Freitag, 20. Januar 2023, Lahore

Das Hotel ist ideal. Ein Ort des Rückzugs, der mir Zeit gibt in die Stadt zu finden. Vielleicht nicht fünf Sterne wie im Internet versprochen aber 4 plus gewiss zum Preis eines zwei Sterne Hostels bei uns. Ein idealer Ort, um mich zurückzuziehen, wenn ich Unsicherheit spüre. Abends noch gegessen. Vorher die Speisekarte studiert und „Hirn und Hammel“ aussortiert.

Das Frühstück ist sehr pakistanisch. Ich glaube ich werde mich in den kommenden Tagen der Süßpapp-Abteilung widmen. Morgens eine volle Mahlzeit ist nicht mein Ding.

Am Abend will ich meinen Guide treffen. Der Plan für die Zeit davor: Das Historic Museum, das die Geschichte Pakistans zeigt. Für den Tuk Tuk Fahrer habe ich extra einen Zettel mit der Adresse geschrieben. Er lächelt wissend und fährt mich zum Lahore Museum.

Nächster Versuch: Es geht in die richtige Richtung aber wegen des dichten Verkehrs möchte der Mann in Zielnähe nicht mit mir die achtspurige Autobahn queren. Ich solle eine Brücke nehmen. Prompt bin ich falsch abgebogen. Nach einem Kilometer nächstes Tuk Tuk, alles wieder zurück. Ich finde den richtigen Zugang. Das Museum liegt in einem riesigen Park in unmittelbarer Nachbarschaft zum Fort und zur großen Moschee. An einem großen Gebäude hängt ein Schild „National Historic Museum“. Der Eingang verschlossen. Das Museum sei dauerhaft zu, erzählt mir ein Wächter. Keine Ahnung was in dem Gebäude ist, wie ich mittlerweile erfahren habe, auf keinen Fall das „Historic Museum“. Und warum das Schild daran hängt. Genaues wird man nie erfahren.

Dann gehe ich halt ins Fort. Eine gute Entscheidung. Der weitläufige Park lädt zum Bummeln und sitzen ein. Es ist angenehm ruhig.

Die Geschichte der Gebäude ist auf Tafeln gut beschrieben und einen Tee gibt es auch.

Auf dem Rückweg werde ich mutig und traue mich in das Gewirr der engen Gassen. Auf meinem Handy ist noch genug Datenvolumen für die Länderzone 3, also werde ich dank Navi auch wieder zurückfinden. Das Treiben in den Gassen ist schon heftig. Ich bin in der Zone für „Fußbegleitung“ gelandet. Hunderte Geschäfte mit Schuhen aller Art. Eine endlose Schlange von Tuk Tuks drängt sich durch die dichte Menschenmenge und wenn ein Auto kommt, gibt es kaum ein Ausweichen.

Irgendwann bin ich wieder auf der Hauptstraße und finde auf Anhieb die Teestube, in der ich mich mit meinem Guide Imran Ali treffe. Sie liegt direkt neben einer Kirche, die hermetisch abgeriegelt und schwer bewacht ist. Auch das ist eine Facette des Landes. Wir verstehen uns auf Anhieb. Das Teehaus ist ein Treffpunkt von Intellektuellen und Künstlern. Sofort merke ich, dass ich den richtigen Begleiter gebucht habe. Er hat einige Zeit für den SPIEGEL und andere Zeitungen als Fixer gearbeitet: Recherche, Termine machen, übersetzen. Sein Englisch scheint perfekt. Er akzentuiert sehr deutlich. Ich verstehe fast jedes Wort. Wir besprechen Programm und Preise. Danach begleitet er mich noch in einen Laden SIM-Karte kaufen, die nach zwei Tagen noch immer nicht funktioniert. Wahrscheinlich bin ich zu blöd.

Mutig biege ich alleine in die nächste Basarstraße ab. Hier gibt es kaum ein durchkommen. Hunderte Handyläden, prall gefüllt bis unter die Decke mit Smartphones aller Klassen. Im Erdgeschoß, im Keller, ein Stockwerk drüber und in vielen schmalen Seitengassen. Wir glauben in Deutschland immer, wenn wir Huawei oder sonst wen boykottieren, zwingen wir die Chinesen in die Knie. Völliger Quatsch, in den Ländern wie Pakistan und Indien liegen die Märkte der Zukunft. In diesem Quartier werden wahrscheinlich am Abend mehr Handys verkauft wie in Offenbach und Frankfurt in einem Monat.

Trotz des Riesenangebots, meine Billigmarke Motorola hat niemand im Portfolio. Hätte gerne einen Case gekauft.

Dafür finde ich jemand, der mir in auf meine beiden Handys für vier Euro eine Schutzfolie zieht. Mit der Hand auf den Millimeter zugeschnitten. Bei Saturn wollten sie 19 Euro, für eine Folie.

Wieder gut heimgefunden. Gelsen. Früh ins Bett.

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