Mein dritter Besuch hier, jeweils im Abstand von ungefähr 5 Jahren. Ein idealer Zeitraum, um Veränderungen wahrzunehmen. Und diese Stadt hat sich deutlich gewandelt. Die Gebäude sind die gleichen geblieben, die Tempel stehen natürlich alle auch noch. Nur die Atmosphäre ist eine andere. 2010 oder 2011 kam ich aus Laos zurück und erzählte: „Die Menschen hier sind nicht von dieser Welt“. Arm aber glücklich. Freundlich, zurückhaltend, immer lächelnd. Hektik schien ihnen fremd zu sein. Das Angebot auf den Märkten orientierte sich am lokalen Bedarf. Die Balance zwischen der alten Kaiserstadt und der französischen Kolonialcapitale war noch im Gleichklang. Die meisten Touristen kamen mit dem Rucksack, also junge Leute. Dazu einige Mädels 60+ in weiten Hosen mit Batikmotiven, die hier ihren Seelenfrieden suchten.
In manchem Cafe konnte man sich noch plastisch vorstellen wie sich frustrierte Kolonialbeamte, gezeichnet von Malaria und Absinth, hier zurück in ein Bistrot an den Boulevard Montparnasse sehnten. Ich konnte Stunden in einem dieser Cafes sitzen.
Im Jahre 2016 war ein deutliches Ansteigen der Besucherzahlen zu bemerken. Aber: All die Angebote zu Trecking Touren, dem Besuch von Dörfern in den Bergen oder zu Fahrten auf dem Fluss standen unter der Überschrift „Sanfter, grüner Tourismus“. Davon ist wenig geblieben. Auch leider dank Covid 19. Laos lies zwar seine Einwohner schnell und konsequent impfen aber verhängte ebenso konsequent einen Lockdown. Die Touristenströme verebbten, aber die Zahlungen für das neue Elektro Tuk Tuk oder die naturbelassene Ausstattung der Hotelzimmer liefen weiter. Und natürlich mussten die Raten für die Infrastrukturinvestitionen der Chinesen bedient werden. Das Land ist Unterkante Oberlippe verschuldet mit wachsender Dynamik.
Im Augenblick boomt der Tourismus wieder. Hotels sind ausgebucht. Mit dem Bau der Bahn hat sich die Struktur der Gäste hier in Luang verändert. China und andere asiatische Länder sind deutlich stärker vertreten. Sie bringen Geld. Vom Luxus des sanften Wegs können die Leute hier schlicht nicht leben. Pubs, Fast Food und Bodegas bringen schneller Geld als Teestuben. Die Angebote der örtlichen Tourenanbieter haben heute eher Event-Charakter. Und auf dem Morgenmarkt, auf dem früher westliche Besucher an Fledermäusen, gegrillten Grillen und frittierten Schlangen mit leichtem Schaudern flanierten, verdrängen T-Shirt-Stände das heimische Obst und Gemüse.

Wo früher in kleinen Zelten Frauen nach heimischen Rezepten kochten, entstand ein europäisierter Food Court mit abgepackter Ware und Bergen von Plastik-Geschirr.
Aber ich möchte mich in dem Spiel überhaupt nicht exkulpieren. Auch ich trage zu dieser Entwicklung bei. Nach vielen Schritten durch den Stadtkern habe ich mich wieder für meinen Italiener entschieden. Ich bin immer noch malade. Und mit Nudeln kann man nichts falsch machen.

Fundstück auf dem Nachhauseweg