Happy Day“ herausstellt: er ist Informatiker und kann meinem Netbook wieder Leben einhauchen.
Auf dem Programm heute steht Stadtrundgang. Nouakchott ist eine künstliche Kapitale. In den 1950er Jahre ein Dorf mit wenigen hundert Einwohnern hat die Stadt heute die Millionengrenze überschritten. Nouakchott liegt am Schnittpunkt verschiedener Stammesgrenzen. Das war wohl ein Grund für ihre Wahl als Regierungssitz. Also: keine besonderen Sehenswürdigkeiten. Mein Ziel das Nationalmuseum. Ich habe mir Google maps offline geladen. Blöd bloß, dass das Haus auf dieser Version nicht verzeichnet ist.

Erster „Programmpunkt“: die Deutsche Botschaft. Zwangsläufig, da der Weg in die Stadt an ihr vorbeiführt. Samstagsruhe. Das Areal ist riesig. Ein wenig schäme ich mich für den Schaukasten. Das jüngste Plakat: eine Veranstaltung im letzten Mai. Der Rest der Poster uralt und von der Sonne gebleicht. Positive Imagewerbung für unser Land ist das nicht.

Wenig weiter passiere ich eine riesige Moschee. Ein riesiges Gotteshaus, von den Saudis den Mauretaniern geschenkt. Irgendwie ist das auch blöd. Unsere Entwicklungshilfe kümmert sich um Brunnen, Landwirtschaft, Bildung, Aufbau von Industrien oder Gewerbe während aus dem Nahen Osten die unbegrenzten Ölmilliarden in das Seelenheil investiert werden, in Moscheen in denen uns nicht nur Lobpreisungen gewidmet werden.



An der Hauptstraße treffe ich auf viele Stände. Nichts was ich gebrauchen könnte aber es macht Spaß sich hier treiben zu lassen. Es wird buchstäblich alles recycelt. Das war mir schon vor dem Hotel aufgefallen. Da stehen Menschen mit Säcken voller Wäsche. Unterhosen, Joggingkleidung, Hemden, Strümpfen. Es wird gekauft. Hier gibt es eine Zeile mit Handyzubehör. Gebrauchte Deckel, Ladekabel, Tasten. Irgendwas geht immer.

Nach einigem Fragen finde ich das Nationalmuseum. Riesige Bannern werben für eine Bücherschau an diesem Wochenende. Aber leider ist das Haus zu. Entgegen der Ankündigung im Internet.

Naja noch ein wenig treiben lassen.

Irgendwann finde ich ein kleines Cafe. Cola und Espresso. Cola mit Strohhalm. Auch wenn die Trinkhilfe bei uns verpönt ist, hier ist ein Strohhalm Pflicht. Aus einem Glas trinken geht nicht wegen Wassermangel beim Spülen und aus der Dosen, die oft von Fliegen übersät sind, mag niemand direkt an die Lippen führen. Ein Beispiel, dass wir unsere Maßstäbe nicht überall zur Norm machen sollten.

Das kleine Cafe ist ein guter Ort, Menschen zu beobachten. Männer, die auf dem Kopf Bleche mit Brot balancieren, Frauen in prächtigen farbigen Gewändern, fliegende Händler mit ihren Karren.

Nach einem Mittagsschlaf, bei dieser Hitze Pflicht, marschiere ich abends nochmal in die andere Richtung, Richtung Vorstadt. Nach einer kurzen Wegstrecke vorbei an kleinen Villen wieder der übliche Driss.

Ich kaufe ein paar Kekse für das Nachtmahl und dazu etwas O-Saft. Im Hotel Transfer zum Flughafen bestellt. Morgen um 4 Uhr früh. Der Jet geht um 7 Uhr. Eine Stunde bis Dakar im Senegal und dann neun Stunden warten auf den Anschluss Richtung Kapverden. Also früh schlafen.