Samstag, 4. Februar 2023

Von Luang Prabang nach Udon Thani

Zurück nach Thailand. In Bangkok werde ich morgen Ute treffen. Um 12.10 Uhr soll mein Zug Richtung Vientiane abfahren. Sammeltaxi bestellt. Zu Zehnt im Minivan geht es zum Bahnhof. Wenigstens habe ich den Sitz vorne rechts.

Vor dem Gebäude steppt der Bär. Ein endloser Strom von Sammeltaxen und Bussen schaufeln Passagiere heran. Zum Glück sind hier die Prozeduren deutlich relaxter als in Vientiane. Ticket und Pass werden nur einmal statt dreifach kontrolliert aber das Megaphon ist auch an dieser Station Statussymbol. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass das Geplärre irgendjemand beeindruckt.

Das Boarding beginnt pünktlich auf die Minute.

Der Triebzug hat 16 Waggons, jeweils mit 100 Plätzen. Er ist ausverkauft. Mit den anderen drei Zügen und den Verbindungen aus China kommen täglich per Bahn etwa 4000 Gäste in die Stadt. Als ich das erste Mal hier war dauerte die Anreise mit dem Bus mindestens zehn Stunden, mit dem Slow Boat 2 Tage. Vielleicht viermal täglich kam ein Flieger, meist so eine Art Playmobil-Jet der Lao Air mit 40 Plätzen. Das waren in der Woche noch nicht mal so viele Besucher wie heute an einem Tag mit der Bahn. Das ist eine Menge Mensch, die natürlich der Wirtschaftskraft des Landes gut tut, die Jobs und Einkommen bringt, aber auch die Strukturen des Landes radikal verändern wird. Das Pro Kopf Einkommen der rund 7 Millionen Einwohner lag im Jahr 2017 bei rund 2.300 Dollar. In Deutschland waren es im Jahr 2021 51.000 Dollar, also das zwanzigfache. Man sieht an diesen Zahlen den Nachholbedarf dieser Ländern und auch die Notwendigkeit von Einschränkungen in unseren Volkswirtschaften, um all die Klimaziele zu erreichen.

Ich hatte Glück. Ein netter Mensch überließ mir seinen Fensterplatz, damit er mit seinem Kumpel schwätzen konnte. Gelegenheit, die Landschaft an mir vorbeiziehen zu lassen.

Ankunft in Vientiane. Draußen wartete eine Armada an Bussen, Tuk Tuk und Taxen. Ich wollte weiter zum alten Bahnhof an der Freundschaftsbrücke, die Thailand mit Laos verbindet. Wenn schon, dann so oft wie möglich mir dem Zug. Das Problem: Der alte Bahnhof liegt rund 15 Kilometer entfernt, auch weit außerhalb der Stadt. Von dort fahren nur zwei Züge täglich Richtung Thailand, die kaum genutzt werden und niemand scheint die Station zu kennen, wie ich schon bei früheren Besuchen erfahren durfte.

Rettung versprach ein Stadtbus. Auf dessen Anzeige stand „Freundschaftsbrücke“, die Haltestelle liegt knapp einen Kilometer von diesem Bahnhof entfernt. Ob er denn am alten Bahnhof halte: Klar war die Antwort des Fahrers, der Englisch sprach. Ich bemühte noch mein Navi auf dem Handy, um ihm das Ziel zu visualisieren. Kopfnicken. Thailand Railways. Ja natürlich und jetzt ab in den Bus. Schnell, schnell. 30 Minuten Fahrt endeten m Zoll an der Freundschaftsbrücke. Und wie es denn jetzt weiter zum Bahnhof gehe: Schulterzucken. Ich fange an böse zu schauen: Ach Bahnhof. Ja da fahren wir jetzt hin. Ich werde wieder eingeladen, viel lächeln und nicken und los geht es. Den Bus habe ich ganz alleine.

Ich verfolge die Tour auf dem Navi. An der endscheidenden Kreuzung kein Blinker. Ich melde mich, protestiere mit jedem weiteren Kilometer vehementer. Keine Chance. Wir stromern irgendwo im Nirgendwo. Den Google Translator bemüht und ernte viele „Aaahs“ und „Oohs“. Aber so einen Bahnhof habe man in Vientiane nicht. Es gebe nur den an der neuen Strecke nach China. Meine Bitte umzudrehen, wird negativ beschieden. Man fahre nach Plan, was ja irgendwie richtig ist, da könne man nicht einfach Umwege machen. Also die ganzen 30 Minuten zurück zum Bahnhof an der Hochgeschwindigkeitsstrecke.

