Abends auf Street Food Tour. Mit an Bord: Neben Ute und mir, ein älteres amerikanisches Paar aus Wyoming (Lehrer in Rente) auf Winter-Ade-Reise. Wo sie wohnen liegt von Oktober bis Mai Schnee. Ein Schulleiter aus LA, der drei Monate unbezahlten Urlaub macht, ein Schweizer, ein Journalist aus Hongkong, dessen Zeitung die Chinesen gerade verboten haben. Uns alle begleitet eine sehr sachkundige Führerin, die auf die Küche ihrer Heimat Nord-Thailand schwört und für sie zu begeistern weiß. Sie führt uns zu Orten außerhalb der engeren Innenstadt von Chiang Mai, die wir alleine nie entdeckt hätten und in denen wir uns nie getraut hätten, zu essen.

Treffpunkt ist, wie auch sonst, ein altes Kloster.

Erste Station: Ein Stand an dem diverse Teile vom Schwein über Stunden slow gekocht werden. Das Fleisch wird so sehr zart, man kann es mit dem Löffel teilen. Dazu eine köstliche Soße, genau an der Grenze zum spicy, man schmeckt noch jede einzelne Gewürznote. Der amerikanische TV-Gourmet-Papst Anthonie Bourdain adelte einst diesen Stand an einem stark befahrenen Highway in einer seiner Sendungen. Klar, dass jetzt die Plätze fast alle besetzt sind.

Weiter zum Schweinebauch, in großen Töpfen erhitzt.

Teller leer, auf zur nächsten Station.

Dritter Gang: Fisch. Oder besser. So gut geht Fisch. Würde ich in Chiang Mai leben, ich wäre Stammgast, auch wenn das Vieh tiefgefroren aus Japan eingeflogen wird.

Unsere Begleiterin heißt irgendwie so ähnlich wie mein Handy: Huawei. Sie kennt nicht nur die Geschichte der Gerichte sondern berichtet auch wie die Standinhaber, meist Frauen, zum Kochen kamen. Es ist auch eine Geschichte von Migration. Viele Küchen dieser Welt aus China, Vietnam, Indien, Indonesien, Myanmar, Nepal, Japan und anderen Regionen prägen die thailändische Esskultur. Es waren meist Zuwanderer, die sich mit den Spezialitäten ihrer Heimat eine Existenz aufbauten. Viele der Stände existieren in der dritten Generation seit über 50 Jahren. Huawei kennt die Vita vieler dieser Zuwanderer. Es ist oft ein hartes entbehrungsreiches aber auch erfolgreiches Leben.

Roher und gekochter Wasserbüffelsalat in Blut. Hätte nie geglaubt sowas essen zu können. Köstlich. Aber was gibt uns Huawei mit. Wir Thailänder brauchen die Wasserbüffel zum Reisanbau nicht zum Essen. Also ein Gericht eher für Touristen. Zielgruppe Chinesen.

Für den Transport zwischen den Ständen sorgte ein Tuk Tuk

Zwischenmahlzeit süß. So eine Art thailändisches Crepe mit Kokosmasse.

Ein wenig Stinkefrucht…

…und für den Durst einen Obstsaft, frisch gepresst.

Picknick in der Markthalle. Längst hatten wir mehr als die versprochenen 18 Gerichte probiert. Ich hatte vorher Angst, dass ich spätestens nach dem 10 Gang schlapp mache. Aber es war alle wunderbar portioniert.

Nur beim Teller mit den Käfern und Mehlwürmern habe ich gestreikt. Die drei Amis, der Mann aus Hongkong und der Schweizer ließen sich von dem Getier nicht abschrecken.

Also nur ein Show-Foto mit mir

Irgendwie ging es immer so weiter. Ein Highlight gegen Ende. Ein Besuch in einer burmesischen Shan Küche. Die Shan leben in den Bergen von Myanmar. Sie führen seit über 70 Jahren einen Bürgerkrieg gegen die Regierung um Unabhängigkeit. Bei meinem Besuch in Myanmar habe ich die Folgen hautnah erlebt. Statt zwei Stunden über den Berg durch Stammesgebiet musste der Bus 18 Stunden die Täler hoch und runter fahren, um die Konfliktherde zu umgehen. In guter Erinnerung ist mir aber die Shan Küche. Kräftig und raffiniert gleichermaßen.
Wir besuchten vor dem Dessert die wohl bekannteste Shan-Küche in Myanmar. Ihr Besitzer vor der Militärjunta nach Thailand geflohen. Er lebt hier seit Jahrzehnten. Im Schnitt verarbeitet er 30 Kilogramm Nudeln am Tag, an Feiertagen können es auch mal 200 Kilogramm werden. Auf jeden Fall köstlich.

Zu dem winzigen Restaurant gehört ein kleiner Laden.

Alles liegt in einer abgeschiedenen Gasse, die wir alleine nie entdeckt hätten.

Zum Dessert dann zu dem angeblich besten Süßpapp-Heinz in Chiang Mai.

Ich habe das erste Mal im Leben südlich von Italien Eis gegessen. Es ist anders als bei uns, aber es hat was.
Pappsatt ein Taxi Richtung Hotel per Grab gebucht. Vorher noch mit Ute zwei Bier und eine kleine Flasche Vodka in einem der gefühlt 10.000 7/11-Shops in Chiang Mai erobert, drei Minuten vor 21 Uhr. Das ist die Uhrzeit ab der der Verkauf von Sprit untersagt ist. Und da ist keine Minute Überziehen vorgesehen.