Sonntag, 5. Februar 2023

Udon Thani nach Bangkok

Zum Frühstück ein wenig Obst und nur einen Toast. Ich werde den ganzen Tag in einem Zug sitzen, in dem man nicht unbedingt auf Toilette will. An den Nachbartischen hocken die Jungs schweigend neben ihren Thais. Keiner versteht wohl die Sprache des anderen. Irgendwie auch witzig.

Am Bahnhof warten. 20 Minuten Verspätung. Ich fahre mit so einer Art Regional-Express bis Bangkok. 8 Stunden. Es ist die einzige Tagesverbindung. Mit dem Schlafwagen nachts wollte ich nicht.

Das Problem: keine AC und harte Plastikbänke.

Anfangs ist der Zug noch fast leer…..

….und man kann dem Lokführer beim Fahren zuschauen.

Nach zwei Stunden füllte sich der Waggon. Urlaub zu Ende? Wochenendheimkehrer? Keine Ahnung. Bald sind die Gänge vollgestellt mit Reissäcken, Hühnerkörben, Stofftaschen prall gefüllt mit Gemüse, Früchten, Brot und anderen Nahrungsmitteln aus dem Heimatdorf. Die Mitbringsel sind wohl nicht nur dem gewohnten Geschmack von Mamas Küche geschuldet. Bangkok ist richtig teuer geworden wie ich wenig später selbst feststelle.

Ich erinnere mich an eine Begegnung zehn Jahre zuvor. Es war meine erste Fahrt in die thailändische Hauptstadt. Ich kam aus dem Süden, aus Singapur. Ab Hat Yai buchte ich ein ganzes Schlafwagenabteil für mich alleine. 36 Euro für fast 20 Stunden Fahrt. Die Crew umsorgte mich liebevoll, machte einen guten Job. Kurz vor Bangkok hielt der Zug auf freier Strecke. Ich sah wie die Bahner aus dem Gepäckwagen massig Körbe mit Reis und anderen Lebensmitteln aus der Provinz quer über ein Feld in ein Slum trugen. Vor den ärmlichen Wellblechhütten saßen Menschen in Eisenbahnuniformen. Wahnsinn. Da machen Leute einen Klassejob und können in der Hauptstadt noch nicht einmal in Würde leben und müssen ihre Nahrung über hunderte Kilometer rankarren.

Bangkok hat viele Slums. Man sieht sie auch aus den Abteilfenstern. Holzverschläge und manchmal auch nur Pappkartons. Obszöner Reichtum und das nackte Elende trennen oft nur wenige Meter. Damals bin spätabends auf dem Weg zum Hotel zu früh abgebogen und stand plötzlich mitten in so einem Slum. Klar hatte ich Panik bis ich dann bemerkte, hier sitzen ganz normale Leute, die tagsüber Taxi fahren oder Kellnern und sich von ihrer Hände Arbeit keine Wohnung leisten können.

Mein Zug kommt im neuen Hauptbahnhof von Bangkok an. Er ist seit Ende Januar im Betrieb. Sein großer Vorteil: der direkte Übergang (und dazu noch mit Rolltreppen) vom Zug in die Metro. Und das Beste: die U-Bahn hält auch in der Nähe meines / unseres Hotels.

Hier treffe ich Ute. Sie hat mit ihrem Sohn einen Monat Vietnam bereist. Wiedersehen nach langer Zeit. Unser gemeinsames Silvester hatten wir wegen Grippe gecancelt. Utes Sohn ist für drei Tage alleine unterwegs. Er hatte ja bei der Documenta gejobbt und sich mit einem thailändischen Künstlerkollektiv angefreundet, die er in einem 70 Kilometer entfernten Ort besucht.

Abends gehen wir zum Essen nach Chinatown. Ich überrede Ute zu T+K Seafood. Mein Lieblingsrestaurant dort. Chinatown überrascht mich. Vor fünf Jahren hatte die Stadtverwaltung dort dem bunten Treiben ein Ende gesetzt und Stände, Tische und Stühle von Straßen und Bürgersteigen verbannt. In den Medien wurde von einer Strafaktion gegen die Chinesen gesprochen, weil die die erfolgreicheren Gastronomen seien. Bei meinem letzten Besuch war die Atmosphäre in Chinatown eher trostlos. Nur T+K konnten sich halten, weil sie innen Drei-Stockwerke-hoch bewirten konnten. Jetzt war alles wieder wie früher. Kein Durchkommen auf den Wegen, Gedränge, hunderte von Essständen

Gekocht wird auch bei T+K auf der Gass.

Wir entscheiden uns für einen Tisch drinnen. In Deutschland hätte die Bauaufsicht das Etablissement längst gesperrt. Eine schmale Treppe führt in den dritten Stock, keine Fluchtwege, aber es ist dank Klimaanlage angenehm kühl.

Meine Vorspeise Austern und dann ein richtig schöner Fisch in Ginger und Zitronengras. Ute ist angesichts der Auslagen bei 28 Grad im Freien eher misstrauisch und beschränkt sich auf vegetarisch. Gemeinsam sind uns die beiden 0,65 Liter Flaschen Chang.

Geschafft

Zur Verdauung noch ein Bummel vorbei an den Ständen mit vielen exotischen Genüssen und Angeboten bei denen man sich nicht traut: Vom Käfer über den Froschschenkel bis hin zu….

zu allerlei Meeresgetier

Das Nebeneinander von Fußgängern und Autos ist beängstigend.

Wir verzichten auf den Nachtisch und machen uns per Metro auf den Heimweg.

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse einen Kommentar