Montag, 6. November 2023: Von Melilla nach Fes

Morgens um sechs Uhr aus dem Bett. Der Rucksack ist fertig gepackt. Duschen, ein letzter Blick ob alles an Bord ist. War nicht das super beste Zimmer aber vom Preis- / Leistungsverhältnis unschlagbar. Sauber. Und das Bett war gut. Naja: der Ausblick auf acht Quadratmeter Hinterhof trübt die Bilanz. In Melilla kann man sich verlieben. Jedenfalls in die vier fünf Straßen im Zentrum. Es ist wie eine Trutzburg, in der jeden Abend die Rest-Spanier Party feiern. Vielleicht ist hier eine gute Alternative zu Gran Canaria für einen Wintermonat.

Zurück zum frühen Morgen. Taxi zur Grenze. Ein nettes „Buenos Dias“ an die spanische Zöllnerin, den Rucksack durch ein enges Drehkreuz balancieren hin zu einem langen dunklen Gang. An seinem Ende begrüßt mich in seiner Bude ein marokkanischer Beamter mit „Salam aleikum“ und fragt dann in perfekten Englisch nach meinem Pass. Zwei drei kleine Scherze, woher – wohin und das war es. Völlig entspannt. Die Zahl der Koberer mit Sim Karten, Taxis, Geldwechseln hält sich in Grenzen. Eine Wechselstube ist geöffnet. 50 Euro in Dirham für die ersten Stunden müssen reichen.

Der Taxifahrer macht einen fairen Preis. Ob ich German sei, fragt er. „Yes“ meine Antwort. „Frankfurt?“  „No“ antworte ich „Offenbach“. Seine Begeisterung kennt keine Grenzen. Hier aus der Grenzstadt „Nador“ sind Anfang der 1960er Jahre viele Menschen Richtung Offenbach gezogen. Die Stadtwerke, sprich die Müllabfuhr, hatten einen großen Arbeitskräftebedarf. Die Migranten, die alle irgendwann wieder heim wollten, waren ziemlich mies in Baracken am Schneckenberg untergebracht. Viele ihrer Kinder und Enkel machten später ihren Weg in der Stadtgesellschaft: Handwerker, Anwälte oder Ingenieure. In den Sozialen Netzwerken liest man gelegentlich ihre Berichte über ihre Heimatbesuche. Manch Haus an dem ich heute hier vorbeifahre, ist sicher mit Geld gebaut, das in Offenbach hart erarbeitet wurde.

Zwanzig vor acht bin ich am Bahnhof. Er öffnet um acht Uhr. Ein netter Mitarbeiter lässt mich schon vorher rein.

Zwei Züge je Richtung am Tag, das ist auch auf arabisch überschaubar.

Der Zug soll um 9.36 Uhr fahren. Ich hole mir mein Ticket. Leider gibt es hier keine Imbissbude sondern nur einen Eissalon. Also ein Kaffee und ein Teilchen. Pappsüss. Der Zug ist pünktlich. Ich habe erster Klasse genommen. Eine gute Entscheidung. Die zweite Klasse ist ziemlich belegt. Der Zug hat maximal Interregio-Niveau. Die ONCF, so heißt die Bahn hier, ist als sehr leistungsfähig bekannt.

An mir zieht eine eintönige Landschaft vorbei. Der Osten des Maghreb-Staates ist dünn besiedelt. Eins zwei Städte: wenige Dörfer. Die meisten Flüsse sind ausgetrocknet. Dennoch in den Tälern werden Felder bestellt. Das Rif-Gebirge liefert im Frühjahr ausreichend Wasser.

Gegen drei Uhr Ankunft in Fes. Auf die Minute liebe Bundesbahn. Zum Taxistand: Und ewig grüßt das Murmeltier: Mit den Jungs, die mich in ein Auto zerren wollen, diskutiere ich schon gar nicht mehr. Der erste Fahrer sagt, er wisse genau wo meine Unterkunft sei. Seine Augen sagen das Gegenteil. Der zweite Driver schwört Stein und Bein, er wisse wo ich hin müsse. Vielleicht hätte ich am Morgen doch eine Sim-Karte für Google maps kaufen sollen. Die Richtung, die er andeutet, stimmt irgendwie mit meiner Erinnerung überein. Am Ende ein Trugschluss.

Die Medina, die Altstadt hat rund 9.000 Gassen. 800.000 Menschen leben hier. Alles ist völlig verwinkelt und verschachtelt.  Hier darf kein Auto rein, manche Pfade sind weniger als zwei Meter breit.

Der Fahrer setzt mich am Haupttor ab und zeigt grob über die Dächer hinweg: Irgendwo dahinten sei es. Super. Am Tor die üblichen Fake-Führer. Hier habe ich schon einmal vor 30 Jahren Lehrgeld bezahlt. Irgendjemand, den ich frage, zeigt nach links und ich steuere mit meinem Rucksack mitten ins Gewusel. An zwei drei Ständen frage ich vergeblich. Ich hatte extra einen Screenshot auf mein Handy gemacht. Nutzlos. Und dann habe ich richtig Glück. Ich treffe am Stand einen Jungen, der sagt er wohne im Haus nebenan und wolle eh heim. Er begleitet mich. Links, rechts, rechts links, dreimal um die Kurve, geradeaus und so weiter.

Erste Eindrücke

Das hätte ich niemals gefunden. Richtig sauer bin ich, weil meine Unterkunft direkt an der Stadtmauer neben einem Parkplatz, auf den Anwohner ihren Wagen abstellen, liegt. Das Taxi hätte mich hier 150 Meter vor der Tür absetzen können.

Mein Ryad ist in einer langen dunklen und eher schäbigen Gasse. Von außen Uijujujui und nö.

Aber kaum wird die Tür geöffnet, taucht der Gast in eine Welt aus 1000 und einer Nacht. Zur Begrüßung wird mir ein Tee gereicht.

Ryad sind alte Patrizierhäuser um einen Innenhof. Meines hat einen schönen Garten, einen kleine Pool….

…. und ist komplett und schonend renoviert. Ein tolles Zimmer mit allem Schnickschnack. In dem Haus spürt man in jedem Winkel die alte Tradition. Der Staff ist perfekt geschult.

Abends wird ein marokkanisches Menü serviert. Sehr gut angerichtet und es schmeckt richtig gut. Und das Haus darf Alkohol ausschenken. 150 Freuden-Smilies. Insgesamt zehn Zimmer. Vier Franzosen und sieben Deutsche sind in dieser Nacht Gäste. Alles sehr ruhig. Ich schlafe  zufrieden ein.

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