Umsteigen in ein Tuk Tuk. Die Zeit drängt. Ich weiß nur, der Zug nach Thailand fährt irgendwann nach vier und es ist 5.30 Uhr. Der Fahrer versteht meine Not und langt finanziell richtig zu. Einen zweiten Bahnhof, so verstehe ich auch ihn, gebe es in Vientiane nicht. Aber für den Schein, der ihm die Fahrt bringt, soll ihn doch der komische Ausländer über Feldwege mit seinem Navi rumscheuchen.

Groß die Augen als wir plötzlich um eine Ecke biegen, schmale Gleise und einen Zug sehen.

Ein richtiger Grenzbahnhof im Nirgendwo. Ein muffiger Zöllner, wach genug, um das übliche Bakschisch mitzunehmen. Man zahlt, weil eine Stunde stehen vor dem Schalter ist den Dollar nicht wert. Kein Stress mit Stempel und Gepäck, noch ein Abschiedsdosenbier für die letzten KIP und dann mit acht weiteren Passagieren ab in den Zug.

Reden wir nicht von meinem Klimafußabdruck als die Lok mit viel Ruß gestartet wird. Glaube, die in einem Jumbo wäre besser.

Der Mekong. Grenze zwischen Laos und Thailand.

Fahrt über die Freundschaftsbrücke. Wenn zweimal am Tag je Richtung die Bahn die Brücke passiert, ruht der Autoverkehr.


Ankunft nach 15 Minuten in Nong Khai. Die Zollkontrolle zieht sich, ist aber freundlich und es geht auch ohne Dollar. Nächste Überraschung. Am Bahnhof gibt es keinen ATM. Und ich muss noch ca 50 Kilometer weiter. Das Hotel am Bahnhof, das ich von einem früheren Aufenthalt kenne, hat zu. Schade. Es war sehr passable. Und nebenan verkaufte ein alter Mann Bier, der von jedem Gast wissen wollte, wo er lebt. Dann holte er sein kleines Tablet raus und schaute, wo die Stadt liegt. Es war ein gutes Programm. Es zeigte Offenbach ohne Frankfurt. Anyway. Alle anderen Hotels in der Grenzstadt lagen zu weit entfernt. Um 18.50 Uhr gab es noch eine Verbindung nach Udon Thani. Das liegt Richtung Bangkok und ich konnte in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof ein Hotel buchen.

Der Mensch am Schalter war gnädig. Er gab mir das Ticket gegen einen Dollar. Ein wenig warten…

…ein paar Eisenbahnbilder…

…und weiter gings. Zum Glück konnte ich die Route auf dem Navi verfolgen und wusste, wo ich auszusteigen hatte.

Udon Thani entpuppte sich als umtriebig. Direkt neben dem Bahnhof ein riesiger Markt mit Food Court und einem ATM. Ich beschloss erst Mal Richtung Hotel zu marschieren. 300 Meter immerhin. Die Rezeption verlangte 200 Baht (7 Euro) als Sicherheit. Kreditkarten werden nicht akzeptiert. Also zurück zum ATM. Wenigstens war das Zimmer ordentlich.

In dem Esstempel gibt es Duzende Stände. Fisch, Fleisch, Vegetarisch und was weiß ich noch. Ich entschied mich für Schwein mit Reis. Spicy. Das Essen war ziemlich gut. Das Bier sowieso. Alles für circa 5 Euro. Anschließend noch eine Thai-Simcard besorgt. Auf dem Weg zurück viele Mädels mit meinem Standardspruch, „Maybee Tomorrow“, der alle Komplikationen vermeiden hilft, vertröstet. Um mein Hotel herum sind diverse Bars. Aus einer klang richtig guter Musik. Aber kein Bock auf irgendwelche Mädels, die mich dort dauernd ansprechen werden. Dann lieber noch ein Bier auf der Hotelterrasse. Dort laufen so nach und nach die Jungs mit ihrem frisch erworbenen Anhang ein. Kaum übertrieben: 70+ mit 21-. Man muss nur in die traurigen Gesichter der Mädels schauen. Manchmal schämt man sich dann doch als Mann.

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