Ich habe es geahnt. Pünktlich um 6.15 Uhr morgens stehe ich in der leeren Hotellobby. Kein Taxi weit und breit. 6.15 Uhr wurde mir als letzter Zeitpunkt genannt, um die Busstation zu erreichen. Der Nachtportier ist ein etwa achtzehnjähriger Bub, den ich mühsam wecke. Wenigstens spricht er ziemlich gut Englisch aber helfen könne er auch nichts: die Kollegin komme erst um acht Uhr. Super. Ich fange an Druck zu machen. Will seinen Chef. Den anzurufen traut er sich nicht. Er versucht es bei Kollegen, ohne Erfolg. Beim Taxi Unternehmen nimmt niemand ab. Er versucht an der Straße einen Wagen anzuhalten. Klappt auch nicht. Irgendwann gegen zwanzig vor sieben erreicht er einen Verwandten mit Auto, der soll mich abholen. Zum Glück ist auf dem Ticket gerade noch so der Name der Busstation ablesbar. Jedes Unternehmen hat hier seinen eigenen Hof. Wo der meines Transporteurs genau ist, weiß er auch nicht: aber dafür hat Google „Maps“ erfunden.

Kurz nach sieben sind wir da. Zum Glück läuft der Betrieb auch hier erst an. Noch stehen die Wagen auf dem Areal, das mit hohen Mauern begrenzt wird. Das Unternehmen sei das Beste hat man mir versichert. Jedenfalls ist das Buschtaxi klimatisiert.

In einer Art Becken, das mit Teppichen ausgekleidet und mit Kissen bestückt ist, haben wohl einige Fahrgäste genächtigt. Ich registriere mich mit meinem Pass und behalte das Gepäck immer schön im Auge. Draußen werden nicht nur die Koffer und Taschen der Mitreisenden aufs Dach verladen sondern auch viele Pakete. Die Van’s sind wohl auch so eine Art DHL. Ich setze mich raus mit Blick auf meinen Rucksack. Nicht wieder, dass er auf dem falschen Wagen landet.


So langsam kommt Bewegung in die Sache. Mein Minibus ist der links und der Rucksack findet das richtige Dach.

Ich habe einen Einzelsitz. Zum Glück ist der Wagen nicht voll besetzt. Von den 14 Plätzen bleiben vier frei. Gleich zu Beginn sammle ich bei meiner Nachbarin Bonuspunkte. Jeder erhält eine kleine Lunchbox und ich schenke ihr meine Milch. Dafür füttert sie mich für den Rest der Fahrt mit Keksen. Wieder begegnet uns zu Beginn der Fahrt ein Zug. Aber keine Chance auf ein Foto.

Sechs bis sieben Stunden soll die Fahrt dauern. Zu Anfang passieren wir viele Checkpoints. Zoll, Polizei, Militär, Geheimdienst: manche Kontrollpunkte sind im Abstand von 500 Metern aufgebaut. Je nach Bedeutung der Truppe ein klimatisierter Container oder eine vergammelte Hütte. Heute ist Freitag, also im Islam Feiertag. Die Jungs haben keine Lust auf Pässe. Unser Fahrer kennt eh alle. Ein Scherzlein, ein Blick in den Wagen, weiter geht es.


Die Nationalstraße, die wir nutzen, ist der einzige geteerte Weg im ganzen Land. Links Sand, rechts Sand und oft arbeiten auch Raupen, um Verwehungen von der Straße zu schaufeln. Selten nur passieren wie eine kleine Ortschaft. Ein paar Hütten, eine Moschee. Was auffällt: Wir fahren hunderte Kilometer die Küste entlang: Ganz wenige Windräder, obwohl es vom Meer her bläst und noch weniger Sonnenkollektoren, obwohl die Sonne hier unbegrenzt Energie frei Haus liefert.

Irgendwann ist Mittagspause. Eine Art Rasthof. Hier sammeln sich die Vans und Busse aus beiden Richtungen. Einige Bars und Geschäfte nebeneinander. Keine Tür ist einladend. Das Wasser wird aus der Leitung in die Flaschen gefüllt wie ich im Vorbeigehen sehe. Zum Glück habe ich ausreichend Vorrat dabei. Ich treffe die beiden Franzosen wieder. Auch sie haben in Nouadhibou übernachtet, um das Meeresforschungsinstitut zu besuchen. Schade. Hatte ich nichts von gelesen. Hätte mich auch interessiert.

Ich knips noch ein paar Zicklein. Und dann geht der Desert Trip weiter. Dessert Trip wäre jetzt das Richtige. Irgendwann drei Stunden später sind wir in Nouakchott.

Erst mal abladen. Ich lasse mich auch von der Schar der Männer nicht beirren, die an mir von allen Seiten ziehen, um mich in ein Taxi zu lotsen. Rucksack umschnallen und die Straßenseite wechseln nutzt nix. Alle Animateure folgen mir. Ich halte ein Taxi am Straßenrand an und zeige dem Fahrer die Adresse meines Hotels auf dem Handy. Klar kennt der Fahrer das Haus. Sagt er jedenfalls. Kleine Diskussion noch zwischen dem Chaffeur und einem der Koperer, der wohl behauptet, er habe mich vermittelt. Ein kleiner Schein wechselt den Besitzer. Aber wenigstens nennt mir der „Agent“ einen verbindlichen Preis. Zu teuer. Logisch. Aber immer noch unter dem Einzelfahrschein Offenbach beim rmv. Nix worüber Aufregung lohnt.
Der Wagen hat sicher schon zweimal die Autoverwertung Fröhlich bei uns in Offenbach durchlaufen. Innen fehlt eigentlich alles, außer Kupplung, Gashebel, Schaltung, Lenkrad und Sitze. Ob das Auto Bremsen hat? „Ma waas es net“, sagen wir in Offenbach. Der Chauffeure weiß natürlich nicht wo mein Hotel ist. Hier gefragt, dort die Adresse gezeigt. Irgendwann haben wir Erfolg.

Das Haus macht einen vernünftigen Eindruck. Weit weg von den 5 Sternen, die es sich selbst zumisst aber gute drei Sterne bei uns, zum Preis eines einfachen Hostels. Der Mensch an der Rezeption spricht Englisch. Der Check-In dauert. Formalitäten zählen hier. Das Zimmer ist sauber. Alles guit.
Ich wohne hier offenbar in einem besserer Viertel. Nebenan der Präsidentenpalast, viele Regierungsgebäude und die Deutsche Botschaft. Abends finde ich dank Google Maps in einer Seitenstraße ein hochgelobtes afrikanisches Restaurant. Das ist überhaupt nicht einfach, denn Gasthöfe mit guter Küche hängen kein Schild raus. Auch hier muss ich erst durch die Backstube eines Pizza-Services, um den wunderhübschen Garten des Restaurants zu betreten. Ich finde den Weg nur, weil zwei Franzosen vor mir auch auf der Suche sind und sich durchfragen. Leider werden wir alle enttäuscht. Ausgebucht für heute Abend. Ich schaue voll Wehmut auf die vollen Biergläser auf den Tischen.
Mangels Alternativen zurück in das Hotelrestaurant. Essen war ok. Lizenz für Alkohol: Fehlanzeige.