Amritsar – Lahore
Reise ins Unbekannte. Ein wenig Respekt habe ich schon. Abends nochmal überlegt: Soll ich wirklich? So viel über Pakistan gelesen. Die einen sagen so, die anderen so. Reichhaltig gefrühstückt. Wer weiß, wann es wieder was zu essen gibt. Hotel bezahlt. Der Preis stimmt wirklich. Unfassbar niedrig. Der Mann an der Rezeption schüttelt den Kopf als ich ihm auf die Frage nach meinem Ziel „Pakistan“ antworte. „Really?“
Mein Taxifahrer ist sympathisch. Ich kann ihn zu einem Abstecher Richtung Grenzbahnhof überreden. Meinem Hobby frönen.

Zu meiner Überraschung wird die Stadion noch zweimal am Tag bedient. Das Büro des Vorstehers sieht nach Arbeit aus.

Blick Richtung Pakistan: Irgendwie erinnert die Anlage an die Bahnhöfe an der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Der internationale Bereich ist mit einem hohem Zaun abgetrennt. Die Räume der Grenzpolizei sind allerdings verwaist. 2019 hat der pakistanische Eisenbahnminister erklärt, solange er im Amt sei, werde kein Zug mehr den Zaun passieren. Folge des Kaschmirkonflikts.

Aber: Vielleicht muss ja der Minister bald ausgewechselt werden, denn an dem internationalen Gleis wird gearbeitet. Keine Zeit für nähere Erkundigungen, ob der Verkehr wieder aufgenommen wird. Der Taxifahrer will weiter.
Es sind nur noch wenige Meter bis zur Grenze. Die Bürokratie kann beginnen. Erst mal vor dem Tor bei der Wache warten. Mein Pass wird abgeschrieben. Dazu: Woher, wohin? Visum für Pakistan dabei? An der Liste erkenne ich, dass in der letzten Stunde kaum 30 Menschen die Sperre passiert haben. Etwas wenig für den einzigen Übergang an einer Grenze, die zwei Nationen mit einer Milliarde bzw 220 Millionen Menschen trennt. Weiter geht es nochmal mit dem Taxi. 200 Meter bis zum Zoll. Klar: Pass raus, alles abschreiben, Hund beschnüffelt Gepäck nach Haschisch, neuer Hund ist auf Sprengstoff trainiert und so weiter. Die Prozedur wiederholt sich noch einige Mal, nur ohne Wauwau. Endlich Stempel im Pass, Gepäck nochmal geröntgt und dann geht es wieder raus.

Noch 250 Meter bis zur Grenze. Laufen darf ich nicht. Blöd nur: der Bus fährt gerade ab. Ab hier sind die Beamten mit Kalaschnikows bewaffnet. Also Klappe halten und eine halbe Stunde Trolley anschauen.

Endlich: Der Bus kommt wieder. Einmal durchzählen. Nationalitäten nochmal abfragen. Sicher ist sicher und los geht es.

Die Showarena ist heute Mittag leer. Ein letztes Mal Pass abschreiben, Gepäck gucken und ich kann auf das Tor zumarschieren.

Kann ich ein Bild machen: „Kein Problem“ antwortet man mir. Noch einmal Pass zeigen, aber ohne abschreiben und ich wechsele die Seiten. Auf pakistanischer Seite erwartet mich ein schwarz uniformierter Ranger in Pudelmütze. Hierzulande friert man bei 20 Grad plus. Visum vorhanden. „Welcome to Pakistan“

Geschafft. Meine ersten Schritte in Pakistan.

Meinen Rollkoffer hat sich während der Knipserei ein Gepäckträger unter den Nagel gerissen. Mist, keine Zeit mehr über den Preis zu verhandeln. Aber am Ende gut, weil die Entfernung zum Zollgebäude einige 100 Meter weit ist. Dort ist die Stimmung relativ Easy. Zweimal Pass, Stempel, kurze Befragung. Der junge Beamte interessiert sich eher für Germany und mein Name erinnere ihn an eine Netflix Serie.

Draußen die Geldwechsler. Natürlich werde ich an der Grenze abgezogen. Deshalb tausche ich nur 20 Dollar, was einen längeren Disput verursacht, warum nicht 100 Dollar und man brauche doch Geld für Essen Hotel und so weiter. Der Gepäckträger will auch seinen nicht knappen Obolus. Und der Fahrer des Sammeltaxis lässt mir keine Chance. Ich zahle etwa das Doppelte der übrigen Passagiere, aber die gleiche Tour mit dem rmv wäre doppelt so teuer. Alles gut.

Zügig geht es weiter auf dem Highway von Dhakar in Bangladesh nach Kabul. Was für eine klangvolle Verbindung. In den 1970er Jahren die Route der Hippies. Mich führt sie nur bis in mein Hotel in Lahore. Der Fahrer ist ein angenehmer Gesprächspartner, der mir viel über Stadt und Land zu erzählen weiß. Nach der Ankunft noch Geld zu einem guten Kurs getauscht, einen Happen gegessen und Bingo.