
Der Tag heute soll ruhig werden. Geplant ist ein Besuch des „National Historic Museum“. Ich nehme ein Tuk Tuk zur benachbarten großen Moschee. Diese Adresse kennt jeder. Ein „National Historic Museum“ war den angesprochenen Fahrern unbekannt. Den Weg durch die Moschee in den benachbarten Park, an dessen Rand das Gebäude steht, kenn ich ja.
Das Haus dokumentiert im wesentlichen die Flucht und Vertreibung der Moslems 1948 / 49 aus Indien. Nachdem sich die Engländer aus dem Subkontinent zurückgezogen hatten, ohne seine Institutionen auf regieren und administrieren vorzubereiten, wurde das riesige Gebiet in drei Teile zerschlagen. Pakistan und das heutige Bangladesh wurde den Moslems zugeordnet, Indien den Hindus und Sikhs. Wie bei jeder Grenzziehung sind Ungerechtigkeiten unvermeidbar. Minderheiten, Mehrheiten zu welcher Seite soll ein Landesteil wandern.

Es gibt kaum mehr als eine Handvoll echte Exponate. Das Haus nennt sich Pakistans erstes Digitalmuseum. Ein wenig übertrieben. Im wesentlichen können an den Schrifttafeln Audio-Mitschnitte abgehört werden. Lediglich einmal lässt eine Smart-Brille die Schrecken einer Flucht erleben.
Die Schrecken und Grausamkeiten von Flucht und Vertreibung ähneln sich überall auf der Welt. Das Museum versucht sie aus pakistanischer Sicht zu dokumentieren. Unfassbar mit welcher Brutalität die Flüchtlinge verfolgt wurden. Viele Zeitzeugen leben noch und schildern ihre Erlebnisse. Unfassbar aber auch warum sich zwei Religionen buchstäblich bis auf die Machete bekämpfen, die gemeinsam erfolgreich ihre Kolonialherren aus dem lang geworfen haben. Muslime, Sikhs und Hindus waren gemeinsam Opfer des Massakers von Amritsar. Über 300 friedlich Demonstrierende schossen die Engländer damals zusammen. Eigentlich sollte ein solche Opfer verbinden. Ich habe meine Guides in Indien und Pakistan dazu befragt. Die Antworten waren ziemlich ausweichend. Schuld haben irgendwie immer die anderen. Eine Einigung wie zwischen den Erzfeinden Frankreich Deutschland könnte für alle Seiten ein Erfolgsmodell sein. Auch Imran sieht irgendwie, dass der Zustand heute die Entwicklungschancen beider Länder bremst. Indien, Pakistan, Sri Lanka, Nepal und Bangladesh verfügen über riesige Ressourcen und Potentiale, die darauf warten gemeinsam genutzt zu werden. Für den Tourismus und sein Gewerbe wäre eine offene Grenze ein gewaltiger Schub gesteht mir auch IImran.

Mich zieht es nochmal in eine der vielen Basarstraßen. Impressionen sammeln.





Zum Abschluss führte mich mein Weg noch zum Bahnhof, meinem Hobby „Züge knipsen“ frönen.



Naja: Es kam wie es kommen musste: Irgendwann sprach mich ein Uniformierter mit Guards und einem elegant gekleideten Begleiter (nach ähnlichen Schilderungen irgendeinem der zahlreichen Geheimdienste) an. Was ich da mache. Verboten. Spionage etc. Ich mit meinem Offenbacher Underdog Blick: Fotografiere auf der ganzen Welt Eisenbahnen. Hobby. Und in Pakistan gäbe es die interessantesten Motive. Also Pass und Visum zeigen. Die vielen Stempel wurden eine Weile misstrauisch beäugt. Blöd, dass auch ein indisches Visum dabei war. Nicht unbedingt vertrauensweckend. Aber irgendwann löste sich, warum auch immer die Spannung. Wir sprachen über das, worüber Menschen immer sprechen: Fußball. Mein Eindruck: Der Deutsche Fußball hat auch in diesem Teil der Welt an Leuchtkraft verloren. Gleich ob in Bahrain (Taxi Fahrer aus Bangladesh), Indien oder Pakistan, die Aktion „verschlossener Mund“ hat unserem Ansehen in diesem Teil der Welt geschadet. Man interpretiert das Verhalten als Arroganz gegenüber den noch nicht soweit entwickelnden Ländern der Welt. Europäischer Fußball ist in Asien ein Exportschlager. Wie auf meinen Reisen erlebte, werden viele Spiele Live übertragen. Zu meiner Verwunderung: Ein Milliarde für den „Ronaldo Transfer“ scheint niemand zu stören. „Jetzt spielt er für uns“. Zwar mögen die Gebühren in China, Vietnam oder Indien bei den dortigen Sky-Anbietern deutlich niedriger sein. Aber die Masse machts. Das erklärt, warum den Top Teams der asiatische heute wichtiger ist als die heimischen Fans.
PS: Und dann fragte mich der Polizist noch, warum ich immer nur nach Asien reise und nicht in Europa unterwegs bin. Mit ratlosem Blick fragte ich ihn, wie er auf diese Idee käme. „Ja, weil ich so viele Stempel aus Asien im Pass habe aber keine aus Holland, Frankreich und der Schweiz“. Meine Antwort, dass in Europa Grenzen im Alltag keine Rolle mehr spielen, löst ungläubiges Staunen aus.